Die Landvögte der Niederlausitz waren die führenden Vertreter der böhmischen Könige und sächsischen Kurfürsten in der Niederlausitz vom 14. bis zum 17. Jahrhundert. Mehrere der Amtsinhaber waren auch Landvogt der Oberlausitz.

Geschichte Der erste Landvogt wurde 1359 unter sächsischer Pfandherrschaft in der Niederlausitz erwähnt. Bedeutende Kompetenzen für dieses Amt sind aus den wenigen erhaltenen Nachrichten auch für die Zeit nach der böhmischen Herrschaftsübernahme 1364 zunächst nicht erkennbar.

Bedingt durch die große Entfernung zu den Königen in Prag entwickelten sich die Befugnisse der Landvögte zunehmend. Im 15. Jahrhundert agierten sie weitgehend selbstständig mit landesherrlichen Befugnissen, sie stellten Urkunden über Lehnsvergaben und anderes aus, führten Kriege und bemühten sich, im Einvernehmen mit den Landständen, die Niederlausitz zu verwalten. Sitz des Landvogts und Versammlungsort der Landstände war Schloss Lübben.

Nach dem Übergang der Niederlausitz an das Kurfürstentum Sachsen 1635 wurde ihr Einfluss dann wieder geringer. Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Amt nur noch zu einem bloßen Titel der sächsischen Kurprinzen (Thronfolger).

Landvögte der Niederlausitz mini|Fantasieporträt „Hans von Polenz“ von Günther Wendt (1908–1971) an der Galerie am Schloss in Senftenberg 1359 Kunz von Würzburg 1364 Johann von Herzenstein 1369 Epping von Grabeck 1371 Heinrich VI. der Ältere Reuß zu Plauen 1375 Gebhard von Wiltperg 1377 Botho von Czastolowitz, später auch Landvogt von Zittau 1380–1386 Anshelm von Ronow, später auch Landvogt von Görlitz und Zittau 1387–1390 Jeschko Lubolitz 1389–1394 Otto von Kittlitz, später auch Landvogt der Oberlausitz 1394–1395 Balthasar von Ilow 1397–1407 Hynek Hlawatsch Berka von Dubá, später auch Landvogt der Oberlausitz 1409–1413 Hans von Torgow (Hans von Torgau) 1414–1438 Hans von Polenz, auch Verweser der Oberlausitzer Landvogtei, er war zudem zeitweise auch Pfandinhaber der Niederlausitz 1438–1447 Nikolaus von Polenz 1447–1450 Otto von Schlieben 1450–1453 Botho von Ileburg 1453–1456 Otto von Schlieben (s. o.) 1456 Paul von Kunersdorf 1457–1459 Wittchin von Kottwitz 1459–1461 Georg von Waldenfels 1462–1467 Albrecht Kostka von Postupitz 1463 Seyfried von Pytschen 1467–1469 Botho von Ileburg der Ältere 1469–1477 Jaroslav III. von Sternberg, war zuvor Landvogt der Oberlausitz 1477–1480 Melchior von Loeben 1480 Wenzel von Bieberstein 1481 Jahn (Johann) von Zawolsky 1481–1485 Georg von Stein, war auch Landvogt der Oberlausitz 1486–1490 Siegmund von der Weitmühl 1489–1492 Nickel von Köckritz 1493–1504 Heinrich III. von Plauen, Burggraf von Meißen und Hauptmann königlich-böhmischer Lehen 1504–1506 Sigismund, Herzog von Glogau und Troppau, er war gleichzeitig auch Landvogt der Oberlausitz und ab 1506 König von Polen und Großfürst von Litauen 1506–1508 Georg von Schellenberg, Fürst von Jägerndorf 1509–1539 Heinrich Tunkel von Bernitzko 1540–1554 Albrecht von Schlick Graf von Passaun 1556–1570 Bohuslav Felix von Lobkowitz und Hassenstein 1571–1595 Jaroslav von Kolowrat 1595–1598 Karl von Kittlitz 1599–1619 Heinrich Anselm von Promnitz 1619–1620 Heinrich Wilhelm Graf zu Solms 1621–1622 Heinrich Anselm von Promnitz 1623–1654 Siegmund Seyfrid von Promnitz (1595–1654), Sohn des vorigen 1654–1665 Heinrich Joachim von der Schulenburg Nach dem Tod Heinrich Joachims von der Schulenburg wurde das Amt des Landvogtes nicht mehr besetzt. Der neue Landesherr der Niederlausitz Herzog Christian I. von Sachsen-Merseburg ersetzte 1666 die Landvogtei durch eine Oberamtsregierung, bestehend aus einem Präsidenten und vier Räten.Rudolf Lehmann: Geschichte der Niederlausitz (Veröffentlichungen der Berliner Historischen Kommission beim Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin 5), Berlin 1963, S. 262f.

Siehe auch Liste der Markgrafen der Lausitz Geschichte der Niederlausitz Liste der Landsyndizi der Niederlausitz Liste der Herrschaften der Niederlausitz Landstände Geschichte der Oberlausitz Landvogt der Oberlausitz

Literatur Luděk Březina: Der Landvogt der Niederlausitz zwischen Königsmacht und Ständen (1490–1620). Ein Diener zweier Herren? Berliner Wissenschafts-Verlag, 2017 (Digitalisat). Rudolf Lehmann: Die Landvögte in der Niederlausitz. In: Walter Schlesinger (Hrsg.): Festschrift für Friedrich von Zahn. Band 1. Böhlau Verlag, Köln, Graz 1968. S. 429–471. Johann Wilhelm Neumann: Versuch einer Geschichte der Niederlausitzischen Land-Vögte. Lübben. Band 1, 1832, Band 2, 1833.

Einzelnachweise

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