mini|hochkant|Marija Spiridonowa (vor 1906) Marija Alexandrowna Spiridonowa (; auch Maria Spiridonowa; wiss. Transliteration ; * 16. Oktober 1884 in Tambow, Russisches Kaiserreich; † 11. September 1941 in Orjol, Sowjetunion) war eine russische Sozialrevolutionärin und Politikerin aus der Partei der Sozialrevolutionäre. Sie war ZK-Mitglied der Partei der Linken Sozialrevolutionäre.
Leben Am 16. Januar 1906 verübte sie am Bahnhof von Borissoglebsk ein Attentat auf den Vizegouverneur von Tambow, Gawriil Nikolajewitsch Luschenowski, der am 10. Februar 1906 an den Folgen des Anschlags starb.Sally A. Boniece: The Spiridonova Case, 1906: Terror, Myth, and Martyrdom, Seite 128 und 136. In: Just Assassins, hrsg. von Anthony Anemone, Northwestern University Press, 2010. Abgerufen am 18. Januar 2014. Spiridonowa wurde bei dem Anschlag gefasst und zwei Monate später zum Tode verurteilt. Wegen ihrer schlechten Gesundheit wurde die Strafe in eine Zuchthausstrafe umgewandelt, die sie in Sibirien verbüßen musste. Im Zuge einer Generalamnestie nach der Februarrevolution 1917 wurde sie freigelassen.
Spiridonowa war für die Zusammenarbeit der Partei der Sozialrevolutionäre mit den BolschewikiIhre Partei gehörte mit den Bolschewiki dem Militärischen Revolutionskomitee an., sowohl vor als auch nach der Oktoberrevolution bis zum Brester Frieden. Am 6. Juli 1918 leitete sie den Aufstand der Linken Sozialrevolutionäre gegen die Bolschewiki.
Im Jahr 1937 wurde Spiridonowa gemeinsam mit mehreren ehemaligen Parteigenossen erneut verhaftet. Der Gruppe wurde vorgeworfen, ein vereintes konterrevolutionäres Zentrum bilden und Attentate auf kommunistische Führungskräfte in Baschkirien verüben zu wollen. Nach Gefängnisaufenthalten in Ufa und Moskau wurde sie am 7. Januar 1938 vom Militärkollegium des Obersten Gerichts zu 25 Jahren Haft verurteilt und später nach einem Hungerstreik im Gefängnis von Orjol in Isolationshaft gehalten. Im September 1941, wenige Wochen nach dem Überfall der Deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion, wurde Spiridonowa zusammen mit dem bulgarischen Bolschewiken und Revolutionär Christian Rakowski sowie anderen Menschewiki und Sozialrevolutionären im Medwedow-Wald bei Orjol von ihren Bewachern des NKWD erschossen aus Angst davor, dass sie möglicherweise mit den Invasoren kollaborieren würden.Leonid Michailowitsch Mletschin: (dt. etwa) Die Vorsitzenden des KGB. Nicht mehr geheime Schicksale. (rus.: Леонид Михайлович Млечин: Председатели КГБ. Рассекреченные судьбы.), SAO Zentrpolygraf Moskau 1999, ISBN 5-227-00454-4, S. 18
Marija Spiridonowas Person liefert eine der Figuren für das Theaterstück Weiter … weiter … weiter! von Michail Schatrow.
Dietrich Geyer schrieb in der Zeit: „Ihre Briefe aus dem Kerker, abgedruckt in der liberalen Presse, stilisierten die intelligente, schöne Gymnasiastin zu einer unbeugsamen Märtyrerin, die von verrohten Bewachern geschlagen, ja womöglich sogar vergewaltigt worden war – Verbrechen, die nach Vergeltung schrien.“Dietrich Geyer: Die Bomben der Märtyrer. In: Die Zeit, 9. September 2004. Abgerufen am 29. August 2013.
Literatur V. M. Lavrov: Marija Spiridonova: terroristka i zhertva terrora. Povestvovanie v dokumentach. Archeograficeskij tsentr, Moskva 1996 (russisch). Isaac Nachman Steinberg: Maria Spiridonova in strijd met tsaar en sowjet. Vertaald en bewerkt door T. Jelgersma. Van Loghum Slaterus, Arnhem 1936 (niederländisch). Belletristik Ada Negri: La Martire (Die Märtyrerin; Gedicht). In: Dal profondo, Fratelli Treves Editori, Milano 1910, S. 191–198 (italienisch; Volltext auf Wikisource).
Weblinks
Emma Goldman – Maria Spiridonowa (1922) Maria Spiridonova
Einzelnachweise
Kategorie:Politiker (Russisches Kaiserreich) Kategorie:Person der Russischen Revolution 1917 Kategorie:Opfer des Stalinismus (Sowjetunion) Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Russe Kategorie:Geboren 1884 Kategorie:Gestorben 1941 Kategorie:Frau