Homophobie im Fußball ist die Ablehnung und Abwertung von Homosexualität durch Mitspieler, Funktionäre oder Zuschauer. Sie kann dazu führen, dass homosexuelle oder für homosexuell gehaltene Spieler ausgegrenzt oder ausgeschlossen werden, oder dass sie ihre Homosexualität verheimlichen oder sich präventiv als heterosexuell ausgeben. Mittlerweile sind eine Reihe von Amateurspielern offen homosexuell, und es gibt homosexuelle Sportvereine mit Fußballmannschaften. Trotz der zugesicherten Unterstützung durch Sportfunktionäre und Politiker geben sich im Herren-Profifußball bisher nur in Einzelfällen Spieler als homosexuell zu erkennen.

Allgemeines

Über Homophobie im Sport wird vor allem aus wenigen Mannschaftssportarten bei Männern berichtet, während dies bei Mannschaftssportarten der Frauen seltener thematisiert wird. Dabei fällt insbesondere der Fußball auf, bei dem das Thema seit Beginn des 21. Jahrhunderts vermehrt in der Öffentlichkeit diskutiert wird. In Individualsportarten wie Tennis, Golf, Leichtathletik, Schwimmen wird seltener von Homophobie berichtet.

Homophobe Äußerungen Es gibt eine lange Tradition homophober Äußerungen von Fußballspielern. So erklärte der frühere Spieler von Fortuna Düsseldorf Michael Schütz in einem Interview: „Man würde gegen so einen nicht richtig rangehen, weil die gewisse Furcht vor Aids da wäre.“ Paul Steiner, ein ehemaliger Verteidiger des 1. FC Köln, erklärte in den 1980er Jahren bei einer Fernsehdiskussion zum Thema Homosexualität im Fußball: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schwule Fußball spielen können.“

Ein Beispiel für offene Homophobie im Profifußball waren die Äußerungen des früheren Trainers der österreichischen Fußballnationalmannschaft Otto Barić 2004 in einem Interview mit der Schweizer Zeitung „Blick“: „Meine Spieler müssen echte Kerle sein. Also können Homosexuelle bei mir nicht spielen, höchstens gegen mich.“ In einem anderen Gespräch äußerte er sich gegenüber der kroatischen Zeitung Jutarnji list ähnlich: „Ich weiß, dass es in meiner Mannschaft keine Homosexuellen gibt. Ich erkenne einen Schwulen innerhalb von zehn Minuten, und ich möchte sie nicht in meinem Team haben.“Homophobe Österreicher sorgen europaweit für Schlagzeilen. In: hosiwien.at, 21. Januar 2021, abgerufen am 24. Juni 2021. 2007 wurde Barić von der UEFA wegen erneuter homophober Äußerungen in Jutarnji List zu einer Geldstrafe von 1825 Euro verurteilt.Vorarlberger Nachrichten, 31. Juli 2007.

Der Fußballtrainer Christoph Daum äußerte Ende Mai 2008 in einer Sendung des Deutschen Sportfernsehens, befragt zur Jugendarbeit im Verein, man sei aufgefordert, „gegen jegliche Bestrebungen, die da gleichgeschlechtlich ausgeprägt sind, vorzugehen“. Er stellte also Homosexualität und Pädophilie in einen Zusammenhang, wofür er sich später öffentlich entschuldigte.Daniel Theweleit: Traineransichten – Daum-Äußerungen verärgern Homosexuelle. In: Spiegel Online. 22. Mai 2008, abgerufen am 24. Oktober 2019.

Der Spielerberater Michael Becker bezeichnete die deutsche Fußballnationalmannschaft vor der Fußballweltmeisterschaft 2010 als „Schwulencombo“.Anja Kühne: Die Männlichkeit steht auf dem Spiel, Zeit, 6. Juli 2012.

Kurz nach Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011 wurde bekannt, dass die nigerianische Trainerin Ngozi Uche im Vorfeld der Weltmeisterschaft alle lesbischen Spielerinnen aus der Nationalmannschaft Nigerias verbannt hatte. Uche erklärte: „Ja, die Lesben in unserer Mannschaft waren wirklich ein großes Problem. Aber seitdem ich Trainerin der Falcons bin, hat sich das erledigt. Es gibt keine lesbische Spielerin mehr in meinem Team. Wir brauchen göttliche Intervention, um Homosexualität zu kontrollieren und einzuschränken. Bei uns hat es funktioniert. Ich kann diese dreckige Lebensweise nicht tolerieren.“

Der österreichische Trainer Werner Gregoritsch äußerte sich 2011 dahingehend, dass schwule Fußballer für ihn „undenkbar“ wären, und ergänzte: „Für mich selbst ist es etwas Unnatürliches, mir ist das Wort Macho lieber als das Wort Schwuler. Ich weiß, jetzt kommen Mails von der Schwulen-Kommission, aber ich stehe dazu.“Gregoritsch lieber Machos als Schwule. Gregoritsch wurde bald darauf als Trainer der österreichischen U-21-Fußballnationalmannschaft eingesetzt.

Mohamadou Idrissou beschwerte sich Ende April 2013 nach der Niederlage seines Klubs 1. FC Kaiserslautern bei Energie Cottbus über Schiedsrichter Wolfgang Stark, dem seine Körpersprache nicht gefallen habe, mit den Worten: „Ich bin nicht schwul. Ich habe eine Männer-Körpersprache und werde auch kein Schwuler sein. Das ist sein Problem.“Idrissou redet sich um Kopf und Kragen – DFB ermittelt, kicker.de, 30. April 2013. In einer Stellungnahme entschuldigte sich Idrissou für seine Aussagen und betonte, „schwul sein“ nicht abwertend gemeint zu haben, deutete aber erneut eine Trennung und Gegensätzlichkeit von „schwul sein“ und Männlichkeit an., fck.de, 2. Mai 2013.

Zuschauer Fansprechchöre sind vereinzelt homophob aufgeladen, so sie sich an die gegnerische Mannschaften und deren Spieler richten. Als ein international bekanntes Beispiel gelten insbesondere die in Mexiko verbreiteten „Eh Puto“-Rufe, wenn ein gegnerischer Spieler einen Abstoß oder Freistoß ausführt.

Mittlerweile haben mehrere Fußballvereine in Deutschland schwul-lesbische Fanklubs. Als erster offizieller Klub dieser Art gilt der Fanklub „Hertha-Junxx“ von Hertha BSC, der im August 2001 entstand. Weitere Gründungen in anderen Städten mit Bundesligafußball folgten. Mit dem Netzwerk Queer Football Fanclubs (QFF) existiert eine gemeinsame Plattform zum Erfahrungsaustausch. Der Deutsche Fußball-Bund sponserte beim Christopher Street Day in Köln 2008 erstmals einen Festwagen der QFF unter dem Motto „Fußball ist alles… auch schwul“. In Österreich gibt es noch keine schwul-lesbischen Fanclubs, aber die Fanclubs des Wiener Sportklubs und der Wiener Vienna sind liberal eingestellt und unterstützen auch Aktionen gegen Homophobie im Sport.

Homosexuelle Spieler Heinz Bonn, Spieler des HSV, hielt in den 1970er-Jahren seine Homosexualität aus Furcht vor Karriereschäden geheim, die Öffentlichkeit erfuhr erst nach seinem Tod davon. Der schwedische Meister Reine Feldt lebte nach Karriereende mit seinem Lebensgefährten in Amsterdam, seine Homosexualität wurde jedoch erst Jahrzehnte nach seinem Tod publik.

Der englische Spieler Justin Fashanu war 1990 der erste Fußballprofi, der sich während der sportlichen Karriere zu seiner Homosexualität bekannte. Zu jener Zeit spielte der ehemalige First Division-Profi in der Third Division.J. Mendrala: Einsame Spitze, TAZ vom 16. Oktober 2008: (abgerufen am 7. Oktober 2009) Der Major-League-Soccer-Spieler Robbie Rogers entschied sich 2013 als erster aktiver Spieler einer nationalen Spitzenliga zu einem öffentlichen Coming-Out. In der MLS folgte 2018 Collin Martin seinem Beispiel, in der australischen A-League 2021 Josh Cavallo und in der zweiten englischen Liga 2022 Jake Daniels. In Zentraleuropa war Jakub Jankto ab 2023 der erste offen homosexuelle aktive Fußballprofi, in Südamerika ist es seit 2026 der Argentinier Ignacio Lago.

Aus niedrigeren Spielklassen wurden vereinzelt ebenfalls Coming-Outs medial thematisiert, so etwa bei Anton HysénInt. Fußball – Paukenschlag: Fußballer outet sich. oder dem Briten Liam Davis. In der dritthöchsten südafrikanischen Liga ist der Torwart Phuti Lekoloane seit 2015 out.

Lange Zeit verschleierten Spieler erst nach ihrem Ausscheiden aus dem Profifußball nicht mehr ihre Sexualität. Olivier Rouyer machte den Schritt erst rund zehn Jahre nach Ende seiner Trainerkarriere, Marcus Urban erst nach 15 Jahren außerhalb des Sports.Queer: Der erste schwule Fußballer bricht das Schweigen. Im Fall von Thomas Berling wurde seine Sexualität einige Monate nach seinem mit Homophobie begründeten Rückzug aus der zweithöchsten norwegischen Liga bekannt. Ouissem Belgacem beendete seine Karriere vorzeitig, weil er aus Angst vor Homofeindlichkeit depressiv geworden war. Richarlyson wurde während seiner Karriere fremdgeoutet, und gab erst nach Karriereende in einem Podcast an, bisexuell zu sein. Jonathan de Falco hielt er aus Angst vor Diskriminierung seine sexuellen Orientierung gegenüber seinen Mannschaftskameraden geheim. David Testo ging während seiner Karriere gegenüber Teamkollegen und Klubmanagement offen mit seiner Sexualität um, gegenüber der Öffentlichkeit erst unmittelbar nach Karriereende. Stephen Laybutt sprach ebenfalls erst nach Karriereende öffentlich über seine Sexualität. Thomas Hitzlsperger äußerte sich ein halbes Jahr nach dem Abschied aus dem Profisport erstmals zu seiner Homosexualität.

Ohne dass er sich selbst als homosexuell betrachtet, berichtete der brasilianische Fußballspieler Pelé, dass er als jugendlicher Spieler, wie die meisten seiner damaligen Teamkameraden, seine ersten sexuellen Erfahrungen mit älteren Männern sammelte.J. Tobin: Soccer. In: Encyclopedia of Lesbian and Gay Histories and Cultures. 2000.

Im nicht so stark im Fokus der Öffentlichkeit stehenden deutschen Frauenfußball leben einige Spielerinnen offen lesbisch. Martina Voss, eine der erfolgreichsten Spielerinnen im deutschen Fußball der 1990er Jahre, wurde, nach 125 Länderspielen, nicht für die Olympischen Spiele 2000 nominiert, weil sie wegen privater Probleme mit ihrer damaligen Lebensgefährtin und Mannschaftskameradin Inka Grings die Teilnahme an einem Länderspiel abgesagt hatte. Tina Theune-Meyer schätzte den Anteil der lesbischen Spielerinnen im deutschen Nationalteam im Jahr 2007 auf 60 bis 70 Prozent.Peter Ahrens: Fußball und Homosexualität – Der DFB taut auf. In: Spiegel Online. 13. Oktober 2007, abgerufen am 24. Oktober 2019.

Die Äußerungen und Reaktionen von Spielern, Trainern und Offiziellen zeigt für den von Männern betriebenen Ballsport in dieser Hinsicht ein ganz anderes Bild. Während in anderen Sportarten lesbische, schwule und bisexuelle Spitzensportler wie Martina Navrátilová (Tennis), Mark Tewksbury (Schwimmen), Greg Louganis (Wasserspringen) oder Judith Arndt (Radsport) offen zu ihrer Homosexualität stehen, ist dies erst bei wenigen Fußballern der Fall.

Die erste schwule Fußballmannschaft wurde 1988 im Verein SSV Vorspiel Berlin gegründet. Diese Mannschaft erreichte bei den Gay Games 1990 in Vancouver die Bronzemedaille. Die zweite deutsche schwule Fußballmannschaft war das Cream-Team-Cologne. Diese Mannschaft gewann bei den Gay Games 1994 in NYC die Goldmedaille und gleichzeitig den Titel Schwule Fussball-Weltmeister.

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