In der kreisfreien Stadt Cottbus in Brandenburg existieren mehrere Friedhöfe, von denen jedoch nicht mehr alle bewirtschaftet werden. Vor allem durch die Eingemeindung umliegender Ortschaften ist ihre Zahl sprunghaft angestiegen.
Geschichte der Cottbuser Friedhöfe Die ersten überlieferten Begräbnisstätten waren Kirchhöfe an der Oberkirche, der Klosterkirche, der Schlosskirche und der Christuskirche, von denen heute nichts mehr geblieben ist. Prominente und wohlhabende Bürger sowie Adlige der Umgebung wurden in den Kirchen beigesetzt. Davon zeugen zahlreiche erhaltene Grabdenkmale, darunter in der Klosterkirche die Grabplatte des Stadtgründers mit einem Krebs, dem noch heute gültigen Wappentier der Stadt. Die Geschichte der heutigen Cottbuser Friedhöfe reicht bis in die Gründerzeit zurück.
Die Cottbuser Friedhöfe Südfriedhof mini|Feierhalle des Südfriedhofs
Der Südfriedhof befindet sich in der Dresdner Straße, Ecke Hermann-Löns-Straße. Im Jahr 1900 beschloss der Stadtrat die Eröffnung eines neuen und größeren Friedhofs im Süden der Stadt. Die Einweihung fand jedoch erst im Jahr 1904 statt. In der Nacht vom 25. zum 26. Juni 1904 überführte man die sterblichen Überreste mehrerer angesehener Familien aus ihren Erbbegräbnissen vor dem Spremberger Tor auf den neuen Friedhof. Die Exhumierten fanden in noch heute erkennbaren Sammelgräbern ihre letzte Ruhe. Im gleichen Monat fanden die ersten Beisetzungen statt. Die Weihepredigt wurde am 20. November 1904 gehalten. Der 2,27 Hektar große Friedhof war für den südlichen Stadtteil zwischen Kaiser-Friedrich-Straße (heute Karl-Liebknecht-Straße) und Kaiser-Wilhelm-Platz (heute Brandenburger Platz) zugeordnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Friedhof durch die Gartenarchitekten Joachim Scherzer und August Wiggon umgestaltet worden und nahm das Gepräge eines Waldparkes an, der in die „Madlower Schluchten“ übergeht. Im Jahr 2009 erfolgte eine umfassende Sanierung der 1904 im neogotischen Stil errichteten Feierhalle, bei der ein barrierefreier Zugang geschaffen wurde. Bei der Sanierung wurden Wandmalereien mit floralen Elementen restauriert. Im Chorraum wurden der Originalbehang und die Originalfliesen sichtbar gemacht. Der Haupteingang besteht aus einem in nordischer Backsteingotik errichteten Klinkertor, durch das man auf die Hauptallee gelangt. Entlang dieser Allee fanden Cottbuser Persönlichkeiten ihre letzte Ruhe (z. B. Carl Thiem, Begründer des Carl-Thiem-Klinikums Cottbus). 500 Meter südlich der Feierhalle befindet sich der 1945 errichtete Glockenturm, der an die Opfer des Bombenangriffs vom 15. Februar 1945 erinnert. Unweit davon befindet sich die Kriegsgräberstätte für die militärischen und zivilen Opfer des Ersten und Zweiten Weltkrieges, auf dem auch ein Stein an die polnischen Opfer erinnert. In der Nähe befindet sich auch der „Neue Jüdische Friedhof“. Im Friedhain, einem ästhetisch aufgearbeiteten Waldstück gleich hinter dem Glockenturm, werden naturnahe Waldbestattungen durchgeführt. Am 24. September 2011 wurde eine Gemeinschaftsurnengrabstelle für Sternenkinder geschaffen, damit auch deren Angehörige einen Ort zur Trauer und Besinnung zur Verfügung haben., Pressemitteilung des Carl-Thiem-Klinikums, 19. September 2011.
Neuer Jüdischer Friedhof Der neue jüdische Friedhof befindet sich auf dem Gelände des Südfriedhofs. Nachdem der alte jüdische Friedhof 1916 voll belegt war, wurde eine neue jüdische Begräbnisstätte benötigt. Der neue jüdische Friedhof wurde 1917/18 als heutiger Teil des städtischen Hauptfriedhofs (Südfriedhof) angelegt. Die 5141 m² große Fläche wurde im Austausch gegen ein 6300 m² großes Grundstück erworben. Durch eine Ausnahmeregelung durfte der Justizrat Abraham Hammerschmidt seine Ehefrau Berta Hammerschmidt bereits im November 1916 auf dem Gelände beerdigen lassen und ihr ein Denkmal in dem 100 m² großen eingezäunten Stadtwald setzen. Auf dem Friedhof wurden nicht nur Juden aus Cottbus, sondern auch aus den Gemeinden Calau, Drebkau, Spremberg, Senftenberg und Großräschen bestattet. Um 1929 wurde die Friedhofshalle aus rotbraunem Klinkermauerwerk erbaut. Sie wird heute als Lagerhalle verwendet. Die jüdische Gemeinde strebt jedoch eine denkmalgerechte Restaurierung und Nutzung als Trauerhalle an. Durch Erweiterung des Hauptfriedhofs war der jüdische Teil in den 1930er Jahren von allen Seiten vom Südfriedhof eingeschlossen. Die letzte Beerdigung während der NS-Zeit fand im Dezember 1940 statt, dann wurde die jüdische Gemeinde durch Deportation und Vernichtung nahezu ausgelöscht. Nur zwölf Personen jüdischen Glaubens überlebten die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten. Vereinzelt fanden bis 1968 noch Beerdigungen statt. Der Friedhof verwahrloste bis zum Ende der 1980er Jahre zusehends.
Mitte der 1990er Jahre wurde das Gelände des neuen jüdischen Friedhofs rückübertragen an die Jewish Claims Conference. Am 15. Juli 1998 wurde die jüdische Gemeinde in Cottbus wiedergegründet und seitdem erfolgen wieder Beisetzungen auf dem Friedhof. Im Juli 2008 wurde der Friedhof von Unbekannten geschändet. Es sind etwa 60 Grabsteine vorhanden, von denen die meisten mit einem Davidstern versehen sind.
Nordfriedhof mini|Feierhalle auf dem Nordfriedhof
Der Nordfriedhof befindet sich in der Schmellwitzer Straße, Ecke Nordring. Dort, wo sich einst die Gemarkungsgrenze zu Schmellwitz befand, wurde am 20. November 1870 der Cottbuser Nordfriedhof eingeweiht und bereits 1892 erweitert. Es war geplant, ihn zum Cottbuser Hauptfriedhof zu machen, doch durch die südliche Stadterweiterung wurde der Südfriedhof zum Zentralfriedhof., Bürgerverein e. V. Schmellwitz. Die parkähnliche Anlage ist durch den Haupt- und Querweg in vier Hauptfelder gegliedert. Durch das Haupttor führt der von Bäumen gesäumte Mittelweg zur Feierhalle. Die erste Halle war eine offene und wurde 1872 umgebaut. Im gleichen Jahr wurde der Friedhof erstmals erweitert. Im Jahr 1929 wurde der Friedhof erneut erweitert, indem das Erbbegräbnis der Familie Korn-Brunschwig und der neue Brunschwiger Friedhof in das Gelände einbezogen wurden. Die heutige Feierhalle wurde 1929 im Stil der Neuen Sachlichkeit erbaut und 2008 umfangreich saniert. Der Friedhof ist die letzte Ruhestätte bedeutender Cottbuser Persönlichkeiten aus dem wirtschaftlichen, geistigen und kulturellen Leben. Denkmale erinnern an Walter Drangosch, Bibliothekar, Archivar und Stadthistoriker, Ehrenbürger von Cottbus; Heinrich Liersch, Gärtner und Heimatzeichner,Ein Chronist mit viel Sinn fürs Detail, in: . Gotthold Schwela; Christian Schwela, sorbischer Lehrer und Journalist; Auguste Löber, geb. Feige, Begründerin der Auguste-Stiftung; Ludwig Spannuth-Bodenstedt, Intendant; Hugo Ruff, Mitbegründer des Vereins für Heimatgeschichte; Prof. Behn, Gymnasiallehrer und Mitbegründer des Turnvereins 1861; Otto Klein, Librettist der Goetze-Oper Der goldene Pierrot und Elisabeth Wolf, Malerin und erste Cottbuser Ehrenbürgerin nach 1945.
Leider wurden 1960 viele Grabsteine abgerissen. So fehlen die Grabsteine der Stadtarchivare Robert Kalwa und Fritz Schmidt, des Kommerzienrates Albert Liersch, des Leibarztes des Fürsten Pückler, des Sanitätsrates L.W. Liersch sowie des Musikers Theodore Pillicard, dessen Stein 1871 von französischen Offizieren gestiftet wurde.Der märkische Bote vom 23./24. November 1991. Vor der Kapelle, aber außerhalb des Friedhofs, steht ein Sowjetisches Ehrenmal, das an die gefallenen Soldaten von 1945 erinnert. Nach Auskunft der Stadtverwaltung wurden die Gebeine zum Ehrenfriedhof am Südfriedhof umgebettet.
Schmellwitzer Friedhof Der Schmellwitzer Friedhof befindet sich in der Schmellwitzer Friedhofssiedlung in der Forststraße. Zuvor befand sich ein kleiner Friedhof in der Nähe der alten Dorfschule. Mit der Erschließung der heutigen Anlage, in nördlicher Richtung in einem Kiefernwald, wurde erst am Ende des Ersten Weltkrieges (1914–1918) begonnen. Eine Lindenallee führt vom Portal zu einer kleinen, typisch ländlichen Feierhalle. Eine kleine Besonderheit ist die auffällige Giebelanordnung. Dem gotischen Hauptgiebel ist ein kleiner Ziergiebel gleicher Form vorgesetzt. Beide Giebel werden von Kreuzen gekrönt. Auf dem Friedhof befindet sich eine Kriegsgräberstätte zu Ehren der im Zweiten Weltkrieg gefallenen Schmellwitzer.Lausitzer Rundschau vom 10. August 1991 / Stadtarchiv
Ströbitzer Friedhof Der Ströbitzer Friedhof liegt an der L49 ca. 600 Meter außerhalb der Stadtgrenzen in Richtung Kolkwitz. Eine Besonderheit des Friedhofes ist ein Gemeinschaftsgrab für die dem Braunkohletagebau zum Opfer gefallenen Gemeinden Groß Lieskow, Klein Lieskow und Tranitz. Zudem befindet sich auf dem Friedhof eine Kriegsgräberstätte für die Opfer des Zweiten Weltkrieges.
Sowjetischer Soldatenfriedhof Der sowjetische Soldatenfriedhof befindet sich in der Dresdener Straße neben dem Südfriedhof in Richtung Madlow. Auf ihm befindet sich eine Gedenkstätte für deutsche Kriegstote und eine Gedenkstätte für gefallene Sowjetsoldaten.
Friedhöfe der eingemeindeten Ortschaften Die Friedhöfe der eingemeindeten Ortschaften tragen alle einen dörflichen Charakter. Sie sind meist sehr klein, aber für die trauernden Angehörigen der Stadtteile wichtig, damit sie den Ort des Gedenkens in erreichbarer Nähe haben.
Friedhof Branitz Der Branitzer Friedhof befindet sich in der Kiekebuscher Straße. Eine als Grab angelegte Kriegsgräberstätte mit einem schlicht gehaltenen Gedenkstein erinnert an die gefallenen Sowjetsoldaten.
Friedhof Dissenchen Der Dissenchener Friedhof befindet sich ca. 500 Meter außerhalb des Stadtteils in Richtung Schlichow. Er ist als Waldfriedhof angelegt und mit einem großen Bestand alter Kiefern bewachsen. Schräg hinter der Feierhalle befindet sich eine Kriegsgräberstätte, bestehend aus einem überdachten Rondell und vier symmetrisch angeordneten dreieckigen Feldern mit Holzkreuzen.
Friedhof Döbbrick Der Döbbricker Friedhof befindet sich an der Döbbricker Dorfstraße. Eine alte Urkunde belegt, dass die Gemeinde Döbbrick einen Platz für einen neuen Friedhof innerhalb der Ortschaft angekauft hat. Dieser Friedhof befindet sich an der Döbbricker Dorfstraße. Das neue Areal in der Döbbricker Dorfstraße wurde durch die Arbeit aller Gemeindebewohner zu einem Friedhofsgelände gestaltet. Er wurde am 22. Juni 1910 anlässlich eines Begräbnisses (Hans Kaschka) eingeweiht. Am 26. März 1911 begann die Cottbuser Firma Pabel in Döbbrick mit dem Bau der Kirche, die dann am 18. Dezember 1911 geweiht wurde. Der Bau wurde in Neorokoko-Stil errichtet.
Wo genau der erste Friedhof in Döbbrick lag, ist nicht überliefert.
Den Maibergern war es bald zu viel, ihre Verstorbenen ca. 6 km weit bis zum Döbbricker Friedhof zu bringen. Daher erwarben sie privat den Friedhof, der zu Sielow gehörte. In der „Friedhofs- und Begräbnisordnung für die Interessentengemeinde Maiberg“ von 1933 ist auszugsweise zu lesen:
Friedhof Gallinchen Der Ort Gallinchen liegt westlich an der B 97. Bis in die heutige Zeit hinein, zuletzt Ende der 1980er Jahre, wurden bei Bauarbeiten noch bronzezeitliche Gräber gefunden, die nicht mehr zugeordnet werden konnten. Das Dorf Gallinchen hat einen historischen Friedhof, von dessen Existenz heute kaum jemand etwas weiß. Er lag am Rande des Spree-Überschwemmungsgebietes, Bestattungen gab es dort vermutlich bis Ende des 19. Jahrhunderts, in wenigen Ausnahmen auch noch einige Jahre später. Ein Beschluss über die offizielle Schließung dieses Friedhofs ist nicht bekannt. Die alte Landkarte aus der Reparationszeit (s. oben rechts) ist der einzige Nachweis über diesen Friedhof, im Ort selbst erinnert nichts mehr daran. Zur besseren Übersicht ist dieser Friedhof zusätzlich mit einem grünen Punkt gekennzeichnet.