mini|Handelsflagge von Hernsheim & Co. mini|Unternehmensgründer Eduard und Franz Hernsheim, ca. 1882 Hernsheim & Co. war ein deutsches Handelsunternehmen, das im westlichen Stillen Ozean mit Hauptniederlassungen auf Jap (Karolinen), Jaluit (Marshallinseln) und Matupi (Bismarck-Archipel) aktiv war. Es war auf den Kopra-Export nach Europa spezialisiert und versuchte nach dem Verlust seiner Besitzungen in der Südsee (1918) einen Neuanfang im französischen Mandatsgebiet von Kamerun (Zentralafrika). In der Blütezeit des Südsee-Geschäfts (ca. 1882–1885) exportierte Hernsheim & Co. fast 30 % der im westlichen Stillen Ozean produzierten Kopra.

Unternehmensgeschichte In Ozeanien Gründung und Startkapital (1875) Hernsheim & Co. wurde im November 1875 von den Brüdern Franz und Eduard Hernsheim in Sydney (Australien) gegründet. Das Stammkapital bestand aus den zuvor von Eduard Hernsheim errichteten Südsee-Stationen Malakal (Koror, Palau), Nif und Tomil (Jap, Karolinen), Niata (Hunterhafen, Duke-of-York-Inseln) und Hernsheims Schoner Coeran.Behauptungen in der Sekundärliteratur (beispielsweise Golf Dornseif: „Die Brüder Hernsheim und ihr steiler Aufstieg“, in: ders.: , S. 4.), Eduard Hernsheim hätte bereits im Jahr 1872 eine erste Handelsstation auf Malakal gegründet, werden durch Hernsheims Lebenserinnerungen (unveröffentlichtes Typoskript im Staatsarchiv Hamburg, Familienarchiv Hernsheim) nicht bestätigt. An Barvermögen floss eine Einlage Franz Hernsheims über 50.000 Mark ein. Ferner gab der Hamburger Kaufmann Ruben Jonas Robertson, ein Onkel der Brüder, Kredite in nicht mehr ermittelbarer Höhe.Lebenserinnerungen Eduard Hernsheims (unveröffentlichtes Typoskript im Staatsarchiv Hamburg, Familienarchiv Hernsheim), S. 44 f.

Erste Expansion (1876–1882) mini|Zentralstation in der Marshallgruppe, ca. 1880 (Zeichnung von Franz Hernsheim) Auf Erkundungsreisen zwischen Januar und August 1876 veranlasste Eduard Hernsheim den Bau einer ersten Zentralstation Makada für den Neubritannienarchipel auf der gleichnamigen Insel Makada in der Duke-of-York-Gruppe. Anschließend gründete er eine zweite Zentralstation Jaluit für die Marshallinseln auf der Insel Jabor des Jaluit-Atolls. Ferner nahm er auf den östlichen Marshallinseln fünf Händler unter Vertrag, die der Jaluit-Station zuarbeiten sollten. Zuletzt gründete Hernsheim noch eine Handelsstation auf Ponape, um von hier aus Geschäftsbeziehungen in die östlichen Karolinen zu eröffnen.Jakob Anderhandt: Eduard Hernsheim, die Südsee und viel Geld. Biographie. MV-Wissenschaft, Münster 2012, Band 1, S. 147 f., S. 160 und S. 169 (passim).

Hernsheims Agent auf Makada, J. T. Blohm, erweiterte die Handelskontakte im Neubritannienarchipel schrittweise bis zur Talilibai und nach Kabaira (Nordstrände der Gazelle-Halbinsel) sowie zum Bezirk Birara (südliche Blanchebucht).Jakob Anderhandt: Eduard Hernsheim, die Südsee und viel Geld. Biographie. MV-Wissenschaft, Münster 2012, Band 1, S. 202. Auf der Gazelle-Halbinsel entstanden daraufhin die Stationen Kurakaul, Ragunai, Kabaira, Vlavolo/Nogai und Pulpul/Kabaira (Nordstrände), sowie Rolavio (Hafeninsel Matupi, Blanchebucht), Ruluana, Urakukuni, Ululai, Lagumgum, Tarram und Tawana (Ufer der Blanchebucht / Bezirk Birara).

Wegen einer Malaria-Epidemie im Juni 1879 verlegte Eduard Hernsheim die Zentralstation von Makada nach Matupi.Eduard Hernsheim: Lebenserinnerungen (unveröffentlichtes Typoskript im Staatsarchiv Hamburg, Familienarchiv Hernsheim), S. 74. Die auf Matupi schon bestehende Station wurde zur Faktorei ausgebaut und durch eine zweite Faktorei auf der Insel ergänzt.

Im Februar 1880 – zu Beginn einer nächsten Serie von Erkundungsfahrten, welche dieses Mal mit den Kleindampfern Pacific und Alice durchgeführt wurden – erfolgten Stationsgründungen im Dorf Pakail und auf der Hafeninsel Nusa (nördliches Neuirland).Jakob Anderhandt: Eduard Hernsheim, die Südsee und viel Geld. Biographie. MV-Wissenschaft, Münster 2012, Band 1, S. 348, S. 447. Durch den Agenten Friedrich Schulle wurden diese Handelsbeziehungen auf die Ostküste Neuirlands ausgedehnt. Dort entstanden die Stationen Kablaman, Butbut, Navangai, Lamerotte, Lagumbanje, Lauaru und Kapsu.

mini|Station auf Kusaie (Karolinen), ca. 1880 Auf anderen Erkundungsfahrten Eduard Hernsheims kam es nur noch vereinzelt zur Gründung neuer Stationen: Uleai (Uleai-Atoll, März 1878), Kusaie (Karolinen, August 1878), Nauru (September 1878), Carcone (Hermitinseln, Westliche Inseln, Juni 1879) und Oberlark (Laughlan-Inseln, Louisiaden, Anfang (?) 1881).Eine Darstellung der betreffenden Händler, Agenten und Stationen von Hernsheim & Co. findet sich in Jakob Anderhandt: Eduard Hernsheim, die Südsee und viel Geld. Biographie. MV-Wissenschaft, Münster 2012, Band 2, S. 576–591.

1877 übernahm Franz Hernsheim die Leitung des Jaluit-Geschäfts und richtete Anfang 1878 eine Schiffsverbindung zur Gilbertgruppe ein, über die ab 1883/1884 Kopra-Zukäufe von den Inseln Apamama, Aranuka und Kuria in das Zentrallager auf Jabor gingen.Jakob Anderhandt: Eduard Hernsheim, die Südsee und viel Geld. Biographie. MV-Wissenschaft, Münster 2012, Band 1, S. 219, S. 222.

Für das Geschäft auf den Karolinen gewann Eduard Hernsheim im März 1878 und März 1880 die US-amerikanischen Kapitäne C. P. Holcomb und D. D. O’Keefe als Generalagenten für Jap und die St. Davidsinsel. Diese Verbindungen wurden jedoch im April 1884 wieder gelöst, weil sie unprofitabel waren.Tagebücher Eduard Hernsheims (1880–1886, unveröffentlichtes Original im Staatsarchiv Hamburg, Familienarchiv Hernsheim), Einträge unter dem 27. Februar und 25. März 1880 sowie dem 20. April 1884.

Konsolidierung / Einführung eines „Agenten-Systems“ (1882–1885) Die Ausdehnung des Tätigkeitsfelds auf einen Großteil des westlichen Stillen Ozeans und die wachsenden Betriebskosten zur Aufrechterhaltung des Verkehrs zwischen den drei Hauptstationen Jap, Jaluit und Matupi zwangen Hernsheim &  Co. ab Oktober 1882 zur Konsolidierung. Statt von Kleindampfern wurde der interinsulare Verkehr nun vermehrt von kostengünstigeren Segelschiffen versehen und der Im- und Export von und nach Europa auf Charterschiffe ausgelagert. Im Neubritannienarchipel wurde die Zahl der Handelsstationen reduziert und das Tauschgeschäft selbständigen Agenten übergeben, die den Verkehr mit den einheimischen Unterhändlern bzw. Lieferanten eigenverantwortlich regelten.v. Oertzen an Bismarck, 1. Dezember 1886, Auswärtiges Amt, Kol. Abt. A VII, RKA 6512, in: Akten der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes und des Reichskolonialamtes des Deutschen Reiches, Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde (R 1001). Als Vertretung für die nördliche Gazelle-Halbinsel agierte ab Oktober 1885 die Partnerschaft Mouton, Dupré & Co.Eduard Hernsheim: Tagebücher (1880–1886, unveröffentlichtes Original im Staatsarchiv Hamburg, Familienarchiv Hernsheim), Eintrag vom 13. Oktober 1885. als Generalagent für Neuirland ab Juli 1884 der vormalige Händler Friedrich Schulle.Eduard Hernsheim: Tagebücher (1880–1886, unveröffentlichtes Original im Staatsarchiv Hamburg, Familienarchiv Hernsheim), Eintrag vom 3. Juli 1884. Generalagent für die Karolinen mit Sitz Jap war seit Dezember 1883 der vom Hamburger Mutterhaus ausgesandte Robert Friedländer.R. S. Swanston: Journals 1857–1885. Band 6 (1881–1885), Central Archives of Fiji and the Western Pacific High Commission: Fiji Museum 37/6, Einträge vom 25. und 30. Dezember 1883. Ein Verdrängungswettbewerb in der Marshallgruppe mit der Deutschen Handels- und Plantagengesellschaft der Südsee-Inseln zu Hamburg (DHPG) zwang Hernsheim & Co. ferner, ihre dortigen Besitzungen mit denen der Konkurrentin zu vereinen.

Konzentration auf den Matupi-Zweig und Diversifizierung (1886–1892) mini|Faktorei von Hernsheim & Co. am Ostrand der Insel Matupi, ca. 1900 Auf die Schutzerklärung des Deutschen Reichs über den Neubritannienarchipel (November/Dezember 1884, danach umbenannt in Bismarck-Archipel) reagierten Hernsheim & Co. mit einer Restrukturierung ihres Besitzes. Die Niederlassungen der Marshallgruppe und der Karolinen wurden mit denen der Deutschen Handels- und Plantagengesellschaft der Südsee-Inseln zu Hamburg (DHPG) zur Jaluit-Gesellschaft fusioniert (Dezember 1887).Die Gründung der Jaluit-Gesellschaft samt ihrer Vorgeschichte ist geschildert in Wolfgang Treue: Die Jaluit-Gesellschaft auf den Marshall-Inseln 1887–1914- Duncker & Humblot, Berlin 1976. Demgegenüber wurde der Matupi-Zweig von Eduard Hernsheim in Alleinverantwortung übernommen und in die Hernsheim & Co. Offene Handelsgesellschaft umgewandelt (1888/1889).Jakob Anderhandt: Eduard Hernsheim, die Südsee und viel Geld. Biographie. MV-Wissenschaft, Münster 2012, Band 2, S. 385.

Nach Einzellieferungen an SMS Habicht, Carola, Hyäne und Albatros, sowie britischerseits an HMS Espiègle und Dart konnte die Hernsheim & Co. OHG einen vom Hamburger Mutterhaus Robertson & Hernsheim (s. u.) geschlossenen Kohlenlieferungsvertrag mit der Kaiserlichen Marine um einen zweiten mit der Königlich Britischen Marine ergänzen und ersteren bis 1914 wiederholt verlängern. Dies, sowie Lieferverträge mit Kleinunternehmern und öffentlichen Einrichtungen im Schutzgebiet, unter anderem der Wesleyanischen Mission, ermöglichten der Gesellschaft eine Querfinanzierung ihres Koprageschäfts und verschafften ihr einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil vor der DHPG und der E.E. Forsayth. Steigende Gewinne ab 1888 führten zur Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft (1901) und schließlich eine Aktiengesellschaft mit einem Stammkapital 1,2 Millionen Mark (1909, Sitz Hamburg).Jakob Anderhandt: Eduard Hernsheim, die Südsee und viel Geld. Biographie. MV-Wissenschaft, Münster 2012, Band 2, S. 385 f.erste Geschäftsberichte der Hernsheim & Co. AG in: , Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften, Hamburg und Kiel.

Zweite Expansion im Handel und extensive Pflanzungswirtschaft (1893–1914) Unter dem neuen Geschäftsleiter für den Bismarck-Archipel, Maximilian Thiel, wurden während einer zweiten Expansion bis 1902 auch die Admiralitätsinseln (Stationen Komuli und Manus), die Exchequerinseln, die Salomonen (Stationen Bouka und Choiseul), die St.-Matthias-Inseln und die Portlandinseln (Station Bigilitz) in das Koprageschäft einbezogen. Aus Platzgründen erfolgte im Jahr 1912 eine neuerliche Verlegung der Hauptstation, jetzt von Matupi nach Rabaul.

Einen intensiven Plantagenbau nach dem Schema der DHPG und der E. E. Forsayth lehnte die Hernsheim & Co. AG konsequent ab. Im Grasland bei Rabaul sowie auf ihrem Grundbesitz auf Makada (Duke-of-York-Gruppe), ferner auf Nusa, Nusalik und in Pakail (alle Neuirland) betrieb die Gesellschaft lediglich arbeitsextensive Pflanzungen, bei denen auf eine Einfuhr von Fremdarbeitern, wie sie zur Bewirtschaftung von Plantagen nötig war, verzichtet wurde. Die Erweiterung ihres Palmenbestands im Jahr 1912 konnte die Gesellschaft über eine einmalige Erhöhung ihres Stammkapitals um 600.000 Mark finanzieren.Siehe die Ankündigung im Geschäftsbericht der Gesellschaft für 1911, in: , Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften, Hamburg und Kiel.

Im australischen Mandatsgebiet und in Kamerun Beteiligung an der Melanesia Co. Ltd. (1928–1930)