In Gehörlosenschulen werden Kinder mit dem Schwerpunkt Hören unterrichtet. Im Rahmen der Inklusion gibt es immer weniger Gehörlosenschulen oder Schulteile nur mit Klassen für Gehörlosen.

Geschichte Gehörlose Menschen lebten bis zum Renaissance-Humanismus im 16. Jahrhundert überwiegend einzeln und regional verstreut. Erst dann wurden die Vorurteile einiger bekannter europäischer Gelehrter aus Altertum und Mittelalter, dass Gehörlose wegen ihrer Stummheit und Taubheit bildungsunfähig seien, widerlegt. Einige adlige Gehörlose kamen dann in den Genuss von Mönchen in Lautsprache neben dem Christliche Glauben unterrichtet zu werden, um als würdige sprechende Erben zu gelten.

Bis ins frühe 18. Jahrhundert hinein, gab es aber keine Volksbildung für die breiten Gesellschaftsschichten. Die Gehörlosenbildung setzte sich erst ab 1760 nach und nach durch.

Die Gehörlosengemeinschaften konnten sich nun entwickeln, da sich gehörlose Kinder und Erwachsene in den Gehörlosenschulen und ihren Internaten begegneten und danach weiter verbunden blieben.

Die erste Gehörlosenschule der Welt (Institut national des jeunes sourds de Paris) entstand 1760 in Paris unter Charles Michel de l’Epée. Dazu entwickelte er auch die Langue des signes française (LSF) aus der Vieille langue des signes française mit der Grammatik der Französischen Sprache unter dem Begriff „methodische Zeichen“, indem er mit Gehörlosen arbeitete, die bereits ihre eigenen Gebärden zu Hause verwendeten und diese mit neuen Gebärden kombinierten. Diese LSF wurde zu einer wichtigen Grundlage und beeinflusste viele andere Gebärdensprachen.

Durch die Weiterentwicklung von Hörhilfen werden heutzutage nicht nur Gehörlose, sondern auch Schwerhörige an Gehörlosenschulen unterrichtet.

Australien Victorian College for the Deaf Melbourne NextSense Sydney

Belgien Koninklijk Instituut voor Doven en Spraakgestoorden Hasselt Koninklijk Instituut Spermalie Koninklijk Instituut Woluwe Institut Royal pour Handicapés de l'Ouïe et de la Vue

Deutschland Ein Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte (LBZH) ist in Deutschland häufig die Bezeichnung für staatliche Bildungseinrichtungen bzw. Förderschulen für Schüler mit einer Hörbehinderung und dem Förderschwerpunkt Hören. Diese Bezeichnung wird z. B. für einen Schulverbund in NiedersachsenOrganisation der Landesbildungszentren für Hörgeschädigte und des Landesbildungszentrums für Blinde, zuletzt abgerufen am 19. August 2018, als auch für die beiden staatlichen Schulen in Sachsen-Anhalt verwendet, da sie als Landesbildungszentren in direkter Trägerschaft des Landes stehen und überregional tätig sind. Das Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte muss nicht unbedingt immer im Namen erkennbar sein und trotzdem kann es eine Landesschule sein.

Sie bieten vorschulische, schulische, außerschulische und teils berufsschulische Angebote bei festgestelltem sonderpädagogischem Förderbedarf sowohl für gehörlose als schwerhörige Kinder und Jugendliche an.

Im Wesentlichen wurde zuerst nach der deutschen Methode bzw. oralen Methode von Samuel Heinicke und dann nach 1970 nach der kombinierten Methode von Ernst Adolf Eschke unterrichtet.

Baden-Württemberg Bildungs- und Beratungszentrum für Hörgeschädigte Stegen Lindenparkschule in Heilbronn

Bayern Bayerische Landesschule für Gehörlose in München

Berlin Ernst-Adolf-Eschke-Schule in Berlin-Westend Israelitische Taubstummenanstalt in Berlin-Weißensee Margarethe-von-Witzleben-Schule in Berlin-Friedrichshain Reinfelder-Schule in Berlin-Westend

Brandenburg Wilhelm-von-Türk-Schule in Potsdam

Bremen Schule für Hören und Kommunikation an der Marcusallee in Bremen

Hamburg Elbschule – Bildungszentrum Hören und Kommunikation in Hamburg

Hessen Freiherr-von-Schütz-Schule in Bad Camberg Hermann-Schafft-Schule in Homberg

Mecklenburg-Vorpommern Landesschule für Gehörlose in Güstrow Landesschule für Schwerhörige in Ludwigslust Sonderpädagogisches Zentrum für mehrfachbehinderte Hörgeschädigte in Putbus (Rügen) Landesschule für Gehörlose in Rostock

mini|Berufsschule des Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Hildesheim Niedersachsen LBZH Braunschweig LBZH Hildesheim LBZH Oldenburg LBZH Osnabrück Ehemalige Taubstummenanstalt Wildeshausen

Nordrhein-Westfalen Rheinisch-Westfälisches Berufskolleg Essen Johann-Joseph-Gronewald-Schule in Köln Provinzial-Taubstummenanstalt Langenhorst, ehemalige Gehörlosenschule bis 1968

Rheinland-Pfalz Pfalzinstitut für Hören und Kommunikation in Frankenthal (Pfalz)

Saarland Ruth-Schaumann-Schule in Lebach

Sachsen Johann-Friedrich-Jencke-Schule in Trachenberge Samuel-Heinicke-Schule (Leipzig)

Sachsen-Anhalt Carl-Kehr-Schule Halberstadt – Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte „Albert Klotz“ Halle (Saale)

Schleswig-Holstein IBAF-Gehörlosenfachschule in Rendsburg

Thüringen Staatliches überregionales Förderzentrum in Erfurt Staatliche Förderschule für Schwerhörige in Gotha Pädagogisches Zentrum für mehrfachbehinderte Hörgeschädigte in Schleitz

Frankreich Institut national des jeunes sourds de Paris Institut La Persagotière Institut national de jeunes sourds de Chambéry Institut national des jeunes sourds de Bordeaux-Gradignan Institut National de Jeunes Sourds de Metz Institut régional pour sourds et déficients auditifs de Saint-Jean-de-la-Ruelle Institution nationale des sourdes et muettes de Bordeaux-Castéja

Irland Claremont Institution for the Deaf and Dumb Dublin

Italien Istituto dei Sordi di Torino Istituto statale di istruzione specializzata per sordi Antonio Magarotto Istituto Statale per Sordi di Roma Istituto Pendola per Sordomuti in Siena Pio Istituto dei Sordi

Kanada British Columbia School for the Deaf Halifax School for the Deaf Montreal Institute for the Deaf and Mute Newfoundland School for the Deaf

Neuseeland Van Asch College in Sumner (Christchurch) Ko Taku Reo: Deaf Education New Zealand

Niederlande 1790: Henri Daniel Guyot Instituut in Groningen 1814: Instituut voor Doven in Sint-Michielsgestel 1853: Koninklijke Ammanstichting in Rotterdam 1888: Christelijk Instituut Effatha in Voorburg (1926–2000) bzw. Zoetermeer (ab 1980) 1910: Vereniging voor Doofstommenonderwijs in Amsterdam

Norwegen gegründet als Trondheim offentlige skole for døve, heute A. C. Møller Skole, ursprünglich im Rødbygget

Österreich Lürzerhof, ehemaliger Herrensitz in Salzburg, heute Josef-Rehrl-Schule HLMW9 Michelbeuern, Berufsschule in Wien Niederösterreichische Landes-Taubstummenanstalt von Viktor Urbantschitsch in Wien-Döbling Bundesinstitut für Gehörlosenbildung in Wien

Schweiz Per 1894 gab es 14 Taubstummenanstalte. In der deutschen Schweiz werden bzw. wurden an folgenden Orten innerhalb der Kantone folgende Taubstummenanstalten beziehungsweise Gehörlosenschulen geführt:

Zürich 1777 kleine private Schule im Pfarrhaus von Schlieren von Heinrich Keller (Pädagoge) seit 1826/7 Kantonale Blinden- & Taubstummenanstalt Zürich, heute Sek3 – Oberstufe für Gehörlose und Schwerhörige (Sek 3) sowie Schule für Gehör und Sprache (ZGSZ)

Bern seit 1824 Anstalt für taubstumme Mädchen Wabern; seit 1890 Taubstummenanstalt Münchenbuchsee (davor seit 1822 in Frienisberg); heute Pädagogisches Zentrum für Hören und Sprache Münchenbuchse seit 1881 „Hephata“, Anstalt für schwerhörige und taubstumme Kinder in der Äussern Enge bei Bern

Luzern seit 1832 Kantonale Taubstummenanstalt Hohenrain bei Luzern, heute Heilpädagogisches Zentrum Hohenrain (Gehörlosenabteilung aufgelöst)

Basel seit 1833 oder 1838 Taubstummen-Anstalt Riehen (möglicherweise auch 1860 in Bettingen, gilt als aufgelöst), heute GSR. Zentrum für Gehör, Sprache und Kommunikation

St. Gallen seit 1846/59 Taubstummenanstalt auf dem Rosenberg bei St. Gallen, später und heute Sprachheilschule St. Gallen (Gehörlosenabteilung in den 2010er-Jahren aufgelöst)

Aargau seit 1836 als Taubstummenanstalt Landenhof bei Unterentfelden, heute Landenhof Zentrum für Hören und Sehen seit 1837 Taubstummenanstalt in Zofingen (aufgelöst) seit 1850 Taubstummenanstalt Liebenfels bei Baden (aufgelöst)

An den Taubstummenanstalten der Deutschschweiz mit Ausnahme der Knabenanstalt in Wabern wurde im Wesentlichen nach der deutschen Methode unterrichtet.

In der Romandie existierten Schulen unter anderem in Freiburg (Gruyères), Waadt (Moudon, Yverdon) und in Genf (Centre pour enfants sourds de Montbrillant (CESM)):

Freiburg (Fribourg) seit 1890 Institution libre des sourds-muets à Gruyères

Waadt seit 1869 Institut de sourds-muets à Moudon

Genf (Genève) seit 1836 Institution de sourds-muets à Petit-Saconnex seit 1866 Ecole de sourds-muets à Chêne-Bougeries

Tschechien Střední škola, základní škola a mateřská škola pro sluchově postižené Holečkova

Ungarn Cházár András Egységes Gyógypedagógiai Módszertani Intézmény Vac Izraelita Siketnémák Budapesti Országos Intézete

USA American School for the Deaf, erste Gehörlosenschule in Amerika in West Hartford (Connecticut) Gallaudet University, als einfache Schule in Washington, D.C. gestartet, nun eine Universität für Gehörlose Rochester School for the Deaf in Rochester

Vereinigtes Königreich Donaldson's School Jordanstown Schools Mary Hare School Ovingdean Hall School St. John's Catholic School for the Deaf Boston Spa Braidwood Academy for the Deaf and Dumb London Asylum for the Education of the Deaf and Dumb Children of the Poor

Literatur

Siehe auch Geschichte der Gehörlosen Geschichte der Gebärdensprachen

Einzelnachweise

Kategorie:Förderschule in Deutschland