Die Nahverkehrs-Doppelstockwagen der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) sind doppelstöckige Wendezuggarnituren für den Nahverkehr. Sie sind seit 1996 zunächst im Regionalverkehr, später auch im S-Bahn-Verkehr sowie beim Wiener Flughafenshuttle City Airport Train im Einsatz. Die Wagen wurden von SGP Verkehrstechnik, Siemens Transportation Systems (Prag), Jenbacher Transportsysteme und ÖBB-Technische Services gebaut.
Die Wagen tragen die Baureihenbezeichnung 26-33 (Zwischenwagen) und 80-33 bzw. 86-33 (Steuerwagen). Sie wurden nachträglich vom am Bau beteiligten Unternehmen Siemens in die Viaggio-Baureihe eingeordnet und als Viaggio Twin bezeichnet. Zwischenwagen der gleichen Bauart wurden auch von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU) für die Re 450 beschafft.
Die Fahrzeuge wurden insbesondere für den Nahverkehr in der Ostregion Österreichs beschafft und sind seither hauptsächlich dort im Einsatz. Die Bundesländer Wien und Niederösterreich haben den Kauf durch Förderzahlungen unterstützt. Die Frontgestaltung der Steuerwagen basiert auf der Front der Lokomotiven der ÖBB-Reihe 1014, ebenso entspricht der Führerstand weitgehend dieser Baureihe. Ein Teil der Fahrzeuge trägt bzw. trug ein großes Wiesel-Symbol auf der Seite zwischen den oberen und unteren Fensterreihen, welches damals die Marke für den Regionalverkehr im Land Niederösterreich darstellte. Daher waren die Fahrzeuge umgangssprachlich auch als Wiesel oder Wiesel-Züge bekannt.
Eine Garnitur besteht einem Steuerwagen und üblicherweise bis zu vier Zwischenwagen, die von einer Lokomotive gezogen bzw. geschoben werden. Die Wagen verfügen an den Enden über eine Schraubenkupplung und einen Wagenübergang in normaler Höhe, sie können also freizügig mechanisch gekuppelt werden.
Geschichte Beschaffung der ersten Serie Da Anfang der 1990er Jahre der Nahverkehr im Wiener Raum so gut ausgelastet war, dass die alten einstöckigen Wagen nicht mehr ausreichten, wurde beschlossen, neue doppelstöckige Wendezüge zu beschaffen. So weilte 1993 eine doppelstöckige Schnellbahn-Garnitur der Zürcher S-Bahn (Re 450) zu Testzwecken in Wien. In einer ersten Tranche wurden 203 Zwischenwagen (von denen bei 43 Wagen im Untergeschoß acht Sitze entfernt wurden und der frei gewordene Platz für Fahrräder verwendet wird) und 37 Steuerwagen in Auftrag gegeben, an der Produktion sollten sich mehrere österreichische Unternehmen beteiligen.
Im August 1996 wurde im SGP-Werk Graz mit dem Bau der Wagenkästen für die Doppelstockwagen begonnen, am 17. Dezember 1996 konnte der erste größtenteils fertiggestellte Zwischenwagen der Presse vorgestellt werden, ehe die technischen Anlagen komplettiert wurden.Zeitschrift Schienenverkehr aktuell. Verlag Pospischil, Ausgabe 2/97, S. 4–6.
Am 3. April 1997 erfolgte die erste Probefahrt der neuen Wagen, und zwar von zwei Zwischenwagen vom ÖBB-Technische Services Werk Simmering nach Hohenau und wieder zurück.Zeitschrift Schienenverkehr aktuell, Verlag Pospischil, Ausgabe 5/97, Seite 9 Erst knapp 3 Monate später, Ende Juni, wurden die ersten Testfahrten, bei denen ein Steuerwagen führte, durchgeführt, als Schiebelokomotive fungierte eine ÖBB 1142. Am 17. Juni 1997 wurde eine Garnitur getauft und der Öffentlichkeit präsentiert. Bei dieser Veranstaltung war unter anderem Verkehrsminister Klima anwesend.
Wieder drei Monate später, am 27. September 1997, wurde ein Zugpaar Wien – Payerbach-Reichenau und zurück auf eine Lokomotive der Reihe 1142 und vier Doppelstock-Zwischenwagen und einen Steuerwagen umgestellt.Zeitschrift Schienenverkehr aktuell, Verlag Pospischil, Ausgabe 10/97, Seite 44 Das war der erste planmäßige Fahrgasteinsatz, in den darauffolgenden Wochen wurden die Einsätze in diesem Abschnitt sukzessive erweitert. Die neuen Wagen, besonders das Obergeschoß, kamen sofort gut bei den Fahrgästen an.
Da die Hauptwerkstätte Simmering, die die letzten Teil der Fertigung der Fahrzeuge übernahm, mit Personalmangel zu kämpfen hatte und so die geplante Arbeitszeit nicht eingehalten werden konnte, wurden Anfang 1998 einige Wagenkästen ohne Inneneinrichtung in nicht benötigten Heizhäusern (u. a. Mistelbach Lokalbahnhof, St. Pölten, Hainfeld) witterungsgeschützt abgestellt, bis in Simmering wieder freie Kapazitäten vorhanden waren.
mini|hochkant|Stiegen und obere Ebene
Beginn des Fahrgasteinsatzes
Ab November 1998 wurden die neuen Garnituren in der Hauptverkehrszeit auch auf der Ostbahn zwischen Wien Südbahnhof (Ost) und Nickelsdorf eingesetzt, bald darauf wurde die Nordbahn auf die doppelstöckigen Fahrzeuge umgestellt. Anfang 2000 folgte der Einsatz auf der Franz-Josefs-Bahn von Wien nach Krems und Sigmundsherberg sowie zwischen Wien und Deutschkreutz, zum Fahrplanwechsel im Dezember 2000 wurden die Eilzüge Wien Westbahnhof – St. Valentin (Westbahn) ebenfalls umgestellt.
Beginnend mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2003 wurden die Regionalzüge der Nord- bzw. Nordwestbahn über die Wiener Schnellbahn-Stammstrecke durchgebunden und mit den Regionalzüge der Südbahn nach Payerbach-Reichenau verbunden. Diese durchgebundenen Verkehre erfolgten mit den Doppelstockwagen. Zeitgleich ging der CityAirportTrain (CAT) in Betrieb, welcher ebenfalls über angepasste Doppelstockwagen verfügt.
Beteiligung der Bundesländer und Außendesign mit Wiesel-Branding Die Fahrzeuge wurden im zum Auslieferungszeitraum gerade neu eingeführten CRD2000-Design in einem rot-grauen Schrägdesign mit weißen Türen und mit der Marke CityShuttle versehen gestaltet. Innen wurden sie mit grauen Sitzen mit blauen Bezügen bestuhlt. Diese Sitze und Farbgestaltung ist dieselbe wie in den – ebenso neu CityShuttle genannt – modernisierten und umgebauten ÖBB Inlandsreisezugwagen. Die Steuerwagen verfügten an der Front über ein erhaben ausgeführtes Pflatsch-Logo.
Das Land Niederösterreich beteiligte sich beim Kauf der ersten Serie an Doppelstock-Wendezügen finanziell (etwa 1,7 Milliarden Schilling bei einer Gesamtinvestition von 8 Milliarden). Die für den Einsatz in Niederösterreich vorgesehenen Fahrzeuge dieser Serie erhielten seitlich ein großes „Wiesel“-Logo, welches die Marke für den Nahverkehr des Landes Niederösterreichs darstellte. Ebenso wurde neben den Einstiegstüren Logos des Landes Niederösterreich sowie ein kleines Wiesel-Logo angebracht. Auch eine angebrachte Plakette im Innenraum beim Stiegenaufgang wies auf die Mitfinanzierung hin.
Auch die Stadt Wien finanzierte gänzlich den Kauf einer fünfteiligen Garnitur (etwa 84,9 Mio. Schilling). Am 5. Mai 1999 wurde am Wiener Westbahnhof eine mit „Wiener Szene“-Schriftzügen, gestaltet vom Designer Max Jurasch, versehene Garnitur der Öffentlichkeit präsentiertZeitschrift Schienenverkehr aktuell, Verlag Pospischil, Ausgabe 6/99, Seite 19, welche ab 30. Mai 1999 zum Einsatz kam. Diese Garnitur, mit Ausnahme eines Zwischenwagens, wurde am 26. Juli 2005 in Gramatneusiedl bei einer Flankenfahrt kassierungsreif beschädigt. Als Ersatz wurde einige Monate später eine „Wiesel“-Garnitur auf „Wiener Szene“ umbeklebt. Das einzige, was erhalten blieb, war der Steuerwagen mit dem Schriftzug „Wiener Szene“. Am 1. Juli 2019 kollidierte der Wiener-Szene-Steuerwagen mit einem 4020. Die Fahrzeuge der zweiten und dritten Serie tragen den „ÖBB“-Schriftzug, da kein Bundesland den Kauf mitfinanziert hat.
Im Zuge von Neulackierungen wurden die Wiesel-Logos nicht mehr aufgebracht, sondern durch den ÖBB-Schriftzug ersetzt. Fahrzeuge, die außerhalb der Ostregion eingesetzt werden, erhielten zum Teil andere Markenaufschriften, wie in Vorarlberg die Aufschrift „S-Bahn Vorarlberg“ oder in Kärnten "Autoschleuse Tauernbahn".
Beschaffung der zweiten und dritten Serie und diverse Umbauten mini|Außenansicht eines Fahrradabteils bei einem Wiesel-Doppelstockwagen Da oft ein Mangel an doppelstöckigen Steuerwagen bestand und deshalb oft einstöckige CityShuttle-Steuerwagen aushelfen mussten, wurde beschlossen, in einer zweiten Serie 20 Doppelstock-Steuerwagen zu beschaffen. Die Wagenkästen wurden in Prag (ehemals ČKD Dopravní systémy) gefertigt, der letzte Teil der Fertigung erfolgte, wie bei der ersten Serie, im ÖBB-Technische Services Werk Simmering. Doch auch nach der zweiten Serie waren noch nicht ausreichend Fahrzeuge vorhanden, so wurden in einer dritten Serie von 2007 bis 2009 weitere 15 doppelstöckige Steuerwagen und 50 Zwischenwagen beschafft.
Der erhaben ausgeführte Pflatsch bei den Steuerwagen der ersten Serie wurde aufgrund der Ablöse des Logos durch die ÖBB-Wortmarke bei den neuen Serien nicht mehr berücksichtigt. Seit 2005 werden die Doppelstockwagen von Pflatsch auf den neuen ÖBB-Schriftzug umbeklebt, was bei den erstgebauten Steuerwagen nur bedingt möglich ist, da das erhabene Pflatsch weiterhin sichtbar ist.
Ab 2006 wurden die Steuerwagen behindertengerecht umgebaut.news.at Dabei wurde im Niederflurbereich ein geräumiges, rollstuhlgerechtes WC und ein Mehrzweckabteil für Rollstuhl, Fahrräder und Kinderwagen eingerichtet. Die Bezeichnung wurde von Bmpz-ds 80-33 auf Bbfmpz 86-33 geändert. Auf einer Wagenseite wurden im Unterdeck zwei Fenster verschlossen.
Weiters werden in alle Steuer- und Zwischenwagen sechs LED-Anzeigen installiert, nämlich je zwei im oberen und unteren Stockwerk, die über Datum und Uhrzeit, Ziel der Zugfahrt sowie den nächsten Halt informieren und je eine pro Wagenaußenseite in einem Seitenfenster, die ständig den Zielbahnhof anzeigt. Die Ansagen müssen auch nicht mehr vom Zugbegleiter gesprochen werden, sondern werden durch GPS-Daten automatisch abgespielt.
Die Zwischenwagen der ersten Serie wurden seit 2010 mit mehr Sitzplätzen ausgestattet, da die alten Zugbegleiter-Schränke entfernt wurden. Nur noch wenige Wagen verfügen über solche Schränke. Darunter fällt zum Beispiel der Wagen 26-33 078.
Da sämtliche Fahrzeuge über eine Türraumüberwachung, seitenselektive Türsteuerung, Notbremsüberbrückung und Notsprechsäulen verfügen, wurde bei Doppelstock-Wendezügen ein schaffnerloser Betrieb angedacht.
CityAirportTrain Seit Dezember 2003 verkehrt alle 30 Minuten ein City Airport Train (CAT) zwischen Wien Mitte und Flughafen Wien. Hierzu wurden Ende 2003 drei Steuerwagen und sechs Zwischenwagen adaptiert. So wurden bequemere Sitze und Bildschirme in allen neun Fahrzeugen eingebaut, die drei Steuerwagen verloren sämtliche Sitze des Untergeschoßes, da hier das Gepäck gelagert wird. Auch wurden alle Fahrzeuge umlackiert und umnummeriert, die blauen Sitze wurden gegen dunkelgraue mit höherem Komfort getauscht und größtenteils vis-à-vis statt in Reihe angeordnet. Weiters wurden einige Trennwände, Steckdosen und Informationsbildschirme eingebaut.
Zwei Garnituren sind von 05:00 bis 24:00 unterwegs, die dritte ist in den ÖBB-Betriebsanlagen Wien Matzleinsdorf (Abstellbahnhof bei Meidling) als Reserve hinterstellt.
Ende 2010 wurden sämtliche Fahrzeuge (Steuerwagen und Zwischenwagen) einem neuerlichen Redesign unterzogen.
Cityjet-Upgrade mini|Neues FIS im Oberdeck mini|Untere Etage eines Cityjet-Wagens mit neuem FIS mini|Ein Steuerwagen im CJ-Design neben einem im SchrägdesignSeit 2019 werden die Doppelstockwagen modernisiert. Sie erhalten, wie andere Baureihen der Nahverkehrsflotte der ÖBB, das aktuelle Nahverkehrsdesign Cityjet. Das Redesign, sowohl innen als auch außen, wird im Rahmen von notwendigen G-Checks (große Fristausbesserung) durchgeführt, wobei die Wagen komplett ausgeräumt und anschließend wieder zusammengebaut werden.