mini|hochkant=1.35|Vohenstrauß (2016) mini|Rathaus Vohenstrauß
Vohenstrauß ist eine Stadt im Landkreis Neustadt an der Waldnaab in der Oberpfalz.
Die Stadt liegt im Vorderen Oberpfälzer Wald, etwa 17 Kilometer südöstlich von Weiden in der Oberpfalz. Im 16. Jahrhundert war Vohenstrauß Residenz des Pfalzgrafen von Pfalz-Zweibrücken-Vohenstrauß-Parkstein. Bis zur Kreisgebietsreform 1972 befand sich hier der Sitz des gleichnamigen Landkreises. Heute ist Vohenstrauß wirtschaftliches und schulisches Zentrum für den östlichen Landkreis.
Geographie Geographische Lage Die größte Stadt des Landkreises liegt etwa 20 Kilometer vor dem Grenzübergang zu Tschechien, unmittelbar an der Bundesautobahn 6 (Via Carolina).
Nachbargemeinden Die Stadt grenzt im Norden an den Markt Waldthurn, im Osten an die Stadt Pleystein und den Markt Moosbach, im Süden an die Märkte Tännesberg und Leuchtenberg und im Westen an die Gemeinde Irchenrieth (alle Landkreis Neustadt an der Waldnaab) sowie an die kreisfreie Stadt Weiden in der Oberpfalz.Vohenstrauß BayernAtlas mit Gemeindegrenzen. Abgerufen am 10. November 2019.
Gemeindegliederung
Es gibt 48 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt die Gemarkungen Altenstadt b.Vohenstrauß, Böhmischbruck, Burgtreswitz, Gröbenstädt, Kaimling, Lämersdorf, Oberlind, Obernankau, Roggenstein, Vohenstrauß, Waldau und Weißenstein.
Geschichte Mittelalter Im Jahr 1124 weihte Bischof Otto von Bamberg die Kirche zu „Vohendreze“ im heutigen Altenstadt. In dieser Zeit gehörte Vohenstrauß mit Floß und Parkstein dem mächtigen Geschlecht der Grafen von Sulzbach. Nach dem Aussterben der Sulzbacher erwarben 1189 die Staufer deren Eigengüter und gründeten die neue Marktanlage vermutlich am Anfang des 13. Jahrhunderts, denn 1230 wurde Altenstadt schon als „veteri (altes) vohendrezz“ bezeichnet.
Neuzeit Nach dem Landshuter Erbfolgekrieg (1503/05) wurde Vohenstrauß dem Herzogtum Pfalz-Neuburg zugeteilt. Unter Friedrich von Pfalz-Vohenstrauß-Parkstein wurde Vohenstrauß kurzzeitig Residenzstadt. Von 1586 bis 1593 ließ Friedrich das Schloss Friedrichsburg bei Vohenstrauß errichten. Nach der Landesteilung im Jahr 1614 kam der Markt zu Pfalz-Sulzbach, 1777 zu Bayern. Zwischen 1378 und 1770 wurde der Markt wiederholt auch als Stadt bezeichnet, Prinzregent Luitpold verlieh dem Markt 1912 endgültig die Bezeichnung Stadt.
Eingemeindungen Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gliederte die US-amerikanische Militärregierung am 1. Januar 1946 die beiden Gemeinden Altenstadt bei Vohenstrauß und Oberlind in die Stadt Vohenstrauß ein. Am 26. Dezember 1947 votierten die beiden ehemaligen Gemeinden in einer Abstimmung für die Wiedererlangung ihrer politischen Selbständigkeit.
Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1968 die Gemeinden Altenstadt bei Vohenstrauß, Böhmischbruck, Döllnitz, Kaimling, Oberlind, Roggenstein und Waldau zunächst in den Standesamtsbezirk Vohenstrauß eingegliedert. Mit Wirkung vom 1. Januar 1972 erfolgte die politische Eingemeindung von Kaimling, Oberlind (mit dem 1938 eingegliederten Obernankau), Roggenstein (mit dem 1938 eingegliederten Lämersdorf) und Waldau, am 1. Juli 1972 die der Gemeinden Altenstadt und Böhmischbruck. Zum 1. Juli 1976 wurde die Gemeinde Döllnitz wieder aus dem Standesamtsbezirk ausgegliedert.
Mit der Eingemeindung der sechs benachbarten Gemeinden vergrößerte sich die Fläche des Stadtgebiets auf das Vierfache. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich. Vohenstrauß hat seit dem Abschluss der Gemeindegebietsreform 48 amtlich benannte Gemeindeteile und ist nach der Einwohnerzahl die größte Stadt im Landkreis Neustadt an der Waldnaab.
Zum 1. August 2013 vergrößerte sich die Stadtfläche um etwa 77 Hektar im Zuge der Eingliederung eines Teils des vorher gemeindefreien Gebietes Michlbach, nach dessen Auflösung mit Verordnung der Regierung der Oberpfalz vom 19. Juni 2013.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1. Dezember 1840 4550 1. Dezember 1871 4953 1. Dezember 1900 5286 16. Juni 1925 5590 17. Mai 1939 5624 13. September 1950 7511 6. Juni 1961 7095 27. Mai 1970 7349 25. Mai 1987 7059 Jahr Einwohner 31. Dezember 1991 7301 31. Dezember 1995 7547 31. Dezember 2005 7690 31. Dezember 2010 7725 31. Dezember 2015 7392 31. Dezember 2020 7518
Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 7039 auf 7398 um 359 Einwohner bzw. um 5,1 %.
Politik Stadtrat
Die 20 Sitze des Stadtrates verteilen sich seit der Kommunalwahl am 15. März 2020 wie folgt:Stadtratswahl 2020 in Vohenstrauß, Amtliches Endergebnis, auf wahl.neustadt.de/, abgerufen am 12. September 2020
Partei / Liste CSU SPD FDP / UW FW Sitze 10 (− 1) 3 (± 0) 2 (± 0) 5 (+ 1) Stimmenanteil 50,6 % 13,8 % 11,2 % 24,4 %
Die Wahlbeteiligung lag 2020 bei 67,8 %.
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2026 Uli Münchmeier (CSU). Dieser wurde bei der Bürgermeisterwahl 2026 neu in sein Amt gewählt. Die Stadtoberhäupter waren:
1747–: Johann Janner (erster kurfürstlicher Bürgermeister) –1804: Johann Winklmann 1805–1814: Georg Philipp Sperl 1815–1820: Dagobert Friedwart Trautner 1821–1833: Johann Adam Aichinger 1834–1839: Wolfgang Christoph Ach 1840–1851: Johann Georg Bibel 1852–1857: Georg Martin Bamler 1858–1863: Johann Karl Bauer 1864–1866: Georg Martin Bamler 1867–1893: J. M. Riebel 1894–1905: Wilhelm Bamler 1906–1918: Gottfried Riebel 1. Januar 1919 bis 15. Juni 1919: Josef Steininger (kommissarisch) 1919–1922: Fritz Schamel 1922–1923: Johann Ach 1923–1924: Josef Steininger (kommissarisch) 1925–1933: Karl Ries 1933–1934: Richard Müller 1934–1944: Hans Fuchs 1944–1945: Adolf Diller und Albert Sommer 1945: F. X. Wittmann 1945–1948: Karl Ries 1948–1952: Erhard Wagner 1952–1966: Hans Fuchs 1966–1972: Otto Ries 1972–1984: Max Steger 1984–1986: Ernst Eichl 1986–1994: Franz Pausch (zunächst als 2. Bürgermeister aufgrund Eichls schwerer Erkrankung Übernahme der Amtsgeschäfte; beim außerordentlichen Wahlgang 1988 von den Bürgern als Stadtoberhaupt legitimiert) 1994–2008: Josef Zilbauer (CSU) 2008–2026: Andreas Wutzlhofer (CSU) Seit dem 1. Mai 2026: Uli Münchmeier (CSU)
Wappen miniatur|Wappen am Rathaus in Vohenstrauß
Städtepartnerschaften Eine erste Städtepartnerschaft wurde 1992 mit der tschechischen Kleinstadt Stříbro/Mies geschlossen. Die beiden Städte liegen etwa 55 Kilometer auseinander. Eine weitere Partnerschaft wurde mit der Gemeinde Bernsbach in Sachsen vereinbart. Im September 2002 wurde die Partnerschaftsurkunde mit der westfranzösischen Gemeinde Moncoutant unterzeichnet.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Im Ort gibt es das Heimatmuseum der Stadt Vohenstrauß und das Edelsteinmuseum., auf vohenstrauss.de
miniatur|Schloss Friedrichsburg
Bauwerke miniatur|hochkant|Evangelisch-lutherische Stadtpfarrkirche miniatur|hochkant|Stadtpfarrkirche Mariä Unbefleckte Empfängnis
Burg Waldau, Burg im Ortsteil Waldau in Privatbesitz Evangelisch-lutherische Stadtpfarrkirche, oberhalb des Marktplatzes, seit 1845 in der heutigen Form, nachdem die Vorgängerbauten 1839 und 1763 durch Brand zerstört wurden. Bis 1928 diente sie als Simultankirche für die beiden großen christlichen Religionsgemeinschaften. Rathaus Schloss Friedrichsburg, das Vohenstraußer Wahrzeichen Simultankirche St. Johannes Baptist in Altenstadt, Einweihung im Jahre 1124 durch Bischof Otto von Bamberg Stadtpfarrkirche Mariä Unbefleckte Empfängnis
Denkmäler Kriegerdenkmal miniatur|hochkant|Kriegerdenkmal 1870/71 in Vohenstrauß
Angeregt wurde die Errichtung der Gedenkstätte durch den 1876 von Freiherr von Tucher gegründeten Kriegerverein des damaligen Fleckens Vohenstrauß. Das Kriegerdenkmal für die Soldaten aus der Gemeinde, die am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teilgenommen haben, steht auf dem Marktplatz. Der Sockel auf einem vierstufigen Unterbau trägt die Inschrifttafeln aus schwarzem Marmor. Die Widmungsinschrift gibt Zeugnis von den Stiftern und dem Zweck der Säule: „Die Marktgemeinde / Vohenstrauss / ihren / tapferen Kriegern / 1870/71.“ Die Inschrifttafel an der Rückseite des Sockels nennt Namen und Daten von zwei „Auf dem Felde der Ehre gebliebenen“ Soldaten, die Tafeln an der linken und rechten Seite des Sockels unter der Überschrift „Ruhmvoll kämpften“ die Namen von jeweils 20 Soldaten, die aus dem Krieg heimkehrten. Über dem Sockel erhebt sich eine etwa fünf Meter hohe korinthische Säule aus rotem Sandstein, das Kapitell der Säule wird bekrönt von einem von einer (Welt-)Kugel aufsteigenden Reichsadler.
Die Enthüllungsfeier des Denkmals am 12. Mai 1896 nahm Bezug auf den Abschluss des Frankfurter Friedens 25 Jahre zuvor. Der Friedensschluss beendete faktisch den Deutsch-Französischen Krieg.
Steinkreuz Das Steinkreuz ist ein denkmalgeschütztes Wegkreuz aus Granit in Altenstadt bei Vohenstrauß. Das Kreuz ist 65 cm hoch, 40 cm breit und 20 cm dick. Es stammt aus nachmittelalterlicher Zeit und befindet sich an einem Feldweg am westlichen Ortsrand, an der Verbindungsstraße nach Waldau, etwa 30 Meter von der Straße entfernt. Über die Jahrhunderte hinweg war der Granit starker Verwitterung ausgesetzt. Der rechte Arm des Kreuzes ist abgebrochen. An der Vorderseite ist eine Einritzung mit der Darstellung einer Gabel erkennbar.
Sport Kreisfischereiverein 1881 e. V. Modellsportclub e. V. Schützengesellschaft 1565 e. V. Spickerverein „Blaupfeil“ Sportkegelclub „Rot-Weiß“ SpVgg Vohenstrauß e. V. Turnverein 1864 e. V. Vohenstraußer Faschingsverein e. V.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Ehemaliger Bahnhof Vohenstrauß
Die Autobahn A 6 durchquert das Gemeindegebiet von West nach Ost, sie verläuft direkt südlich an der Stadt vorbei. Zwei Anschlussstellen binden Vohenstrauß an das Fernstraßennetz an. Die Staatsstraße 2181 führt nach Weiden.
Der ehemalige Bahnhof Vohenstrauß liegt an der inzwischen stillgelegten Bahnstrecke Neustadt (Waldnaab)–Eslarn.
miniatur|Stadthalle
Öffentliche Einrichtungen Bayerisches Rotes Kreuz Freiwillige Feuerwehr Hallenbad Landesamt für Finanzen – Dienststelle Regensburg – Bearbeitungsstelle Vohenstrauß Notariat Polizei Staatliches Bauamt Amberg-Sulzbach Straßenmeisterei Weiden i.d.OPf. / Vohenstrauß Standort Vohenstrauß
Bildung Förderschule Grundschule Mittelschule Realschule
Persönlichkeiten Ehrenbürger Franz Thelemann, Forstrat Christian Kreuzer (1915–1984), Landrat Johann Pösl (1907–2003), Präsident des Oberpfälzer Bezirkstages, MdL
Söhne und Töchter der Stadt
mini|hochkant=0.55|Franz Volkmar Reinhard um 1790
Carl Friedrich Aichinger (1717–1782), Schriftsteller Georg Stephan Wiesand (1736–1821), Jurist Franz Volkmar Reinhard (1753–1812), evangelischer Theologe, Oberhofprediger an der Dresdner Sophienkirche Max Georg Rossmann (1861–1926), Maler, Bildhauer und Kunstgewerbler Johann Ach (1862–1936), Baumeister und Landtagsabgeordneter (Zentrumspartei) Karl Weinmann (1873–1929), Domvikar und Musikforscher Wilhelm Bruner (1875–?), deutscher Richter beim Volksgerichtshof und Reichsgericht Friedrich Höllerer (1885–?), Landrat Hans Dirscherl (1889–1962), geboren in Kössing, Politiker (FDP), Reichstagsabgeordneter Ludwig Steininger (1890–1979), Oberpfälzer Kunstmaler Richard Hohenner (1896–1981), deutscher Verwaltungsbeamter und Kommunalpolitiker Annelies Paul (1920–2009), Schriftstellerin Alfred E. Hierold (1941–2025), katholischer Theologe und Kirchenrechtler Heribert Illig (* 1947), Publizist, Verleger und Chronologiekritiker Reinhold Zwick (* 1954), katholischer Theologe und Professor für Biblische Theologie und ihre Didaktik an der Universität Münster Wolfgang Stefan (* 1961), Bildhauer und Maler Jörg-Ulrich Skriebeleit (* 1968), Kulturwissenschaftler
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben
Renate Meerwald (1939–2009), Malerin. Kam als Vierjährige nach Vohenstrauß und verbrachte dort den Großteil ihres Lebens.
Weblinks
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