Die Redewendung Auf dem Holzweg sein beschreibt ein nicht zielführendes Vorgehen und impliziert die Aufforderung, den Irrweg zu verlassen. Das Wort „Holzweg“ steht für einen Weg, der in einem Wald angelegt wurde, um Holz zu beschaffen, aber nicht der Verbindung zweier Orte dient. Inzwischen wird dies auch als Rückeweg bezeichnet. Das Wort „Holzweg“ in diesem Sinne ist seit dem 13. Jahrhundert in Gebrauch, seine sprichwörtliche Verwendung ist seit dem 15. Jahrhundert belegt.Friedrich Kluge: Holzweg. In: ders., Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold. 23. Auflage. De Gruyter, Berlin / New York 1995, ISBN 3-11-012922-1. mini|328x328px|Etwa drei Kilometer langer Holzweg in Nordschweden (Gemeinde Norsjö) auf halber Strecke zwischen Abzweigung vom Straßennetz und dem Wendehammer.
Ursprung und Bedeutung Holzwege sind als Wirtschaftswege zuweilen sorgfältig befestigt (zum Beispiel geschottert), um ein Einsinken oder Umfallen der schwer beladenen Transportfahrzeuge möglichst zu verhindern. Zudem führen sie oft mehrere Kilometer weit in die zu erschließenden Forstgebiete hinein, bevor sie in einer Wendeschleife o. ä. enden.
Beides kann zur Folge haben, dass ein Holzweg auf Ortsunkundige nicht wie eine Sackgasse wirkt, sondern wie eine reguläre Straße, die der Verbindung zwischen zwei Orten oder der Anbindung an eine weiterführende Straße dient. Der Unterschied ist insbesondere zu Zeiten oder in Gegenden, in denen das Straßennetz noch nicht (flächendeckend) asphaltiert war bzw. ist, nicht leicht zu erkennen.
Ein Reisender, der sich „auf dem Holzweg“ befindet, legt daher mitunter lange Strecken in der fälschlichen Gewissheit zurück, seinem Ziel näher zu kommen, bevor er (womöglich nach einem mehrstündigen Fußmarsch) seinen Irrtum erkennt und zur Umkehr gezwungen ist.
Metaphorische Verwendung Der mittelalterliche Dichter Ulrich von Türheim benutzt den Begriff noch im Sinne eines unausgebauten Weges in seinem wohl vor dem Jahr 1243 verfassten Tristan (Vers 1393Ulrich von Türheim, Tristan-Fortsetzung. In: Gottfried von Straßburg: Werke. Aus den beßten[sic!] Handschriften mit Einleitung und Wörterbuch herausgegeben von Friedrich Heinrich von der Hagen. Band 1. Breslau 1823, S. 269–321.): „mît die rehten strâze unt ganc die holzwege hin“ („er mied die ausgebaute/ebene Straße und ging über die Holzwege“).
In der didaktischen Dichtung Der Jüngling (wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts geschrieben) des Dichters Konrad von Haslau steht der Holzweg für einen Weg, der statt des Pfades der Tugend eingeschlagen wird (Vers 1033 ff.):
In einer Sittenpredigt des deutschen Predigers Johann Geiler von Kaysersberg (1445–1510) aus dem Jahr 1495 ist der Holzweg ein Ab- oder Irrweg, der von Gott wegführt: „man findt under tausent nicht einen, der dem rechten weg nachtrachtet, sonder sie gehn all dem holzweg nach und eilen heftig bisz sie zu der hellen kommen“ („Unter Tausend [Menschen] findet man nicht einen, der nach dem rechten Weg strebt [hier wohl im Sinne eines gottgefälligen, christlichen Lebens], sondern sie alle folgen dem Holzweg und eilen [darauf] sehr bis sie [letztendlich] in der Hölle ankommen“).
In seiner Sprichwörtersammlung und in seinen Tischreden verwandte auch Martin Luther diese Redensart mehrfach.
Aufgegriffen wird die Bedeutung des Holzweges in einem Sprichwort aus Ostpreußen: „Jener geit den Holtweg, de andre den Soltweg“ („Jener geht den Holzweg, der andere den Salzweg“). Hier wird der zu nichts führende Holzweg der Salzstraße gegenübergestellt, denn zu Zeiten der Hanse wurde mit dem Salzhandel viel Geld verdient.
Dem Philosophen Martin Heidegger diente der Begriff als Titel seines bekannten Werkes Holzwege.
Literatur Duden: Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten. 1992, S. 348. Lutz Röhrich: Holzweg. In: ders.: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Band 2. Freiburg / Basel / Wien 1999.
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