Die Maas-Argonnen-Offensive (, ; Meuse ist der französische Name für den Fluss Maas) war eine größere Schlacht im Ersten Weltkrieg. Sie war der größte Sieg für die US-amerikanischen Expeditionsstreitkräfte in diesem Krieg. Die Offensive fand zwischen dem 26. September und dem 11. November 1918 im Verdun-Sektor statt, unmittelbar nördlich und nordwestlich der Stadt Verdun. Sie war Teil der von Marschall Ferdinand Foch geplanten, später so genannten Hunderttageoffensive, die entlang der gesamten Westfront Druck auf die Deutschen ausüben sollte.
Vorgeschichte Nach der am 8. August 1918 eingeleiteten Offensive der Entente musste von der deutschen Obersten Heeresleitung am 2. September der Entschluss gefasst werden, das Westheer wieder auf die bereits im März 1917 eingenommene Siegfriedstellung zurückzuführen. Die monatlichen deutschen Verluste waren seit der Frühjahrsoffensive (ab März 1918) außerordentlich hoch geworden. Sie betrugen im September 236.000 Mann, davon 21.200 Tote und 96.000 Verwundete. Dabei war besonders bedenklich, dass von der Gesamtzahl fast die Hälfte (119.000) als vermisst gemeldet war, und dass die Angaben der feindlichen Heeresberichte über eingebrachte Gefangene mit diesen Vermisstenzahlen im Wesentlichen übereinstimmten. Im Herbst 1918 waren die Bataillonsstärken bereits auf durchschnittlich 540 Mann gesunken, und auch diese Zahl hatte sich nur durch das Auflösen mehrerer Divisionen halten lassen. Dadurch war die Zahl der aufgelösten Divisionen seit Juli auf 22 gestiegen. Zuletzt waren die 108., 183., 222., 223., 225., 233., 14. bayer., 3., 43., 53., 54., 77., 78. Reserve-Division aufgelöst worden. Regimenter mit Bataillonsstärken unter 400 Mann sollten künftig nur in zwei Bataillone eingeteilt werden.
Von den im Juni 1918 beantragten, erneut am 19. Juli und nochmals dringend am 29. August erbetenen österreichisch-ungarischen Kräften waren bis Mitte September zwei Divisionen eingetroffen, sodass das deutsche Westheer am 25. September wieder 190 Divisionen zählte. Davon befanden sich 125 Divisionen an der Front und 65 als Reserve-Divisionen dahinter. Von den letzteren Eingreifdivisionen, standen 21 Divisionen hinter dem linken Flügel der 17. Armee sowie hinter der 2. und 18. Armee.
Zwischen dem 12. und 15. September war den erstmals selbstständig operierenden Amerikanern in der Schlacht von St. Mihiel eine erfolgreiche Offensive gelungen, der zur Einnahme des gesamten Frontvorsprunges von St. Mihiel führte. Durch diesen Erfolg bestärkt, wurde für den nächsten Hauptangriff wieder die 1. US-Armee bestimmt, diese stand bis zum 16. Oktober unter dem Kommando von General John Pershing, danach unter Lt. General Hunter Liggett. Die Generalstabsarbeit leistete Lieutenant Colonel Hugh A. Drum, die Logistik wurde von Colonel George C. Marshall geplant und geleitet.
Aufmarsch mini|hochkant|John Pershing Die „Grande Offensive“ des Marschall Foch war gegen die inneren Flügel der Heeresgruppen Deutscher Kronprinz und Gallwitz gerichtet. Im westlich anschließenden Frontabschnitt in der Champagne beteiligten sich die französische 4. und 5. Armee an der Offensive. Die französische 4. Armee kämpfte gegen die deutsche 3. Armee und die Amerikaner (15 Divisionen) kämpften mit dem rechten Flügel der 5. Armee unter General Georg von der Marwitz.
Die Offensive der 1. US-Armee war gegen die Bahnstrecke Carignan–Sedan–Mezieres gerichtet, eine wichtige deutsche Versorgungsstrecke, die etwa 50 Kilometer hinter der Front lag. Die Abschneidung dieser Linie hätte die deutschen Stellungen im Nordwesten von Verdun unhaltbar gemacht. Zwischen der Maas und der Front durch die Argonnen gab es vier deutsche Verteidigungslinien hintereinander: Die erste Hauptkampflinie lag dicht hinter der Front. Die zweite Linie durchquerte die Argonnen südlich von Apremont und bezog Montfaucon ein. Die dritte Linie („Kriemhild-Stellung“) war ein Teil der Hindenburg-Linie. Diese Position verlief entlang des Bois de Foret über die Höhen von Cunel und Romagne in den Raum nördlich von Grandpré. Die vierte Linie verlief entlang der Höhen von Baricourt, nach Westen über Buzancy und Thénorgues.
Operationsziel des Generals Pershing war der Durchbruch durch die Stellungen der deutschen 5. Armee zwischen Maas und Argonnen in Richtung Norden. Gegenüber dem Hauptangriffsfeld des I. und V. US-Korps verteidigten das deutsche Generalkommando 58 unter General Alfred von Kleist und die „Gruppe Maas West“ (Gen.Kdo XXI. A.K.) unter General der Infanterie Ernst von Oven. Die „Gruppe Maas Ost“ (Gen. Kdo. V. Res. Korps) unter General der Infanterie von Soden am östlichen Maasufer und nördlich Verdun haltend, wurde erst in der zweiten Angriffsphase Mitte Oktober angegriffen. Während die US-Truppen östlich der Argonnen bis zur Maas angreifen sollten, hatte die französische 4. Armee unter General Henri Gouraud auf 40 Kilometer Breite zwischen Suippes und Massiges nach Norden angesetzt.
Im Schutz der Dunkelheit des 25. September konnten die Truppen der 1. US-Armee östlich der Argonnen unbemerkt ihre Bereitstellungsräume für den Angriff einnehmen. Am linken Flügel hatte das I. US-Korps (General Hunter Liggett) mit der 77., 28. und 35. Division den Durchbruch über Varennes auf Grandpré anzustreben. Im Zentrum wurde das V. US-Korps (General George H. Cameron, ab 12. Oktober General Charles P. Summerall) mit der 91., 37. und 79. Division gegen Montfaucon angesetzt. Der rechte Flügel, gebildet durch das III. US-Korps (General Robert Lee Bullard) sollte nordwärts angreifend die Maas erreichen. Hier nahm die 4. Division (General John Leonard Hines) den linken Flügel, die 80. Division (Generalmajor Adelbert Cronkhite) den zentralen und die 33. Division (Generalmajor George Bell jr.) den rechten Abschnitt ein. Jedes der drei Angriffskorps verfügte über eine Division als Reserve (3., 32. und 92. Division); zusätzlich standen die 1., 29. und 82. Division als Armee-Reserve bereit. Im Raum Consenvoye erfolgte der Anschluss an das französische XVII. Armeekorps (General Claudel, Ende Oktober unter General Frédéric Hellot), das in der ersten Phase defensiv blieb.Reichsarchiv: Der Weltkrieg 1914–1918, Band XIV. Kartenbeilage 29 Bei der Offensive waren bei den US Expeditionary Forces in der ersten Angriffsphase 15, in der Schlussphase 22 Divisionen eingesetzt. Die US-Divisionen waren doppelt so stark wie jene der Mittelmächte: 16 Bataillone pro Division, im Vergleich dazu hatte die deutsche Division nur 9 Bataillone.
Erste Phase: 26. September bis 3. Oktober mini|Angriff des schwarzamerikanischen Infanterieregiments 369 im Abschnitt der französischen 157. Division im Gehölz nordöstlich von Séchault, 29. September 1918
Am 26. September um 02:25 früh leitete das Feuer aus 2775 Geschützen die Offensive der 1. US-Armee zwischen dem Argonner Wald und der Maas ein, 189 kleinere Tanks und 821 Flugzeuge unterstützten den auf etwa 50 Kilometer Breite angesetzten Angriff. Der amerikanische Infanterie-Angriff begann um 05:30 Uhr, am erfolgreichsten entwickelte sich die Offensive am rechten Flügel der 1. Armee beim III. Corps unter General Bullard. Hier zerstörte eine starke Artillerievorbereitung die deutsche Verteidigungslinie vollständig, die 4. Division (General John L. Hines) gewann zur Maas hin schnell an Gelände. Der Angriff führte durch ein schmales Tal, die 7. Infanterie-Brigade durchquerte es zügig und erreichte die zweite Verteidigungslinie bei Cuisy um 9 Uhr, die 4. Division stieß in den ersten zwei Tagen elf Kilometer vor. Links davon griff die 79. Division (Generalmajor Joseph Ernest Kuhn) zwischen Haucourt und Malancourt an, um zusammen mit der 37. Division (Generalmajor Charles S. Farnsworth) auf Montfaucon durchzubrechen. Im Sektor des I. Corps wurde die 1. Tank-Brigade von Oberstleutnant George S. Patton eingesetzt, die mit 127 leichten Panzern Renault FT und 28 französisch betriebenen Schneider CA 1 -Tanks den Angriff der 35. Division unterstützten. Die 3. US-Tank-Brigade erhielt 250 Tanks mit französischer Besatzung zugewiesen, um das V. US-Corps zu unterstützen. General George H. Cameron stellte dabei seiner 37. und 79. Division jeweils ein französisches Panzerregiment leichter Panzer und zwei Abteilungen mittlerer Panzer von Typ St. Chamond zur Verfügung, ein weiteres französisches Regiment leichter Panzer mit zwei Abteilungen von St. Chamonds wurde der 91. Division beigegeben. Gegenüber dem I. US-Corps musste die 2. Landwehr-Division und die 5. Garde-Division zur Sicherung der linken Flanke ihren linken Flügel entlang des Ostrandes der Argonnen zurückbiegen.
Vor Montfaucon kam der Angriff der noch nicht an der Front eingesetzten 79. US-Division zum Erliegen. Es gelang dieser nicht ihre Artillerie rechtzeitig nachzuziehen und so stürmten die noch unerfahrenen Truppen gegen das gut ausgebaute und tief gegliederte zweite Stellungssystem der deutschen 117. Infanterie-Division (Generalmajor Hoefer) und erlitten hohe Verluste. Die 37. Division konnte den Bois de Montfaucon besetzen und am Nachmittag in den südlichen Ortsrand von Ivoiry und an die Westzugänge von Montfaucon vordringen, Erschöpfung und Unordnung hinderten sie aber daran, der zum Stehen gekommenen 79. Division zur Hilfe zu kommen. Im Westen des Sektors des V. Corps rückte die 91. Division 8 Kilometer tief vor, kämpfte sich durch den Bois de Cheppy und eroberte kurz Épinonville, wurde dann aber durch deutsche Gegenangriffe wieder zurückgedrängt.
Nachdem sich die Divisionen des III. Corps ihren Weg durch den Bois des Ogons und den Bois du Fays bahnten, stießen sie auf deutsche Gegenangriffe und schweres Artilleriefeuer. Während das I. Corps noch langsam durch das Aire-Tal vorrücken konnte, machte das V. Corps gegenüber der deutschen Verteidigung auf dem Barrois-Plateau kaum noch Fortschritte. Bis zum Abend Ende des ersten Tages verlor die 1. US-Tank-Brigade mehr als ein Drittel ihrer Stärke durch feindliche Aktionen und technische Ausfälle. Die im Bereich des V. Corps eingesetzten französischen Tanks hatten ähnlich hohe Verluste. Montfaucon verblieb bei Einbruch der Dunkelheit weiterhin in deutscher Hand, das V. Corps blieb weit hinter seinen Tageszielen zurück. An der Ostflanke des I. Korps eroberte die 35. Division mit Unterstützung von Tanks nach heftigen Kämpfen Cheppy und den Butte du Vauquois, musste sich aber vor Einbruch der Dunkelheit in die südliche Umgebung von Charpentry zurückziehen, schwere Verluste und Führungsprobleme bremsten ihren Vormarsch. Im Ringen mit der deutschen 1. Garde-Division und der 117. Infanterie-Division konnte das V. US-Corps bis zum Abend des Tages die Linie Montblainville – Charpentry – Epinonville erreichen, das Kommando 4. US-Division zog das Hauptquartier nach Cuisy vor.
Am 27. September drangen die Amerikaner an der westlichen Maas weiter vor und drängten die deutschen Truppen auf die Linie Cierges - Brieulles zurück. Der 35. Division (Generalmajor Peter E. Traub) gelang die Einnahme von Varennes und bis zum 28. mit dem Vorstoß zur Aire die Besetzung von Apremont. Am gleichen Tag konnte die 157. Infanterie-Brigade (Brigadegeneral Nicholson), die den Kontakt zum 314. Infanterieregiment verloren hatte, mit dem 313. Infanterieregiment in Montfaucon eindringen.
Am 29. September hatten sechs deutsche Eingreifdivisionen die Front verstärkt, um dem amerikanisch-französischen Angriff zu widerstehen. Am 30. September war Pershings Offensive zwar gestoppt, doch die Schlacht dauerte bis zum 3. Oktober weiter an, ohne dass es zu nennenswerten Frontveränderungen kam, während das von Trommelfeuer zerfurchte Gebiet das Heranführen von Nachschub und Truppen zunehmend erschwerte. General Pershing schrieb dazu: