Die Liste der Stolpersteine in Berlin-Alt-Hohenschönhausen enthält die Stolpersteine im Berliner Ortsteil Alt-Hohenschönhausen im Bezirk Lichtenberg, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Tabelle ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.

Die ersten Stolpersteine in Alt-Hohenschönhausen wurden im Mai 2004 verlegt. Inzwischen gibt es im Ortsteil bereits 36 Stolpersteine.

Bild Person Verlegeort Verlege­datum Information 100px Sandinostraße 22 (ehem. Lüderitzstraße) Mirjam Ascher wurde am 4. November 1931 in Berlin geboren, ihre Mutter war Ruth Ascher. Sie wurde am 11. April 1939 in die 3. jüdische Volksschule der Jüdischen Gemeinde eingeschult, die sich in der Synagoge in der Rykestraße 53 in Prenzlauer Berg befand, bis auch diese Schule am 30. Juni 1942 durch Verbot geschlossen wurde.DocID: 12648025 (Mirjam Ascher). In: Arolsen Archives Sie wurde zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Tana laut Transportliste als Waise (obwohl ihre Mutter noch lebte) am 26. September 1942 aus der Schönhauser Allee 122 mit dem 20. Osttransport nach Raasiku in Estland deportiert und dort ermordet. Der Vorname Tana auf dem Stolperstein ist sehr wahrscheinlich falsch, von Mirjam Ascher ist mit diesem Geburtsdatum eine Karteikarte überliefert. Schönhauser Allee 122 könnte ein Schreibfehler sein, in der Schönhauser Allee 162 befand sich das Auerbach’sche Waisenhaus und in der Schönhauser Allee 22 das Jüdische Altersheim. 100px Sandinostraße 22 (ehem. Lüderitzstraße) Ruth Esther Ascher wurde am 13. Oktober 1904 in Berlin mit dem Mädchennamen Wolff geboren, ihre Mutter war die ledige Ernestine Esther Wolff (geb. am 2. April 1880).Ernstine Ascher geborene Wolff auf mappingthelives.org Am 1. September 1925 erkannte der Kaufmann Josef Ascher (geboren am 27. Februar 1876) bei der Hochzeit mit ihrer Mutter offiziell seine Vaterschaft an.Josef Ascher auf mappingthelives.org Ruth war Sängerin und Unterhaltungskünstlerin, mehr ist über ihren beruflichen und künstlerischen Werdegang nicht bekannt.Ruth Ascher in: Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit Am 26. September 1942 wurde Ruth und ihre beiden Töchter mit dem 20. Osttransport nach Raasiku in Estland deportiert und dort ermordet.DocID: 127205229 Welle 32 - 20. Osttransport nach Raasiku, 26.09.1942 Ihr Vater Josef Ascher wurde anlässlich der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ vom 14. Juni 1938 bis 13. August 1938 im KZ Buchenwald mit der Häftlingsnummer 6710 inhaftiert,Josef Ascher. arolsen-archives.org nach seiner Entlassung floh er am 29. Oktober 1938 mit einem Schiff aus Cherbourg über Southampton nach Montevideo in Uruguay, wo er am 14. November 1938 im Transit mit Ziel Paraguay ankam.Joseph Ascher Migration, Uruguay, Passagierlisten, 1888–1980 auf familysearch.org Am 1. März 1940 wurde er per Anzeige im Deutschen Reichsanzeiger durch Entziehung der deutschen Staatsbürgerschaft zwangsweise ausgebürgert.Josef Ascher Revoked German Citizenship and Property Seizures 1933–1945 auf ushmm.org Ihre Mutter Ernestine Ascher konnte Josef Ascher noch nach dem generellen Ausreiseverbot für Juden vom 23. Oktober 1941 am 30. Oktober 1941 durch Auswanderung nach Paraguay folgen.Ernestine Ascher geborene Wolff. Karteikarte Reichsvereinigung der Juden in Deutschland; arolsen-archives.org 100px Sandinostraße 22 (ehem. Lüderitzstraße) Tana Ascher wurde am 5. April 1940 in Berlin geboren, ihre Mutter war Ruth Ascher. Sie wurde zusammen mit ihrer älteren Schwester Mirjam laut Transportliste als Waise (obwohl ihre Mutter noch lebte) am 26. September 1942 aus der Schönhauser Allee 122 mit dem 20. Osttransport nach Raasiku in Estland deportiert und dort ermordet.DocID: 127205236 Welle 32 - 20. Osttransport nach Raasiku, 26.09.1942 Der Vorname Mirjam auf dem Stolperstein ist sehr wahrscheinlich falsch, Tana Ascher steht mit diesem Geburtsdatum auf der Geburtsurkunde von Ruth Ascher. Schönhauser Allee 122 könnte ein Schreibfehler sein, in der Schönhauser Allee 162 befand sich das Baruch Auerbach’sche Waisenhaus und in der Schönhauser Allee 22 das Jüdische Altersheim. 100px Werneuchener Straße 10 100px Große-Leege-Straße 48 Manfred Bottstein, geboren am 27. Januar 1922 in Berlin; Sohn von Max und Rosa Bottstein; Elektrotechniker; am 13. Juli 1944 mit dem 108. Theresienstadt-Transport (I/114) deportiert;Transportliste für den 108. Theresienstadttransport am 13.7.44 – 199. statistik-des-holocaust.de; abgerufen am 31. Dezember 2018 am 16. Oktober 1944 mit Transport Er von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort ermordet 100px Große-Leege-Straße 48 Max Bottstein, geboren am 13. Januar 1889 in Berlin; Sohn von Israel und Maria Bottstein; am 26. Oktober 1942 mit dem 22. Osttransport nach Riga deportiert22. Osttransport – Transportliste 225. statistik-des-holocaust.de; abgerufen am 31. Dezember 2018 und dort ermordet 100px Große-Leege-Straße 48 Rosa Bottstein, geborene Schaul, geboren am 1. Juni 1887 in Czarnikau; am 26. Oktober 1942 mit dem 22. Osttransport nach Riga deportiert und dort ermordet 100px Schöneicher Straße 11a Arthur Dreyer, geboren am 16. Januar 1901, Angestellter, SPD-Mitglied; ab 1933 illegale Arbeit, im Mai 1935 verhaftet, U-Haft im KZ Columbiahaus, in Moabit verurteilt, Haft im Gefängnis Tegel, anschließend Schutzhaft im KZ Lichtenburg, im Herbst 1936 entlassen; danach Gelegenheitsarbeiter und weiterhin, gemeinsam mit seiner Frau Dorothea, illegale Arbeit; im Februar 1943 zur Strafdivision 999 eingezogen, am 24. September 1944 in Griechenland gefallenHans-Rainer Sandvoß: Widerstand in Prenzlauer Berg und Weißensee. Berlin 2000. S. 45–47. 100px Große-Leege-Straße 46a Arthur Falck, geboren am 14. März 1895 in Berlin; Schneidergeselle; nach dem Inkrafttreten der Nürnberger Gesetze vom 15. September 1935 wurde er von der Vermieterin seiner Freundin Hildegard Kroll (geb. 1914) wegen „Rassenschande“ angezeigt und im Sommer 1936 nach Paragraph 2 des „Blutschutzgesetzes“ verurteilt; nach Verbüßen der Haftstrafe im Zuchthaus Brandenburg-Görden versuchte er mehrfach, zu seinem seit 1910 in den USA lebenden Vater zu emigrieren, erhielt aber kein Einreisevisum, da sein Vater die Bürgschaft nicht übernehmen konnte; wohnte zu dieser Zeit zur Untermiete bei Margarete Sachs in der Große-Leege-Straße 46a; 1939 wurde gegen ihn wegen Verstoßes gegen die Namensänderungsverordnung bzw. den Kennkartenzwang ermittelt; Ende 1939 wurde er von der 8. Strafkammer des Landgerichts Berlin wegen Sachbeschädigung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, weil er beim Versuch, seine ehemalige Freundin Hildegard Kroll zu besuchen, ihr Fenster eingeschlagen hatte; die Berliner Staatsanwaltschaft ging gegen das Urteil in Revision, da sie den Aspekt des Nötigungsversuches und der „versuchten Rassenschande“ nicht berücksichtigt sah; in Falcks Stellungnahme gegen den Revisionsantrag gab er an, dass er sich nur „mit Frl. Kroll aussprechen“ wollte, da sie „der einzige Mensch [war], dem ich mal sehr zugetan war und derentwegen ich auch mit meinen Verwandten gebrochen hatte“ und er sich mit ihr wegen der „Notlage“ hätte beraten wollen, die nach der ersten Haftstrafe „durch mein längeres Nichtgemeldetsein und demzufolge auch Arbeitslosigkeit verursacht war“;Bundesarchiv Berlin, R 30.02, 2 D 21/1940 das Urteil wurde Anfang 1940 durch den 2. Strafsenat des Reichsgerichts aufgehoben; in der Neuverhandlung durch die 2. Strafkammer des Landgerichts Berlin wurde Falck im April 1940 wegen „fortgesetzter versuchter Rassenschande“ „in Tateinheit mit Sachbeschädigung und versuchter Nötigung“ zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt; nach Verbüßen der Haft wurde er aus dem Zuchthaus Brandenburg-Görden ins Polizeigefängnis Berlin überstellt und von dort mit dem 18. Osttransport am 15. August 1942 nach Riga deportiert.18. Osttransport – Transportliste 74. statistik-des-holocaust.de; abgerufen am 31. Dezember 2018 100px Konrad-Wolf-Straße 44 (ehem. Koskestr. 13/14) Bertha Glaser wurde am 12. Februar 1880 mit dem Mädchennamen Leiser in Jarotschin geboren, ihre Eltern waren Kaspar Leiser und Jette geborene Sander. Sie war die Mutter von Cäcilie Lange (siehe weiter unten), für deren Familie bereits im Jahr 2015 Stolpersteine vor dem ehemaligen Wohnhaus in der heutigen Konrad-Wolf-Straße verlegt worden waren. Bertha hatte 1899 in Stralkowo Hermann Glaser (geboren 1873 in Posen) geheiratet, der am 6. November 1926 im Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde in Berlin gestorben ist. Bertha Glaser wurde alleine am 17. November 1941 aus der Koskestraße 13/14 mit dem 6. OsttransportVI. Transport Abfahrtsdatum: 17.11.41 Deportationsziel: Kowno ohne Transportliste nach Kaunas deportiert und dort am 25. November 1941 im IX. Fort ermordet. Das Schicksal von Bertha Glaser wurde von einer 10. Klasse des Barnim-Gymnasiums erforscht, bei der Verlegung waren Ronit Bar Sapir und ihr Sohn Peleg anwesend, Ronit ist die Tochter von Herta Lange und Enkelin von Bertha Glaser. Als die KZ-Häftlinge aus dem Osten im Frühjahr 1945 in Mecklenburg auf dem Todesmarsch waren, wurde Herta Lange als einzige Überlebende der Familie von Soldaten der Roten Armee befreit und konnte so ihr Leben retten.Inga Dreyer: „Als würde ich die Leute kennen“. In: Neues Deutschland, 18. Juni 2018, S. 12. Für das Grundstück Koskestraße 13/14 war ab 1928 als Besitzerin die verwitwete Glaser, B. eingetragen und es ist eine Entschädigung des Grundstücks nach 1990 über die Jewish Claims Conference bekannt.Liste für NY 21-12-2012 (PDF; 3,3 MB) Registration Number 53834 auf S. 443Income from Sale of Recovered Properties, Compensation, Settlements, and Bulk Settlements (January 1, 1993 – April 30, 2008) S. 104