Olav Westphalen (* 1963 in Hamburg) ist ein deutscher Künstler, Cartoonist, Autor und Hochschullehrer. Seine Werke sind in zahlreichen Kunst-Museen vertreten, darunter in den Sammlungen des Moderna Museet Stockholm, des Museum of Modern Art in New York oder des Centre Pompidou in Paris. Im deutschsprachigen Raum ist Westphalen vor allem als Teil des Cartoonistenduos Rattelschneck (gemeinsam mit Marcus Weimer) bekannt.
Leben Westphalen studierte bis 1990 an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg und mit einem Fulbright-Stipendium bis 1993 an der University of California bei Allan Kaprow. Seine erste Einzelausstellung hatte Westphalen 1995 im Berliner Künstlerhaus Bethanien, der zahlreiche weitere auf der ganzen Welt folgten. Westphalen lebte nach dem Studium als freier Künstler in New York City; heute lebt und arbeitet er in Stockholm, wo er seit 2007 als Professor für Performancekunst an der Königlichen Kunstakademie unterrichtet. Seit den neunziger Jahren veröffentlicht er darüber hinaus gemeinsam mit Marcus Weimer unter dem Namen "Rattelschneck" Cartoons und Comics, vorwiegend in deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften (regelmäßig unter anderem in der Die Zeit, der Süddeutschen Zeitung und im Satiremagazin Titanic). Mit Rattelschneck veröffentlichte und illustrierte Westphalen auch zahlreiche Bücher.
Seit 2025 ist er an der HfBK Dresden Professor für Malerei und Grafik.
Künstlerisches Werk Westphalen arbeitet und unterrichtet in den Bereichen Skulptur, Zeichnung, Cartoon, Mixed Media, Installation und Performance. Westphalens künstlerische Arbeiten sind häufig auf der Grenze zwischen ernster Hoch- und komischer Unterhaltungskunst angesiedelt und thematisieren diese (vermeintliche) Grenze immer wieder direkt. Sein Werk wurde entsprechend im Zusammenhang mit Künstlern wie Paul McCarthy, Mike Kelley oder Chris Burden genannt. Westphalens Arbeiten richten sich auch gegen eingeschliffene Rezeptions-Gewohnheiten, besonders im Bezug auf das vorherrschende Verständnis von Komik und Ironie. In seiner Performance Bruhaha (1998/99) bestieg Westphalen beispielsweise als vermeintlicher Stand-up-Comedian die Bühne und wiederholte die gleichen Witze mehrere Male direkt hintereinander, wobei er jeweils die Geräuschkulisse der vorhergehenden Performance einspielen ließ, bis alles in Lärm unterging.Saul Anton: Olav Westphalen. In: Artforum International (September 2002), S. 192 Westphalen befürwortet den Einsatz komischer Mittel in der Kunst, die aber weder einseitig satirisch-ironisch agieren noch sich zu sehr der Massenunterhaltung andienen oder nur innerhalb des Kunstbetriebs als komisch empfunden werden. Er plädiert "gegen konventionelle Ironie"Olav Westphalen: The Fate of Irony (1): Ein Plädoyer gegen konventionelle Ironie sowie Ders.: Deadpan, the next generation. In: EXOT. Zeitschrift für komische Literatur #14, Köln/Berlin 2012, S. 92–101. und damit für ein Verständnis trockenen Humors in der Kunst, dessen Wirkungsabsichten sich nicht mehr genau bestimmen lassen. Als Beispiele für dieses Komikverständnis auf der Grenze zwischen Hoch- und Unterhaltungskultur führt er unter anderem Neil Hamburger, Stephen Prina, die Skulpturen Franz Wests, Andy Kaufman, Wes Andersons Filme, Olli Dittrichs Improvisationskammerspiele, die Musik Daniel Johnstons oder Helge Schneider an.
Einzelausstellungen und Performances (Auswahl) 10/2012: Even Steven, The Swedish Contemporary Art Foundation, Stockholm (Performance) 2012: Flip-Flop Factory, Minsheng Art Museum, Shanghai 2010: FERCO, Milliken Gallery, Stockholm 2009: Desert Dreams, Moderna Museet/Studion, Stockholm, Sweden 2007: The Disciplines, Brandenburgischer Kunstverein, Potsdam 2007: Desert Dreams and The World Politics Costume Cuddle Party, Zollverein, Essen 2005: Drawings, Hilger Contemporary, Wien 2003: The First Long Island City Blimp Derby, Sculpture Center, Long Island City, New York 2001: E.S.U.S., Museum Liljewalchs, Stockholm
Auszeichnungen (Auswahl) 2007: Sondermann-Preis für Komische Kunst der Buchmesse Frankfurt (gemeinsam mit Marcus Weimer) 2007: Artist in Residence am Centre for Contemporary Art, Warschau 2006: Artist in Residence im Office of Contemporary Art, Oslo 2003: Artist in Residence im Sculpture Center, Queens, New York 2001: Artist in Residence am IASPIS, Stockholm 1999: Arbeitsstipendium für Bildende Kunst des Kultursenat Berlin|Kultursenats Berlin 1994: Philip Morris Grant des Künstlerhauses Bethanien, Berlin
Literatur über Westphalen (Auswahl) Stefan Germer: Anmerkungen zur Arbeit von Arbeit von Olav Westphalen. In: BE Magazine 2. Künstlerhaus Bethanien. Berlin 1994, S. 72–76. Saul Anton: Olav Westphalen. In: Artforum International (September 2002), S. 192–193.
Weblinks
Artikel über Westphalen Saul Anton: Olav Westphalen (Michael Neff Galery, Frankfurt), 2001
Interviews Interview mit Astri von Arbin Ahlander
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Deutschland) Kategorie:Bildhauer (Deutschland) Kategorie:Zeitgenössischer Künstler Kategorie:Comic-Zeichner (Deutschland) Kategorie:Comic-Szenarist Kategorie:Cartoonist (Deutschland) Kategorie:Hochschullehrer (HfBK Dresden) Kategorie:Person (Titanic-Magazin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1963 Kategorie:Mann