Die Iranische Luftwaffe () ist ein Teil der iranischen Streitkräfte. Von 1925 bis 1979 lautet die Bezeichnung Kaiserliche Iranische Luftwaffe (IIAF), seit der Islamischen Revolution wird die Bezeichnung Luftwaffe der Islamischen Republik Iran (IRIAF) verwendet. Aktuell wird die iranische Luftwaffe von Brigadegeneral Hassan Schah-Safi geleitet., abgerufen am 22. Dezember 2012. Die Iranische Revolutionsgarde besitzt ebenfalls eine Luftwaffe, die völlig unabhängig von der regulären iranischen Luftwaffe operieren kann. mini|Offiziere der Kaiserlichen Iranischen Luftwaffe (1933). Vierter von links: Colonel Ahmad Khan Nakhjavan
Kaiserliche Iranische Luftwaffe (IIAF) Anfänge Nach dem Ersten Weltkrieg flogen deutsche Piloten im Auftrag der neu gegründeten persischen Luftwaffe. Reza Schah Pahlavi reformierte ab 1925 die persischen Streitkräfte, dazu zählte der Aufbau der Kaiserlichen Iranischen Luftwaffe (IIAF). Der erste iranische Pilot war Colonel Ahmad Khan Nakhjavan, der in Frankreich ausgebildet, am 25. Februar 1925 mit einer Breguet 19 in Iran landete. 1929 umfasste die Kaiserliche Luftwaffe 15 Piloten, 6 in Frankreich, 9 in der Sowjetunion ausgebildet. Zu dieser Zeit standen im Dienst der Luftwaffe 33 Flugzeuge; bis zum Zweiten Weltkrieg umfasste die Luftflotte knapp 50 kampffähige Flugzeuge.iiaf.net history abgerufen am 22. Dezember 2012 mini|F-86 (Golden Crown) der IIAF
Anglo-Sowjetische Invasion Kurz vor der Anglo-Sowjetischen Invasion Irans bekam die Kaiserliche Luftwaffe von den USA 15 Kampfflugzeuge des Typs Curtiss P-36 geliefert, 10 flugbereite Flugzeuge wurden bei der Invasion auf dem Flugplatz Ahvaz beschlagnahmt. Damit konnte nicht mehr von Luftwaffe gesprochen werden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden der Kaiserlichen Iranischen Luftwaffe 36 britische Hawker Hurricane und von den USA Kampfflugzeuge des Typs Republic P-47 (ab 1948, 60 Exemplare), Republic F-84 (ab 1957, 34 Exemplare) und North American F-86 (ab 1960, 48 Exemplare) zur Verfügung gestellt.iiaf.net airdefense abgerufen am 22. Dezember 2012 1958 wurde die Kunstflugstaffel „Golden Crown“ (Goldene Krone) gegründet, die bis 1978 bestand.iiaf.net/goldencrown abgerufen am 27. Dezember 2012
Aufrüstung Unter Mohammad Reza Pahlavi erfuhr die Luftwaffe ab den 1960er Jahren eine beispiellose Aufrüstung. Die Ausbildung der iranischen Piloten erfolgte in den USA bei der US Air Force, die kaiserliche Luftwaffe war, innerhalb der iranischen Streitkräfte, der „Liebling“ und „Stolz“ des Schahs.Mohammad Reza Pahlavi erfuhr selbst eine Pilotenausbildung und war begeisterter Flieger. Während der Operation Ajax (16. August 1953) flog er selbst mit seiner Privatmaschine in Richtung Bagdad. Flugzeuge wie u. a. Northrop F-5, McDonnell F-4, F-5E Tiger II und der modernste Luftüberlegenheitsjäger seiner Zeit, die Grumman F-14, führten die IIAF in den 1970er-Jahren zur modernsten und schlagkräftigsten im Mittleren Osten und der viertstärksten Luftwaffe weltweit.Institute for national strategic studies. National Defence University, Washington, 1994, Paper No. 29, S. 178 Richard Nixons Doktrin von 1972 erlaubte es dem Schah, „alles [an Waffen] zu kaufen was er wünschte“.Ronald E. Bergquist: The role of the airpower in the Iran-Irak War. United States Government, 2001 mini|F-5A der IIAF mini|F-4D der IIAF Bis 1976 wurden vom Schah für die Aufrüstung der Luftwaffe 11,8 Milliarden US-Dollar ausgegeben, 1978 betrug die Truppenstärke der IIAF 14.000 Mann.Mehdi Parvizi Amineh: Die globale kapitalistische Expansion und Iran. LIT-Verlag, 1999, ISBN 3-8258-4439-0, Seite 236
Liste der Flugzeuge die bis 1978 an den Schah geliefert wurden: SpezifikationBeschreibungAuslieferungAnzahl Lockheed C-130 Transportflugzeug 1963– 42–56* F-5 A/B Kampfflugzeug 1965– 127 F-4D Kampfflugzeug 1968– 32 Bell 206 Hubschrauber 1968– 140 F-4E Kampfflugzeug 1971– 177 RF-4E Aufklärungsflugzeug 1971– 16 Boeing-Vertol CH-47 Transporthubschrauber 1971– 16 Bell AH-1 Kampfhubschrauber 1972– 202 Bell 214 Hubschrauber 1972– 287 Sikorsky S-65 Transporthubschrauber 1973– 18 F-5 E/F Tiger II Kampfflugzeug 1975– 181 Grumman F-14 Kampfflugzeug 1975– 79zuzüglich 284 AIM-54 Phoenix Luft-Luft-Lenkwaffen, siehe: Tom Cooper: airspacemag.com Persian Cats, abgerufen am 21. Dezember 2012 P-3F Orion Seeaufklärer 1975– 6 Boeing KC-135 Tankflugzeug 1975– 10–12* Boeing KC-33A Tankflugzeug 1975– 4Iran kaufte 12 gebrauchte Boeing 747 zur militärischen Anwendung, vier wurden als Tankflugzeuge umgerüstet, die anderen (vermutlich) als fliegende Kommandozentrale sowie Transportflugzeuge. Siehe (hier als Typ KC-25 beschrieben): globalsecurity.org aircraft/kc-25 abgerufen am 26. Dezemberboeing-747.com/specia boeing 747 abgerufen am 26. Dezember 2012 Quellen: Ulrich Gehrke: Iran. Verteidigung und Sicherheit. Ed. Erdmann, Stuttgart 1976, ISBN 3-522-64050-0, S. 259 ff.iiaf.net/historyunterschiedliche Angaben
Für das Mehrzweckkampfflugzeug General Dynamics F-16 hatte der Schah einen Kaufvertrag über 160 (mit Folgeauftrag von 140) Flugzeugen unterzeichnet. Vor der Auslieferung der ersten Exemplare erfolgte die islamische Revolution. Einige Flugzeugteile und Ausrüstung hatte Iran bereits erhalten. Die bereits gefertigten F-16 wurden nach der islamischen Revolution an Israel verkauft. abgerufen am 27. Dezember 2012
Luftwaffe der Islamischen Republik Iran (IRIAF) mini|F-14A der IRIAF
Während des nach der islamischen Revolution herrschenden ChaosDer Spiegel 35/1979. Iran: Kranke Armee, abgerufen am 22. Dezember 2012 verlor die Luftwaffe viele Offiziere durch FluchtBis 1979 waren 120 Piloten und Waffenoffiziere in den USA für die Grumman F-14 ausgebildet, 27 Piloten verließen zu Beginn der islamischen Revolution Iran. Siehe: airspacemag.com Tom Cooper: Persian Cats, abgerufen am 22. Dezember 2012 oder Säuberungsaktionen der neuen Machthaber.23 Generäle und 30 Offiziere des Schahs wurden sofort hingerichtet. Vergl. James A.Bill: The Iranian Revolution and the Changing Power Structure. S. 124. Dies führte zu einem schlechten Zustand der Streitkräfte, insbesondere nach dem Nojeh-Coup misstraute Ruhollah Chomeini der Luftwaffenführung. Die neue iranische Luftwaffe erbte dennoch die Ausrüstungen und die Struktur der ehemaligen Kaiserlichen Iranischen Luftwaffe.
Der Erste Golfkrieg Als Folge von Säuberungen, erzwungenen Rücktritten und Hinrichtungen seit dem Februar 1979 bis Juli 1980 verringerte sich die Stärke der iranischen Luftwaffe extrem und machte sie unvorbereitet für den Krieg. Der plötzliche Luftangriff des Irak im Ersten Golfkrieg gegen sechs iranische Militärflugplätze und vier andere Militärbasen, der am 22. September 1980 um 14:00 Uhr Ortszeit durchgeführt wurde, überraschte die iranische Luftwaffe. Jedoch konnte bei den Angriffen der folgenden Tage nur der Flugplatz von Dezful nachhaltig und wenige Flugzeuge der iranischen Luftwaffe zerstört werden.Ronald E. Bergquist: The Role of Air Power in the Iran-Iraq War, 2012, ISBN 978-147838-466-3, S. 58
1980–1982 mini|Lockheed C-130H der IRIAF (1988) Die Iraner flogen bereits am zweiten Kriegstag eine Reihe von Vergeltungsoffensiven gegen den Irak. Bei der Operation Kaman 99, am 23. September 1980, wurden verschiedene irakische Luftwaffenstützpunkte angegriffen. Bis Anfang Oktober sollen in Luftkämpfen bis zu 17 Prozent der irakischen Luftwaffe zerstört worden sein.Ronald E. Bergquist: The Role of Air Power in the Iran-Iraq War, 2012, ISBN 978-147838-466-3, S. 46 Am 29. Oktober 1980 bei der Operation Sultan 10 gelang es iranischen Fliegern irakische Flugzeuge in der Luft und am Boden zu zerstören, am 30. Oktober 1980 wurde das im Bau befindliche irakische Kernkraftwerk Osirak (Operation Scorch Sword) angegriffen und teilweise beschädigt. Eine Großoperation der iranischen Luftwaffe war der Angriff auf H-3 am 4. April 1981.Vergl.: Attack on H3
Am 29. September 1981 stürzte eine Lockheed C-130 der iranischen Luftwaffe auf dem Rückflug von der Front mit der kompletten Armeespitze ab. Unter den Toten war auch der Chef der iranischen Luftwaffe, Generalmajor Javad Fakouri. Angeblich fing die Maschine Feuer und stürzte ab. Die Untersuchungskommission kam zu keinem Abschlussbericht, so dass die Frage nach Sabotage bis heute nicht ausgeräumt werden konnte.Hans-Peter Drögemüller: Iranisches Tagebuch. 5 Jahre Revolution. 1983, ISBN 3-922611-51-6, S. 334.
Nach der Befreiung der meisten iranischen Gebiete, die von irakischen Truppen besetzt worden waren, änderte sich auch die Situation der iranischen Luftwaffe. Die Verteidigung des Landes stand nun im Mittelpunkt der Aufgaben der iranischen Luftwaffe. Durch das US-Waffenembargo nach der Geiselnahme von Teheran war es schwierig, die von den USA hergestellten Flugzeuge und Hubschrauber einsatzfähig zu halten. Intakte Flugzeuge wurden für Ersatzteile „ausgeschlachtet“ um ein Minimum an Flugzeugen einsatzbereit zu halten.Stephen C. Pelletiere: The Iran-Iraq War (Chaos in a Vacuum), Greenwood 1992, ISBN 978-027593-843-7, S. 41 Ende 1982 standen Teheran noch etwa 120 einsatzfähige Kampfflugzeuge zur Verfügung.Dilip Hiro: The Longest War. The Iran-Iraq Military Conflict. New York: Routledge Chapman & Hall, Inc., 1991, ISBN 0-415-90407-2, S. 88
1983–1988 Der Kriegsverlauf des Stellungskriegs zwang die iranische Luftwaffe mit den vorhandenen Mitteln ökonomisch umzugehen, insbesondere vor dem Hintergrund des Mangels an besonders qualifizierten Piloten.Ronald E. Bergquist: The Role of Air Power in the Iran-Iraq War, 2012, ISBN 978-147838-466-3, S. 77 Die Lufthoheit über iranischem Gebiet hatte die iranische Luftwaffe bereits seit 1984 zahlenmäßig verloren. Während die irakische Luftwaffe etwa 100 Einsätze am Tag flog, kam die iranische Luftwaffe auf 10.Dilip Hiro: The Longest War. The Iran-Iraq Military Conflict. New York: Routledge Chapman & Hall, Inc., 1991, ISBN 0-415-90407-2, S. 105
Anfang 1985 sah sich die iranische Luftwaffe einer besser organisierten und aufgerüsteten irakischen Luftwaffe gegenüber, die durch die Lieferungen von Kampfflugzeugen aus Frankreich (Dassault Super Étendard, Mirage F1) und der Sowjetunion (MiG-25) verstärkt worden war und die zahlreiche Offensiven gegen iranische Städte, der Ölverladestation Charg und gegen Öltanker unternahm. Insbesondere die Mirage F1, mit Super-530- und R.550-Magic-Luft-Luft-Raketen ausgerüstet, schossen 12 iranische F-14 ab.Dilip Hiro: The Longest War. The Iran-Iraq Military Conflict. New York: Routledge Chapman & Hall, Inc., 1991, ISBN 0-415-90407-2, S. 135
Über verschiedene Kanäle versuchte Iran an die dringend benötigten Ersatzteile zu gelangen, die Iran-Contra-Affäre war nur ein Aspekt der Waffenlieferungen.Ersatzteile für die McDonnell F-4 gelangten über Südkorea nach Iran. Vergl. Michael Flitner: Krieg als Geschäft, Waffenexporte in Iran und Irak. S. 56. Ende 1985, Anfang 1986 erhielt Iran bei einer verdeckten Aktion via Israel 18 F-4, 13 F-5, 46 Skyhawk und 5 C-130.Dilip Hiro: The Longest War. The Iran-Iraq Military Conflict. New York: Routledge Chapman & Hall, Inc., 1991, ISBN 0-415-90407-2, S. 221 Iran gelang es Teile der F-14 nachzubauen, so dass 1986 24 F-14 flugfähig waren.Insgesamt sollen 1986 48 F-14 einsatzfähig gewesen sein. Siehe: Dilip Hiro: The Longest War. The Iran-Iraq Military Conflict. New York: Routledge Chapman & Hall, Inc., 1991, ISBN 0-415-90407-2, S. 168 Ende 1987 verfügte die iranische Luftwaffe über knapp 70 einsatzbereite Kampfflugzeuge.Dilip Hiro: The Longest War. The Iran-Iraq Military Conflict. New York: Routledge Chapman & Hall, Inc., 1991, ISBN 0-415-90407-2, S. 195