Die Rue Carreterie ist eine Straße in Avignon im Département Vaucluse in Frankreich.

Geschichte Der erste belegte Name dieser Straße stammt aus dem 14. Jahrhundert und lautete carreiria Cadrigerariorum (die „Fuhrmannsstraße“). Sie war eine der wichtigsten Verkehrsstraßen der Innenstadt und die einzige, die von einem der Stadttore direkt zum Papstpalast führte. 1392 wurde sie als Carrieria magna vocatur la Carataria bezeichnet.Joseph Girard, Évocation du Vieil Avignon, S. 305.

Das umliegende Straßenviertel wurde von der 1364 fertiggestellten Stadtmauer Saint-Lazare geschützt, für deren Bau die Einwohner 1000 Gulden zur Verfügung gestellt hatten.Joseph Girard, Évocation du Vieil Avignon, S. 342. Beunruhigt von möglichen Angriffen der Hugenotten, finanzierte die Bevölkerung 1568 den Bau eines Ravelins, um den Zugang vom Tor Saint-Lazare besser zu schützen. Dieses wurde zwischen 1604 und 1621 neu instand gesetzt.

mini|links|Place de la Belle Croix Im Laufe des 15. Jahrhunderts tauchte in der Papststadt eine architektonische Neuerung auf, die sich Croix de carrefour oder „croix couvertes“ nannte. Dabei handelt es sich um ein Heiligenkreuz, das von einem mit Pfeilern gestützten Gewölbe überdacht wird. Avignon besaß sieben dieser „Belles Croix“, von denen das in der Rue Carreterie am schönsten gewesen sein soll.Joseph Girard, Évocation du Vieil Avignon, S. 74. Das Denkmal befand sich 1426 nachweislich an der Kreuzung zur Rue des Infirmières. Es wurde 1597 auf Kosten der Bruderschaft der Notre-Dame-de-la-Major mit Stein aus Embrun neu rekonstruiert und 1792 zerstört.Joseph Girard, Évocation du Vieil Avignon, S. 305–306. Eine andere Besonderheit der Straße stellten die zahlreichen „maisons à auvents“ (Häuser mit Vordächern) dar. Nach Erlässen des Stadtrates Mitte des 16. Jahrhunderts wurden diese jedoch wieder abgerissen.Joseph Girard, Évocation du Vieil Avignon, S. 48.

Denkmäler Zu den wichtigsten Gebäuden der Straße gehören unter anderem das Geburtshaus von Henri Bosco (Nr. 3)Henri Bosco Biographie und der zwischen 1372 und 1377 erbaute Glockenturm der Augustinerkirche. Die gotische Eingangspforte des alten Karmeliterklosters stammt aus dem 15. Jahrhundert. In der Straße befinden sich auch ein altes Gasthaus und das Geburtshaus des Patrioten Lescuyer, der am von Papisten ermordet wurde, was zur Auslösung des Massacre de la Glacière führte. Die alte Kapelle der Pénitents Rouges wurde 1700 gegründet. 1745 legten Ärzte der medizinischen Fakultät am heutigen square Agricol Perdiguier einen Heilkräutergarten an, der während der Französischen Revolution durch einen „Pflanzengarten“ ersetzt wurde.

Galerie

Literatur Paul Achard: Dictionnaire historique des rues et places de la ville d'Avignon. Éd. Seguin aîné, Avignon 1857. Joseph Girard: Évocation du Vieil Avignon. Les Éditions de Minuit, Paris 1979, ISBN 2-7073-0269-4

Weblinks

Vorstellung auf offizieller Seite der Stadt (französisch)

Einzelnachweise

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