Die Wirtschaft Perus ist seit der Kolonialzeit durch ihren Reichtum an Bodenschätzen geprägt. Daneben spielen Agrarprodukte (und auch deren Export) eine große Rolle. Kupfer, Zink, Gold und Silber sind weltweit benötigte und gehandelte Metalle; der Kupferpreis, Goldpreis und Silberpreis und die nachgefragten Mengen auf dem Weltmarkt beeinflussen, wie viel Devisen Peru durch deren Export einnimmt. Dies hat auch Auswirkungen auf die Binnenkonjunktur. Was die Jahre zwischen 2001 und 2016 betrifft, so wurden zwei Drittel der Änderungen im Bruttoinlandsprodukt durch Vorgänge in der Weltwirtschaft ausgelöst. Zwischen 2002 und 2013 wuchs die peruanische Wirtschaft durchschnittlich um 6,1 Prozent pro Jahr.Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (bmz.de): Überblick Die Landwirtschaft ist den unregelmäßig auftretenden Phänomenen El Niño und La Niña unterworfen.
Anfang des 20. Jahrhunderts versuchten verschiedene Regierungen, das Land wirtschaftlich weiterzuentwickeln. Dabei wurde die Rolle des Staates in den verschiedenen Ansätzen unterschiedlich beurteilt. Nach dem Ende des Kalten Krieges verschwanden mit den Planwirtschaften des Ostblocks oder Chinas auch deren Einfluss als Modelle auf die Wirtschaftspolitik. Alberto Fujimori regierte von 1990 bis 2000. Er besiegte die Hyperinflation und liberalisierte die Wirtschaft. Peru gilt heute (2017) als das wirtschaftlich stabilste Land in Lateinamerika mit dem geringsten Zahlungsausfallrisiko, noch vor Mexiko und Kolumbien. Kennzeichnend für den soliden wirtschaftlichen Zustand ist auch, dass nach dem Jahr 2000, unter den Regierungen von Toledo und Garcia die peruanische Währung dem US-Dollar gegenüber an Wert gewann, etwas das in der peruanischen Geschichte zuvor noch nie vorgekommen ist, und dies bei einer niedrigen Inflationsrate.Carlos Contreras, Marcos Cueto: Historia del Perú Contemporáneo, Instituto de Estudios Peruanos, 5. Auflage, 2013, S. 417.
Die digitale Infrastruktur ist so gut entwickelt wie etwa in Spanien. Peru hinkt in der Anwendung digitaler Technologie, beispielsweise in der Industrieproduktion, hinterher.
96,5 % der Unternehmen in Peru gehören der Kategorie der kleinen und sehr kleinen Unternehmen an. Man zählt 400.000 Kleinunternehmen (Tante-Emma-Läden, Bäckereien und Restaurants) die mehr als 20 Milliarden Soles erwirtschaften.elcomercio.pe Artikel Riqra busca ayudar a mayoristas a predecir demanda de bodegas von Marcela Mendoza Riofrío – El Comercio – 17. November 2017 / 04:23 pm Sie exportieren nur wenig. Ungefähr 8,13 Millionen Arbeitnehmer arbeiten in kleinen Unternehmen, die 20,6 % des Bruttoinlandsproduktes erzeugen. Die Anzahl der großen und der mittleren Unternehmen nimmt ab. Sie erzeugen 97,8 % der peruanischen Exporte.
Das Wachstum der peruanischen Wirtschaft wird durch ihre geringe Produktivität beeinträchtigt. Die fallende Tendenz begann 1980 und setzte sich bis 1992 fort. Ein chilenischer Arbeitnehmer ist doppelt so produktiv wie ein Peruaner, ein US-Arbeitnehmer fünfmal so produktiv.Artikel von Luis Alegría 7. August 2018 – Análisis: un estadounidense es tan productivo como cinco peruanos
Von den zehn umsatzstärksten Unternehmen Perus sind sechs in ausländischer Hand. Sie finden sich in den Bereichen Banken, der Telekommunikation und dem Bergbau. Sechs große peruanische Unternehmen sind auch in anderen Ländern Lateinamerikas vertreten: Alicorp, Grupo Gloria, Banco de Crédito del Perú (BCP), Ferreyros, Minsur und Primax. Drei weitere sind weltweit tätig: Ajegroup (AJE), Belcorp und Unión Andina de Cementos (UNACEM). Die peruanischen Unternehmen, die am meisten expandieren, gehören den Kategorien der Konsumgüterindustrie, der Agroindustrie, Hotellerie und Tourismus an. Die Entwicklung vieler Unternehmen wird durch Kapitalmangel behindert.
Makroökonomische Daten Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Perus betrug im Jahr 2016 ca. 192 Mrd. US-Dollar; das waren 6.782 US-Dollar pro Kopf.Auswärtiges Amt – Peru-Übersicht, abgerufen am 9. September 2016
BIP (Wachstum in %)elcomercio.pe El Comercio, Lima Redaktion 31. Dezember 2017, Quelle BCR (Peruanische Nationalbank) Jahr 2013 2014 2015 2016 2017 Wachstum in % 5,8 2,4 3,3 4,0 2,7
Die wichtigsten Wirtschaftssektoren sind Bergbau und Fischerei. Das Land hat eine der höchsten Wachstumsraten in der Region (zum Vergleich: Chile 1,6 %, Kolumbien 1,9 %, Mexiko 2,3 %).El Comercio, 16. Februar 2017, Seite 16. Unter Einbeziehung der Schattenwirtschaft könnte das Bruttoinlandsprodukt fast doppelt so hoch ausfallen. El Comercio, Lima, 16. Februar 2017, Seiten 1, 16, 17.
2017 wurde ein Handelsüberschuss von 5.609 Millionen $ erzielt, das waren 3.879 Millionen $ mehr als 2016. Dies ist neben dem Anstieg der Fördermenge den höheren Preisen für die Erze auf dem Weltmarkt zu verdanken.rpp.pe Artikel BCR: Economía peruana tuvo evolución favorable el 2017, RPP Noticias, 01/01/2018 Die Inflationsrate ist niedrig:
Inflation (in %) – Für 2017 handelt es sich um eine Schätzung.elcomercio.pe El Comercio, Lima Redaktion 31. Dezember 2017, Quelle BCR (Peruanische Nationalbank) Jahr 2013 2014 2015 2016 2017 Inflation in % 2,9 3,2 4,4 3,2 1,4
Unternehmensstruktur In Peru zählte man Anfang 2019 2.400.000 Unternehmen.Artikel "INEI: Unas 31 mil empresas fueron dadas de baja en el primer trimestre" vom 29.05.2019, https://elcomercio.pe/economia/peru/inei-31-mil-empresas-dadas-baja-primer-trimestre-noticia-639883 Sie schlüsseln sich folgendermaßen auf:El Comercio, Lima, Artikel Demografía empresarial en el 2017 von Luis Fernando Alegría, 01/03/2018, Seite 20,21, Quelle INEI/BCR
Wirtschaftsgeschichtliche Entwicklung Während der Militärdiktatur von 1968 bis 1980 musste die Wirtschaft mehrere Reformversuche über sich ergehen lassen. Durch die unprofessionelle Durchführung und Korruption führten diese Versuche zum allmählichen Ruin des Landes. Danach wechselten Verstaatlichungen und Privatisierung von Regierung zu Regierung, was der Entwicklung einer funktionierenden Wirtschaft entgegenwirkte. Zu Beginn der 1980er Jahre durften ausländische Investoren ins Land, um den Abbau von Bodenschätzen voranzutreiben. Großangelegte Entwicklungsprojekte auf dem Gebiet der landwirtschaftlichen Bewässerung wurden mit internationaler Hilfe realisiert. Die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion bei den Hochlandindianern und den inländischen Industrien, die Dezentralisierung der Wirtschaft, die Kontrolle der Monopole und neue Arbeitsgesetze konnten nur zu einem geringen Teil verwirklicht werden. Regierungs-, Wirtschafts- und Finanzkrisen erschütterten das Land, führten zu einer enormen Verringerung der Industrieproduktion und Kaufkraft. Die Folge war eine Inflation von 7000 % zu Beginn des Jahres 1990.
Unter Präsident Alberto Fujimori wurden die Preise und der Markt gegenüber ausländischen Investoren komplett freigeben. Die Außenzölle wurden von 100 % auf 12 % reduziert. Durch diese Maßnahmen erreichte Peru ein wahres Wirtschaftswunder. Zwischen 1990 und 2010 verfünffachte sich das BIP pro Einwohner.Seite 414 Historia del Perú Contemporáneo Carlos Contreras/Marcos Cueto, Instituto de Estudios Peruanos, 5. Auflage, 2013. Bereits 1994 betrug das Wirtschaftswachstum über 12 % und hatte damit den höchsten Wert in Südamerika. Mit der Privatisierung und Verkauf unrentabler Staatsbetriebe (Minengesellschaft Hierroperú und Fluggesellschaft AeroPeruan) an ausländische Investoren wurde zusätzlich die marode Staatskasse aufgefüllt.
mini|330px|Verbraucherpreisindex in Peru und vier weiteren Staaten im Nordwesten Südamerikas, 1994–2004 In den folgenden Jahren, vor allem nach dem Amtsantritt Garcías (2006), hatte die Wirtschaft eine hohe Wachstumsrate von jährlich durchschnittlich etwa fünf Prozent. Perus auf Rohstoffexporten basierende Wirtschaft profitierte dabei von deutlich steigenden internationalen Rohstoffpreisen. Gleichzeitig stieg 2012 die Zahl der registrierten Umwelt- und Sozialkonflikte, die mit der Ausbeutung von Erzen, Öl oder Erdgas verbunden sind, auf 129 an.16. Jahresbericht (2012) Defensoría del Pueblo, Lima, Mai 2013. Die starke Abhängigkeit von Erzexporten wird zunehmend kritisch betrachtet; die Regierung strebt eine größere Diversifikation der Wirtschaft an., 7. August 2011.
Wirtschaftssektoren Landwirtschaft mini|Indigene Peruanerinnen mit Alpaka
Vor allem die zahlreichen indigenen Bevölkerungsgruppen Perus leben vielfach noch von unabhängiger Subsistenzwirtschaft mit traditionellen Methoden: etwa tropischen Gartenbauformen in der Selva, die zumeist als halbsesshafter Wanderfeldbau betrieben werden sowie in den Anden Feldbau und Alpaka-Fernweidewirtschaft.Axel Borsdorf u. Christoph Stadel: Die Anden: Ein geographisches Portrait. Springer, Berlin/Heidelberg 2013, ISBN 978-3-8274-2457-0. S. 276–277. Ergänzt wird dies je nach Ethnie mehr oder weniger durch Jagen und Sammeln. In den Hochländern betreiben die Indigenen sesshaften Feldbau und in den trockeneren Punaregionen eine extensive Fernweidewirtschaft mit Alpakas, die der Transhumanz der alten Welt sehr ähnlich ist. Die Nachfrage nach Alpakawolle führt zu einer stärkeren Marktorientierung der Weidewirtschaft und in der Folge zu Veränderungen der Viehzucht-Technologien und der Wanderzyklen. Eine verstärkte Nutzung kann allerdings das fragile Ökosystem gefährden.Axel Borsdorf u. Christoph Stadel: Die Anden: Ein geographisches Portrait. Springer, Berlin/Heidelberg 2013, ISBN 978-3-8274-2457-0. S. 276–277.
Der Anteil der Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt hat sich merklich verringert, aber es arbeiten noch immer 33 % aller Beschäftigten im Agrarsektor. Etwa ein Viertel der Fläche Perus kann als landwirtschaftliche Fläche bezeichnet werden. Als Ackerland werden aber nur 2,5 % genutzt. Hauptsächlich werden Reis (350.000 ha), Kartoffeln (304.000 ha) und Mais (350.000 ha) angebaut.elcomercio.pe – El Comercio, Artikel Agrobanco: Minagri prepara solución alternativa para la entidad von Manuela Zurita 8. Mai 2018 In wirtschaftlicher Hinsicht wird bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen zwischen traditionellen (Kaffee, Kartoffeln etc.) und vor nicht langer Zeit eingeführten Produkten (Mangofrüchte, Bananen, Quinoa, Avocados, Artischocken, Spargel, Weintrauben etc.) unterschieden. Die meisten, 90 % der 2.200.000 landwirtschaftliche Betriebe sind Familienbetriebe.Artikel Minagri: "Productos importados no pueden competir deslealmente con los nacionales" 13.05.2019; https://elcomercio.pe/economia/peru/fabiola-munoz-minagri-productos-importados-competir-deslealmente-nacionales-noticia-nndc-635007 Der Einsatz von Dünger ist nicht weit verbreitet. 56,1 % der Landwirte setzen keinen und 32,7 % nur wenig ein. Nur 11,2 % verwenden genügend Dünger.elcomercio.pe Redaktion von El Comercio, 12. Oktober 2017, zitiert Censo Nacional Agropecuario (Cenagro)
Die Agrarexporte sind stark gestiegen, von 580 Millionen US $ im Jahre 2000 auf 6.100 Millionen US$ im Jahre 2017 und 14.760 Millionen im Jahre 2025. Im Vorjahr waren es 12.360 Millionen US $. Mengenmässig wurden 2025 (760.000 Tonnen) am meisten Avocados exportiert, sie machten 23 % aller ausgeführten Früchte aus. Wertmässig jedoch sanken die Einnahmen aus dem Verkauf aufgrund des sinkenden Preises auf dem Weltmarkt. Die wichtigsten Exportgüter sind jedoch Blaubeeren und Trauben. Bei diesen Früchten ist Peru weltweit der wichtigste Exporteur. Weitere wichtige Agrarprodukte sind Kaffee (2025 : 193.000 Tonnen) und Kakao (2025 : 117.000 Tonnen). Hier stiegen die Preise auf dem Weltmarkt, Exporte von Kaffee und Kakao brachten Peru fast eine Milliare mehr an Einnahmen. Peru ist weltweit der achtgrößte Exporteur von Gewürzen (Pfeffer und Knoblauch).elcomercio.pe – Artikel vom 4. September 2017 Perú es el octavo exportador mundial de pimientos y ajíes Seit 2014 ist Peru der größte Exporteur von Quinoa. Aus Peru kommt 50 % der weltweiten Produktion.larepublica.pe – Artikel vom 26 Dic 2017 „Perú mantiene el liderato mundial en producción y exportación de quinua“