Franz Louis Berthold Baumann (* 1. Dezember 1890 in Stettin; † 23. Dezember 1965 in BerlinStandesamt Berlin-Spandau 1, Sterbeurkunde Nr. 3867 vom 27. Dezember 1965. Hier wird, gemäß Standesamt Stettin I Nr. 3545, der 1., nicht der 7. Dezember 1890 als Geburtstag genannt. Das entspricht auch der Angabe in Künstler am Rundfunk, dort allerdings mit geschöntem Geburtsjahr (1896).) war ein deutscher Sänger, Schauspieler und Liedtexter.
Leben Franz Baumann studierte zunächst Germanistik in Berlin, Jena und Heidelberg. Im Anschluss absolvierte er eine Gesangsausbildung in Wiesbaden, Mailand und Neapel.Künstler am Rundfunk. Ein Taschenalbum der Zeitschrift „Der Deutsche Rundfunk“. Rothgießer & Diesing, Berlin 1932, S. 81 Seine Künstlerkarriere begann Baumann als Konzertsänger, wobei er sich vor allem Liedern von Franz Schubert widmete. Aber auch Volkslieder, Operettenweisen und Schlager der gehobenen Kategorie befanden sich in seinem Repertoire. Viele Schallplattenaufnahmen unterstrichen seinen Erfolg, der schließlich auch im internationalen Rahmen eintrat. So gab er auch viele Konzerte in Holland und der Schweiz. Mehrfach übernahm Baumann bis 1933 auch Spielfilmrollen.
Die zunehmende Verbreitung des Rundfunks brachte Baumann einen weiteren Karriereschub als Sänger. Seine Stimme eignete sich gut für das neue Medium, und bei einem längeren Aufenthalt in New York stand er auch für dortige Sender vor dem Mikrofon. Ebenso war seine Stimme im Radio von Paris und beim BBC zu hören. Die rundfunktechnische Fachzeitschrift Der Funkspruch zeigte sich in ihrer Ausgabe vom 22. Juli 1928 stolz über diesen Erfolg:
1937 kehrte Baumann endgültig nach Deutschland zurück. Er galt als der „beliebteste Rundfunktenor“Berthold Leimbach (Hg.): Tondokumente der Kleinkunst und ihre Interpreten 1898–1945. Göttingen 1991 in Deutschland, dessen Karriere auch nach 1933 ungebremst weiter ging.
Bereits im Jahr 1931 hatte er das Lied Weit ist der Weg zurück ins Heimatland getextet und auch selbst auf Schellackplatte gesungen. Dieses Marschlied wurde in dem ausländerfeindlichen Film Flüchtlinge (1933) verwendet und avancierte (mit verändertem und erweitertem Text) zum Kampflied der Hitlerjugend. Als Komponist wurde Ernst Erich Buder genannt, doch ging es in Wahrheit auf ein populäres englisches Lied aus dem Ersten Weltkrieg zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg tauchte das Lied mit Baumanns Text wieder in Liederbüchern der Bundeswehr auf, auch der Sänger Heino hatte in seinem Repertoire.Volker Kühn: Begleittext zur CD Schlager im Spiegel der Zeit 1931. Bear Family, Hambergen In dem Bekenntnislied Deutschland, du Land der Treue (nach der Melodie von Blau Äugelein von Theodore F. Morse) textete Baumann die Zeilen: Der Liedtext wurde im Arbeitsdienst-Liederbuch (1934) und in Singend marschieren wir (1938) abgedruckt.Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. Auprès de Zombry 2004, Seite 1131
Die überwiegende Zahl der anderen von Baumann verfassten Texte waren unpolitischer Natur und passten in den Unterhaltungsmainstream der 1930er Jahre. So verfasste er die deutschen Texte zu den Schlagern Ramona, Altes Spinnrad, Heimweh nach Virginia, Donkey-Serenade und Moonlight-Serenade. Auch dichtete er viele Liedtexte für Spielfilme, unter anderem auch für den anti-englischen Propagandafilm Mein Leben für Irland (Lieder: Nun schultert eure Stöcke Jungs und Wir sind von St. Edwards) sowie für den Paul-Hörbiger-Film Drei Mäderl um Schubert (Lied: Leise singt die Nachtigall).
Aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg sind keine Lieder mehr von Baumann nachweisbar. Er starb 1965 in seiner Wohnung in Berlin-Kladow an den Folgen zweier Verkehrsunfälle.Berthold Leimbach (Hg.): Tondokumente der Kleinkunst und ihre Interpreten 1898–1945. Göttingen 1991
Filmografie Darsteller 1919: Die weißen Rosen von Ravensberg 1920: Hoppla, Herr Lehrer 1927: Ich war zu Heidelberg Student 1928: Das deutsche Lied 1929: In Jena sind alle Mädels so blond (Kurzfilm) 1930: Student sein, wenn die Veilchen blühen 1932: Der falsche Tenor (Kurzfilm) 1933: Die kleine Schwindlerin
Liedtexter für Filme 1933: Flüchtlinge 1936: Drei Mäderl um Schubert 1936: Der Bettelstudent 1936: Das Mädchen Irene 1936: Ave Maria 1937: Die Stimme des Herzens 1937: Urlaub auf Ehrenwort 1937: La Habanera 1938: Nanon 1938: Capriccio 1940: Mädchen im Vorzimmer 1941: Mein Leben für Irland
Diskographie Baumann machte zwischen 1922 und 1934 zahlreiche Aufnahmen für die Schellackplatte. Die meisten Titel sang er für die Grammophon (Auslandslabel Polydor) ein, aber auch bei allen anderen größeren deutschen Labeln wie Electrola, Homocord, Kristall, Odeon, Telefunken, Tri-Ergon und Vox finden sich seine Aufnahmen.Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
CD (Auswahl) Ich war nie mit Lilly allein (auf zahlreichen Samplern, unter anderem: Die Goldenen Zwanziger, Membran International 2004) Kokolores (Sampler Das Grammophon erobert die Wohnzimmer, Membran International 2004) Weit ist der Weg zurück ins Heimatland (Sampler Schlager im Spiegel der Zeit 1931, Bear Family 2010) Grüße aus der Heimat (Sampler Grüße aus dem Böhmerwald, Roba Digital/Flex Media 2011)
Selbstgesungene Schellackplatten mit eigenem Text (Auswahl) Einmal nur hat mir dein Herz gehört (Musik: Jack Drooning), Grammophon 22377 Heut sing ich nur für dich (Musik: Walter Bransen), Odeon O-2082, Vox 3580, Polydor 20744 Liebchen, Gute Nacht (Musik: Walter Bransen), Grammophon 21214, Homocord 4-2534 Maria della Salute (Musik: Hans Ailbout), Grammophon 10096 Rio Grande (traditionelles Seemannslied), Grammophon 2039 Wenn die kleine Mandoline singt (Musik: Hans Ailbout), Grammophon 2586 und 2039
Weblinks
Franz Baumann singt Mein Bruder macht im Tonfilm die Geräusche YouTube Franz Baumann singt Mädel ich bin dir so gut YouTube Franz Baumann singt Weit ist der Weg zurück ins Heimatland YouTube
Einzelnachweise
Kategorie:Musiker (Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1890 Kategorie:Gestorben 1965 Kategorie:Mann