Der Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen (Namenszusatz: Nordkreuz) ist ein Fern- und Nahverkehrsbahnhof der Deutschen Bahn an der Berliner Ringbahn. Die Station liegt im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen am Übergang von der Bad- in die Brunnenstraße und gehört zu den 21 Bahnhöfen der höchsten Preisklasse 1 von DB InfraGO. Er wird täglich von etwa 203.000 Reisenden und Besuchern genutzt und liegt damit auf Platz vier der verkehrsreichsten Bahnhöfe in Berlin (Stand: 2019).

Der stark frequentierte Kreuzungsbahnhof mit zehn Bahnsteiggleisen ist Umsteigepunkt zwischen Personenfern- (ICE, IC/EC) und Nahverkehr (S- und Regionalbahn bzw. -Express) und bietet Anschluss zum innerstädtischen Verkehr mit Bussen oder – über den gleichnamigen U-Bahnhof der BVG – zur Linie U8.

Lage und Erschließung mini|links|Der Bahnhof Gesundbrunnen im Pilzkonzept

Topografisch liegt der Bahnhof Gesundbrunnen am Südhang des Panketals auf der Hochfläche der Humboldthöhe. Verkehrstechnisch liegt er am nördlichen Rand des Berliner S-Bahn-Rings. Er besitzt Zugänge sowohl von der Bad-/Brunnenstraße als auch von der Swinemünder Straße. Die Bahnanlagen wurden im Geländeeinschnitt unterhalb der gemauerten Badstraßenbrücke errichtet. An dieser Stelle knickt die Badstraße nach Süden hin in die Brunnenstraße ab; der Knick liegt genau über dem Bahnhof.

Die Wiederinbetriebnahme des Bahnhofs für den Fern- und Regionalverkehr ist ein wichtiger Bestandteil des Pilzkonzepts der Deutschen Bahn.

Geschichte des S-, Regional- und Fernbahnhofs

Erste Bahnlinie am Gesundbrunnen mini|Colonie Louisenbad, später Gesundbrunnen, um 1863. Im Kreis der spätere Ringbahnhof Gesundbrunnen

Am 1. August 1842 wurde der erste Teil der Bahnstrecke Berlin–Stettin eröffnet, die am Stettiner Bahnhof in Berlin beginnend durch den Ortsteil Gesundbrunnen nach Nord-Osten führte. Die Trasse kreuzte die Badstraße zwischen Grüntaler und Stettiner Straße niveaugleich mit einer Bahnschranke. Nach dem Umbau der Bahnanlagen am Gesundbrunnen konnte der unfallträchtige Bahnübergang entfernt werden.

Eröffnung der Ringbahn Nachdem der Plan, eine Ringbahn um Berlin herum zu bauen, vom preußischen König Wilhelm I. beschlossen worden war, ging diese bis 1872 in Betrieb. So fuhren seit dem 17. Juli 1871 Güterzüge auf der Berliner Ringbahn, Personenzüge seit dem 1. Januar 1872. Mit diesem Eröffnungsdatum nahm auch der Bahnhof Gesundbrunnen den Betrieb auf.

Eröffnung der Nordbahn mini|Ringbahnhof Gesundbrunnen, um 1880

Als am 10. Juli 1877 die Berliner Nordbahn von Berlin nach Neubrandenburg eröffnet wurde, begannen und endeten deren Personenzüge am Bahnhof Gesundbrunnen, der dadurch zu einem Verkehrsknotenpunkt wurde. Der Nordbahnhof als Endpunkt an der Bernauer Straße/Schwedter Straße konnte erst am 1. Oktober 1877 fertiggestellt werden und diente fast ausschließlich dem Güterverkehr. Die Personenzüge der Nordbahn benutzten ab dem 1. Dezember 1877 gegen eine Jahresgebühr von 50.000 Mark den Stettiner Bahnhof mit. Damit wurde der Stettiner Bahnhof für die Nordstrecken zum Endbahnhof (aus Stralsund, Neubrandenburg, Fürstenberg/Havel und Oranienburg), während der Bahnhof Gesundbrunnen dem Umsteigeverkehr zur Ringbahn diente.

Am 1. Oktober 1891 wurde zwischen Berlin und Oranienburg ein spezieller Vorortverkehr (als Vorläufer der S-Bahn) mit ermäßigtem Tarif eingerichtet. Seither fuhren die Fernzüge zwischen Gesundbrunnen und Oranienburg ohne Zwischenhalt durch. Wegen Überlastung des Stettiner Bahnhofs wurde 1892 ein Teil der Vorortzüge provisorisch in den Nordbahnhof umgeleitet, der bis dahin nur für den Güterverkehr genutzt worden war. Diese Zersplitterung des Vorortverkehrs war für die Reisenden sehr unübersichtlich und auf Dauer unhaltbar, sodass im Staatshaushalt 1895 insgesamt 8,85 Millionen Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund Millionen Euro) für den Umbau der Gleisanlagen am Gesundbrunnen bereitgestellt wurden, um den Fern- und Vorortverkehr am Bahnhof Gesundbrunnen kreuzungsfrei mit der Ringbahn zu verbinden.

Erster großer Umbau der Bahnanlagen und des Bahnhofs mini|Bahnhof Gesundbrunnen nach der Verlegung der Stettiner Bahn, 1898 mini|Gleisplan der Bahnanlagen am Gesundbrunnen von 1902 mini|Blick über Vorort- und Fernbahnsteig zur Swinemünder Brücke, 1906

Im Jahr 1895 begann der Umbau der Gleisanlagen der Stettiner Bahn im Norden Berlins. Da auch den Fahrgästen der Stettiner Bahn das Umsteigen am Ring- und Vorortbahnhof Gesundbrunnen ermöglicht werden sollte, verschwenkte man die Trasse der Stettiner Bahn zwischen den heutigen Bahnhöfen Humboldthain und Bornholmer Straße in die der Nordbahn. Am Bahnhof Gesundbrunnen wurden drei neue Bahnsteige für die Ring-, Vorort- und Fernbahn sowie ein Empfangsgebäude im neogotischen Stil nach Entwürfen von Armin Wegner errichtet.

Am 1. Mai 1897 wurden die ersten beiden Gleise der neuen Strecke (die späteren Vorortgleise) in Betrieb genommen und gleichzeitig die alte (parallel zur Grüntaler Straße verlaufende) Strecke der Stettiner Bahn stillgelegt. Am 1. Dezember 1897 konnte auch der neue Fernbahnsteig in Betrieb genommen werden.

Ab 1903 durfte der Fernbahnsteig im Bahnhof Gesundbrunnen nur noch von denjenigen Fernreisenden benutzt werden, die mindestens bis Bernau, Oranienburg oder darüber hinaus fahren wollten. Die Benutzung der Fernzüge zwischen dem Bahnhof Gesundbrunnen und dem Stettiner Bahnhof war somit untersagt.

Elektrifizierung der S-Bahn Die Strecke vom Stettiner Bahnhof nach Bernau war in den 1920er Jahren die erste Strecke im Berliner Nahverkehrsnetz, die für den Vorortverkehr elektrifiziert wurde. Zuvor war ein großes Elektrifizierungsprogramm von der Reichsbahn für die Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen beschlossen worden. Diese Elektrifizierung sollte mittels seitlicher Stromschiene mit 750 Volt Gleichstrom umgesetzt werden. Dazu wurde 1924 im Bereich der Gleisgabelung zwischen Stettiner- und Nordbahn ein Gleichrichterwerk für die Bahnstromversorgung nach Plänen des Reichsbahn-Architekten Richard Brademann errichtet (Gleichrichterwerk Pankow). Am 8. August 1924 fuhren erstmals elektrische Züge vom Stettiner Bahnhof über Gesundbrunnen nach Bernau. Diese Züge hielten am Bahnsteig C, dem Vorortbahnsteig. Bis 1927 war dieser elektrische Verkehr in die nördlichen Vororte auch auf Oranienburg (1925) und Velten (1927) ausgedehnt. Zwei Jahre später, am 1. Februar 1929, hielten auch am Bahnsteig A, dem Ringbahnsteig, elektrische S-Bahn-Züge.

Nach der Fertigstellung des Nord-Süd-S-Bahn-Tunnels durch die Berliner Innenstadt 1939 zwischen Stettiner Bahnhof und Anhalter Bahnhof konnten die S-Bahn-Linien der Nordstrecken endlich mit denen der Südstrecken verknüpft werden und verkehrten durchgehend zwischen Oranienburg und Wannsee/Potsdam. An der Hochstraße wurde bereits 1935 der neue Haltepunkt Humboldthain und an der Bösebrücke der Bahnhof Bornholmer Straße nach Plänen des Architekten Richard Brademann errichtet.

Bereits 1930 war unter den Anlagen der Reichsbahn der U-Bahnhof Gesundbrunnen für die GN-Bahn in Betrieb genommen worden.

Zweiter Weltkrieg und Wiederaufbau Am 8. Oktober 1939 kam es im Bahnhof zu einem schweren Unfall, als der Lokomotivführer des D 17 zwei Vorsignale und das Hauptsignal missachtete und auf den P 411 auffuhr. 23 Menschen starben und 31 wurden verletzt.Hans Joachim Ritzau: Eisenbahn-Katastrophen in Deutschland. Splitter deutscher Geschichte. Bd. 1: Landsberg-Pürgen 1979, S. 101; Peter W. B. Semmens: Katastrophen auf Schienen. Eine weltweite Dokumentation. Transpress, Stuttgart 1996, ISBN 3-344-71030-3, S. 99–100.

Während des Zweiten Weltkriegs nahm der Verkehr auf den öffentlichen Schienenverkehrsmitteln rapide zu, weil Autos und Busse für militärische Zwecke beschlagnahmt wurden. Im April 1945 musste der Verkehr eingestellt werden. Erst nach und nach fuhren die ersten Züge wieder, vorerst mit Dampf und stets überfüllt. In mehreren Etappen fuhren auch wieder S-Bahn-Züge auf der Ringbahn:

11. Juli 1945 zwischen Ostkreuz und Gesundbrunnen, 1. Oktober 1945 zwischen Gesundbrunnen und Wedding, 19. Dezember 1945 zwischen Wedding und Putlitzstraße.

Ab dem 13. August 1945 verkehrten auch S-Bahn-Züge wieder von der Kremmener, Stettiner und Nordbahn über den Bahnhof Gesundbrunnen – jedoch nur bis zum Stettiner Fernbahnhof, da der Nord-Süd-Tunnel unter Wasser stand. Züge nach Wannsee, Teltow und Rangsdorf konnten erst ab 1947 wieder durch den Tunnel fahren.

Im Jahr 1949 gab es aber den ersten Konflikt um den Bahnhof Gesundbrunnen. Die Eisenbahner streikten (siehe Folgeabschnitt) und die DDR-Transportpolizei, die Hoheitsrechte auch in West-Berlin auf dem Reichsbahngelände, also auch der S-Bahn, für sich reklamierte, versuchte, den Streik zu verhindern. Am Bahnhof Gesundbrunnen kam es sogar zum Schusswaffeneinsatz der „Trapo“ gegen die Streikenden. Die französische Militärverwaltung setzte dem ein Ende und schützte die Streikenden, die allerdings damit auch nicht mehr ohne Gefahr für die eigene Freiheit nach Ost-Berlin zurückkehren konnten und damit letztlich ihren Job verloren.Schimmler: Der Wedding, Ein Bezirk zwischen Tradition und Fortschritt, Berlin 1985.

Mauerbau und Stilllegung mini|Umsteigebahnhof zwischen U-Bahn, S-Bahn und Fernbahn, 1985 mini|hochkant|Blick von der Swinemünder Brücke auf die Ringbahngleise, 1986

Nach dem langen und erbitterten Eisenbahnerstreik in West-Berlin 1949, der schwere Auswirkungen auf den Bahnbetrieb in der DDR hatte, war diese bemüht, den Fernverkehr aus West-Berlin herauszunehmen. Am 18. Mai 1952 endete auf dem Stettiner Bahnhof und im Bahnhof Gesundbrunnen der Personenverkehr, während der Güterverkehr bis 1961 bestehen blieb.

Mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 wurde der S-Bahn-Ring in zwei Halbringe zerschnitten, sodass die Züge im Westteil Berlins nur noch zwischen Sonnenallee/Köllnische Heide und Gesundbrunnen verkehren konnten. Auch der Verkehr von Gesundbrunnen nach Bernau wurde unterbrochen.

Durch den West-Berliner S-Bahn-Boykott nach dem Mauerbau verlor die unter Regie der Deutschen Reichsbahn verkehrende S-Bahn im Westteil Berlins zunehmend an Bedeutung und die Fahrgastzahlen sanken rapide. Die Reichsbahn versuchte, durch die Teilmodernisierung einiger Bahnhöfe die Attraktivität der S-Bahn wieder zu erhöhen. Wie an den Stationen Halensee, Beusselstraße, Hermannstraße und Schönhauser Allee wurde in den Jahren 1964/1965 auch am Gesundbrunnen auf den Grundmauern des alten Empfangsgebäudes eine moderne Bahnhofshalle errichtet. Doch auch diese Maßnahmen brachten der S-Bahn keinen Zuwachs der Fahrgastzahlen.

Nach dem Mauerbau kam es auf dem Gelände des Betriebswerks Gesundbrunnen an der Behmstraßenbrücke zu einer Ost-West-Konfrontation. Die Ost-Berliner Regierung hatte an einem Wasserturm die großen Buchstaben „DDR“ anbringen lassen. Da das Bahngelände zum West-Berliner Bezirk Wedding gehörte, lag es im Französischen Sektor. Der französische Stadtkommandant sah die Anbringung Ost-Berliner Hoheitszeichen in seinem Sektor als Provokation an und forderte die sofortige Entfernung der drei Buchstaben, andernfalls drohte er mit der sofortigen Sprengung des Wasserturms. Er ließ Schützenpanzer auf der Swinemünder Brücke in Stellung gehen und einen Maschinengewehrstand auf dem nahen Hertha-Sportplatz errichten. Nachdem die Ost-Berliner Behörden zunächst nur ein „D“ hatten überstreichen lassen, brachen sie nach erneuter Protestnote der Franzosen den Wasserturm aus „technischen Gründen“ ab, um das Gesicht zu wahren.

Trotz der im Viermächteabkommen festgeschriebenen Betriebspflicht der Reichsbahn für die S-Bahn stellte diese den S-Bahn-Verkehr in West-Berlin im September 1980 nach einem Eisenbahnerstreik der West-Berliner Beschäftigten weitgehend ein. Nur auf wenigen Strecken wurde der Verkehr aufrechterhalten. Dazu gehörten unter anderem auch die Nord-Süd-Strecken Lichtenrade – Frohnau und Lichterfelde Süd – Heiligensee über den Bahnhof Gesundbrunnen.