Die Internationale Gartenbauausstellung 1993 (kurz: IGA 1993) fand vom 23. April bis zum 17. Oktober 1993 in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart statt.Garten- und Friedhofsamt, S. 143. Sie war zugleich eine Bundesgartenschau.

Geschichte Vorgeschichte Die IGA 1993 war innerhalb von 54 Jahren bereits die siebte große Gartenschau, die in Stuttgart im 20. Jahrhundert ausgerichtet wurde. Das Grüne U wurde mit ihr vollendet.Garten- und Friedhofsamt, S. 142. Es begann mit der Großen Frühjahrs-Gartenbauausstellung 1913 und der Württembergischen Gartenbau-Ausstellung 1924, wurde fortgesetzt mit der Reichsgartenschau 1939 auf dem Killesberggelände und der Deutschen Gartenschau 1950 am gleichen Ort. Die Bundesgartenschau 1961 bezog den „Oberen“ und „Mittleren Schlossgarten“ der Talaue in das Gartenschaukonzept ein. Die Bundesgartenschau 1977 verlängerte den grünen Arm in das Gelände des „Unteren Schlossgartens“ und kleine Teile des Rosensteinparks. Am Schwanenplatz wurden kleinere Parkteile der Umgebung integriert. Der IGA 1993 war es vorbehalten, die noch bestehende Lücke zwischen dem Höhenpark Killesberg und dem Rosensteinpark zu schließen.Übersichtskarte Es mussten hierfür zwei anspruchsvolle Terrains, der Wartberg und der Leibfriedsche Garten, optisch und funktional eingegliedert werden. Das lange avisierte Ziel, einen u-förmigen Grüngürtel durch die Stadt zu ziehen, wurde damit Realität.Ralf Arbogast, Stuttgart, Das grüne Erlebnis, S. 83–93.

Bewerbung und Vorbereitungen Die Bewerbung zur IGA 1993 wurde im Gemeinderat bereits diskutiert, als die BUGA 1977 gerade erst ausgelaufen war.Garten- und Friedhofsamt, S. 142. Den Zuschlag für die Internationale Gartenbauausstellung 1983 hatte schon München erhalten, sodass die Bemühungen dahin gingen, sich um die Schau in der Folgedekade, für 1993, zu bewerben.Internationale Gartenschauen fanden in zehnjährigem Rhythmus statt. 1984 bewarb sich die Stadt Stuttgart beim Zentralverband Gartenbau darum. Da die Konzeption „Verantwortungsbewußter Umgang mit der Natur in der Stadt“, überzeugte, erhielt die Stadt den Zuschlag.

Die Organisation und Abwicklung der Gartenbauveranstaltung lag in den Händen von Stuttgart und der vom Zentralverband Gartenbau gegründeten IGA Stuttgart´93 GmbH. Aufsichtsratsvorsitzender war der damalige Oberbürgermeister Manfred Rommel. Wie bereits 1977 war für die Vorbereitung der Provisorien und Daueranlagen das Technische Referat der Stadt Stuttgart unter der Leitung von Bürgermeister Hans-Dieter Künne verantwortlich.Garten- und Friedhofsamt, S. 142. Im Gartenbauamt wurden Projektgruppen zur Unterstützung einer nachhaltigen Vorgehensweise gebildet.

Für den Ideen- und Realisierungswettbewerb wurden alle Landschaftsarchitekten mit Sitz in Deutschland zugelassen. Mit ausländischen Kollegen durften jedoch Arbeitsgemeinschaften gebildet werden. 105 Wettbewerbsunterlagen wurden angefordert, 24 Architekten und Architekturbüros reichten Beiträge ein. Den ersten Preis erhielt die Planungsgruppe unter Führung des Büros Hans Luz.Luz / Egenhofer / Bidlingmaier / Dübbers / Schlaich / Billinger / Bohnet (Garten- und Friedhofsamt, S. 142).

Flächen der Gartenschau Die IGA 1993 fand auf einer Fläche von 100 ha statt.Garten- und Friedhofsamt, S. 143. Diese teilte sich auf verschiedene – zum Teil schon bestehende und historische – Park- und Grünflächen auf:

Wartberg Vegetationskundliche Gutachten ergaben, dass in einzelnen Arealen des vorgesehenen Geländes wertvolle Biotope lagen, mit denen äußerst sorgfältig umzugehen war. Am Wartberg befand sich eine Landschaft extensiver Nutzung, nahezu ohne öffentliche Zugänge. Hecken, Gräben, Trockenmauern und Streuobstwiesen beherrschten das Gelände.

Am Wartberg dominierten zwei Hauptbelange die Gartenschau. Einerseits der Erhalt des Vorgefundenen, andererseits die Belange von Besuchern mit Mobilitätseinschränkungen. Der Wartberghang wurden neu parzelliert, wobei auch 40 Dauerkleingärten entstanden. Das Wegenetz war 3,5 km lang, die Wege 5,5 m breit, aber nur in einer Breite von 3,5 m asphaltiert. Die Ränder von je einem Meter Breite wurden geschottert. Das reduzierte die Flächenversiegelung. Nach der Gartenschau sollte die Natur sich die Schotterstreifen „zurückholen“.

Optischer Blickfang des Wartbergs war der Egelsee. Durch eine Seengruppenbildung erhielt das Terrain den (Bei-)Namen „Krebsschwanz“. Die wasserspeienden geometrischen Figuren im See belebten die Ansicht der 5000 Quadratmeter großen Seefläche. Sie stammen von Hans Dieter Bohnet.

Leibfriedscher Garten mini|Der Leibfriedsche Garten ist heute ein gepflegtes Naherholungsgebiet

Kaum weniger anspruchsvoll als der Wartberg war das Gelände des Leibfriedschen Gartens, das einen waldartigen Parkbaumbestand aufwies, wie er heute noch in einem kleinen Segment um die Villa MoserDie Villa Moser ist das kriegszerstörte Anwesen des Schokoladenfabrikanten Eduard Otto Moser. besteht. Mehr als 20.000 Kubikmeter Erde mussten bewegt werden, um das Terrain des Leibfriedschen Gartens so herzurichten, wie es sich heute darbietet. Von der Bastion Leibfried lassen sich IGA-Gelände, Innenstadt und Neckartal überblicken. In fünf Stationen zeigte die Gartenschau die Entwicklungsgeschichte vom „reinen Naturraum“ zum „fertigen Garten“. Sich selbst überlassen blieb als Gegensatz dazu das Areal um die Villa Moser. An der „Löwentorstraße“ konstruierten die Architekten um das Büro Luz eine Mauer, in der ein Fachwerk aus Beton mit Trockenmauerwerk gefüllt wurde. Statische Stabilität und ökologischer Freiraum werden auf diese Weise kombiniert, denn Pflanzen und Tiere finden hier einen Lebensraum vor.

Killesberg Seit 1979 wurde anlässlich seines 40-jährigen Bestehens untersucht, wie der Höhenpark Killesberg besser geschützt werden könne. Das städtische Gartenbauamt entwickelte gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur den Plan, ihn als Naturdenkmal einzustufen. Das Regierungspräsidium Stuttgart stellte den Park 1986 unter Denkmalschutz.Garten- und Friedhofsamt, S. 143. Die Stadt suchte einen geeigneten Partner für die Gartendenkmalpflege, um den Park im Sinne von Hermann Mattern zu erhalten.Hermann Mattern hatte den Park in zwei Stufen 1939 und 1950 gestaltet (Garten- und Friedhofsamt, S. 144). Der Landschaftsarchitekt Peter Jordan wurde mit dieser Aufgabe betraut. Da nicht alle Interessen der Denkmalpflege und kontemporärer Nutzung miteinander vereinbar waren, kam es in Randbereichen zu Kompromissen.Garten- und Friedhofsamt, S. 144. Der See im „Tal der Rosen“ wurde vertieft. Er erhielt eine Fontäne, die, dauerhaft in Betrieb, die Sauerstoffzufuhr verbesserte. Die Freilichtbühne Killesberg mit 4000 Plätzen wurde geschaffen.

Rosensteinpark In der Kultivierung des Nadelöhrs zwischen den denkmalgeschützten Flächen des Rosensteinparks und des Höhenparks auf dem Killesberg lag eine große Herausforderung. Der Rosensteinpark war bereits vor 1993 ein Kulturdenkmal, eingreifende Veränderungen waren somit schwierig. Er durfte lediglich vorübergehend genutzt werden. Einzige Ausnahme war die vom Land Baden-Württemberg durchgeführte Ausstellung: „Vom Urtier zum Nutztier“, die als Ergänzung zum Zoologischen Garten Wilhelma vorgesehen war. Temporäre Bauten wurden an die Ränder des Parks gesetzt, um den Charakter des Areals als Englischer LandschaftsgartenRosensteinpark (Englischer Landschaftsgarten) nicht zu beeinträchtigen.

IGA 1993 Die IGA 1993 wurde durch Bundespräsident Richard von Weizsäcker eröffnet.Garten- und Friedhofsamt, S. 147. Insgesamt besuchten 7,3 Millionen Menschen die Gartenschau.Garten- und Friedhofsamt, S. 143. Damit wurden die Erwartungen der Veranstalter noch übertroffen. Es war mit einer Besucherzahl von 7 Millionen gerechnet worden.

Gärtnerische Anlagen Die große Blumenwiese auf dem Killesberg wurde mit Begonien, Chrysanthemen, Pelargonien, Tagetes, Verbenen, Zinnien, Fleißige Lieschen, Löwenmäulchen und Nelken bepflanzt. Einige Blumenbeete waren Neuheiten von Pflanzen und Raritäten vorbehalten.

Nationengärten mini|hochkant|Pavillon des „Quing Yin Garten“ während der Gartenausstellung

Im Süden des Rosensteinparks fanden sich die „Nationengärten“.Nationengärten der IGA 93 Stuttgart (youtube-Film) Die Gestaltung der Anlage oblag den Landschaftsarchitekten Karola Brunken & Partner. 22 Nationen präsentierten sich auf einer Fläche von 52.000 m ². Die Gärten waren durch hölzerne Stege verbunden. Für die verschiedenen Länder wurden typische Pflanzen präsentiert, wie Apfel (Belgien, Schweiz, Niederlande), Olive (Iran, Sardinien und andere), Palme (Ägypten, Angola, Tunesien, Indien), Kirsche (China) oder Weintraube (Österreich, Ungarn, Türkei und Südafrika).Nationengärten der IGA 1993 (youtube) Ein besonderer Garten war der chinesische „Quing Yin Garten“,Der Chinesische Garten – Qing Yin Yuan (Freundschaftsgarten), Nationengärten der IGA 93 Stuttgart Nationengärten China (Quing Yin Garten) der „Garten der schönen Melodie“. Er kombinierte Bambus und verschiedene Nadelhölzer in für europäische Augen ungewöhnlicher Weise.

Friedhofskultur Im südöstlichen Teil des Rosensteinparks zwischen dem Schloss Rosenstein und dem Museum am Löwentor wurde die Schau „Entwicklung der Friedhofskultur“ gezeigt. Hier wurden bekannte Bestattungsformen von Dolmengräbern bis zum Shintō-Friedhof vorgestellt.

Attraktionen Grüne Universität Im Norden des Rosensteinparks befand sich die „Grüne Universität“„Grüne Universität“, Internationale Gartenbauausstellung, Stuttgart mit einem temporären Pavillon, der mit seinen wechselnden Ausstellungen Einblick in die Lehre und Forschung der Universität Hohenheim ermöglichte.

Wohnen 2000 mini|Gebäude von „Wohnen 2000“

In einem Geländeabschnitt zwischen Löwentor und S-Bahn-Haltestelle Nordbahnhof wurde eine Siedlung errichtet, die im Rahmen „experimentellen Wohnungsbaus“ als „Vorbildsiedlung in einer benachteiligten Lage“ fungierte. Die Planungs- und Bauzeit lag zwischen 1989 und 1993. Die Finanzierung des Projekts übernahmen als Auftraggeber die „Stuttgarter Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft“, das „Siedlungswerk“, die „Landesentwicklungsgesellschaft“ und die „Gemeinnützige Baugenossenschaft Flüwo“.Experimentelle Solarhäuser Internationale Gartenschau Die Zusage der Leistungsträger war daran geknüpft, dass die Stadt sich finanziell beteiligte und die Grundstücke unter Marktpreis anbot. In der Folge entstand eine bunte, qualitativ ansprechende und moderne Siedlung zu moderaten Preisen, auch Mietwohnungen. Akustische wie optische Benachteiligungen mussten in Kauf genommen werden, denn die Heilbronner Straße, eine der meistfrequentierten Straßen Stuttgarts, und der Personen- wie Güterzugverkehr der Bahnstrecke Stuttgart–Heilbronn führen unmittelbar vorbei.

Kunst mini|Hans Dieter Bohnet, Kugelobjekt und Wasserspiele am Egelsee, 1993 mini|Stangenwald im Höhenpark Killesberg, errichtet 1993 von Hans Dieter Schaal

Auf Wartberg und Killesberg befanden sich Kunststationen: Hans Dieter Schaal entwickelte den Stangenwald im Killesbergpark und die Kunststation Villa Moser im Leibfriedschen Garten. Im Norden des Wartberggeländes verwirklichte Jeanette Zippel ihren Bienengarten.Jeanette Zippel, Biographische Daten Etwas südlicher liegt die Station Bei der Buche von Karina Raeck. (PDF; 5,5 MB) Bei den Ausstellungshallen im Süden realisierte Claus Bury seine architektonische Skulptur Am Kreuzungsbogen.Claus Bury, Architektonische Skulpturen Von Hans Dieter Bohnet stammten die Kunststationen Im Keuper (eine Felswand, die an die früheren Tage des Killesberggeländes erinnern sollte, als das Areal noch ein wüster Steinbruch war) und Unter den Stangen, eine 80 m lange Stangenlinie. Die polierten Schnittflächen der Stangen zeigen exakt 308 m über dem Meeresspiegel an. Hieran soll verdeutlicht werden, wie steil das Wartberggelände an dieser Stelle ist.