mini|hochkant=1.8|Prämiertes Cape aus Ozelotkatze mit Nerz (1982) Als Wildkatzenfelle werden im Pelzhandel, zusammen mit dem Fell des auch zoologisch als Wildkatze bezeichneten Tieres (Felis silvestris), vor allem die Felle der wildlebenden Kleinkatzen bezeichnet. Diese werden entsprechend der Fellzeichnung oft unter dem Begriff Leopardkatze zusammengefasst, was zoologisch nur der Bengalkatze zusteht. Der Begriff Tigerkatze ist ebenfalls irreführend, da die Felle meist keine tigerähnlichen Querstreifen, sondern Flecken aufweisen, die bei einigen Arten zu Längsbändern ausgeprägt sein können. Die verschiedenen Wildkatzenfelle wurden in der Vergangenheit mehr oder weniger häufig zu Pelzen verarbeitet. Dazu gehören vor allem: In Asien: Bengalkatze Borneo-Goldkatze Fischkatze Gobikatze Manul Marmorkatze Rostkatze Asiatische Goldkatze Wüstenkatze in Afrika Afrikanische Goldkatze Serval Schwarzfußkatze in Nord-, Mittel- und Südamerika Andenkatze Bergkatze Colocolo, Pampaskatze Kleinfleckkatze Langschwanzkatze, Peludo Ozelot Tigerkatze, Ozelotkatze Jaguarundi über mehrere Kontinente verbreitet Falbkatze Rohrkatze Sandkatze Wildkatze Da viele Arten von der Ausrottung bedroht sind, wurden alle Katzen in Anhang I oder II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (abgekürzt WA, engl. CITES) aufgenommen (außer der Hauskatze). Alle Katzenarten, einschließlich der Hauskatzen, sind heute durch Gesetze und Verordnungen unterschiedlich stark geschützt und die Felle unterliegen damit einer Handelsbeschränkung oder einem Handelsverbot. 1988 hieß es: „Von all diesen Kleinkatzen kommen meist nur kleine Partien in den Handel. Es dürfte wohl kaum einen Rauchwarenfachmann geben, der alle Arten entsprechend ihrer Herkunft klassifizieren kann, zumal die verhältnismäßig geringen Mengen entsprechend ihrer Fellstruktur usw. zusammen sortiert werden. Die Anlieferungen werden mehr und mehr zurückgehen, da immer weitere Arten unter Schutz gestellt wurden und werden“. Derzeit werden von den Kleinkatzen in Europa nur noch vereinzelt chinesische Leopardkatzenfelle verarbeitet.
Abgesehen von Fantasienamen wurden die Felle früher meist lediglich unter dem Begriff „Wildkatzen“ verkauft, häufig zusammen mit der Herkunftsbezeichnung (z. B. Afrikanische, Asiatische oder Südamerikanische Tigerkatze), die europäischen Wildkatzen auch als „Holzkatzen“. Vor allem Felle aus der Mongolei kamen auch als „Manula“ in den Handel (siehe unter Manul). Weitere Bezeichnungen waren Tigerkatzen und Samacha für die indischen Rohrkatzen.
Der Haltbarkeitskoeffizient für wildlebende Kleinkatzen wird mit 50 bis 60 Prozent angegeben.Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Pelzzurichtung und Pelzveredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden. Die Einteilung erfolgte in Stufen von jeweils 10 Prozent. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt.Paul Schöps; H. Brauckhoff, K. Häse, Richard König; W. Straube-Daiber: Die Haltbarkeitskoeffizienten der Pelzfelle. In: Das Pelzgewerbe, Jahrgang XV, Neue Folge, 1964, Nr. 2, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Frankfurt/Main, Leipzig, Wien, S. 56–58. Insbesondere wenn die Felle nicht zur Zeit der Reife gepelzt werden, haaren sie stark.
Erläuterung zur Schutzhistorie (die Angaben dienen nur als Hilfsmittel zur Ermittlung des vom Gesetzgeber festgelegten Schutzumfangs; verbindlich sind im Zweifelsfall die betreffenden Gesetzestexte und ihre Anhänge!): „Erstlistung“ bedeutet erstmaliger Schutz nach einem rechtlich bindenden Regelwerk (WA, für die EU: EU-Artenschutzverordnung, für Deutschland: BNatSchG, darin Verweis auf BArtSchV oder auf Anhang IV FFH). „Höchstschutz“ bedeutet frühester Zeitpunkt des Schutzes nach einem der drei Regelwerke (Anhang I WA, C Teil 1 der VO (EWG) Nr. 3626/82 bzw. nach Anhang A zu Artikel 8 Absatz 3 Buchstabe a) der VO (EG) Nr. 338/97). „Besonders geschützt nach BNatSchG“ bedeutet, seit wann eine Art nach deutschem RechtLegaldefinition § 7 Abs. 2 Ziff. 13 BNatSchG, dh. u. a. als in Anhang B der EU-Artenschutz-VO gelistete Art. "Streng geschützt" im Sinne des BNatSchG ist in § 7 Abs. 2 Ziff. 14 BNatSchG (neben anderen) definiert als Art, die besonders geschützt ist und darüber hinaus in Anhang A zu (Art. 8 Abs. 3 a)) EG-Artenschutz-VO gelistet ist; sie genießt daher höheren Schutz u. a. mit strafbewehrtem Vermarktungsverbot auch für Erzeugnisse (Felle). als „besonders geschützt“ gilt. Die Weltnaturschutzunion (IUCN, Abkürzung für International Union for Conservation of Nature and Natural Resources – übersetzt „Internationale Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen“), ist eine internationale Nichtregierungsorganisation. Sie erstellt unter anderem eine rote Liste gefährdeter Arten.
Geschichte Wie von allen Pelztieren wurden wohl auch die Felle der erbeuteten Kleinkatzen schon immer zu Kleidungs- und Schmuckzwecken genutzt. Im Mittelalter bis zum Beginn der Moderne waren es vornehmlich Pelzinnenfutter in den glockigen Mänteln des wohlhabenderen Bürgertums, Schauben genannt. Oft zierte die Schaube außerdem ein breiter Kragenbesatz aus Pelz, der bis hinunter zum Saum reichte. Hauptsächlich wurde die mit Pelz versehene Schaube von Männern getragen, mit wertvollen Fellarten besetzt war sie zugleich ein Standessymbol. Zur Zeit des Aufkommens von Muffen wurden Garnituren aus ein und derselben Pelzart auch aus Wildkatzenfellen hergestellt, neben dem Muff gehörte dazu ein Kragen oder Schal und eine Kopfbedeckung.Deutsche Encyclopädie oder Allgemeines Real-Wörterbuch aller Künste und Wissenschaften: Kam – Kep, Band 19 (Google eBook), S. 356.
Um 1900, nach Erfindung der Pelznähmaschine und mit der Einführung von Konfektionskleidung wurde begonnen, Pelze auch mit dem Haar nach außen zu tragen, nicht mehr nur als Kragen oder Verbrämung. Noch in den 1920er-Jahren fanden dabei gefleckte Katzenfelle kaum Beachtung. 1930 wird dann für südamerikanische Tigerkatzenfelle als Verwendung „zu Sportmäntel und Decken“ genannt.Alfred Erler: Südamerikanische Rauchwaren. In: Rauchwarenkunde. Elf Vorträge aus der Warenkunde des Pelzhandels. Leipzig 1931, S. 55. Bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde vor allem Ozelot für Damenbekleidung zunehmend so sehr genutzt, dass die Gefahr der Ausrottung bestand. Da eine Überwachung der Einhaltung von Schutzgesetzen in den unübersichtlichen Wildnissen Südamerikas fast unmöglich schien, entschloss man sich zum absoluten und offensichtlich erfolgreichen Handelsverbot für sämtliche südamerikanischen Katzenarten. Die Bedrohung geht heute nicht mehr von der Bejagung aus.
Verarbeitung Die Rohfelle werden meist in Beutelform angeliefert, mit dem Haar nach außen.
Vor allem chinesische Katzenfelle kommen häufig vorkonfektioniert als Tafeln in den Großhandel. Die handelbaren Wildkatzenfelle werden zu Konfektion aller Art verarbeitet, zu Jacken, Mänteln, Pelzinnenfuttern, Besätzen, Felldecken und Kleinteilen. Ein kleiner Teil der Felle wird gefärbt, in der Regel nur so stark, dass die Naturzeichnung deutlich erhalten bleibt. Felle ohne Zeichnung wurden auch gelegentlich durch Bedrucken mit einem künstlichen Katzenfellmuster versehen (siehe Abb. Rohrkatzen). Selten wurden Katzenfelle auch geschoren oder ohne das ausgerupfte Oberhaar verwendet. Die bei der Verarbeitung anfallenden Fellreste werden ebenfalls zu Tafeln zusammengesetzt. Der Hauptort in Europa dafür ist das Pelzverarbeitungszentrum um die Stadt Kastoria in Griechenland mit dem nahegelegenen Ort Siatista. Von dort und in großer Stückzahl auch aus China gehen die Fellstückentafeln zurück in die pelzverarbeitenden Länder, um dort beispielsweise zu Innenfuttern oder Westen weiter verarbeitet zu werden.
Für Bekleidungsteile werden die Felle mit dem Haarschlag nach unten entweder übereinandergesetzt oder es werden durch sogenanntes Einschneiden längere, wie ein einzelnes, langes Fell wirkende Streifen hergestellt. Die dabei entstehenden Quernähte werden in einer Zackenform ausgeführt, um sie für das Auge auf der Haarseite möglichst unsichtbar zu machen. Beim etwas größeren Peludo (Langschwanzkatze) wird, wie auch beim Ozelotfell, bei einer individuelleren Verarbeitung gelegentlich eine freihändig geschnittene, der Fellzeichnung angepasste Zacke benutzt. Eine Querverarbeitung der Felle kommt ebenso vor.
Im Jahr 1965 wurde der Fellverbrauch für eine für einen Peludosmantel ausreichende Felltafel (sogenanntes Mantel-„Body“) mit 16 bis 26 Fellen angegeben, für einen südamerikanischen Ozelotkatzenmantel mit 30 bis 36 Felle; für einen „Chinesischen Ozelot“mantel mit 22 bis 28 Fellen und für „andere Asiaten“ mit bis zu 40 Fellen. Zugrundegelegt wurde eine Tafel mit einer Länge von 112 Zentimetern und einer durchschnittlichen Breite von 150 Zentimetern und einem zusätzlichen Ärmelteil. Das entspricht etwa einem Fellmaterial für einen leicht ausgestellten Mantel der Konfektionsgröße 46 des Jahres 2014. Die Höchst- und Mindest-Fellzahlen können sich durch die unterschiedlichen Größen der Geschlechter der Tiere, die Altersstufen sowie deren Herkunft ergeben. Je nach Pelzart wirken sich die drei Faktoren unterschiedlich stark aus.Paul Schöps u. a.: Der Materialbedarf für Pelzbekleidung. In: Das Pelzgewerbe Jg. XVI / Neue Folge 1965 Nr. 1, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin u. a., S. 7–12.Die Angabe für ein Body erfolgte nur, um die Fellsorten besser vergleichbar zu machen. Tatsächlich wurden nur für kleine (bis etwa Bisamgröße) sowie für jeweils gängige Fellarten, Bodys hergestellt, außerdem für Fellstücken, bei den Wildkatzen vor allem Bengalkatzen aus chinesischer Produktion. Folgende Maße für ein Mantelbody wurden zugrunde gelegt: Körper = Höhe 112 cm, Breite unten 160 cm, Breite oben 140 cm, Ärmel = 60 × 140 cm.
Behaarung Die Behaarung der Wildkatzenarten ist meist gleichmäßig verteilt, in der Rückenmitte, dem Grotzen, ist das Grannenhaar etwas überstehend, bei der Colocolo (Pampaskatze) ist es deutlich verlängert. Ohnehin ist ein Merkmal der meisten Katzenfellsorten ein kammartiger Grotzen, der beim Kniffen der Felle zu erkennen ist. Das Oberhaar der Wildkatzen wird als feiner bis gröber eingestuft, teils hart, spröde, meist glänzend, schwächer und stärker im Wuchs. Die Unterwolle ist vorwiegend weich. Die Sommerfelle sind mitunter spießig.
Die Wildkatzenarten haben meist starrere Haare als die gröbsten Sorten der Hauskatze und der Luchskatze. Die Grannenhaare sind besonders spröde, bei vielen Arten streben sie mehr auseinander, legen sich also nicht nach einer Richtung. Auffällig ist die elektrische Ladung, beim Überstreichen des Felles sprühen zuweilen Funken. Diese Eigenschaft wurde auch als Ursache für „die erprobte Heilwirkung bei rheumatischen Beschwerden“ durch Felle der Haus- und Wildkatze vermutet.
Die Färbung reicht von einfarbig bis mehrfarbig bunt gescheckt. Zahlreiche Arten haben ein Fleckenmuster, mitunter auch Streifenmuster und sind wirkungsvoll gezeichnet.
Asien Bengalkatze
Bei dem erheblichen Wirrwarr, das in der Systematik der Kleinkatzen herrschte, sind manche geographische Rassen mit besonderen Namen belegt worden. Die Fellbezeichnung der Bengalkatze war meist Leopardkatze, auch Chinesische Wildkatze. Weitere Fellnamen waren Schmuckkatze, Zwergtigerkatze, Chinakatze, Chinesische Tigerkatze, kleine gefleckte Wildkatze. Um 1975 hatte sich chinesische Junkwei-Leopardkatzenfelle „zu einem echten Standardartikel“ entwickelt.„Über Olff & Co., Frankfurt“: Vorbericht zur Herbstmesse in Kanton. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 307, 17. Oktober 1975, S. 2.