mini|Klosterkirche Lobenfeld, Ansicht von Nordwesten Die Klosterkirche in Lobenfeld, einem Ortsteil von Lobbach im Rhein-Neckar-Kreis im nördlichen Baden-Württemberg, geht auf das 12. Jahrhundert zurück und war Kirche des 1560 aufgehobenen Klosters Lobenfeld. Die Kirche zählt zu den bedeutenden staufischen Bauwerken in Baden-Württemberg und ist einer der wenigen erhaltenen romanischen Bauten im Kraichgau. Das Langhaus der Kirche wurde ab dem frühen 19. Jahrhundert säkular genutzt und erst 1997 als Teil der Kirche wiederhergestellt.

Geschichte Nach der vor 1150 erfolgten Gründung des Klosters Lobenfeld durch Augustiner-Chorherren wurden um 1170/80 der Chor und das Querhaus der Klosterkirche erbaut. Die Klosterkirche steht in Spornlage auf einem kleinen Geländeplateau und ist ungefähr nach Osten ausgerichtet. Beim Bau nahm man sowohl auf die Geländegegebenheiten Rücksicht wie wohl auch auf ein durch Fundamentreste nachgewiesenes älteres Gebäude im Südosten, möglicherweise das erste Klausurgebäude. Die Westwand des südlichen Querhauses der Klosterkirche lässt erkennen, dass hier ein dreischiffiger Bau anschließen sollte. Nachdem das Kloster im 13. Jahrhundert an den Zisterzienserorden genommen war, wurde ein schlichtes spätgotisches Langhaus ergänzt, wodurch die Kirche einen kreuzförmigen Grundriss erhielt. Die Klosterbauten schlossen sich im Süden an, im Norden der Kirche lag eine Begräbnisstätte.

Bis zur Fertigstellung des Langhauses fanden die liturgischen Handlungen nur im Ostteil der Kirche statt. Da im 13. Jahrhundert vermutlich zugleich ein Männer- und ein Frauenkonvent bestanden, waren hier die Verhältnisse wohl beengt, man verzichtete so wohl anfangs auf Seitenaltäre, um den Bedürfnissen der Konvente zu genügen wie auch Grabstätten innerhalb der Kirche unterzubringen. Altarstiftungen in der Kirche sind nicht nachgewiesen. Nach dem Bau des Langhauses zog das Nonnenkonvent in den emporenartigen Nonnenchor um, im Ostbau war nun mehr Raum zur Aufstellung von Altären. An der Ostwand des Querhaus-Nordarms hat sich ein gemaltes Retabel aus dem frühen 14. Jahrhundert erhalten, das wohl bald durch einen Standaltar ersetzt wurde. Reste eines vorreformatorischen steinernen Altars wurden im Langhaus ergraben.

Die Kirche teilte das Schicksal des 1560 aufgehobenen Klosters. So wie man die Klosterbauten zu Verwaltungsbauten der Schaffnei und zu Pächterwohnungen umwidmete, richtete man auch die Kirche für die Anforderungen der reformierten Ortsgemeinde her. Die sakrale Nutzung beschränkte sich bald wieder auf den Ostbau, das Langhaus trennte man deshalb spätestens gegen Ende des 17. Jahrhunderts durch eine Fachwerkwand wieder vom Ostbau ab. Die Kirche hatte in den Notzeiten des 17. Jahrhunderts zu leiden und sah Jesuiten und Sabbatarier kommen und gehen, was auch zu manchen Schäden am Bauwerk führte.

Bei der Kirchenteilung in der Kurpfalz 1705 kam die Kirche an die evangelische Gemeinde, während der Rest des Klosters an die katholische Schaffnerei ging. Die evangelische Gemeinde hatte von 1707 bis 1800 keinen eigenen Pfarrer, sondern war nach Epfenbach eingepfarrt, dessen Pfarrer die Gottesdienste in der Lobenfelder Klosterkirche hielt. Die Kirchenmusik besorgte der Lobenfelder Schulmeister, der im heute nicht mehr vorhandenen reformierten Schulhaus östlich der Kirche wohnte. 1773 wurde eine neue Orgel beschafft, für die auch eine neue Orgelempore im westlichen Vierungsbogen errichtet wurde.Ebert 2008, S. 4–10.

1808 erwarben die Katholiken im Tausch gegen einen Acker das damals als Ruine bezeichnete Langhaus, das man danach durch eine massive Mauer vom Rest der Kirche abteilte und als Scheune verwendete. Dazu zog man Zwischenböden ein und veränderte mehrfach die Fenster. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden große Fensteröffnungen in die Seitenwände gebrochen, um das Langhaus als Tabakschuppen nutzen zu können, dabei gingen die meisten verbliebenen Reste der alten Befensterung verloren.

Nach der Reform der Gottesdienstordnung in den 1850er Jahren erwog man, wie man den Ostbau umgestalten könnte, so dass alle Gottesdienstbesucher Blick auf Altar und Pfarrer bekämen. Nach längeren Überlegungen entschloss man sich dazu, den Altar künftig an der Mauer zum Langhaus aufzustellen. 1862 hob man im Ostbau die Fußböden des Querhauses auf das Niveau des Chors an. Die alte Tür im südlichen Querhaus wurde dadurch unbenutzbar, weshalb man ein neues Portal in die östliche Chorwand brach. Bei diesen Bauarbeiten wurden die Malereien im Chor entdeckt und freigelegt, am Portal-Durchbruch ging ein Teil von ihnen gleich wieder verloren. Anstelle der alten Empore von 1773, die nun dem Altar weichen musste, zog man eine Empore im Nordquerhaus ein, deren Brüstung Rundbögen zierten.Ebert/Beuckers 2001, S. 156. Zudem erhielt die Kirche 1873 einen Dachreiter, der 1898 und zuletzt wieder 1933 erneuert wurde.Ebert/Beuckers 2001, S. 288–295.

Im späten 19. Jahrhundert war die Kirche ausgestattet mit einer hölzernen Kanzel auf steinernem Fuß mit Schalldeckel am westlichen Vierungspfeiler, einem hölzernen Altarblock und einem in die Auszimmerung der Westwand integrierten, so genannten Pfarrstuhl auf Steinsockel. 1910/11 konservierte man die Wandmalereien an der Ostwand des Nordarms, die schon einige Zeit vorher entdeckt und freigelegt worden waren. Gleichzeitig legte man im Chorbereich auch das Mauerwerk trocken, ohne dabei viel Rücksicht auf die Malereien im Chor zu nehmen, so dass sie stark beschädigt wurden.Katharina Laier-Beifuss in Ebert/Beuckers 2001, S. 294/295.

1961/62 wurde das Dach und die Fassade des weiterhin landwirtschaftlich genutzte Langhauses instand gesetzt. Im Bestreben, dem heruntergekommenen Gebäudeteil wieder ein halbwegs sakrales Äußeres zu geben, wollte man die nur noch in Resten erhaltenen Fenster an der West- und Nordseite der Kirche rekonstruieren,Hans Huth: Die Instandsetzung der ehemaligen Klosterkirche zu Lobenfeld (Kreis Heidelberg), in: Nachrichtenblatt der Denkmalpflege in Baden-Württemberg 8, 1965, S. 56–58. Hierbei beachtete man jedoch kaum die baulichen Befunde.Hans-Hermann Reck in Ebert/Beuckers 2001, S. 297.

1963/64 fand eine Renovierung des Kirchenraums im Ostbau statt. Kanzel und Pfarrstuhl wurden ersatzlos entfernt, anstelle des hölzernen Altars erhielt die Kirche einen steinernen Altartisch, das alte dunkle Gestühl wurde durch neues helles ersetzt und die Emporenbrüstung wurde verglast.Ebert/Beuckers 2001, S. 160. In den 1970er Jahren wurde im Winkel von Südquerarm und Langhaus eine Sakristei angebaut.Ebert/Beuckers 2001, S. 295.

1979 erwarb die Gemeinde das Langhaus, sie erwog den Umbau zu einer Mehrzweckhalle, um auch in Lobenfeld ein dem damals in Waldwimmersbach errichteten Bürgersaal gleichwertiges Gebäude zu schaffen. Die Baupläne gediehen bis zur die Baureife, wurden dann jedoch nicht ausgeführt; die politische Gemeinde erbaute stattdessen die jetzige Maienbachhalle. Auf Initiative von Dr. Norbert Fritz und unter Vermittlung von Gerhard Weiser erwarb im Jahr 1984 die evangelische Kirchengemeinde das Langhaus.

Diese sanierte das Langhaus von 1995 bis 1997 und machte die Kirche damit wieder in Gänze nutzbar.Josef Kast und Günter Schuler: Klosterkirche – das Langhaus und die Geschichte der Gemeinde Lobbach, in 25 Jahre Lobbach, 2000, S. 88. Alle neuen Einbauten des Langhauses wurden entfernt, die vielfachen Umbauspuren an den Langhauswänden konservierte man jedoch, zum Teil unter Plexiglas-Verkleidungen, man behielt auch die offene Holzkonstruktion des Dachstuhls bei. Für die Wintermonate zog man im hinteren Bereich des Langhauses eine verglaste Winterkirche ein, auf der auch eine großzügige, für Veranstaltungen genutzte Empore aufliegt. Der Sakristeianbau an der Südwand des Langhauses wurde modernisiert und um Lager- und Büroräume ergänzt.

Die Kirche gehört auch heute noch der evangelischen Kirchengemeinde in Lobenfeld, die zum Kirchenbezirk Neckargemünd-Eberbach der Evangelischen Landeskirche in Baden gehört; die Bauunterhaltung obliegt der Evangelischen Stiftung Pflege Schönau. Im Jahr 2004 wurde das Geistliche Zentrum Klosterkirche Lobenfeld ins Leben gerufen, das heute Einkehr- und Meditationstage, Konzerte, Ausstellungen sowie Fortbildungen für ehrenamtliche Mitarbeiter anbietet.

Beschreibung Architektur Romanischer Ostbau mini|Grundriss der Klosterkirche von 1912, das Langhaus wurde damals als Scheune genutzt mini|Ansicht von Osten mit dem 1862 neu eingebrochenen Portal mini|Blick vom Langhaus durch die Vierung zum Chorarm Der Baukörper der Klosterkirche besteht aus einem romanischen Ostbau aus Querhaus und Chor sowie einem nach Westen angebauten, einschiffigen gotischen Langhaus. Der nach Osten ausgerichtete Chor und die Querarme sind jeweils als quadratische, von einem kräftig dimensionierten Kreuzrippengewölbe überspannte Räume ausgebildet, deren Grundfläche von jeweils etwa 6 × 6 Metern der ebenfalls quadratischen Vierung entspricht. Die Bauteile haben einheitliche Höhe und sind innen und außen gleichartig gegliedert.Ebert/Beuckers 2001, S. 70. Der Nordarm, der Sockelbereich des Südarms sowie alle Lisenen und Fensterlaibungen sind aus großdimensioniertem Sandstein-Quaderwerk erbaut, während die übrigen Teile des romanischen Baukörpers aus kleineren unregelmäßigen Hausteinen aufgemauert und überwiegend mit Kalkmörtel verfugt sind.Ebert/Beuckers 2001, S. 80/81.

Alle Gebäudekanten des Ostbaus weisen Ecklisenen auf, die jeweils dem abgetreppten und den gesamten Ostteil umziehenden Sockel aufsitzen und einen Rundbogenfries unter einem profilierten Traufgesims tragen. An den Ostseiten der Querarme treten die Lisenen erst auf halber Höhe aus der Fassade hervor, wodurch sich eine geschossartige Gliederung ergibt. Jede Wandseite von Chor und Querarmen weist jeweils ein hohes romanisches Rundbogenfenster auf, die drei Fenster des Chorflügels sind etwas größer als die der Querarme und das Ostfenster im Chor ist besonders groß. Die Chorfenster weisen außen mehrfach gestufte, profilierte Gewände auf, während die Fenstergewände der Querarme glatt sind. Im Innern ist nur das Gewände des Chorostfensters profiliertEbert/Beuckers 2001, S. 70/71.

mini|Kämpferzone an einem der Pfeiler des Ostbaus Alle Ecken im Inneren des romanischen Baukörpers, mit Ausnahme der wegen des einstigen Klausurportals anders gestalteten Südwestecke des südlichen Querarms, weisen ein einheitliches dreiteiliges Dienstsystem auf. Dabei flankieren zwei rechteckige Pfeiler eine runde Dreiviertelsäule, die die Gewölberippe trägt, während die rechteckigen Pfeiler jeweils in die Schildbögen der Gewölbe münden. Die Dienste ruhen jeweils auf einer attischen Basis mit Eckblättern auf Plinthen. Durch verschiedene Höhe der Plinthen wird trotz des ursprünglich um rund 70 cm erhöhten Chors eine einheitliche Sockelgestaltung im gesamten romanischen Baukörper erzielt. Die Kämpferzone ist ebenfalls auf einheitlicher Höhe als reich ornamentiertes Kapitellband mit vielfältig variierten Kapitellen gestaltet.Ebert/Beuckers 2001, S. 71.

Die massiv ausgebildete Vierung lässt vermuten, dass ein Vierungsturm für die Kirche vorgesehen war.Ebert/Beuckers 2001, S. 73.

Der ursprüngliche Zugang zur Kirche befand sich in der Westwand des südlichen Querarms, wo sich die Klausur des Klosters anschloss. Als man 1862 den Boden der Kirche auf ein einheitliches Niveau brachte, verlor dieses Portal seine Funktion. Man brach die Gewände des Portals aus und vermauerte es. Diese Gewände befinden sich heute, zu einem Fenster umgestaltet, in der Westwand des Nordarms. Als neuen Zugang zur Kirche brach man 1862 eine Tür in die Ostwand des Chors, wodurch dieser seine ursprüngliche Funktion verlieren musste; der Altar ist seitdem in der Vierung aufgestellt.Ebert/Beuckers 2001, S. 73–75.