mini|hochkant=1.4|Schloss Ebelsberg, Luftaufnahme

Das Schloss Ebelsberg ist eine ehemalige Wehranlage im Stadtteil Ebelsberg der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz. Erstmals im Jahre 1154 erwähnt, war das Schloss über viele Jahrhunderte Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen, von denen die Schlacht bei Ebelsberg im Jahre 1809 während der napoleonischen Kriege die bekannteste ist.

Das fast 900 Jahre alte Schloss war in den ersten 600 Jahren im Besitz der Passauer Bischöfe. Nach dem in der Schlacht von 1809 entstandenen Brand war es für einige Zeit eine Ruine und stand zum Verkauf. Erst 1825 fand sich mit Baron Karl Theodor von Kast ein neuer Besitzer. Das Schloss ist nach wie vor im Privatbesitz von Familie Kast und feierte 2025 das 200-jährige Jubiläum.

Das Schloss Ebelsberg umschließt nahezu trapezförmig mit zwei Geschoßen, drei Türmen und zwei Toren einen Innenhof. Das Linzer Tor führt zum Marktplatz, und dem Ennsertor schließt sich eine Kastanienallee durch den im 19. Jahrhundert angelegten Schlosspark an.

Geschichte Anfänge Über die Ursprünge des Schlosses Ebelsberg gibt es keine genaue Datierung. In der Mitte des zwölften Jahrhunderts trachtete sowohl Bayern als auch das Bistum Passau unter Bischof Konrad, dem Bruder Heinrichs II. danach, den Einfluss in Oberösterreich auszubauen. Durch die Lage an der Vereinigung der beiden Flüsse Donau und Traun eignete sich der nahegelegene Hügel für eine weite Sicht in das flache Land, um dort eine Verteidigungsanlage zu errichten. 1154 nannte Bischof Konrad diese Gegend Ebelesberc. Damit begann die Herrschaft der Passauer Bischöfe, die mit wenigen Unterbrechungen 600 Jahre dauerte.Manfred Carrington, Andreas Reiter (Red.): Der Süden von Linz. 2007, S. 108–119.

Ausbau des passauischen Einflusses In den späteren Jahrzehnten erwies sich Ebelsberg als besonders wichtig für die passauischen Bischöfe, die sich gerne in Österreich aufhielten. In einer politisch sehr unruhigen Zeit, in der vor allem Bayern seinen Einfluss im Raum des heutigen Oberösterreichs auszubauen versuchte, war der passauische Besitz aufgrund seiner Lage von wachsender Bedeutung. Später war der Ort Gegenstand eines Herrschaftsstreits zwischen den Bischöfen, den Otakaren, den Babenbergern und den bayerischen Wittelsbachern.Manfred Carrington, Andreas Reiter: Der Süden von Linz. Vergangenheit und Gegenwart der Ortschaften Ebelsberg, Mönchgraben, Pichling, Posch, Ufer, Wambach. S. 108.

Die Passauer Bischöfe nutzten das Schloss als Winter- beziehungsweise Sommerresidenz und sicherten den gesamten Ort gegen Angriffe. Erste Auseinandersetzungen zwischen Herzog Leopold VI. von Österreich und Bischof Manegold von Passau vermutlich wegen des Mautrechts an der Traunbrücke im Ebelsberger Gebiet verliefen ohne tragische Folgen für das Schloss. Erst in den Jahren 1242–1244 wurde die Anlage bei Kämpfen zwischen Herzog Friedrich II. und Bischof Rüdiger verwüstet.Manfred Carrington, Andreas Reiter: Der Süden von Linz. Vergangenheit und Gegenwart der Ortschaften Ebelsberg, Mönchgraben, Pichling, Posch, Ufer, Wambach. S. 109.

mini|links|Schloss Ebelsberg, Nordseite

Im Jahre 1248 wurde sie unter großem Aufwand wiederhergestellt. Kurz darauf, um 1250, verstarb Bischof Rüdiger. Die Wahl eines Nachfolgers fiel abermals auf einen Geistlichen, der schon seine Kindheit dort verbracht hatte und die Gegend gut kannte, Otto von Lonsdorf. Sein Vater war seit geraumer Zeit Besitzer einer ähnlich großen Burg und genoss hohes Ansehen beim Hochstift. Bischof Otto von Lonsdorf wurde als eine sehr entschlossene und zielstrebige Person bezeichnet. Die übergeordneten Instanzen hofften, mit seiner Wahl den kirchlichen Besitzstand sichern zu können. Man erwartete von ihm, dass er die zerrüttete Herrschaft, vor allem in wirtschaftlichen Belangen, wieder neu organisierte.

Nach seinem Dienstantritt im Jahre 1254 wurde Ebelsberg als Ort für die Verwaltung auserkoren. 1255 übertrug Otto alle Verteidigungsmaßnahmen an Konrad von Hartheim und im Jahr darauf an Ulrich von Hartheim. Der Turm war mit einer Gruppe ausgebildeter Wächter unter dem Kommando von Herbord von Reut bemannt. Auf Passauer Burgen war die Bewachung des befestigten Turmes durch eine besondere Mannschaft üblich.

Da die Passauer mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatten, verpachtete Otto von Lonsdorf 1256 das Ebelsberger Amt für jährlich 60 Pfund Wiener Pfennige. Die Mautbrücke erbrachte 70 Pfund Wiener Pfennige über einen Zeitraum von vier Jahren, wobei der Bischof zehn Pfund Selbstbehalt hatte. Weitere Pachteinnahmen gab es unter anderem für das Gericht in St. Pölten mit 80 Pfund und das Gericht in Eferding mit 30 Pfund. Ein Pfund Wiener Pfennige bestand aus 20.160 Pfennigen und eine Mastsau war damals etwa 40 Pfennige wert. Die Verpachtungen stellten somit eine große Einnahmequelle für Passau dar. Otto von Lonsdorf wirtschaftete sehr erfolgreich und mit den finanziellen Mitteln aus den Verpachtungen konnte die Restaurierung der Burg durchgeführt und die Bewachung aufrechterhalten werden.

Nach der starken Beschädigung 1242–1244 wurde das Schloss 1256 wieder aufgebaut. Die Bauarbeiten verursachten hohe Schulden, die der Bischof dem Geldgeber Ortolf von Volkenstorfer nicht zurückzahlen konnte. Deshalb pfändete dieser das Schloss und der Bischof sah sich gezwungen, die Schuld in Raten abzuzahlen, bis Ortolf von Volkenstorfer den Fehler beging, Witiko von Prčice und Blankenberg, einen hohen Amtsträger von Ottokar II. Přemysl, zu töten. Grund hierfür war, dass der neue Verwaltungsbezirk des Landes ob der Enns (Vorläufer des heutigen Oberösterreichs) der Krone unterstellt wurde. Es stieß allgemein auf Unverständnis, dass nicht das prosperierende Ebelsberg, sondern die kleine Nachbargemeinde Linz, ein landesfürstlicher Besitz, die Verwaltungshoheit zugesprochen bekam. Ortolf von Volkerstorfer war mit der Entscheidung des Königs nicht einverstanden. Mit der Tat hatte er sich den König zum Feind gemacht und seine Machtposition geschmälert. Dadurch ergab sich für Otto von Lonsdorf die Gelegenheit, das Schloss wieder in den eigenen Besitz zurückzuholen, die Regelung wurde 1260 abgeschlossen.Manfred Carrington, Andreas Reiter: Der Süden von Linz. Vergangenheit und Gegenwart der Ortschaften Ebelsberg, Mönchgraben, Pichling, Posch, Ufer, Wambach. S. 110.

Im späten 14. Jahrhundert wurde das Schloss abermals verpfändet. Eine nicht eindeutige Bischofswahl zwischen Rupert von Berg und Georg von Hohenlohe löste große Streitigkeiten aus und zog sogar einen Krieg nach sich. Wegen der ungeklärten Besitzverhältnisse wurde Ebelsberg an Hans von Liechtenstein abgegeben. Schon wenig später schaffte es Bischof Georg von Hohenlohe, die Burg 1398 wieder zu übernehmen. Er hielt sich dort gerne auf und das Schloss wurde zu einem vielbesuchten Ort der damaligen Prominenz, darunter Kölner und Weinsberger Bischöfe, sogar Kaiser Sigismund besuchte 1419 und 1422 Ebelsberg.Manfred Carrington, Andreas Reiter: Der Süden von Linz. Vergangenheit und Gegenwart der Ortschaften Ebelsberg, Mönchgraben, Pichling, Posch, Ufer, Wambach. S. 111. mini|links|Schloss Ebelsberg, Zeichnung Clemens Beuttler, 1670 Bei einem Besuch Kaiser Friedrichs III. verfasste sein Sekretär Äneas Silvio Piccolomini die älteste Beschreibung des Schlosses in Latein in einem Brief an einen Freund. Den Brief, voll des überschwänglichen Lobes für den Bischof, erhielt dieser mit der Bitte um Korrekturlesen. Dies lohnte sich später für Piccolomini, indem er Pfarrer in Aspach im Innviertel wurde. Am Höhepunkt seiner Karriere wurde Piccolomini später als Pius II. Papst.

Der Brief beschrieb zum ersten Mal die genaue Lage des Schlosses und dessen Architektur. Piccolomini war fasziniert von der umgebenden Landschaft und beschrieb auch den Lauf der Traun und ihren Fischreichtum. Ein Abschnitt aus dem Brief gibt genaue Auskunft über das Bauwerk zu der damaligen Zeit.

Zur Zeit Piccolominis befand sich das Schloss in einem sehr guten Zustand. Es gibt keine genauen Angaben über die ersten Jahre des 16. Jahrhunderts. Eine Inschrift neben dem Schlosstor auf der Marktseite lässt annehmen, dass es in der Zeit zwischen 1542 und 1546 wiedererrichtet wurde. Casper Bruschius, als „wandernder Humanist“ bezeichnet, erwähnte in seinem Werk De Laureaco 1553 die Bauarbeiten von Bischof Wolfgang Graf Salm. In 1586 wurde das Schloss mit dem Markt und der Traunbrücke wieder Opfer einer Zerstörung, dieses Mal durch Feuer. Unter Bischof Urban von Trennbach wurde es in drei Jahren wieder instand gesetzt.Inschrift neben dem marktseitigen Schlosstor.

Im oberösterreichischen Bauernkrieg hatten die Bauern 1626 bei Ebelsberg ein Lager. Ob sich das Hauptquartier Stefan Fadingers im Schloss befand oder ob er dort verstarb, nachdem er nach Ebelsberg gebracht worden war, ist nicht bekannt. Am 25. Juli 1626 griffen die Kaiserlichen unter Hans Christoph von Löbel das Lager der Bauern an und besetzten Ebelsberg. Nach Angaben des Pflegers Hans Christoph von Thürheim wurden danach geplünderte Getreidekästen und leere Weinkeller im Schloss gefunden.Peter Senn (Hrsg.): Ebelsberg. Geschichte und Gegenwart in Einzelbeiträgen. 1982, S. 54.

Ende der passauischen Herrschaft mini|Schloss Ebelsberg nach einem Stich von Georg Matthäus Vischer von 1674 Nach mehreren Jahrhunderten unter passauischer Herrschaft hatte sich das Schloss in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu einem kulturellen Zentrum entwickelt. Auch Wolfgang Amadeus Mozart wohnte 1783 dort einer Opernaufführung bei.Manfred Carrington, Andreas Reiter: Ebelsberg. Ein geschichtlicher Rundgang. Vom Markt zum Stadtteil von Linz. = A historical tour. From market town to a district of Linz. Lentia-Verlag, Linz 2009, ISBN 978-3-9502622-2-3. Im gleichen Jahr starb der Passauer Bischof Kardinal Firmian. Er erlebte nicht mehr, dass Kaiser Joseph II. sämtliche Besitzungen des Hochstiftes Passau in Oberösterreich durch Landeshauptmann Graf Thürheim beschlagnahmen ließ. Die Beschlagnahme wurde zwar in einem Vergleich 1784 rückgängig gemacht, doch musste Passau auf sämtliche Diözesanansprüche verzichten. Im Gegenzug gründete man die Diözesen Linz und St. Pölten, woran sich Bischof Josef Graf Auersperg auch noch finanziell beteiligen musste. Die Bedeutung des Schlosses Ebelsberg nahm schlagartig ab. Die Säkularisation durch den Reichsdeputationshauptschluss im Jahre 1803 bedeutete schließlich das endgültige Aus der passauischen Herrschaft Ebelsberg.

Das Gefecht von Ebelsberg 1809

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Napoleon Bonaparte im Zenit seiner Macht. Mit dem Niedergang der Zweiten Koalition kurz nach der Jahrhundertwende und der Gründung des Rheinbundes 1806 bröckelte der Widerstand gegen die französische Vorherrschaft in Zentraleuropa – sehr zur Besorgnis Österreichs. Schon neun Jahre zuvor war Napoleon, beflügelt durch Erfolge in Norditalien, zum ersten Mal in die Kerngebiete Österreichs einmarschiert - mit einem Frontverlauf bis kurz vor dem Semmering -, und es war zum Frieden von Campo Formio und zur Beendigung des Ersten Koalitionskrieges gekommen. Mit Argwohn wurde deshalb von österreichischer Seite der Ausbau der französischen Einflussnahme in den deutschen Gebieten verfolgt, mit dem Bewusstsein, die letzte Entität innerhalb Zentraleuropas zu sein, die Frankreich noch etwas entgegenzusetzen hätte. Dies, zusammen mit der in dem Frieden vereinbarten Gebietsabtretungen im Osten Österreichs, bewirkte eine kollektive Ablehnung der französischen Interessen und führte zu einem starken Nationalempfinden, das durch die Proklamation des Kaisertums Österreich noch bestärkt wurde.Manfred Carrington, Andreas Reiter: Ebelsberg 1809. Franzosenzeit in Linz und Oberösterreich. 2009.