mini|hochkant|Ted Cruz (2019) Rafael Edward „Ted“ Cruz (* 22. Dezember 1970 in Calgary, Alberta, Kanada) ist ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei. Seit 2013 gehört Cruz dem Senat der Vereinigten Staaten für den Bundesstaat Texas an. Für die Präsidentschaftswahl 2016 bewarb er sich um die Nominierung seiner Partei.
Leben Jugend, Studium und berufliche Laufbahn Ted Cruz wurde als Sohn eines Exilkubaners und einer US-Bürgerin geboren. Sein Vater war politischer Gefangener unter Fulgencio Batista und floh 1957 in die Vereinigten Staaten, wo er sich in Texas niederließ.Senator Ted Cruz: Confronting The Threat of Radical Islam. FrontPage Magazine, 19. Mai 2013 (englisch; Cruz’ Rede im David Horowitz Freedom Center, Las Colinas Resort in Dallas, Texas, am 3. Mai 2013). Cruz’ Eltern hatten in Kanada ein kleines Unternehmen gegründet, das sich auf reflexionsseismische Messungen für die Erkundung von Erdöllagerstätten spezialisiert hatte.Robert Costa: The Rise of Rafael Cruz: Senator Ted Cruz’s father is a conservative force. National Review, 28. August 2013 (englisch).About Senator Cruz. Website von Ted Cruz, abgerufen am 15. Januar 2016 (englisch). Als Ted Cruz drei Jahre alt war, trennten sich seine Eltern. Bald darauf kehrten sie in die Vereinigten Staaten zurück und ließen sich jeweils in Houston, Texas nieder. Sein ursprünglich katholischer Vater wurde 1975 ein born-again Christian, war als Wanderprediger aktiv, ist heute Pfarrer an einer Baptistenkirche in Dallas und unterstützte 2016 die Präsidentschaftskandidatur seines Sohns.Cathy Lynn Grossman: 5 faith facts about Ted Cruz: It’s all about God’s work. Religion News Service, 31. Januar 2016 (englisch). Auch Cruz gehört den Southern Baptists an. The Dallas Morning News, 20. Dezember 2012 (englisch).
Cruz besuchte die Faith West Academy in Katy, Texas, sowie die Second Baptist High School in Houston.Sarah Pulliam Bailey: Here’s what we know about the faith of Sen. Cruz, who’s set to announce his 2016 bid at Liberty University. The Washington Post, 22. März 2015 (englisch). Nach seinem Abschluss an letzterer studierte er an der Woodrow Wilson School of Public and International Affairs der Princeton University, wo er 1992 einen Bachelor of Arts cum laude. Website der Anwaltskanzlei Morgan Lewis, 2010 (englisch). erhielt. Website der Woodrow Wilson School of Public and International Affairs, 3. Januar 2013 (englisch). Anschließend studierte er an der Law School der Harvard University und erhielt dort 1995 seinen Juris Doctor magna cum laude. Während seines Studiums dort war Cruz einer der Herausgeber des Harvard Law Review.
Nach dem Studium arbeitete er als juristischer Assistent (law clerk) 1995 für Bundesrichter J. Michael Luttig und 1996 für den Obersten Richter am Supreme Court, William H. Rehnquist. Später arbeitete er als Rechtsanwalt. Zum Zeitpunkt seiner Wahl in den Senat der Vereinigten Staaten 2012 war er Partner in der Anwaltskanzlei Morgan, Lewis & Bockius in Houston.
Von 2001 bis 2003 war Cruz Direktor des Office of Policy Planning der Federal Trade Commission. Von 2003 bis 2008 war er Generalstaatsanwalt (Solicitor General) für Texas. Als solcher war er der erste hispanicstämmige Generalstaatsanwalt von Texas sowie zum Zeitpunkt seiner Ernennung der jüngste Generalstaatsanwalt in einem US-Bundesstaat. In dieser Funktion erwirkte er im Fall Medellín v. Texas das Recht auf die Hinrichtung eines zum Tode Verurteilten mexikanischen Staatsbürgers auch gegen einen Urteilsspruch des Internationalen Gerichtshofs.Rachel Weiner: Who is Ted Cruz? The Washington Post, 1. August 2012 (englisch).David Stout: Justices Rule Against Bush on Death Penalty Case. The New York Times, 25. März 2008 (englisch). Des Weiteren war er von 2004 bis 2009 Adjunct Professor an der Law School der University of Texas.
Senator für Texas mini|Cruz auf dem Values Voters Summit im Oktober 2011 Cruz steht der Tea-Party-Bewegung nahe und wurde von ihr bei der Senatswahl 2012 unterstützt. Nachdem die bisherige republikanische Senatorin Kay Bailey Hutchison im Januar 2011 bekanntgegeben hatte, auf eine Wiederwahl zu verzichten, erklärte Cruz seine Kandidatur. Dabei setzte er sich in der parteiinternen Vorwahl gegen den texanischen Vizegouverneur David Dewhurst durch und siegte bei der Senatswahl am 6. November 2012 gegen den demokratischen Herausforderer Paul Sadler mit 56,6 Prozent. Er ist der erste Hispanic, der den Bundesstaat Texas im Senat der Vereinigten Staaten vertritt.
Im Frühjahr 2013 erfuhr er durch Zeitungsrecherchen, dass er entgegen der Annahme seiner Eltern durch seine Geburt in Kanada neben der amerikanischen auch die Staatsbürgerschaft Kanadas besaß. Auf diese verzichtete er, da er der Meinung war: „Nothing against Canada, but I’m an American by birth and as a U.S. senator, I believe I should be only an American“ – „Nichts gegen Kanada, aber ich bin Amerikaner von Geburt, und als US-Senator glaube ich, ich sollte nur Amerikaner sein“. Sein Verzicht auf die kanadische Staatsbürgerschaft wurde im Mai 2014 rechtskräftig.Todd J. Gillman: The Dallas Morning News, 10. Juni 2014, abgerufen am 21. Juli 2016 (englisch).
Bei der Senatswahl 2018 trat der Demokrat Beto O’Rourke gegen Cruz an. Cruz galt als Favorit im strukturell republikanisch dominierten Texas und gewann die Wahl mit 50,9 zu 48,3 Prozent der Stimmen.Texas Senate Election Results: Beto O’Rourke vs. Ted Cruz. In: The New York Times, 7. November 2018.
US-Präsidentschaftskandidatur 2016 mini|Cruz während einer Wahlkampf-Veranstaltung im Februar 2016 Am 23. März 2015 gab Ted Cruz bekannt, dass er für die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2016 als Kandidat der Republikaner antreten wolle.Ted Cruz will ins Weiße Haus. Die Welt, 23. März 2015, abgerufen am 15. Januar 2015. Nach George W. Romney, der 1968 Richard Nixon den Vortritt als republikanischer Bewerber für das Präsidentenamt ließ, ist er erst der zweite Kandidat für die Präsidentschaft, der eindeutig außerhalb der USA geboren wurde. Eines der Erfordernisse für die Wählbarkeit zum Präsidenten ist die Eigenschaft, ein natural born citizen (geborener Staatsbürger) zu sein. Dies legen sogenannte birthers so aus, dass der Kandidat in den USA geboren sein muss. Dagegen reicht es nach herrschender Meinung, durch die Staatsangehörigkeit der Mutter von Geburt an US-Bürger zu sein.Shaun King: KING: Conservatives who claimed Obama wasn’t an American citizen have no problem with Canadian-born Ted Cruz. New York Daily News, 11. Januar 2016, abgerufen am 21. Juli 2016 (englisch). Da bisher keine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes in dieser Sache vorliegt, bleibt eine gewisse Unsicherheit.Lily Rothman: What the Supreme Court Could Say About Ted Cruz’s Canadian Past. Time, 23. Mai 2015, abgerufen am 10. Juni 2015 (englisch).
Seit November 2015 stiegen die Umfragewerte für Cruz um die republikanische Spitzenkandidatur stetig an. Als ein Grund galten Zustimmungsverluste von Ben Carson aus dem rechtskonservativen Lager der Partei. Cruz nutzte eine an der Parteibasis stark verbreitete Grundstimmung gegen die Parteiführung, die er verächtlich als „Washingtoner Establishment“ kritisierte, die nur „big government“, also mehr Zentralgewalt wolle. Bei den ersten Caucus-Vorwahlen in Iowa am 1. Februar 2016 siegte er überraschend mit 27,7 % vor dem in Umfragen zuvor führenden Immobilienmilliardär Donald Trump, der mit 24,3 % Zweiter wurde, und dem als „moderater Konservativer“ geltenden Senator aus Florida, Marco Rubio, der mit 23,1 % den dritten Platz belegte. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kandidaten äußerte sich der texanische Senator positiv zu Trumps sehr umstrittenen Forderungen nach Abschiebung aller illegalen Einwanderer. Wie der Milliardär forderte Cruz, den Bau der Befestigungsanlagen an der Grenze zu Mexiko voranzutreiben.
Am 31. Januar 2016 kündigte die Sprecherin der konservativen Graswurzelbewegung Tea Party Patriots Citizens Fund, Jenny Beth Martin, an, dass ihre Organisation die Kandidatur von Ted Cruz zum Präsidenten der USA unterstütze („We seek a candidate who shares our values: personal freedom, economic freedom, and a debt-free future. […] On behalf of Tea Party Patriots Citizens Fund and our supporters, I am proud to announce our endorsement for President of the United States: Senator Ted Cruz!“).
Bis zum April 2016 konnte sich Cruz in elf Bundesstaaten durchsetzen. Er erhielt nach Donald Trump die zweitmeisten Stimmen. Dieser verbuchte bis dahin in 22 Staaten Siege. Nach der Vorwahl in New York am 19. April, bei der Cruz nur den dritten Platz nach Trump und John Kasich belegte, baute der Milliardär den Vorsprung an Delegierten so weit aus, dass nur noch er die absolute Mehrheit der Delegierten vor dem Parteitag auf sich vereinen konnte. Die Nominierung von Cruz wäre nur noch möglich gewesen, wenn auch Trump die absolute Mehrheit an Delegierten verfehlte. Dafür wäre auf dem Parteitag ein zweiter Wahlgang nötig gewesen, in dem die meisten Delegierten nicht mehr an das Vorwahlergebnis gebunden gewesen wären. Cruz hat auch unter Republikanern, die keine direkten Unterstützer Donald Trumps sind, wenig Befürworter – jedoch zahlreiche prominente Gegner. So sprachen sich der ehemalige Speaker des Repräsentantenhauses John Boehner, Ex-Präsidentschaftskandidat John McCain, Senator Lindsey Graham und Ex-Senator Bob Dole öffentlich deutlich gegen ihn als Präsidentschaftskandidat aus. Boehner, der 2015 auf Druck der Tea Party zurückgetreten war, nannte Cruz einen „leibhaftigen Luzifer“ („Lucifer in the flesh“).
In den ersten Monaten der Vorwahlen äußerte sich Cruz wiederholt positiv über Donald Trump und nannte diesen einen aufrechten Mann und Freund. Als dieser seine Attacken auf „Lügented“ („Lying Ted“) verschärfte und eine Verwicklung von Cruz’ Vater in die Ermordung von John F. Kennedy andeutete, wandte sich Cruz vor der entscheidenden Vorwahl in Indiana gegen Trump, den er nun einen „Schürzenjäger“ und „krankhaften Lügner“ nannte. Nach deutlichen Niederlagen gegen Trump bei Vorwahlen im Nordosten der USA und in Indiana gab Cruz am 3. Mai 2016 seine Kandidatur auf.Katie Glueck, Shane Goldmacher: Ted Cruz drops out of presidential race. Politico, 3. Mai 2016, abgerufen am 21. Juli 2016 (englisch).
Auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner hielt Cruz eine Rede und rief den Delegierten zu „Wählt im November nach eurem Gewissen!“ Dies wurde als Eklat rezipiert.Veit Medick, Roland Nelles: Eklat in Cleveland: Ted Cruz lässt Trump-Parteitag implodieren. Spiegel Online, 21. Juli 2016. Das Ende seiner Rede wurde daraufhin von Buh-Rufen überschattet. Cruz nannte auf Nachfrage die negativen Äußerungen Trumps gegen seinen Vater als Grund für seine Ablehnung.
Nach der US-Präsidentschaftswahl 2016 Im September 2020 benannte Präsident Donald Trump Cruz als möglichen Kandidaten für ein Richteramt am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten (Supreme Court). Cruz gab jedoch an, kein Interesse an einer Nominierung zu haben.
Nach der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2020 unterstützte Ted Cruz die Initiative des Republikaners Mike Kelly, die Briefwahlstimmen in Pennsylvania vom Obersten Gerichtshof für ungültig erklären zu lassen und erklärte sich bereit, die Klage persönlich vor dem Supreme Court zu vertreten. Der Oberste Gerichtshof wies die Klage am 9. Dezember ab.
Am selben Tag reichte der Generalstaatsanwalt von Texas, Ken Paxton, eine neue Klage vor dem Obersten Gerichtshof ein, die darauf abzielte, die Wahlergebnisse in Pennsylvania, Georgia, Michigan und Wisconsin für ungültig zu erklären. Auf persönlichen Wunsch von Trump erklärte Cruz sich bereit, die Klage vor dem Supreme Court zu vertreten. 18 republikanische Justizminister und 106 republikanischen Abgeordnete schlossen sich der Klage an. Die Klage wurde am 12. Dezember bei Gegenstimmen von Samuel Alito und Clarence Thomas abgewiesen.