Neukirchen () ist sowohl als Katastralgemeinde als auch Ortschaft Teil der oberösterreichischen Gemeinde Altmünster im Bezirk Gmunden mit Einwohnern (Stand ). Sie befindet sich im nordöstlichen Salzkammergut und gehört hinsichtlich der traditionellen Regionengliederung des Bundeslandes zum Traunviertel.
Mit einer Fläche von 28,26 km² ist Neukirchen die größte Katastralgemeinde von Altmünster. In ihr liegt ein Teil des Höllengebirges mit einigen markanten Berggipfeln und die denkmalgeschützte Hochlecken-Großhöhle.
Der Ortskern von Neukirchen liegt im oberen Aurachtal südwestlich von Altmünster auf Neukirchen ist Hauptort des Hochtals Viechtau, das dem Ort seinen ursprünglichen Namen „Vichtaw in Münsterer Pfarr“ gab (erstmalige urkundliche Erwähnung 1346). Der Name Neukirchen ist erst seit 1780 in Gebrauch.
Geografie mini|Blick vom Kalvarienberg auf Neukirchen Topografie Die KG Neukirchen grenzt innerhalb der Marktgemeinde Altmünster im Norden an die Katastralgemeinden Reindlmühl und Grasberg, im Osten an die KG Eben und im Süden an die KG Mühlbach.
Die KG Weyregg der Gemeinde Weyregg am Attersee reicht im Norden und die KG Steinbach am Attersee der gleichnamigen Gemeinde im Westen an Neukirchen heran, wobei die Grenze in diesem Bereich zugleich die Grenze zu dem im Hausruckviertel gelegenen Bezirk Vöcklabruck ist. Benachbarte Katastralgemeinden im Süden sind Mühlbachberg in der Gemeinde Traunkirchen und Oberlangbath in der Gemeinde Ebensee.
Das steil aufragende Kalkmassiv des Höllengebirges trennt im Südwesten und Westen Neukirchen von den benachbarten Gemeinden. Die höchste Erhebung Neukirchens ist mit der Brunnkogel (Neukirchner Kogel). Mehr als eintausend Höhenmeter weisen im Bereich der Gemeinde auch der Hochleckenkogel (), der Hohe Spielberg (), die Bischofsmütze () und der Klausgrabenkogel () auf.
Der Aurachursprung befindet sich ganz im Westen der Katastralgemeinde auf Die Aurach durchfließt das Gebiet zunächst von Südwesten nach Nordosten, biegt in der Ortschaft Neukirchen nach Norden ab und verlässt die Katastralgemeinde an ihrem tiefsten Punkt entlang der Grenze zur KG Grasberg Richtung Reindlmühl bei etwa Nennenswerte Zuflüsse sind aus nördlicher Richtung der Weidenbach und der Moosbach, aus südlicher Richtung der Zehningbach. Einziger See ist der 1716 durch das Aufstauen des Aurachbaches entstandene Taferlklaussee.
Geologie Das Aurachtal zählt geologisch zur Flyschzone. Die Aurach floss ehemals bei Neukirchen nicht nach Norden, sondern nach Osten direkt zum Traunsee. Während der vorletzten Riß-Kaltzeit war das Becken des Traunsees von einem deutlich mächtigeren Gletscher erfüllt als während der letzten Eiszeit. Dieser reichte im Norden bis Ohlsdorf, Ehrendorf und Gschwandt sowie im Westen bis Neukirchen. Durch diese Eiszunge war der Aurach der Weg nach Osten verbaut und sie floss daher über das höher liegende Tal nach Norden zur Wessenaurach, wobei sich das Flussbett tief in den Talboden einschnitt. Nach dem Rückzug des Eises verblieb sie dort, weil der alte Flussverlauf von Moränen verlegt war. Das Tal östlich von Neukirchen blieb bestehen und entwässert nach wie vor zum Traunsee. Während der letzten Eiszeit reichte das Eis nur bis zur Viechtau, wo heute noch die Endmoränen zu sehen sind. Dadurch wurde das Tal mit einem Moränenwall abgeschlossen und bis auf das heutige Niveau mit Geröll und Schlamm gefüllt. So entstand der breite, ebene Talboden.D. van Husen, L. Leitner: Der Traunsee. Eine Landschaft entsteht. Eigenverlag Marktgemeinde Altmünster, Altmünster 1998.
Viechtau Neukirchen ist der Hauptort der Viechtau, eines Hochtals, das sich vom nördlichen Rand des Höllengebirges über die Großalm bis zum Westufer des Traunsees erstreckt. Zu ihr zählen das Aurachtal bis nach Reindlmühl und Kufhaus einschließlich der Ortschaften Eben, Gmundnerberg, Grasberg, Mühlbach (alle Gemeinde Altmünster) und Mühlbachberg (Gemeinde Traunkirchen). Dieses Gebiet wird innere Viechtau genannt, zur erweiterten Viechtau zählen zusätzlich die Altmünsterer Ortschaft Nachdemsee und die KG Winkl der Gemeinde Traunkirchen.K. Rauch, H. Marchetti, J. Lüftinger: Heimatbuch der Marktgemeinde Altmünster, 1992, S. 412.
Die Viechtau ist eine Gewitter- und Hagelzone mit etwa 25 bis 30 Gewittertagen pro Jahr. Zwischen 1840 und 1870 wurden in dieser Gegend zahlreiche Hagelschläge gemeldet, die Stroh- und Schindeldächer völlig vernichteten.K. Rauch, H. Marchetti, J. Lüftinger: Heimatbuch der Marktgemeinde Altmünster. 1992. S. 36. Der in der Viechtau überfallsartig auftretende Gewitterwind wird „Viechtauer“ genannt und bereitet am Traunsee mehrmals im Jahr Probleme. Es handelt sich um einen stürmischen Westwind, der entsteht, wenn über dem Bergland in Neukirchen eine hohe Gewitterzelle steht, Kaltluft absinkt und der dann aus der Viechtau durch einen Windsog auf den See hinausweht.Oberösterreichische Nachrichten, 10. Juli 2012 Durch den „Viechtauer“ wurden immer wieder Katastrophen ausgelöst: Unter anderem versanken 1677 auf dem Traunsee drei Salzfuhren und 1854 ertranken neun Fischer. Am 6. Oktober 1857 kamen zehn Menschen ums Leben und am 31. Juli 1910 verunglückten 15 Personen.Traunspiegel, Oktober 2007
Namensgebung Es gibt zahlreiche orthografische Varianten des Namens. So existierten im Laufe der Zeit neben dem heute üblichen Viechtau als Varianten Fichtau, Führtau, Fürtau, Vichtau, Viechtau, Viehau, Viehtau, Viertau, Vietau und Virtau. Auffallend sind außerdem die Namensvarianten auf -ach, nämlich Veitach und Viechtach. Josef Theodor Fischer spricht sich in seiner Geschichte von Altmünster aus dem Jahre 1827 gegen die Herleitung des Namens von der Fichte aus. Für ihn ist die einzig richtige Schreibung Fürtau, abgeleitet von fürt in der Bedeutung von Vorsprung, der/das Vordere.Dem entspricht auch das mundartliche Wort vür in der Bedeutung vor, wie zum Beispiel in folgendem Zitat:
J. Lüftinger: Kleindenkmäler in Altmünster, Neukirchen und Reindlmühl: vom Gedenkkreuz im Traunsee zum Gipfelkreuz auf dem Brunnkogel. 2007, S. 377. Die Fürtau wäre demnach eine Au, die dem Hochgebirge vorgelagert ist.
Gemäß lokaler Überlieferung sollen jedoch die ersten Ansiedler in dieser Gegend nicht Virtauer oder Fürtauer, sondern Viehauer oder Viehtaurer geheißen haben, und zwar, weil sie Viehzucht in der Aurach oder Taurach betrieben hätten. Der innere Teil der Viechtau wird heute noch d’Aura (nach der Aurach, oder Taurach) genannt.Die Variante Taurach für den Fluss könnte in Zusammenhang stehen mit dem Wortstamm Tau(e)r-, einem alten Wort für Berg, Gebirge J. Lüftinger: Vom Gedenkkreuz im Traunsee zum Gipfelkreuz auf dem Brunnkogel. In: Kleindenkmäler in Altmünster, Neukirchen und Reindlmühl: Altmünster 2007, S. 378. Der Sage nach sollen die Viehtaurer so stark wie Stiere (lateinisch taurus = Stier) gewesen sein. Diese Erklärungsvarianten haben aber volksetymologischen Charakter.
Geschichte und Bevölkerungsentwicklung + Häuser- und Einwohnerentwicklung Jahr Häuser Einwohner 1526 49 1589 69 1749 115 1776 144 843 1788 153 1800 – 917 1825 166 1003 1846 199 1851 – 1188 1869 201 1187 1880 215 1126 1890 208 1082 1900 211 1159 1910 212 1215 1923 215 1221 1934 241 1395 1951 263 1548 1961 278 1355 1971 342 1406 1981 423 1471 1991 496 1586 2001 536 1747 Angaben über die Bevölkerung der Ortschaft Neukirchen (früher Viechtau) liegen seit dem 16. Jahrhundert vor.
Die erste urkundliche Erwähnung von „Vichtaw in Münsterer Pfarr“ erfolgte 1346. Da Holz in reichlicher Menge vorhanden war, begannen die Menschen, alle im damaligen Haushalt und in der Landwirtschaft gebräuchlichen Gegenstände herzustellen. Die Viechtau wurde zu einem Zentrum der Hausindustrie. Einem Bericht aus dem Jahr 1524 zufolge hatte die Holzwarenerzeugung bereits waldschädigende Ausmaße angenommen. Da diese Gefährdung weiter anhielt, wurde 1647 in einem Memorial versucht, die Viechtauer Holzwarenerzeugung abzuschaffen. Man erließ ein indirektes Berufsverbot, indem man die Holzzuteilung an bestimmte Personengruppen stark einschränkte.K. Rauch, H. Marchetti, J. Lüftinger: Heimatbuch der Marktgemeinde Altmünster. 1992, S. 414.
Die Holzwaren wurden im Familienverband hergestellt, wobei jedes Haus eine andere Spezialität hatte. Zum einen wurden haus- und landwirtschaftliche Gegenstände gefertigt, zum anderen Spielwaren. Produziert wurden Pinselgriffe, Spanschachteln, Teller, Löffel, Spielzeug. Ein Großteil der Produkte wurde auf Salzschiffen und Holzflößen in die österreichischen Kronländer exportiert.
Zur Deckung des Holzbedarfs der 1607 in Ebensee eröffneten Saline (Sudhaus) wurde unter anderem in der Viechtau Holz geschlägert. Die meisten Männer arbeiteten als Holzknechte und schlägerten und transportierten große Mengen Brennholz für die Befeuerung der Sudpfannen für die Salzgewinnung. Für den Transport wurden die Aurach und deren Nebenbäche als Wasserstraße ausgebaut. 1716 wurde die Taferlklause mit dem Taferlklaussee errichtet, von wo eine drei Kilometer lange Wasserriese zur großen Aurachklause (Nadasdy-Klause benannt nach dem Präsidenten der Wiener Hofkammer Graf Mihály Nádasdy von Nádasd und Fogarasföld) unterhalb der Großalm führte. Tourismusverband Altmünster.
1753 ließ Kaiserin Maria Theresia in Viechtau eine Kirche erbauen, einerseits, um den Bewohnern den Besuch der Messe zu erleichtern und andererseits, um der Ausbreitung des Protestantismus entgegenzuwirken. Ab ungefähr 1780 wurde der Name Neukirchen üblich. Die Zeit der Franzosenkriege (1790 bis 1815) bewirkte in Neukirchen und den Nachbarorten einen Bauboom. Insgesamt wurden in der Viechtau mehr als 100 Objekte neu errichtet, 28 davon in Neukirchen.K. Rauch, H. Marchetti, J. Lüftinger: Heimatbuch der Marktgemeinde Altmünster. 1992, S. 140. 1828 wurden 166 Häuser mit 1003 Einwohnern gezählt.
Nach der Revolution von 1848/49 wollten sich einige Ortschaften von Altmünster abtrennen und selbständige Gemeinden gründen. Neukirchen wurde 1850 eigenständig, war aber ebenso wie Orth nicht lebensfähig und bereits 1861 durch eine Entscheidung der Statthalterei wieder aufgelöst sowie mit Altmünster vereinigt.K. Rauch, H. Marchetti, J. Lüftinger: Heimatbuch der Marktgemeinde Altmünster. 1992, S. 218 f. Einziger Bürgermeister während der Zeit als selbständige Gemeinde war Matthias Wolfsgruber.
1922 wurde in Neukirchen Telefon und elektrisches Licht eingeleitet. Anfangs gab es nur sechs Telefoneinzelanschlüsse mit einer Sprechzeit von 8 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr.K. Rauch, H. Marchetti, J. Lüftinger: Heimatbuch der Marktgemeinde Altmünster. 1992, S. 223. Zum Hochfest Allerheiligen 1924 wurden am Kriegerdenkmal in Neukirchen zwei neue Gedenktafeln enthüllt. 46 Gefallene und neun Vermisste aus der Pfarre Neukirchen waren zu beklagen.K. Rauch, H. Marchetti, J. Lüftinger: Heimatbuch der Marktgemeinde Altmünster. 1992, S. 190. 1938 wurde in Neukirchen am Fuße des Kollmannsberges ein Lager des Reichsarbeitsdienstes errichtet. Das bis 1942 vorgesehene Arbeitsprogramm sah Bodenmeliorationen, Güterwegebauten und Uferverbauungen vor.K. Rauch, H. Marchetti, J. Lüftinger: Heimatbuch der Marktgemeinde Altmünster. 1992, S. 269.
Im August 1951 errichtete die Katholische Jugend Neukirchen auf dem Brunnkogel ein Heimkehrerkreuz.K. Rauch, H. Marchetti, J. Lüftinger: Heimatbuch der Marktgemeinde Altmünster. 1992, S. 299. Im April 1971 wurde das Volksschulgebäude in das Hauptschulgebäude umgewidmet und der Beschluss gefasst, ein neues Volksschulgebäude zu errichten. Weiters wurde die sogenannte „Rabenwies“ von der Gemeinde gekauft, um dieses typische Viechtauerhaus als Heimathaus zu etablieren.K. Rauch, H. Marchetti, J. Lüftinger: Heimatbuch der Marktgemeinde Altmünster. 1992, S. 340 f.
Seit 1971 besteht eine Partnerschaft mit dem Stadtteil Niederau der deutschen Stadt Düren, die auf einer 1965 entstandenen Beziehung zwischen dem Musikverein Neukirchen und dem Männergesangsverein Niederau-Krauthausen basiert.
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