mini|Schweizer Messer vom Typ Victorinox Mountaineer mini|Ibach mit dem Hauptsitz der Victorinox AG (halbrechts), links davon in der Bildmitte das Mythen Center mini|Einhandmesser der deutschen Bundeswehr, seit 2003 mini|Taschenmesser der deutschen Bundeswehr, ab 1985 mini|Victorinox Multifunktionswerkzeug SwissTool mit Bits mini|Victorinox CyberTool mit blauen Griffschalen mini|Victorinox Presentation Master mini|Taschenmesser Swiss Champ XAVT mit über 80 Funktionen mini|Victorinox Automatikuhr mini|hochkant|Victorinox-Koffer mini|hochkant|Victorinox-Jacke aus der ehemaligen Bekleidungslinie

Die Victorinox AG mit Sitz in Ibach in der Gemeinde Schwyz ist der grösste Schweizer Messerhersteller. 2005 übernahm das Unternehmen den grössten Konkurrenten Wenger, der ebenfalls Schweizer Taschenmesser in zahlreichen Ausführungen herstellte. Daneben gehören Küchenmesser, Armbanduhren, Reisegepäck und -Accessoires sowie Parfüm zum Victorinox-Sortiment. Der Unternehmensname ist ein Kofferwort aus Victoria, dem Vornamen der Mutter des Gründers, sowie dem rostfreien Inox-Stahl.

Das Unternehmen wurde 1884 von Karl Elsener gegründet, beschäftigt weltweit rund 2100 Mitarbeiter, davon rund 950 im Kanton Schwyz, und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von 480 Millionen Schweizer Franken. Die Jahresproduktion liegt bei rund 26 Millionen Stück, von denen 6 Millionen auf Schweizer Messer, 7 Millionen auf andere Taschenwerkzeuge und 13 Millionen auf Haushalts- und Berufsmesser entfallen. Geleitet wird das Unternehmen von Carl Elsener junior, dem Urenkel des Gründers.Victorinox: viel mehr als nur Messer – eine Markenwelt, nachrichten.ch, 6. April 2009

Organisation Der Konzern-Hauptsitz der Victorinox AG befindet sich in Ibach, das zur Gemeinde Schwyz gehört. Victorinox hat Niederlassungen in den USA, Kanada, Mexiko, Brasilien, den Anden (Chile, Peru, Bolivien), Japan, Greater China (Hong Kong, China, Taiwan), Indien und Polen.

Weltweit sind ca. 2'100 Mitarbeiter für das Unternehmen tätig, davon ca. 1'200 in der Schweiz. Die Produkte, mit Ausnahme des Reisegepäcks, werden in der Schweiz produziert. 2005 wurde der traditionsreiche Schweizer Messer- und Uhrenhersteller Wenger SA in Delémont übernommen. 2013 integrierte Victorinox die Wenger-Messer in das eigene Sortiment, sodass sich Wenger seither auf Uhren und Reisegepäck fokussiert. 2014 hat Victorinox das Reisegepäck-Geschäft von der bisherigen Lizenznehmerin TRG Group übernommen. Das Reisegepäck von Victorinox wird in der Schweiz entwickelt und in Asien produziert. Ende 2019 gliederte sich der Umsatz des Unternehmens in Taschenmesser (35 %), Haushalts- und Berufsmesser (25 %), Reisegepäck (22 %), Uhren (15 %) und in sonstige Parfums (3 %). Vor 2001 hatte der Anteil der Messer am Gesamtumsatz noch 90 % betragen.

Taschenmesser, Haushalts- und Berufsmesser, Parfüm, Reisegepäck: Victorinox AG, Ibach, Schweiz Uhren: Victorinox Swiss Army SA, Delémont, Schweiz

Von 2001 bis 2017 bestand über die in New York City ansässige Victorinox SA Apparel LLC eine Geschäftseinheit für Bekleidung und Accessoires. Die funktionale Reise- und Sportbekleidung war zunächst nur in den USA verfügbar und wurde schliesslich in weiteren Ländern, besonders Japan, angeboten. 2017 stellte Victorinox die Sparte aufgrund von hohen Verlusten ein.Victorinox: 70 Millionen Franken Verlust wegen Kleidung handelszeitung.ch, 11. Juli 2018

Geschichte Ende des 19. Jahrhunderts gab es im deutschen Solingen grosse Messermanufakturen, wohingegen die Schweiz wirtschaftlich und industriell noch wenig entwickelt war. Der Schweizer Messerschmied Karl Elsener gründete 1884, nachdem er seine Gesellenzeit in Paris und in Süddeutschland verbracht hatte, in Ibach eine Messerschmiedewerkstatt. Auf seine Initiative hin wurde 1891 der Schweizerische Messerschmiedverband gegründet. Karl Elsener und seine Berufskollegen belieferten die Schweizer Armee erstmals mit Soldatenmessern.

Dieses Messer sollte als Hilfsmittel beim Essen geeignet sein und gleichzeitig Werkzeuge zur Wartung von Gewehren bereitstellen. Viele seiner Kollegen gaben allerdings im darauffolgenden Jahr auf, da ein Betrieb im deutschen Solingen die Messer kostengünstiger herstellen konnte. Dadurch blieb Karl Elsener als einziger übrig, wenn auch mit grossen Verlusten. Mit Hilfe seiner Verwandten gelang es ihm, eine Nachlassstundung zu erreichen und somit den drohenden Konkurs abzuwenden. Durch den grossen Erfolg des Offiziers- und Sportmessers, das er als leichteren, funktionelleren Nachfolger des Soldatenmessers entwickelte, konnte er später freiwillig alle Nachlassgläubiger inklusive Zinsen entschädigen.

Am 12. Juni 1897 wurde das Schweizer Offiziers- und Sportmesser gesetzlich geschützt. Dieses Modell wurde später als Original Swiss Army Knife rund um den Erdball bekannt. Auch wenn das Offiziersmesser nicht wie sein Vorgänger zu einem offiziellen Rüstungsgegenstand der Schweizer Armee wurde, verhalf es jedoch später seiner Firma zum internationalen Durchbruch. Das Offiziersmesser wurde stets weiterentwickelt und ist mittlerweile in über 100 Ausführungen erhältlich. Nach dem Tod seiner Mutter Victoria wählte Karl Elsener 1909 ihren Vornamen als Fabrikmarke. Der Firmengründer liess 1909 das charakteristische Emblem mit Kreuz und Schild gesetzlich schützen. Heute ist es in über 120 Ländern als Markenzeichen eingetragen, obwohl die Verwendung des Schweizerkreuzes für kommerzielle Zwecke in der Schweiz selbst verboten ist.10-vor-10 Beitrag über das entsprechende Gesetz

Mit der Erfindung und zunehmenden Verbreitung rostfreien Stahls, der eine wichtige Rolle in der Produktion der Messer spielt, wurde 1921 aus der Fabrikmarke Victoria und dem internationalen Kennzeichen für rostfreien Stahl INOX die Firmenbezeichnung Victorinox. 1931 wurde die erste vollelektrische Härterei der Welt bei Victorinox installiert.

Ab November 1978 gehörten Victorinox-Messer zur Mannschaftsausrüstung des Space Shuttle der NASA. In: Victorinox, 2019., ehemalige private Seite auf e-webtechnologies.com (englisch). Die Weltraumorganisation der Amerikaner bestellte 50 Master-Craftsman-Offiziersmesser.

Am 2. Januar 1979 wurde die Einzelfirma Messerfabrik Carl Elsener in die Familien-Aktiengesellschaft Victorinox AG umgewandelt.

Ende der 1980er Jahre liess die US-amerikanische Forschner Group aus Shelton in Connecticut, ein Importeur von Victorinox-Messern seit 1937 und alleiniger US-Vertriebspartner seit 1972, in Absprache mit Schweizer Behörden die Marke «Swiss Army» unter der Bedingung, dass alle Produkte in der Schweiz hergestellt werden müssen, patentieren. 1989 brachte Forschner unter dem Namen Swiss Army mithilfe des Schweizer Uhrenherstellers Xantia S.A. Armbanduhren auf den amerikanischen Markt. Es folgten Sonnenbrillen und ein Kompass. 1995 wurde die Forschner Group in Swiss Army Brands, Inc. umbenannt.

Eines der umfangreichsten Taschenmesser im Sortiment der Victorinox, mit dem Namen (Swiss) Champ, wurde 1985 eingeführt. Es besteht aus 64 Einzelteilen, verfügt über bis zu 33 Funktionen und wird bis heute nahezu unverändert angeboten.SwissChamp sakwiki.com, 16. Februar 2020 Seither wurden allerdings unter anderem einzelne Varianten der Taschenmesser mit bis zu 49 (Swiss Champ XLT, 2000), 72 (Swiss Champ XXLT, 2002–2005), 73 (Swiss Champ, 2021), oder sogar 83 Funktionen (Swiss Champ XAVT, 2006–2020) produziert.

Die Expansion von Victorinox auf den japanischen Markt erfolgte mit einer eigenen Niederlassung im Jahr 1993. 1999 stieg Victorinox in den Reisegepäck-Markt ein und erteilte der US-amerikanischen TRG Group in St. Louis die Lizenz für Herstellung und Vertrieb. 1999 folgte die Gründung der Victorinox Watch SA in Bonfol, der eigenen Uhrenfabrik im französischsprachigen Teil der Schweiz.

Die Victorinox-Unternehmensstiftung wurde im Oktober 2000 errichtet, um den Fortbestand und das weitere Gedeihen des Unternehmens zu sichern. Sie hielt zunächst 75 % des Aktienkapitals der Victorinox AG. Weitere 15 % waren im Besitz der gemeinnützigen Carl u. Elise Elsener-Gut Stiftung, die Familie Elsener selber besass noch 10 % der Aktien., Artikel in der Nr. 11 der Swissconsultants.ch-Schriftenreihe: Erfolgreiche Nachfolge, S. 14, abgerufen am 7. Juni 2013 Inzwischen gehören 90 % der Firmenanteile der Victorinox-Unternehmensstiftung und 10 % der Carl u. Elise Elsener-Gut Stiftung.Unsere Geschichte, auf der Website der Victorinox AG, abgerufen am 23. Oktober 2020

2001 eröffnete Victorinox in SoHo (Manhattan) den ersten eigenen Flagshipstore. Zudem wurde eine Bekleidungslinie für den amerikanischen Markt lanciert. In der Folge der Terroranschläge am 11. September 2001 und den damit einhergehenden verschärften Sicherheitsvorschriften im Luftfahrtbereich durften Taschenmesser nicht mehr im Handgepäck transportiert werden. Damit brach für Victorinox die umsatzstarke Sparte des Duty-free-Geschäfts an Flughäfen vorläufig weg. Auf die Krise reagierte das Unternehmen mit der Diversifikation seiner Produkte.

2002 wurde Victorinox nach sukzessiven Anteilsaufkäufen seit dem Jahr 2000 Alleinaktionär der Swiss Army Brands, Inc. in den USA. Damit stieg der Umsatz erstmals über 400 Mio. CHF. Es folgte eine Namensänderung in Victorinox Swiss Army, Inc. Der Uhrenzulieferer Xantia S.A. war im Jahr 2000 aufgekauft worden.

Victorinox übernahm 2005 den wirtschaftlich angeschlagenen Konkurrenten Wenger aus Delsberg und verhinderte damit, dass Wenger von ausländischen Investoren gekauft wurde, weil man eine Schädigung des Rufes befürchtete. 2003 hatte Victorinox bereits Wenger North America und die dazugehörige Swiss Army Fragrance, Inc., von der seit 1996 Düfte unter dem Namen Swiss Army produziert wurden, aufgekauft. Wenger blieb im Victorinox-Konzern bis Anfang 2013 als eigenständige Marke erhalten und stellte bis dahin weiterhin eigene Schweizer Messer her, die sich in Konstruktion und Design von den Victorinox-Produkten unterschieden. Victorinox und Wenger produzierten zusammen jährlich über 25 Millionen Messer, einige Modelle von Wenger werden unter dem Markennamen Victorinox weiter hergestellt.

Die Victorinox Watch SA zog 2006 nach dem Verlust der Xantia S.A. durch einen Management-Buy-out von Bonfol in die neue Uhrenproduktionsstätte nach Porrentruy um, wodurch die Kapazitäten der Uhrenproduktion signifikant erhöht werden konnten. Mittlerweile umfasst die Uhrenpalette rund 160 verschiedene Modelle in drei Produktlinien (Active, Classic und Professional).Victorinox Swiss Army. Uhren-wiki, abgerufen am 22. November 2014

Seit 2007 ist die Victorinox Swiss Army Fragrance AG mit dem Parfümgeschäft am Unternehmenssitz in Ibach angesiedelt. Seit 2007 wird zudem das RescueTool angeboten, ein Rettungsmesser, das unter anderem die Funktionen Einhandklinge mit Liner-Lock-System, Gurtenschneider, Frontscheibensäge und Scheibenzertrümmerer enthält. Dieses wurde auf der Fachmesse IWA OutdoorClassics in Nürnberg 2007 zum «Messer des Jahres» gewählt. Victorinox stellt das aktuelle Taschenmesser mit Einhandöffnung der deutschen Bundeswehr her. 2008 eröffnete Victorinox auf der Londoner Bond Street den ersten eigenen europäischen Flagshipstore.

Im Jahre 2004 wurde das Victorinox swissFlash eingeführt, eine Kombination aus Taschenmesser und USB-Stick.Endlich mal wieder was Neues – Das «SwissMemory» ist da. In: messerjoker.de, Archiv 2004, abgerufen am 31. Dezember 2020. 2007 wurde mit dem «s.beat MP3» ein Taschenmesser mit integriertem MP3-Player vorgestellt. Der MP3-Player kann von dem Messer getrennt werden und verfügt über wahlweise 1 oder 2 GB Speicher, ein Radio und eine Diktiergerätfunktion. 2009 wurde auf der CES in Las Vegas als neuestes Produkt der Victorinox Elektronik-Serie der Victorinox Presentation Master vorgestellt, der einen Laserpointer, einen Fingerabdruckscanner und ein Bluetooth-Modul enthält.