Der Gemeine Schimpanse, auch Gewöhnlicher Schimpanse oder einfach nur Schimpanse genannt (Pan troglodytes), ist eine Primatenart aus der Familie der Menschenaffen (Hominidae). Zusammen mit dem Bonobo (Zwergschimpansen) bildet er die Gattung der Schimpansen (Pan). Beide Spezies sind die biologisch engsten Verwandten des Menschen. Der Schimpanse ist robuster gebaut als der Bonobo und hat ein größeres Verbreitungsgebiet, das sich über weite Teile des mittleren Afrika erstreckt.

Körperbau alternativtext=Männlicher Alpha-Schimpanse im Kibale-Nationalpark, Uganda|mini|Männlicher Alpha-Schimpanse im Kibale-Nationalpark, Uganda mini|Nachbildung eines weiblichen Schimpansenschädels, Zoologische Sammlung Rostock

Gemeine Schimpansen erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 64 bis 94 Zentimetern, wie alle Menschenaffen sind sie schwanzlos. Stehend werden sie zwischen 1 und 1,7 Metern hoch. Männchen erreichen ein Gewicht von 34 bis 70 Kilogramm und sind damit deutlich schwerer als Weibchen, die zwischen 26 und 50 Kilogramm erreichen. Tiere in Gefangenschaft können schwerer werden und 80 Kilogramm wiegen. Das Fell ist schwarz oder dunkelbraun gefärbt.

Die Arme sind deutlich länger als die Beine, die Spannweite zwischen den ausgestreckten Armen ist um die Hälfte größer als die Höhe des Tiers. Die Hände sind durch die langen Finger und die vergleichsweise kurzen Daumen charakterisiert, bei den Füßen ist die erste Zehe wie bei den meisten Primaten opponierbar.

Das Gesicht ist unbehaart. Es ist generell heller als das des Bonobos, auch haben Jungtiere ein helleres Gesicht als Erwachsene, es gibt jedoch zusätzlich regionale Unterschiede. Der Kopf der Schimpansen ist durch die hervorragenden, runden Ohren, die Überaugenwülste und die hervorstehende Schnauze charakterisiert. Die Größe der Eckzähne ist stark geschlechtsdimorph (bei Männchen sind sie deutlich größer).

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitung des Gemeinen Schimpansen mit vier Unterarten: 1. Westlicher Schimpanse (Pan troglodytes verus)2. Nigeria-Schimpanse (P. t. vellerosus, auch P. t. ellioti)3. Zentralafrikanischer Schimpanse (P. t. troglodytes)4. Östlicher Schimpanse (P. t. schweinfurthii)

Das Verbreitungsgebiet der Gemeinen Schimpansen erstreckt sich in einem breiten Gürtel durch das mittlere Afrika. Es reicht in Westafrika von Senegal über die südöstlich angrenzenden Länder bis in den westlichen Teil Ghanas, über Nigeria, Kamerun, Gabun, die Republik Kongo, den Südosten der Zentralafrikanischen Republik, die südwestlichen Grenzregionen Südsudans und den Norden und Osten der Demokratischen Republik Kongo bis in die westlichen Regionen Ugandas und Tansanias. In der Demokratischen Republik Kongo bildet der kaum überquerbare Kongo-Fluss die Südgrenze ihres Verbreitungsgebietes, südlich davon leben die Bonobos. Die menschliche Besiedlung hat den Lebensraum dieser Tiere verkleinert und in eine Vielzahl kleinerer Flecken zerteilt.

Diese Tiere sind flexibler in Bezug auf ihren Lebensraum als andere Menschenaffen. Sie kommen sowohl in tropischen Regenwäldern, in trockenen Savannen sowie im Bergland bis zu 3000 Metern Höhe vor. mini|Schimpanse im Regenwald

Lebensweise Fortbewegung und Aktivitätszeiten Gemeine Schimpansen können sowohl am Boden als auch auf den Bäumen nach Nahrung suchen, meist geschieht dies jedoch auf Bäumen. Am Boden bewegen sie sich wie alle afrikanischen Menschenaffen in einem vierfüßigen Knöchelgang fort, das heißt, dass sie sich auf den zweiten und dritten Fingergliedern aufstützen. Im Geäst klettern sie entweder mit allen vier Gliedmaßen oder bewegen sich an den Armen hängend (suspensorisch) fort. In der Regel sind Schimpansen tagaktiv. Zur Nachtruhe fertigen sie ein Nest aus Zweigen und Laub an. Dieses Nest liegt meist auf Bäumen in 9 bis 12 Meter Höhe und wird üblicherweise nur einmal verwendet. Insbesondere in der Regenzeit ruhen sie auch manchmal tagsüber, wofür sie ebenfalls Nester errichten.

Sozialverhalten Innerhalb der Großgruppe Die Sozialstruktur der Schimpansen wird als „Fission-Fusion-Organisation“ („Trennen und Zusammengehen“) beschrieben. Das heißt, sie leben in Großgruppen, die sich aus 20 bis 80 Tieren zusammensetzen, die sich oft in Untergruppen aufspalten – etwa zur Nahrungssuche – und dann wieder zusammenkommen, insbesondere zur Nachtruhe. Erwachsene Tiere gehen beispielsweise oft allein auf Futtersuche oder schließen sich mit anderen zu einer kurzlebigen, vorübergehenden Untergruppe zusammen. Diese Untergruppen sind sehr flexibel und umfassen meist vier bis acht Tiere, also deutlich weniger als beim Bonobo. Die Zusammensetzung und Größe der Untergruppen ist sehr variabel und unterscheidet sich auch von Population zu Population.

Starke und ältere Männchen führen und verteidigen die ganze Großgruppe. Die Männchen entwickeln eine ausgeprägte Rangstruktur. Dazu dienen verschiedene Rituale wie laute Schreie, Trommeln auf Baumstämmen, Kraftdemonstrationen – sie schütteln Äste oder werfen Steine – und demonstrativ schnelles Laufen oder Springen. Sie investieren viel Zeit und Energie, um ihren Rang innerhalb der Gruppe zu verbessern. Sie bilden dazu unter anderem Koalitionen, dies kann aber auch ein Täuschungsmanöver, eine Scheinallianz sein. Die Jagd auf kleine Säugetiere und die Bewachung der Reviergrenzen, die beide von Männchen durchgeführt werden, dienen ebenfalls diesem Zweck. Auch die gegenseitige Fellpflege (Komfortverhalten) ist bei den Männchen stark ausgeprägt und unterstützt die soziale Kommunikation. Am 17. November 2025 wurde eine auf Langzeitbeobachtung der Ngogo-Schimpansengruppe im Kimbale Nationalpark (Uganda) basierende Studie veröffentlicht, an der unter anderem Forschende der University of Michigan sowie der Yale University beteiligt waren. Die Analyse der Daten ergab, dass nach gewaltsamer territorialer Expansion die Fruchtbarkeit der Weibchen zunahm und die Überlebensrate der Jungtiere bis zum Alter von drei Jahren anstieg."Female fertility and infant survivorship increase following lethal intergroup aggression and territorial expansion in wild chimpanzees", PNAS, abgerufen am 28. Dezember 2025.

Im Gegensatz dazu sind Weibchen oft einzelgängerischer und entwickeln eine weniger auffällige Hierarchie. Eine Rangordnung ist aber trotzdem vorhanden, das zeigt sich darin, dass höhergestellte Weibchen etwa häufiger Nachwuchs haben. Generell haben Weibchen außer mit ihren Töchtern wenig Interaktion mit anderen Weibchen. Das liegt auch daran, dass die Weibchen ihre Geburtsgruppe bei Erreichen der Geschlechtsreife verlassen, während die Männchen die meiste Zeit ihres Lebens bei ihrer Gruppe bleiben.

Die Interaktionen zwischen Männchen und Weibchen sind variabel und näher im Abschnitt Paarungsverhalten beschrieben.

Außerhalb der Großgruppe Eine Großgruppe hat in der Regel ein bestimmtes Streifgebiet. Dieses ist in Wäldern 5 bis 40 Quadratkilometer groß, in Savannen mit 120 bis 560 Quadratkilometern hingegen deutlich größer. Kleine Männchengruppen patrouillieren oft an den Grenzen des Territoriums. Tiere, die nicht der eigenen Großgruppe angehören, werden meist sehr aggressiv behandelt. Die Verfolgung einzelner fremder Tiere wird manchmal dermaßen brutal geführt, dass dafür das Wort „Krieg“ verwendet wurde. (siehe auch → Schimpansenkrieg von Gombe und Schimpansenkrieg von Ngogo). Auch nicht-fruchtbare Weibchen werden dabei nicht verschont. Diese kriegsartigen Übergriffe, bei denen Gemeine Schimpansen manchmal auch unprovoziert in fremdes Territorium eindringen und die dortigen Tiere verfolgen und töten, sind außer bei ihnen und beim Menschen unter Primaten unbekannt.R. M. Nowak: Walker's Mammals of the World. Baltimore 1999, S. 624.

Kommunikation mini|Kopf eines Schimpansen

Gemeine Schimpansen kommunizieren untereinander mit einer Reihe von Lauten und Körperhaltungen. Der häufigste Laut ist der „Pant-hoot“ genannte Ruf, der der Kontaktaufnahme mit entfernten Gruppenmitgliedern dient. Daneben verwenden sie auch einen Nahrungsruf, ein bellendes Keuchen, um andere Tiere auf eine Nahrungsquelle aufmerksam zu machen, Gekreische oder grölendes Brüllen bei der Jagd oder einen klagenden „Wraaa-Ruf“, der als Alarmsignal dient. Ein hechelndes Ein- und Ausatmen stellt ein Äquivalent zum menschlichen Lachen dar.

Auch Gesichtsausdrücke und Körperhaltungen dienen der Interaktion. So wird Unterwerfung durch Ducken oder Präsentieren des Hinterteils signalisiert. Zornige oder aufgeregte Tiere stellen sich auf zwei Beine, sträuben das Fell und pressen die Lippen zusammen. Breites Grinsen ist oft ein Zeichen für Nervosität oder Furcht. Zum spektakulären Imponierverhalten dieser Tiere zählen lautes Gebrüll, schnelles Umherlaufen, Schleudern von Steinen oder Ziehen von großen Ästen.

Werkzeuggebrauch Gemeine Schimpansen wurden wiederholt beim Gebrauch von Werkzeugen beobachtet. So verwenden sie zerkaute Blätter als Schwämme, um Wasser aus Baumlöchern zu schöpfen, Grashalme und Stöcke werden bearbeitet und in Termitenhügel eingeführt, um die Insekten verzehren zu können. Steine oder Äste dienen als Hammer und Amboss, um Nüsse zu knacken, und Äste werden als Haken benutzt, um fruchttragende Äste heranziehen zu können. Stöcke und Steine dienen als Wurfgeschosse bei der Jagd und zur Verteidigung. In jüngster Zeit wurde auch beobachtet, dass sie bearbeitete und zugespitzte Holzstöcke als Spieße verwenden, um damit Galagos zu jagen.Jill D. Pruetz, Paco Bertolani: Savanna Chimpanzees, Pan troglodytes verus, Hunt with Tools. In: Current Biology. Band 17, Nr. 5, 2007, S. 412–417, doi:10.1016/j.cub.2006.12.042 Es gibt zwar keine Hinweise, dass sie Steine bearbeiten, jedoch bewahren sie besonders geeignete Steine auf oder lagern sie an einer sicheren Stelle, wo sie diese im Bedarfsfall wiederfinden können.Siehe dazu auch: Mathias Osvath und Elin Karvonen: Spontaneous Innovation for Future Deception in a Male Chimpanzee. In: PLoS ONE. Band 7, Nr. 5, 2012: e36782, doi:10.1371/journal.pone.0036782.

Die einzelnen Populationen unterscheiden sich deutlich in Art und Häufigkeit des Werkzeuggebrauchs, und keine einzelne Verwendung kommt bei allen Populationen vor. So ist das Nussknacken mittels Steinen bislang nur bei der westlichen Unterart beobachtet worden, bei den Tieren im Osten des Verbreitungsgebietes ist diese Praxis unbekannt. Funde aus dem Nationalpark Taï in der Elfenbeinküste belegen, dass diese Praxis seit zumindest 4300 Jahren angewandt wird.Julio Mercader et al.: 4300-year-old chimpanzee sites and the origins of percussive stone technology. In: PNAS. Band 104, Nr. 9, 2007, S. 3043–3048, doi:10.1073/pnas.0607909104 mpg.de vom 13. Februar 2007: Die Schimpansen-Steinzeit. Westafrikanische Schimpansen knacken Nüsse mit Steinwerkzeugen bereits seit Tausenden von Jahren. In einer im Februar 2019 veröffentlichten Studie wird eine im Norden der Demokratischen Republik Kongo lebende Population des Ostafrikanischen Schimpansen (P. t. schweinfurthii) beschrieben, die Stöcke verschiedener Art (kurze, lange, dicke oder dünne) benutzt, um verschiedene Ameisenarten oder den Honig von Stachellosen Bienen zu erbeuten. Nüsse und andere harte Früchte, sowie die Nester von Baumtermiten und die Gehäuse von Afrikanischen Riesenschnecken (Achatina) und Gelenkschildkröten (Kinixys) werden geöffnet, indem diese an Baumstämme oder Steine geschlagen werden. Bemerkenswert ist auch, dass diese Schimpansen bevorzugt nicht auf Bäumen, sondern auf dem Erdboden schlafen.

Der Werkzeuggebrauch ist ebenso wie der allabendliche Nestbau keine instinktive Tätigkeit, sondern wird von den jüngeren Tieren durch Beobachten von erfahrenen Tieren erlernt.

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