Die deutsch-nordkoreanischen Beziehungen waren seit der Gründung der Demokratischen Volksrepublik Korea von den unterschiedlichen Ausrichtungen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland geprägt. Während die DDR von Beginn an bilaterale Beziehungen zu Nordkorea pflegte, nahm die Bundesrepublik erst im Jahr 2001 diplomatische Beziehungen auf. Offizielle Besuche einer Delegation der Bundesrepublik auf Ministerebene in Nordkorea kamen bisher nicht zustande.

Deutschland verfolgt sowohl im eigenen Dialog mit Nordkorea als auch im Rahmen der gemeinsamen europäischen Außen- und Sicherheitspolitik sein Interesse zur Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche und die Aufgabe des nordkoreanischen Kernwaffenprogramms. Des Weiteren kritisiert Deutschland vor allem die Menschenrechtssituation in Nordkorea.Informationen zu den politischen Beziehungen auf den Seiten des Auswärtigen Amtes

Geschichte Beziehungen mit der DDR mini|Nordkoreanische Botschaft in Ost-Berlin (1987)

Die ebenfalls sozialistisch ausgerichtete DDR war im Ostblock einer der engsten Verbündeten Nordkoreas. Die diplomatischen Beziehungen beider Staaten wurden durch einen Beschluss der nordkoreanischen Regierung vom 6. November 1949, knapp einen Monat nach der Gründung der Demokratischen Volksrepublik Korea, initiiert. Die Akkreditierung der Botschafter fand jedoch erst nach dem Koreakrieg im Jahr 1954 statt. Dabei kam es bis zum Antritt des Botschafters Richard Fischer in Pjöngjang zunächst zu Kommunikationsschwierigkeiten, da sowohl die nordkoreanische und deutsche Botschaft in Peking als auch die Botschaften in Moskau miteinander kommunizierten und sich beide für deutsch-koreanische Angelegenheiten zuständig fühlten. Der Botschafter in Peking Johannes König wurde daher zur offiziellen Kontaktperson ernannt und dies dem nordkoreanischen Außenminister in einem Schreiben vom 13. Juli 1951 mitgeteilt, das dieser am 18. August bestätigte. Trotzdem beauftragte Nordkorea seine Botschaft in Warschau damit, sich bilateraler Angelegenheiten der beiden Staaten anzunehmen.

mini|hochkant|Besuch von Kim II-sung in der DDR 1984 Der damalige Ministerpräsident der DDR Otto Grotewohl bereiste auf einer Asienreise im Dezember 1955 erstmals die DVRK. Im folgenden Jahr besuchte der damalige Machthaber Kim Il-sung im Rahmen einer fast sechswöchigen Reise durch die Sowjetunion und andere osteuropäische Staaten erstmals die DDR und bat dort um Unterstützung in Form von Geld und Gütern. Differenzen zwischen den beiden Staaten entstanden mit dem aufkommenden Personenkult um Kim Il-sung und der beginnenden Entstalinisierung in der DDR.

Erich Honecker wurde von Kim als „Bruder und bester Freund“ benannt. Bei dem ersten Staatsbesuch Honeckers in Nordkorea vom 8. bis 11. Dezember 1977 gab Kim vor, die Existenz der beiden deutschen Staaten zu begrüßen.Nordkorea: Gute Nachbarn, Die Zeit vom 13. November 1981. Die DDR und die DVRK hatten jedoch unterschiedliche Auffassungen gegenüber einer Wiedervereinigung ihres jeweiligen Landes. Während Kim Il-sung die Koreanische Wiedervereinigung als eines seiner wichtigsten Ziele und die DVRK als den einzigen koreanischen Staat betrachtete, legte die Staatsführung der DDR besonderen Wert auf die Anerkennung als eigenständiger und unabhängiger Staat. Bei einem weiteren Staatsbesuch Honeckers im Jahr 1984 unterzeichneten die beiden Staatsmänner einen Freundschaftsvertrag zur „Stärkung der Geschlossenheit zwischen den sozialistischen Staaten“.. In: Das Parlament. Nr. 23/2010. Ende Mai 1984 besuchte Kim Il-sung die DDR zum zweiten und letzten Mal. Honecker stattete der DVRK vom 18. bis 21. Oktober 1986 einen dritten Staatsbesuch ab. In der Zeit zwischen 1984 und 1989 wurden zudem mehrere Abkommen zwischen dem Ministerium für Nationale Verteidigung und Nordkorea unterzeichnet.

Hilfsleistungen Das Politbüro der SED beschloss am 15. August 1950, nach dem Ausbruch des Koreakriegs, eine von der Nationalen Front geleitete Spendenaktion für Nordkorea, in deren Rahmen das Land bis zum Jahr 1960 mit insgesamt 122,7 Millionen Rubel, bis 1962 mit etwa 495,35 Millionen Rubel (520,11 Millionen Mark),Liana Kang-Schmitz: Nordkoreas Umgang mit Abhängigkeit und Sicherheitsrisiko – Am Beispiel der bilateralen Beziehungen zur DDR (PDF; 1,5 MB). S. 128 ff. unterstützt wurde (der Nominallohn eines sowjetischen Industriearbeiters betrug im Jahr 1960 monatlich 89,9 Rubel).Manfred Hildermeier: Geschichte der Sowjetunion, 1917–1991: Entstehung und Niedergang des ersten sozialistischen Staates. C.H.Beck, 1998, Seite 12 Damit war die DDR nach der Sowjetunion und der Volksrepublik China der dritt-wichtigste Partner Nordkoreas. Die Tageszeitung Neues Deutschland, das Zentralorgan der SED, bewarb die Kampagne mit dem Slogan „Wer Korea hilft – hilft Deutschland“.

Die Hilfsleistungen der DDR umfassten vier Abkommen über Warenlieferungen und den Aufbau verschiedener Industrieanlagen (178 Millionen Rubel/186,9 Millionen Mark), die Ausbildung von 600 Waisenkindern (19 Millionen Rubel/19,5 Millionen Mark) und 286 Studenten (18 Millionen Rubel/18,9 Millionen Mark), den Wiederaufbau der Stadt Hamhŭng, einen Solidaritätsausschuss (72 Millionen Rubel/75,6 Millionen Mark), Unterstützung durch das Deutsche Rote Kreuz (0,25 Millionen Rubel/0,26 Millionen Mark) und ein Bodenprüflabor der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften (0,1 Millionen Rubel/0,105 Millionen Mark). Außerdem richtete sie bis 1957 in Pjöngjang ein automatisches Telefonamt mit 6000 Anschlüssen ein.

Am 25. Juni 1952 schlossen die beiden Staaten ein Waren- und Zahlungsverkehrsabkommen, sowie eines der drei Hilfsabkommen über Warenlieferungen im Wert von 30 Millionen Rubel (31,5 Millionen Mark). Ein weiteres Hilfsabkommen über Warenlieferungen in gleichem Volumen wurde in jenem Jahr am 14. November abgeschlossen. Warenlieferungen für die Jahre 1954 bis 1956 wurden in einem in Berlin unterzeichneten Abkommen vom 6. Oktober 1953 geregelt. Das vierte Hilfsabkommen umfasste einen Wert von 80 Millionen Rubel. Es beinhaltete neben Warenlieferungen zusätzlich den Aufbau eines Dieselmotorenwerks, eines typografischen Kombinats und einer Lepol-Anlage in einem Zementwerk.

Zu Beginn unterstützte die DDR das Land vor allem mit technischer Hilfe im Berg- und Maschinenbau. Nordkorea bat zudem mehrmals um Unterstützung im Textil- und Bekleidungsbereich. So beispielsweise in einem Treffen zwischen dem nordkoreanischen Außenminister Nam Il und dem DDR-Botschafter Richard Fischer am 25. Mai 1956, bei dem Nam Il außerdem nach einem Kredit, weiterer Hilfe im Bergbau und speziell einer Schuhlieferung anfragte.

mini|Festempfang zu Ehren der koreanischen Regierungsdelegation in der DDR 1956. In angeregtem Gespräch v. l. n. r.: der Präsident der Deutschen Akademie der Künste Nationalpreisträger Prof. Otto Nagel; Ministerpräsident Otto Grotewohl und Kim Il-sung. 1956 begab sich eine nordkoreanische Delegation auf eine sechswöchige Reise in die Sowjetunion und nach Osteuropa und bat die kommunistischen Staaten, im Juni auch die DDR, um wirtschaftliche und finanzielle Hilfe für den ersten Fünfjahresplan, dem die DDR allerdings nur teilweise, nämlich in Form von 50 Millionen Rubel für Massenbedarfsgüter, eines Abkommens über wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit und einer Gemeinsamen Erklärung, entgegenkam.

Den vorgeblichen Erfolgen der Jahrespläne Kim Il-sungs zum Wiederaufbau der nordkoreanischen Wirtschaft stand die Botschaft der DDR auf Grund fehlender Daten und unüberprüfbarer Zahlen skeptisch gegenüber.

Im November 1960 kündigte Otto Grotewohl in einem Schreiben an Kim Il-sung an, die Hilfsleistungen auf Grund wirtschaftlicher Schwierigkeiten einschränken zu müssen, was seitens Nordkoreas auf Verständnis stieß. Am 18. September 1962 wurde ein Protokoll unterzeichnet, als sich eine Delegation der DDR zu einer Brückeneinweihung in Hamhŭng befand. Damit endete die seit 1952 von der DDR gewährte materielle Hilfe.Bernd Bonwetsch, Matthias Uhl: Korea – ein vergessener Krieg?: Der militärische Konflikt auf der koreanischen Halbinsel 1950–1953 im internationalen Kontext. Oldenbourg Verlag, 24. Oktober 2012, Seite 110

Mehrere Arbeiter aus der DDR wurden am 4. Oktober 1983 in Pjöngjang für den Bau eines Automatisierungsgerätewerkes unter anderem mit dem Staatsbannerorden 2. und 3. Klasse ausgezeichnet.KDVR-Auszeichnungen an DDR-Bürger verliehen, Neues Deutschland vom 6. Oktober 1983.

Korea-Hilfsausschuss

Am 9. September 1950 wurde in der DDR der „Korea-Hilfsausschuss“ gegründet. Seine Aufgabe lag primär in der Sammlung von Spenden und der Export-Organisation der daraus erworbenen und produzierten Hilfsgüter für Nordkorea. Darunter befanden sich Medikamente, Gebrauchsgegenstände, Maschinen und Fahrzeuge. Insgesamt wurden im Rahmen der Ausschuss-Tätigkeiten Sachspenden in Höhe von 18 Millionen und Geldspenden in Höhe von 22 Millionen Mark verschickt. Finanziert wurden von dem Geld unter anderem der Bau einer Poliklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Pjöngjang, eines Tuberkulose-Ambulatoriums, sowie mehrerer Schulen und Kindergärten.

Des Weiteren förderte der Ausschuss den kulturellen Austausch zwischen den beiden Staaten und stellte Informationen über Nordkorea zur Verfügung. Er bestand aus Mitgliedern der Parteien, des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR und des Nationalrats. Der Hilfsausschuss appellierte besonders durch Aufrufe an die Bevölkerung zur Spendenbereitschaft.Propaganda-Flugschrift des Korea-Hilfsausschusses der DDR Außerdem koordinierte er die Lieferung von Gütern die in eigens dafür vorgesehenen Überstunden produziert und beispielsweise von Bauern der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft geleistet wurden. Unter anderem übernahm der Ausschuss beispielsweise im September 1953 die Frachtkosten für vier Traktoren, eine Traktor-Drillmaschine, vier Sätze Traktoren-Eggen, Pflüge und einen LKW, die von der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands gespendet wurden.

Am 11. November 1954 wurde der „Korea-Hilfsausschuss“ auf Beschluss des Nationalrates der Nationalen Front in den „Solidaritätsausschuss für Korea und Vietnam“ umgewandelt und sämtliche Leistungen fortan im Verhältnis 1:2 zwischen den beiden Ländern aufgeteilt.

Im Rahmen der kulturellen Tätigkeiten organisierte der Ausschuss in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Kulturelle Verbindungen mit dem Ausland den zehnten Gwangbokjeol, der in zwei Betrieben mit besonderem Spendenvolumen gefeiert wurde.

Zum 1. Oktober 1957 beendete der Ausschuss seine Tätigkeit.

Deutsche Arbeitsgruppe Hamhŭng

mini|Aufbau durch die Arbeitsgruppe Hamhŭng Während des Koreakrieges (1950–1953) wurde die nordkoreanische Hafenstadt Hamhŭng durch Luftangriffe US-amerikanischer Bomber zu etwa 80–90 Prozent zerstört.

Bei einem Besuch des nordkoreanischen Außenministers im Juni 1954, bekam dieser von dem damaligen DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl Hilfe beim Wiederaufbau Nordkoreas zugesagt, Focus vom 7. November 2005. woraufhin der nordkoreanische Präsident Kim Il-sung ein gemeinsames Wiederaufbauprojekt der Stadt Hamhŭng als Industriezentrum vorschlug.Christoph Kleßmann, Bernd Stöver: Der Koreakrieg: Wahrnehmung, Wirkung, Erinnerung, 2008, ISBN 978-3-412-20178-4, S. 145 f.Der erste deutsche Stellvertreterkrieg Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. Juni 2010.