Willard Cleon Skousen (* 20. Januar 1913 in Raymond (Alberta), Kanada; † 9. Januar 2006 in Salt Lake City, Vereinigte Staaten) war ein US-amerikanischer Autor, Redner, FBI-Agent, Hochschullehrer an der Brigham Young University, Polizeichef von Salt Lake City und konservativer, antikommunistischer sowie mormonischer Aktivist. Seine durch Verschwörungstheorien, mormonische Theologie und Huldigung der Gründerväter und der Verfassung der Vereinigten Staaten geprägten Schriften – besondere Bekanntheit erlangten The Naked Communist (1958), The Naked Capitalist (1970) und The 5,000 Year Leap (1981) – übten großen Einfluss auf Glenn Beck und die Tea-Party-Bewegung aus.
Der Ökonom Mark Skousen (* 1947), der Linguist Royal Skousen (* 1945) und der Verschwörungstheoretiker Joel Skousen sind Neffen von W. Cleon Skousen.
Leben Cleon Skousens Eltern Roy und Rita Bentley Skousen waren US-Amerikaner. Sie bewirtschafteten im kanadischen Raymond, einer ultrakonservativen Mormonengemeinde, ihren eigenen Hof.Joe O’Connor: , National Post, 2. November 2010. Als Cleon Skousen zehn Jahre alt war, zog die Familie (Cleon Skousen hatte sieben Geschwister) nach Kalifornien. Dort besuchte er in Torrance bis 1925 die Grundschule, anschließend bis 1926 die Sturgess Junior High School in San Bernardino. 1926 zog er wegen einer Erkrankung seiner Großmutter in die fundamentalistische Siedlung Colonia Juárez, die von Mormonen gegründet wurde, die die Polygamie trotz des Verbots in den USA weiter praktizieren wollten.The Romneys’ Mexican History, Héctor Tobar, Smithsonian Magazine, Mai 2012. Dort besuchte er bis 1928 die Juarez Stake Academy im mexikanischen Chihuahua. Von September 1928 bis Juni 1930 besuchte er die San Bernardino High School, wo er seinen Abschluss machte.
Nach dem Missionarsdienst in England und Irland (1930–1932) studierte Skousen ab 1933 am San Bernardino Junior College in Kalifornien und machte dort 1935 seinen Abschluss (Associate of Arts degree). Anschließend zog er nach Washington, D.C., wo er wenige Monate für eine Landwirtschaftsagentur des New Deal arbeitete.
Am 24. Oktober 1935 begann Skousens FBI-Karriere, wobei er hauptsächlich Verwaltungs- und Büro-Posten in Washington und Kansas innehatte. Am 13. August 1936 heiratete er Jewel Almira Pitcher. Sein 1935 an der George Washington University begonnenes Studium (Hauptfach Politikwissenschaft, Nebenfach Geschichte) schloss er im Juni 1940 ab (LL.B.); im Februar des Jahres wurde sein erster Sohn geboren (es folgten bis 1955 noch vier weitere Söhne und drei Töchter). Am 17. Juni 1940 wurde Skousen zum Special Agent befördert. Zum 5. Oktober 1951 quittierte er seinen FBI-Dienst.
Anschließend war Skousen bis Juni 1956 an der Brigham Young University (BYU) u. a. als Director of Public Services und als Assistant Professor of Speech beschäftigt.
Im Juni 1956 wurde Skousen Polizeichef von Salt Lake City. 1958 veröffentlichte er seinen antikommunistischen Traktat The Naked Communist, der sich zum Bestseller entwickelte. Skousen verfasste das Buch auf Anregung vom Präsidenten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage David O. McKay, der auch einen Verleger für das Buch fand und finanzielle Unterstützung anbot.Mary Barker: , Religion Dispatches, 21. September 2012. Zudem warb McKay sogar in der Generalkonferenz von 1959 für The Naked Communist; McKay ermahnte darin alle, das exzellente Buch zu lesen; in diesem behauptet Skousen u. a., dass der erste Sputnik mit Hilfe aus den Vereinigten Staaten gestohlener Pläne gebaut worden sei und dass es sich bei Fulgencio Batista um einen arbeiterfreundlichen und beliebten Herrscher in Kuba handele.
Im März 1960 erfolgte seine skandalträchtige Entlassung durch den Bürgermeister von Salt Lake City, J. Bracken Lee; Lee warf Skousen vor, die Polizeibehörde in totalitärer Weise („like a gestapo“) und zu privaten Zwecken geführt zu haben, während Skousen den Grund seiner Entlassung darin sah, dass er mit seinen Polizeiaktionen nicht vor Lee und dessen Freunden aus der Elite haltgemacht habe. Unterstützer Skousens verbrannten Kreuze auf dem Rasen des Bürgermeisters.Sean Wilentz: “Confounding Fathers: The Tea Party’s Cold War roots”, The New Yorker, 18. Oktober 2010.
Nach seiner Entlassung aus dem Polizeidienst bewarb sich Skousen erfolglos um die republikanische Nominierung für das Amt des Gouverneurs von Utah. Seine Kampagne warb für ihn als einen vierjährigen „Administrative Assistant to J. Edgar Hoover during World War II, a top assignment“. Hoover musste auf Anfragen klarstellen, dass es einen solchen Posten im FBI nicht gegeben hatte. Dennoch wurde Skousens angeblich enge Zusammenarbeit mit Hoover noch Jahre später von der John Birch Society, aber auch von Skousen selbst, kolportiert, was einer der Gründe war, warum sich das FBI immer wieder von Skousen distanzierte bzw. dessen Angaben zu von ihm beim FBI erworbenen Kompetenzen zum Thema Kommunismus dementierte (die FBI-Akte zu Skousen wuchs über die Jahre auf ca. 2000 Seiten an). Noch im Nachruf der Deseret News wurde Skousen als Assistent Hoovers bezeichnet.“Obituary: W. Cleon Skousen”, Deseret News, 13. Januar 2006.
Nach der Kampagne zur Nominierung für das Amt des Gouverneurs wurde Skousen leitender Redakteur (Editorial Director) der landesweit erscheinenden Polizei-Zeitschrift Law and Order. Zur selben Zeit profilierte er sich als Redner auf antikommunistischen Veranstaltungen (Skousen absolvierte jahrelang Hunderte von Veranstaltungen, oft vor über tausend Zuhörern), hauptsächlich für die Christian Anti-Communism Crusade von Fred Schwarz und das American Opinion Speakers Bureau der John Birch Society. In seinen Reden kolportierte Skousen u. a. das Gerücht, Harry Hopkins, Berater von Franklin D. Roosevelt, habe das Manhattan-Projekt an die Sowjets verraten und diesen nahezu die Hälfte der amerikanischen Uran-Vorräte übergeben.Zum Beispiel in einer Rede am 16. Oktober 1961 auf der von Fred Schwarz organisierten Veranstaltung Hollywood's Answer to Communism in der Hollywood Bowl: http://vimeo.com/18891752
Im September 1960 wurde Skousen auf Veranlassung von Clyde Tolson von der Special Correspondents List des FBI entfernt, auf die er erst im März (als ehemaliger FBI-Agent) gesetzt worden war. Dies geschah in Hinblick darauf, dass das FBI Skousen vermehrt als Rechtsextremen wahrnahm.
Eine von Skousen nach seiner Entlassung als Polizeichef von Salt Lake City gegründete Organisation namens All-American Society fand im Dezember 1961 Erwähnung in einem Artikel der Zeitschrift Time über „rightwing ultras“ (Ultrarechte). Skousen wurde darin als einer der aktivsten Sprecher der rechten Bewegung charakterisiert, der frei aus der Bibel zitiere, fortgesetzt Reklame für sein Buch The Naked Communist mache und auf eine vollständige Untersuchung des State Department durch den Kongress dränge.
Ende 1962 wurde Skousen vom konservativen American Security Council (ASC), für den er seit ca. 1959 in Chicago als „field representative“ gearbeitet hatte, freigestellt; Mitglieder des ASC waren der Meinung, dass Skousen übergeschnappt („gone off the deep end“) bzw. ein prinzipien- und gewissenloser, geldgieriger Geschäftemacher in Sachen Antikommunismus („unprincipled racketeer in anticommunism […] money mad“) sei.Einschätzungen bzw. Zitate bei Lazar. In The Naked Communist hatte Skousen Geschäftsleuten noch geraten, sich zur Überprüfung von Arbeitnehmern an das ASC zu wenden, das eine private schwarze Liste von Personen mit linken Verbindungen pflegte.
1967 kehrte Skousen an die BYU zurück und wurde Professor im Religions-Department, wo er Seminare über das Buch Mormon, das Alte Testament und über die Frühgeschichte der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Latter-day Saints, LDS) veranstaltete.Guide to the Ernie Lazar FBI FOIA Files on Anti-Communism and Right Wing Movements TAM.576, Tamiment Library / Wagner Archives Einer seiner Studenten war der spätere Gouverneur von Massachusetts und republikanische Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2012 Mitt Romney.
1970 veröffentlichte Skousen unter dem Titel The Naked Capitalist im Selbstverlag eine 144 Seiten lange Rezension von Carroll Quigleys Tragedy and Hope (1966). Skousens Rezension deutete Quigleys Buch im Sinne einer Neue-Weltordnung-Verschwörungstheorie; hierin unterstellte Skousen ein konspiratives Zusammengehen von Familien von Superreichen mit linken Revolutionären und internationalistisch gesinnten Liberalen zur Errichtung eines globalen Kollektivismus (s. weiter unten zu Skousens Artikel „Home Grown Subversion“). The Naked Capitalist wurde von einigen Professoren an der BYU im Unterricht verwendet. In Dialogue: A Journal of Mormon Thought gab man Quigley Gelegenheit, auf Skousens Interpretation seines Buches Stellung zu nehmen; zugleich bat man BYU-Professor Louis C. Midgley um eine Rezension von Skousens Buch. Das in der Ausgabe Herbst/Winter 1971 von Dialogue erschienene Urteil der zwei befand bezüglich Skousen, dieser habe fantastische Ideen erfunden und Schlussfolgerungen gezogen, die sich jenseits rechtschaffener Kommentierung befänden. Skousen wurde vorgeworfen, Quigley Dinge angedichtet zu haben, die in dessen Buch nicht auffindbar seien und zugleich ignoriert zu haben, dass das Buch sich gerade gegen ultrarechte Verschwörungstheoretiker vom Schlage Skousens wende. Quigley selbst äußerte gar, dass seiner Meinung nach in Skousens persönlichen Standpunkten das 25-Punkte-Programms der NSDAP nachklinge.
Der verschwörungstheoretische Dokumentarfilm The Capitalist Conspiracy (1972) von G. Edward Griffin nennt The Naked Capitalist als Inspiration sowie eines der wichtigsten Dokumente des Jahrzehnts.
Im April 1971 erstellte die Crime Research Section des FBI ein internes Memo mit einer Analyse von Skousens im März des Jahres in Law and Order erschienenen Artikel „Home Grown Subversion“. Anlass war eine Anfrage von J. Edgar Hoover, ob das FBI darin getätigte Aussagen (von denen sich viele schon in The Naked Capitalist finden) bestätigen könne. In diesem Artikel behauptet Skousen u. a. dass Angehörige reicher Dynastien („dynastic rich“) die gewaltsame Revolution (als Gegenrevolution zur Amerikanischen Revolution) finanzieren würden, um den Reichen dabei zu helfen, das Land zum Wohle der Menschheit zu übernehmen, Karl Marx sich nach 1848 dem demokratischen Sozialismus zugewandt und reformistische Methoden zur Übernahme der Vereinigten Staaten und England empfohlen habe, Gelehrte beginnen würden zu entdecken, dass alle kommunistischen Revolutionen nur durch finanzielle Hilfe von wohlhabenden Geldgebern erfolgreich gewesen wären; als Beispiel nennt Skousen die bolschewistische Revolution von 1917, die von verschiedenen dynastischen Bankiersfamilien finanziert worden sei, zwei Hauptorganisatoren dieser Finanzhilfen der britische Diplomat Sir George Buchanan und der britische Politiker Alfred Milner gewesen seien, Jakob Heinrich Schiff 20 Millionen Dollar für den finalen Triumph des Bolschewismus an kommunistische Machthaber gegeben habe, die Ford Foundation Organisationen mit Spendengeldern versehe, die globalistische Politik und Propaganda betrieben, britische und amerikanische Wohlhabende sich zusammengeschlossen hätten, um den Council on Foreign Relations (CFR) und das Institute of Pacific Relations (IPR) zu gründen, deren Zweck die Einflussnahme auf die Außenpolitik der Vereinigten Staaten zur Errichtung einer weltweiten kollektivistischen Gesellschaft sei, Untersuchungen des Kongresses ergeben hätten, dass CFR und IPR verantwortlich gewesen seien dafür, dass China an die Kommunisten gefallen war, für die Fehlsteuerung des Koreakrieges und die nicht auf Sieg abzielende Strategie im Vietnamkonflikt, die Angehörigen der reichen Dynastien durch ihre steuerbefreiten Stiftungen zusammen mit der gewalttätigen revolutionären Linken danach trachteten, ein solches Chaos zu verursachen, dass Amerikaner die Bundesregierung darum bitten würden, die Macht zu ergreifen.