Neue Weltordnung (englisch: new world order) ist ein politisches Schlagwort für Konzepte, international eine Friedens- und Rechtsordnung durch ein System der kollektiven Sicherheit zu etablieren. Der Begriff fand insbesondere in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten des 20. Jahrhunderts eine wiederkehrende Verwendung.

Herkunft und Verwendung des Begriffs Geprägt wurde der Begriff nach dem Ende des Ersten Weltkriegs als Bezeichnung für die letztlich misslungenen Versuche des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson, den Völkerbund als internationale Organisation mit einem geschriebenen Völkerrecht zu etablieren.

Die Bezeichnung wurde erneut aufgegriffen durch den damaligen US-Präsidenten George H. W. Bush nach dem Ende der kommunistischen Diktaturen in Osteuropa Ende des 20. Jahrhunderts. Die vorangegangene „alte Weltordnung“, die durch das Gegenüber zweier antagonistischer gesellschaftlicher Systeme und Militärblöcke nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geprägt war, die sich zumindest militärisch mehrere Jahrzehnte auf Augenhöhe begegneten (Kalter Krieg), habe sich seiner Perspektive gemäß mit dem Zusammenbruch der sozialistischen Gesellschaften in Osteuropa aufgelöst.

Bush sprach am 11. September 1990 in einer Rede vor beiden Kammern des Kongresses von einer „neuen Weltordnung“, die nach dem Ende des Kalten Krieges notwendig und wünschenswert sei. Unter anderem hieß es:

Mit der „neuen Weltordnung“ sollte fortan der Anbruch eines neuen, friedlicheren Zeitalters für die Menschheit unter amerikanischer Führung verbunden werden. Letzteres erwies sich nur wenige Monate nach seiner Wiederverwendung mit dem Ersten Irakkrieg als falsch, der sich u. a. durch die ungewöhnlich asymmetrische Verteilung der Kriegsopfer, die einseitige Verfügung des Kriegsendes und den hohen Grad an mittelbaren Umweltschäden auszeichnete, etwa durch den erstmals großflächigen Einsatz von Geschossen mit abgereichertem Uran. Schon zu Zeiten der auf Bush folgenden US-Präsidentschaft Bill Clintons war dieser Begriff weitgehend politisch unbrauchbar geworden, und auch sein Sohn US-Präsident George W. Bush griff ihn nicht erneut auf, sondern prägte in seiner Rede vom 20. September 2001 das politische Schlagwort des Kriegs gegen den Terror.

Verwendung in den 2020er Jahren Seit der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump greifen Medien seit Ende 2025 den Begriff der neuen Weltordnung vermehrt auf, um einen Bruch etablierter Strukturen und Wertesysteme zu benennen.

Bereits in seiner ersten Präsidentschaft hatte Donald Trump die Absicht geäußert, unter Missachtung der territorialen Integrität anderer Staaten das Hoheitsgebiet der USA zu erweitern. Dies bezog sich unter anderem auf eine mögliche Annexion Grönlands, eine Eingliederung Kanadas als 51. Bundesstaat der Vereinigten Staaten und eine Beschlagnahmung des Panamakanals. Während seiner zweiten Präsidentschaft verschärfte Donald Trump diese Rhetorik und erklärte eine vermeintliche Notwendigkeit zur Annexion Grönlands unter der Androhung hoher Zölle bei Ablehnung.

Während einige Medien von Veränderungen oder einem Ende der alten Weltordnung, sprechen andere Medien explizit von einer aufziehenden neuen Weltordnung. Damit ist die Bezeichnung der neuen Weltordnung nicht mehr nur in verschwörungstheoretischen Kreisen gebräuchlich, sondern wird zur Beschreibung realer geopolitischer Veränderungen verwendet. Die New York Times erklärte, dass sich beim jährlichen Treffen des Weltwirtschaftsforums in Davos eine „wachsende Akzeptanz“ dafür durchsetze, dass eine neue Weltordnung aufziehe.

Benn Steil, Direktor des Coucil of Foreign Relations, mutmaßt, dass die neue Weltordnung womöglich der globalen Ordnung ähneln könnte, wie sie vor dem Ersten Weltkrieg bestand. Dabei sei erkennbar, dass Donald Trump nicht alleinverantwortlich für die Veränderungen der Ausrichtung US-amerikanischer Außenpolitik (Policies) ist. Vielmehr wurde Donald Trump zweimal gewählt mit dem erklärten Ziel, einen „Regime change“ in den USA herbeizufüren und „Nation building“ zu betreiben. Die Absetzung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro im Januar 2026 sei laut dem Council on Foreign Relations ein Hinweis darauf, dass die Wahrung einer der Logik der Monroe-Doktrin folgende Durchsetzung einer hemisphärischen Dominanz von Pentagon, CIA und dem Außenministerium mitgetragen werde.

Literatur Alexander Stubb: The Triangle of Power: Rebalancing the New World Order, Columbia Global Reports 2026, ISBN 978-1967190102

Cord Jakobeit: Führungspartnerschaft — Herausforderungen für die deutsch-amerikanischen Beziehungen in der “Neuen Weltordnung”. In: Jakobeit, C., Sacksofsky, U., Welzel, P. (eds) Die USA am Beginn der neunziger Jahre. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 1992. ISBN 978-3-322-93661-5 Klaus Schwabe: Eine neue Weltordnung? Der Beitrag Amerikas zur Lösung der Deutschlandfrage durch den Friedensschluß von Versailles. In: Manfred Berg und Philipp Gassert (Hrsg.): Deutschland und die USA in der Internationalen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Festschrift für Detlev Junker, Steiner Verlag, Stuttgart, Wiesbaden 2004, S. 263–278, ISBN 3-515-08454-1 (Google-Teildigitalisat) Michael Klundt (Hrsg.): Kapitalismus versus Barbarei? Die Geschichtsschreibung der neuen Weltordnung. Köln: PapyRossa, 2007. Mit Beiträgen von Domenico Losurdo, Eric Hobsbawm, Jacques Pauwels und Arno Klönne. ISBN 978-3-89438-363-3 (Vorabdruck daraus bei politonline.ch, 31. Oktober 2007, Michael Parenti: Weltmachtpolitik der USA nach dem »Ende der Geschichte«) Daniel W. Drezner: The New New World Order. In: Foreign Affairs 86/2, Ausgabe März/April 2007.

Weblinks

Anmerkungen

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