Die Seifenkräuter (Saponaria) bilden eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae). Die etwa 43 Arten sind im gemäßigten Eurasien und Nordafrika verbreitet.

Der Inhaltsstoff Saponin (im Rhizom 2 bis 5 %) schäumt in wässriger Lösung (Wurzelabkochung) wie Seife. Das Gewöhnliche Seifenkraut (Saponaria officinalis) wurde bereits im Altertum zum Waschen der Wolle und später auch zur Reinigung von Kleidern mit empfindlichen Farben verwendet. Schon Hippokrates (* um 460 v. Chr.; † um 370 v. Chr.) kannte dieses Waschmittel. In Deutschland reinigte man bis ins ausgehende 19. Jahrhundert die Kleidung mit einem Wurzelaufguss des Seifenkrauts, ehe maschinelle Hilfsmittel und industriell gefertigte Waschmittel die Reinigung fundamental veränderten.

Beschreibung mini|hochkant|links|Illustration aus Atlas der Alpenflora des Rot-Seifenkraut (Saponaria ocymoides) mini|hochkant|Fünfzählige Blüte im Detail vom Rot-Seifenkraut (Saponaria ocymoides) mini|hochkant|links|Kapselfrüchte des Gewöhnlichen Seifenkraut (Saponaria officinalis)

Vegetative Merkmale Die Seifenkraut-Arten sind ausdauernde, selten einjährige krautige Pflanzen. Die oberirdischen Pflanzenteile sind kahl bis mehr oder weniger drüsig behaart.

Die Laubblätter sind gegenständig angeordnet. Die Blattspreiten sind einfach.

Generative Merkmale Die Blüten stehen selten einzeln, meist in lockeren oder dichten, rispigen oder kopfigen, zymösen Blütenständen zusammen. Die Tragblätter sind krautig, Vorblätter fehlen. Es ist ein kurzes Karpophor vorhanden.

Die meist zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind zu einem zylindrische Kelch verwachsen. An den Verwachsungsstellen fehlen trockenhäutige Verbindungen, oder sie sind sehr schmal. Der Kelch besitzt 15 bis 25 undeutliche Nerven und endet in fünf Kelchzähnen. Die fünf freien Kronblätter bestehen aus Nagel und Platte, Schlundschuppen sind meist vorhanden. Es sind zehn Staubblätter vorhanden. Auf dem einkammerigen Fruchtknoten befinden sich meist zwei oder selten drei Griffel.

Die Kapselfrüchte öffnen sich mit meist vier oder selten sechs Zähnen. Die Samen sind nierenförmig bis fast kugelig. Der Embryo ist gebogen.

Chromosomensätze Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 7; es kommen die Chromosomenzahl 2n = 28 oder 56 vor.

mini|hochkant|Saponaria bellidifolia mini|hochkant|Saponaria caespitosa mini|hochkant|Saponaria calabrica mini|hochkant|Gelbes Seifenkraut (Saponaria lutea) mini|hochkant|Saponaria mesogitana mini|hochkant|Rot-Seifenkraut (Saponaria ocymoides subsp. alsinoides) mini|hochkant|Zwerg-Seifenkraut (Saponaria pumila) mini|hochkant|Saponaria suffruticosa

Systematik und Verbreitung Die Gattung Saponaria wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, 408 mit Diagnose in Genera Plantarum, Editio quinta, 1754, Seite 191 aufgestellt. Der Gattungsname Saponaria leitet sich vom lateinischen Wort sapo für „Seife“ ab.

Saponaria-Arten sind im gemäßigten Eurasien verbreitet, mit Schwerpunkt im Mittelmeerraum und in der Irano-Turanischen Region vorkommen.

Es gibt etwa 43 Saponaria-Arten: Saponaria bargyliana : Sie kommt in Syrien vor. Saponaria bellidifolia : Sie kommt auf der Balkanhalbinsel, in Rumänien, Italien, Frankreich und Spanien vor. Saponaria bodeana : Sie kommt im nördlichen Iran vor. Saponaria caespitosa : Sie kommt nur in Spanien und Frankreich vor. Saponaria calabrica : Sie kommt nur in Italien, der Balkanhalbinsel, auf Inseln der Ägäis und in der Türkei vor. Saponaria cerastoides : Sie kommt von der nordöstlichen Türkei bis zum nördlichen Iran vor. Saponaria chlorifolia (Syn.: Cyathophylla chlorifolia ): Sie kommt in Griechenland und in der Türkei vor. Saponaria cypria : Dieser Endemit kommt nur auf Zypern vor. Saponaria dalmasii : Sie kommt nur in der südwestlichen Türkei vor. Saponaria emineana & : Sie wurde 2011 aus Westanatolien im asiatischen Teil der Türkei erstbeschrieben. Saponaria glutinosa : Sie ist in Süd- und Südosteuropa, in Nordafrika und in der Türkei verbreitet. Saponaria griffithiana (Syn.: Pleioneura griffithiana ): Sie kommt von Afghanistan und Pakistan bis Zentralasien vor. Saponaria gypsacea : Sie kommt in Zentralasien in Tadschikistan und Usbekistan vor. Saponaria halophila : Sie kommt in der Türkei vor. Saponaria intermedia (Syn.: Saponaria haussknechti , Saponaria sicula subsp. intermedia ): Sie kommt auf der Balkanhalbinsel vor. Saponaria iranica : Sie kommt im Iran vor. Saponaria jagelii : Sie kommt nur in Griechenland vor. Saponaria karapinarensis : Sie kommt im asiatischen Teil der Türkei vor. Saponaria kermanensis : Sie kommt vom südlichen Iran bis Afghanistan vor. Saponaria kotschyi : Sie kommt in der Türkei vor. Gelbes Seifenkraut (Saponaria lutea ): Es kommt in Frankreich, Italien und in der Schweiz vor. Saponaria mesogitana : Sie kommt von der westlichen Türkei und dem westlichen Syrien bis Israel vor. Rot-Seifenkraut, Rotes Seifenkraut (Saponaria ocymoides ) Gewöhnliches Seifenkraut (Saponaria officinalis ) Saponaria orientalis : Sie kommt in Südwestasien vor. Saponaria pachyphylla : Sie kommt in Afghanistan und Pakistan vor. Saponaria pamphylica : Sie kommt in der südwestlichen Türkei vor. Saponaria picta : Sie kommt in der nordöstlichen Türkei vor. Saponaria pinetorum : Sie kommt in der südwestlichen Türkei vor. Saponaria prostrata : Sie kommt in der westlichen und in der zentralen Türkei vor. Zwerg-Seifenkraut (Saponaria pumila , Syn.: Saponaria pumilio non ): Sie kommt nur in Österreich, Italien und in Rumänien vor. Saponaria pumilio (Syn.: Saponaria pulvinaris ): Sie kommt von der Türkei bis zum Libanon vor. Saponaria sicula : Sie kommt auf der Balkanhalbinsel, in Algerien, auf Sardinien und Sizilien vor. Saponaria spathulifolia () : Sie kommt in Zentralasien vor. Saponaria stenopetala : Sie kommt in Afghanistan vor. Saponaria stranjensis : Sie kommt nur in Bulgarien vor. Saponaria subrosularis : Sie kommt in Pakistan vor. Saponaria suffruticosa : Sie kommt in der Türkei und im Irak vor. Saponaria syriaca : Sie kommt in der südlichen Türkei vor. Saponaria tridentata : Sie kommt von der östlichen Türkei bis zum nördlichen Irak vor. Saponaria viscosa : Sie kommt in Armenien und im Iran vor.

mini|hochkant|Saponaria ×lempergii

Hybriden: Saponaria ×lempergii (Saponaria cypria × Saponaria haussknechti) Saponaria ×olivana (Saponaria caespitosa × Saponaria pumila) Saponaria ×wiemanni (Saponaria caespitosa × Saponaria lutea)

Nicht mehr zur Gattung Saponaria wird gerechnet: Saponaria atocioides → Silene aegyptiaca Gypsophila floribunda ← Syn.: Saponaria floribunda , Psammophiliella floribunda Gypsophila makranica (Syn. : Saponaria makranica )

Quellen Literatur

René Prior: Phylogenetic analysis of the genus Saponaria (Caryophyllaceae). Diplomarbeit an der Ruhr University Bochum, November 2010. doi:10.13140/RG.2.2.11973.45286

Einzelnachweise Karol Marhold: Caryophyllaceae. Saponaria. - Datenblatt In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2011. Volker Bittrich: Caryophyllaceae. In: Karl Heinz Rechinger: Saponaria. In: Karl Heinz Rechinger, Volker Melzheimer, W. Möschl, H. Schimann-Czeika: Flora Iranica. Flora des Iranischen Hochlandes und der umrahmenden Gebirge. No. 163. Caryophyllaceae II – Alsinoideae et Silenoideae. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1988, S. 196–205. Shahina A. Ghazanfar: Flora of Pakistan 175: Caryophyllaceae. Department of Botany, University of Karachi, Karachi 1986, Saponaria S. 100, HTML-Version bei efloras.org. Gudrun Simmler: Monographie der Gattung Saponaria. In: Denkschriften der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Klasse, Wien. Band 85, 1910, S. 433–509, . Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 408, Carl von Linné: Genera plantarum: eorumque characteres naturales secundum numerum, figuram, situm, et proportionem omnium fructificationis partium. Editio quinta. Lars Salvius, Stockholm 1754, S. 191, Lu Dequan, Nicholas J. Turland: Gypsophila. In: Shahina Ghazanfar, Yasin J. Nasir: Flora of Pakistan 175: Caryophyllaceae. Department of Botany, University of Karachi, Karachi 1986, Gypsophila S. 89–99 (online). Sergej Kirillovich Czerepanov: Vascular plants of Russia and adjacent states (the former USSR). Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1995, ISBN 0-521-45006-3, S. 172–173. Ali A. Dönmez: Saponaria suffruticosa (Caryophyllaceae): An enigmatic species from south-west Asia on border of Turkey and Iraq. In: Hacettepe Journal of Biology. Band 37, Nr. 3, 2009, S. 181–187 (PDF-Datei). Mecit Vural, Hayri Duman, Zeki Aytaç, Nezahat Adıgüzel: Saponaria karapinarensis, Senecio salsuginea and Centaurea tuzgoluensis, three new species from central Anatolia, Turkey. In: Belgian Journal of Botany. Band 139, Nr. 2, 2006, 252–260, . Yusuf Gemici, Kit Tan, Hasan Yıldırım, A. F. Pirhan: Saponaria emineana (Caryophyllaceae), a new species from inner Anatolia, Turkey. In: Phytotaxa. Band 30, 2011, S. 45–52. (PDF-Datei). Alemeh Dashti, Mostafa Assadi, Fariba Sharifinia: A new species of the genus Saponaria L. (Caryophyllaceae) in Iran. In: Iranian Journal of Botany. Band 20, Nr. 2, 2014, S. 146–151. PDF.

Weblinks

Zur Giftigkeit des Gewöhnlichen Seifenkrauts.

Kategorie:Nelkengewächse