Monsanto war ein 1901 gegründeter und bis zu seiner Übernahme durch die deutsche Bayer AG am 7. Juni 2018 eigenständiger, ab 1927 börsennotierter Konzern mit Sitz in Creve Coeur bei St. Louis im US-Bundesstaat Missouri.
Bis dahin hatte Monsanto Niederlassungen in 61 Ländern. Das Unternehmen produzierte Saatgut und Herbizide und setzte seit den 1990er Jahren Biotechnologien zur Erzeugung gentechnisch veränderter Feldfrüchte ein. Bekannte Produkte sind verschiedene transgene Maissorten und Breitbandherbizide mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat unter dem Namen Roundup.
Das Unternehmen war von August 2002 bis Juni 2018 im Aktienindex S&P 500 gelistet. Seit September 2016 waren Absichten einer Übernahme durch die Bayer AG bekannt,Übernahmeangebot erfolgreich: Bayer bekommt Monsanto für 66 Milliarden Dollar bei Spiegel Online, 14. September 2016, abgerufen am 14. September 2016. die am 7. Juni 2018 schließlich für einen Kaufpreis von 66 Mrd. Dollar abgeschlossen wurde. Auch aus Reputationsgründen wurde der belastete Name Monsanto verworfen.Bayer übernimmt Monsanto und streicht den Namen, NZZ vom 4. Juni 2018, abgerufen am 4. Juni 2018
Unternehmensprofil Monsanto erzielte im Geschäftsjahr 2016 bei einem Umsatz von 13,5 Milliarden US-Dollar einen Nettogewinn von 1,336 Milliarden US-Dollar. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung betrugen etwa 1,5 Milliarden US-Dollar (11,2 % des Umsatzes). Beschäftigt waren 20.800 feste und 3.300 befristete Angestellte.Geschäftsbericht 2016 (Form 10-K)
Das Unternehmen ist in die beiden Geschäftsbereiche Seeds and Genomics und Agricultural Productivity gegliedert. Im Bereich Seeds and Genomics ist das gesamte Saatgutgeschäft sowie die Biotechnologie angesiedelt. Dieser steuerte 2016 74 % des Umsatzes bei. Monsanto produziert gentechnisch verändertes Saatgut, das gegen Schädlinge resistent ist (Bt-Mais, Bt-Soja, Bt-Baumwolle) und das gegenüber Glyphosat (Roundup Ready Mais, Sojabohnen, Baumwolle, Raps) oder Glyphosat und Dicamba (Sojabohnen, Baumwolle) tolerant ist. Über die Tochtergesellschaft Seminis wird außerdem Obst- und Gemüsesaatgut in über 150 Ländern ausgeliefert. Der Bereich Agricultural Productivity stellt Herbizide für Landwirtschaft, Industrie, öffentliche Anlagen, Haus und Garten her und war für 26 % des Umsatzes verantwortlich. Bekanntestes Produkt aus diesem Bereich ist das Breitbandherbizid Roundup.
Bedeutende Konkurrenten sind die Firmen Pioneer Hi-Bred International, Syngenta, Dow AgroSciences, Bayer CropScience und BASF Plant Science. Laut einer Einschätzung der etc group besaß Monsanto 2007 mit etwa 5 Mrd. US-$ einen Anteil von 23 % am Markt für rechtlich geschütztes Saatgut vor Pioneer Hi-Bred mit 15 % und Syngenta mit 9 %. Für den weltweiten Umsatz von gentechnisch verändertem Saatgut über 6,9 Mrd. US-$ ergab sich ein Anteil von 72 % und bei der Anbaufläche von Gv-Pflanzen betrug der Anteil mit Technologie von Monsanto 87 %.Who Owns Nature? Corporate Power and the Final Frontier in the Commodification of Life (PDF; 6,5 MB) ETC Group Communiqué, Nummer 100, November 2008, S. 11 ff.
Monsanto besitzt über 20 Standorte zur Saatgutproduktion. Die Pflanzenschutzmittelproduktion ist zentralisierter mit Standorten in Antwerpen (Belgien), Camaçari und São José dos Campos (Brasilien), Luling, Louisiana,Monsanto to invest more than $1 bln in dicamba herbicide production, 24. Juni 2015 Muscatine, Iowa, Rock Springs, Wyoming und Soda Springs, Idaho (USA) sowie Zárate (Argentinien).
Geschichte Unternehmensführung Name Zeitraum John F. Queeny 1901–1928 Edgar Monsanto Queeny 1928–1960 Charles Allen Thomas 1960–1964 Edward O’Neal 1964–1975 John W. Hanley 1975–1983 Richard J. Mahoney 1983–1995 Robert B. Shapiro 1995–2000 Frank V. AtLee 2000–2003 Hugh Grant seit 2003
Anfangszeit von Monsanto John Francis Queeny (1859–1933) gründete 1901 die nach dem Familiennamen seiner Frau, Olga Mendez Monsanto, benannten Monsanto Chemical Works mit einem Anfangskapital von 5000 US-Dollar. Geschäftsziel war die Herstellung des Süßstoffs Saccharin. Einziger fester Angestellter war der Schweizer Chemiker Louis Veillon (1875–1958), der zuvor bei Sandoz gearbeitet hatte, woher man auch die Rohstoffe bezog. Zu dieser Zeit wurde Saccharin sonst nur noch in Deutschland produziert. Queeny blieb zunächst weiter bei seinem bisherigen Arbeitgeber. 1904 erweiterte Monsanto seine Palette um Koffein und 1905 um Vanillin. In der Folge wurden zwei weitere Schweizer Chemiker eingestellt, Gaston Dubois und Jules Bebie. In den ersten drei Geschäftsjahren fiel ein Verlust an, 1905 ein Gewinn von 10600 Dollar. Besonders das Koffein erwies sich als lukrativ. Ab 1908 widmete sich Queeny seiner eigenen Firma allein, 1915 stieg der Umsatz erstmals über eine Million.
1927 erfolgte der Börsengang und 1928 übergab Queeny die Firma an seinen Sohn Edgar. Ab 1933 lautete der Firmenname Monsanto Chemical Company. 1936 übernahm Monsanto die zehn Jahre zuvor gegründete Thomas and Hochwalt Laboratories, welche später die zentrale Forschungsabteilung wurde.
Monsanto gehörte 1944 zu insgesamt elf Unternehmen, welche kriegsbedingt im Zuge eines Programms der US-amerikanischen Regierung lizenzfrei Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) produzierten.Edmund Russell, War and Nature: Fighting humans and insects with chemicals from World War I to Silent spring, Cambridge University Press 2001, S. 148. 1962 wurde die Produktion eingestellt.
Seit den 1940er Jahren produzierte Monsanto unter anderem polychlorierte Biphenyle (PCB), die inzwischen zu den zwölf als „Dreckiges Dutzend“ bekannten organischen Giftstoffen zählen und welche durch das Stockholmer Übereinkommen vom 22. Mai 2001 weltweit verboten wurden. Monsanto stellte die Produktion durch öffentlichen Druck 1977 ein. Am 16. April 1947 wurde durch die Explosion eines französischen Frachters eine Fabrik Monsantos in Texas City zerstört, wobei 512 Menschen ums Leben kamen., asse.org 1949 wurde mit American Viscose das Joint Venture Chemstrand zur Herstellung von Acrylfasern gegründet. 1961 kaufte Monsanto ihrem Partner die andere Hälfte ab. Die zunehmende Bedeutung von Öl und Gas für die chemische Produktion veranlasste Monsanto 1955 zu der bis dahin mit Abstand größten Übernahme, Lion Oil, welche den Umsatz um mehr als die Hälfte auf 632 Mio. Dollar anwachsen ließ. Die Erdölraffinerie und das Tankstellennetz wurden 1972 an TOSCO verkauft, von den Förderaktivitäten, u. a. in der Nordsee und mittlerweile als Monsanto Oil Company geführt, trennte man sich Mitte der 1980er Jahre.
Vom Chemie- zum Mischkonzern 1960 wurde der landwirtschaftliche Bereich aufgebaut, welcher Dünge- und Pflanzenschutzmittel umfasste. 1964 wurde der Firmenname auf Grund der stark gestiegenen Diversifizierung in Monsanto Company geändert. Im selben Jahr entwickelten Chemstrand-Mitarbeiter den Kunstrasen ChemGrass, welcher nach der Installation im Astrodome 1966 als AstroTurf bekannt wurde.History of AstroTurf, ehow.com (englisch). Über das 1954 mit der Bayer AG gegründete Joint Venture Mobay war Monsanto bis 1967 an der Herstellung des Herbizids „Agent Orange“ beteiligt, das die US-Streitkräfte im Vietnamkrieg zur Vernichtung von Wäldern und Nutzpflanzen einsetzten. Aufgrund der Kontaminierung mit Dioxinen führte dies zu erheblichen irreversiblen Gesundheitsschäden bei Zivilisten und Soldaten, die dem Mittel ausgesetzt waren.
1968 führte William S. Knowles in den Labors von Monsanto die entscheidenden Experimente über chiral katalysierende Hydrierungsreaktionen durch, wofür er 2001 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde.The Nobel Prize in Chemistry 2001, nobelprize.org In den 1970er-Jahren hat Monsanto die Entwicklung von Leuchtdioden (LEDs) vorangetrieben, nachdem das Unternehmen 1968 als erste Firma die Massenproduktion von (roten) LEDs auf Basis von Galliumarsenidphosphid aufgenommen hatte. Die Produkte (diskrete LEDs und Siebensegmentanzeigen) ermöglichten damals erste Taschenrechner und Digital-(Armband-)Uhren.E. Fred Schubert: Light-Emitting Diodes. Cambridge University Press 2003, ISBN 0-8194-3956-8, S. 8–10 (Auszug (Google)).
Aufspaltung und Fokus auf Grüne Gentechnologie 1979 wurde zusammen mit der American Society of Safety Engineers (ASSE) in Erinnerung an das Unglück von 1947 und den damaligen Vorstand der Edgar Monsanto Queeny Safety Professional of the Year (SPY) Award gestiftet, welcher jährlich an Sicherheitsingenieure für herausragende Leistungen vergeben wird. Im selben Jahr wurde der Biologe Howard A. Schneiderman Chef der Forschungsabteilung und beeinflusste maßgeblich die Entscheidung, Erträge aus dem „alten“ Chemiegeschäft in das neue Feld der Biotechnologie zu investieren.Howard A. Schneiderman, 63, Expert on Altering Plants’ Genes, nytimes.com (englisch). 1980 erwarb Monsanto eine Beteiligung an Biogen und schloss eine Forschungskooperation mit Genentech. 1985 übernahm Monsanto den Süßstoffhersteller G. D. Searle & Company und schuf die Tochtergesellschaft NutraSweet. Das gesamte Süßstoffgeschäft wurde 2000 verkauft.. In: monsanto.com. Abgerufen am 2. Juli 2013 (englisch).
1981 etablierte Monsanto eine Gruppe für Molekularbiologie und machte die Biotechnologie zum strategischen Fokus des Unternehmens. Wissenschaftler bei Monsanto waren 1982 die Ersten, denen die gentechnische Veränderung einer Pflanzenzelle gelang.David E. Bell, Carin Knoop, Mary L. Shelman: Monsanto: Helping Farmers Feed the World. HBS Case No. 510-025, Harvard Business School Marketing Unit, 9. April 2010. Den ersten Patentantrag für ein gentechnisch verändertes Lebewesen stellte Monsanto 1983 auf eine vom Konzern entwickelte Petunie.Andrew Kimbrell, Joseph Mendelson: Monsanto gegen Bauern. Bericht des Zentrums für Nahrungsmittelsicherheit, Washington (D.C.) 2005, Übersetzung von Barbara Schiller, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, 2007, S. 12. 1987 führte Monsanto – erstmals in den USA – Feldversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen durch. 1994 kam das erste biotechnologisch erzeugte Produkt unter dem Markennamen Posilac auf den Markt. Es handelte sich um Recombinant Bovine Somatotropin (rBST), ein Wachstumshormon zur Steigerung der Milchleistung von Rindern. Rechte und Produktion wurden Anfang Oktober 2008 an Eli Lilly and Company verkauft.Monsanto Company Completes Sale of POSILAC Bovine Somatotropin and Related Business. finanznachrichten.de, 2. Oktober 2008.
Im Frühjahr 1997 wurde Calgene von Monsanto aufgekauft. Calgene war der Hersteller des Saatgutes der Flavr-Savr-Tomate, das erste gentechnisch veränderte Produkt, das in den USA auf den Markt zugelassen worden war. 1998 kaufte Monsanto das internationale Saatgutgeschäft von Cargill außerhalb Nordamerikas für 1,4 Milliarden US-Dollar. Im selben Jahr übernahm Monsanto DeKalb Genetics Corporation für 2,3 Milliarden US-Dollar.Justice Department approves Monsanto’s Acquisition of DeKalb Genetics Corporation. Department of Justice, 30. November 1998, abgerufen am 22. Oktober 2017. Durch Aufkäufe von Saatgut produzierenden Firmen wurde Monsanto 1998 nach dem US-amerikanischen DuPont-Pioneer Hi-Bred zum zweitgrößten Saatgutkonzern.Andrew Kimbrell, Joseph Mendelson: Monsanto gegen Bauern. Bericht des Zentrums für Nahrungsmittelsicherheit, Washington (D.C.) 2005, Übersetzung von Barbara Schiller, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, 2007, S. 10.