Schlampenfieber ist ein Lied des Popduos Rosenstolz. Es wurde von Peter Plate komponiert, den Text schrieb Plate zusammen mit Bandkollegin AnNa R.Rosenstolz. 2007. Soubrette werd' ich nie. Universal Music Group. BIEM/SABAM 17448667. „Schlampe“ ist bei Rosenstolz als positive Selbstbeschreibung zu verstehen.

Entstehungsgeschichte und Veröffentlichungen Das Lied war ursprünglich für einen Independent-Film gedacht, der jedoch nie gedreht wurde. Das Duo begann stattdessen, den Song auf seinen ersten Konzerten zu spielen. Zudem nahmen sie mit einem Vierspurgerät in Plates Wohnung in Berlin-Friedrichshain Schlampenfieber und andere Lieder auf Kassetten auf, welche sie privat in kleiner Auflage verkauften.

Im Dezember 1992 erschien Schlampenfieber offiziell auf dem bei Pool Records veröffentlichten und von Tom Müller produzierten Debütalbum Soubrette werd’ ich nie. Der Song wurde am 17. Mai 1993 als zweite Single zusammen mit Wenn du aufwachst, Eduard und Für dich mich dreh’ als Maxi-CD ausgekoppelt. Dem Lied gelang kein Einstieg in die deutschen Charts, auch das Album floppte.

2007 brachte Rosenstolz mit der Neuauflage des Debütalbums die erste Demoaufnahme von Schlampenfieber sowie weitere unveröffentlichte Lieder aus der Anfangszeit erstmals heraus. 2011 machte das Duo als Teil einer Special Edition des Albums Wir sind am Leben eine Aufnahme des Songs wieder zugänglich, die bereits auf einer Kassette von 1991 enthalten war.

Inhalt der Albumversion Das Lied beschreibt den Tagesablauf eines mondänen, selbstbestimmten Lebens. Nach dem späten Aufstehen wird viel Wert auf die Herstellung eines passenden Aussehens durch Kleidung und Make-up gelegt. Es folgt ein externes Mittagessen mit einer Freundin, ein Telefonat und abends der Besuch bei einer Party, bei der geflirtet wird.

Das titelgebende Schlampenfieber wird im Refrain besungen als der Zustand, in dem das Outfit nicht korrekt sitzt und das Äußere zwar performatives Selbstbewusstsein gibt, aber beides nicht dauerhaft ist („Und doch hab ich Schlampenfieber / Immer wieder rutscht das Mieder / Was nützt all die Megapower / Wenn die Schönheit nicht von Dauer?“).

Das lyrische Ich kann als emanzipierte Frau gelesen werden, die sich für sich selbst schön macht, von sich überzeugt ist („Ich find' es schön gut auszugeh'n / Ach, so schön mich anzuseh'n / Lippen rot, jetzt kann ich geh'n / Alle Männer soll'n mich sehn“) und ihre Lust selbstbestimmt auslebt („Er will mich, doch ich frage mich / Sitzt mein Mieder noch korrekt?“). Zudem lehnt sie sich gegen ein traditionelles Frauenbild und sexualisierte Gewalt auf („Böser Bube, hau' uns nicht / Du kennst uns're Pumps noch nicht / Schlagen einmal kräftig zu / Und dann ham' wa uns're Ruh'“).

Zugleich lässt der Text aber auch die Interpretation des lyrischen Ichs als Tunte zu. Zu Beginn wird mit dem „Fummel“ eine szenetypische Vokabel verwendet („Mein Fummel muss zum Tag schon passen“). Zudem stellt der Text die durch das Äußere hergestellte Weiblichkeit direkt ironisch in Frage („Wir beide, wir sind unbeschreiblich / Nahezu fast weiblich“) und legt bei der Party am Abend einen Auftritt beziehungsweise einen Show-Kontext nahe („Abends geht's dann auf die Party / Mit meiner Federboa / Zieh' ich meine Show ab“). Weiterhin ist die beschriebene Gewaltsituation auch als queerfeindlich interpretierbar („Böser Bube, hau' uns nicht / Du kennst uns're Pumps noch nicht / Schlagen einmal kräftig zu / Und dann ham' wa uns're Ruh'“).

Unterschiede zwischen Demo- und Albumversion In der Demoversion heißt es: „Böser Bube, schlag’ uns nicht / Du kennst uns're Pumps noch nicht / Hauen einmal kräftig zu / Und dann ham’ wa uns're Ruh'“. In der Albumversion von 1992 sind die Wörter „schlagen“ und „hauen“ jeweils getauscht.

Die Albumversion wurde um ein Sprechtext von AnNa R. ergänzt, man hört ihre Seite eines Telefonates. Sie spricht die in den folgenden Strophen besungene Party an und kommentiert diese abwertend.

In der Demoversion ändert sich am Ende des Liedes ändert der Refrain – die letzten zwei Zeilen lauten dann: „Und ich hab die Megapower / Meine Schönheit ist von Dauer“. In der auf Soubrette werd' ich nie veröffentlichten Fassung bleibt der Refrain hingegen das ganze Lied gleich („Und doch hab ich Schlampenfieber / Immer wieder rutscht das Mieder / Was nützt all die Megapower / Wenn die Schönheit nicht von Dauer?“).

Neben den textlichen Abwandlungen wurde auch die Instrumentalisierung geändert. Zudem wirft Plate einige gesprochene Wörter ein, die ursprünglich AnNa R. sang, zum Beispiel „Na und!“ oder „Schowaddiwaddi“.

Wirkung Während der Albumaufnahmen zählte Schlampenfieber zu Tom Müllers Favoriten. AnNa R. und Plate hielten es jedoch „nicht für unsere stärkste Nummer“. Auch bei Konzerten kam das Lied nicht gut an.

Im Laufe ihrer Karriere entwickelte sich der Song jedoch zu einem Rosenstolz-Klassiker. Plate kann sich an keinen Auftritt ohne Schlampenfieber erinnern. Die Band entwickelte für ihre Tourneen oft jeweils eine neue Version. Nur die Bearbeitung Megapower (Schlampenfieber) wurde zweimal gespielt: Auf den Tourneen Macht Liebe/Was kann ich für eure Welt (2002/2003) und Das große Leben/Das große Leben geht weiter (2006/2007). Megapower (Schlampenfieber) orientiert sich am Sound der Neuen Deutschen Welle und ist die Variante, welche AnNa R. und Plate „am besten gefällt“.

Weblinks Liedtext bei genius Schlampenfieber in der remasterten Albumversion (1992/2007) Megapower (Schlampenfieber) live (2002) Einzelnachweise

Kategorie:Lied 1992 Kategorie:Popsong Kategorie:Rosenstolz-Lied Kategorie:Lied von Peter Plate