miniatur|Luftbild der Hiller-Kaserne von WNW (2012) mini|Logo der Hiller-Kaserne
Die Hiller-KaserneSchreibweise gemäß Adressliste des österreichischen Bundesheeres. ist eine denkmalgeschützte ehemalige Kaserne des österreichischen Bundesheeres. Sie wurde zwischen 1940 und 1943 im südlichen Linzer Stadtteil Ebelsberg (Katastralgemeinde Ufer) erbaut, um zirka 6000 Mann auf einer Grundstücksfläche von 162.989 m² zu beherbergen.Othmar Rittenschober: Die Geschichte der Hillerkaserne in Linz-Ebelsberg (II). In: Pallasch – Zeitschrift für Militärgeschichte. Salzburg 2010, Heft 34, S. 145. Die Kaserne wurde nach dem Feldmarschallleutnant Johann von Hiller benannt. Die WSF-Privatstiftung aus der XXXLutz-Gruppe erwarb im Februar 2016 für 41 Millionen Euro das Gelände.orf.at – XXXLutz-Gruppe kauft Hiller-Kaserne. Artikel vom 11. Februar 2016, abgerufen am 11. Februar 2016. Im Rahmen des Stadterweiterungsprojektes „Sommerfeld Ebelsberg“ sollen dort rund 3000 Wohnungen für 6000 Menschen entstehen. Das Kooperative Planungsverfahren für den neuen Stadtteil wurde 2017 abgeschlossen, 2023 begannen die Bauarbeiten.Anna Fessler: Linzer Süden: Großprojekt „Sommerfeld Ebelsberg“ verzögert sich. in Tips, 21. Februar 2023.
11 frühere Mannschaftsgebäude stehen unter Denkmalschutz. Seit 2024 werden in 9 Gebäuden Wohnungen errichtet, 2 sollen für Gewerbe und soziale Zwecke genutzt werden. Erste Mieter ziehen ab März 2026 in Wohnungen ein. Auf den "Sommergründen" (Neubauten) und am Kasernengelände (Umbau) – zusammen 32 Hektar Fläche – sollen bis 2040+ 3000 Wohnungen für 6000 Bewohner entstehen.
Entstehungsgeschichte Erbauung Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht auf Befehl von Adolf Hitler 1938 und dem „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich begann man in Linz mit dem Bau zahlreicher Kasernen für die Luftwaffe (Hörsching), die Donauflottille der Kriegsmarine (Obere Donaulände) und die Pioniere (geplant aber nicht realisiert) in Ottensheim. Der Schutzstaffel (SS) wurden am 4. August 1938 die „Aubrunnergründe“ in Urfahr-Auhof zum Bau einer Kaserne übergeben. Errichtet wurde die Kaserne jedoch in Linz-Ebelsberg. Ursprünglich sollte sich die Großkaserne zwischen der Wiener Straße und der heutigen Hillerstraße bis zu den Abhängen zur Traun (Panholzerweg) erstrecken und es waren neben anderen militärischen Zweckbauten insgesamt etwa dreißig Mannschaftsgebäude geplant.Othmar Rittenschober: Die Geschichte der Hillerkaserne in Linz-Ebelsberg (I). In: Pallasch – Zeitschrift für Militärgeschichte. Salzburg 2010, Heft 33, S. 84. mini|Gedenktafel der Hiller-Kaserne
Gründungsgeschichte und Dislozierung im Barackenlager der SS-Kaserne Ebelsberg Nach Abgabe des III. Sturmbannes der SS-Totenkopfstandarte 1 „Oberbayern“ wurde durch den Reichsführer SS Heinrich Himmler, mit Wirkung vom 1. April 1938, die 4. SS-Totenkopfstandarte in Linz-Steyr aufgestellt und dann nach Ebelsberg verlegt. Die 4. SS-Totenkopfstandarte „Ostmark“ bestand anfänglich nur aus dem I. SS-Totenkopfsturmbann, der sich in vier Hundertschaften gliederte. Im Zuge der Verlegung nach Linz-Ebelsberg erfolgte die Umbenennung der neuen Totenkopfstandarte in „Ostmark“ sowie deren Verstärkung durch eine Nachrichtenhundertschaft und den II. SS-Totenkopfsturmbann mit der 5. bis 8. Hundertschaft.Holger Zimmermann: Abriss der Truppengeschichte der 4. SS-Totenkopfstandarte „Ostmark“, des SS-Infanterie-Regimentes 4 ( mot.), Unveröffentlichtes Manuskript. Potsdam, 2008. In Linz-Ebelsberg wurde die 4. SS-Totenkopfstandarte „Ostmark“ militärisch ausgebildet und bis August 1939 in turnusmäßigem Wechsel auch für Wachaufgaben in den sich entwickelnden Konzentrationslagerstandorten Mauthausen und Gusen eingesetzt. So wurden zum Beispiel ab Mitte Jänner 1939 auf Basis eines Führererlasses vom 17. August 1938 Angehörige der Allgemeinen SS der Geburtsjahrgänge 1903 bis 1913 in einem dreimonatlichen Turnus als sogenannte „Polizei-Verstärkung“ in Ebelsberg militärisch ausgebildet. Im provisorischen Barackenlager nördlich des „Mayr z’Reith“ (Sommerbauer) und in den Traunauen fand allgemein-militärischer Ausbildungsdienst statt. Der Großteil der Infanteriewaffen stammte aus tschechischen Beutebeständen. Das Barackenlager wurde bis Juli 1940 als militärische Unterkunft genutzt. Das Lager bestand aus etwa 25 Mannschaftsbaracken und aus einigen kleineren Hütten für Logistikeinrichtungen.Othmar Rittenschober: Die Geschichte der Hillerkaserne in Linz-Ebelsberg (I). In: Pallasch – Zeitschrift für Militärgeschichte. Salzburg 2010, Heft 33, S. 87–89.
Anfang Februar 1940 wurde der 4. SS-Standarte „Ostmark“ das II. Bataillon der 5. SS-Totenkopfstandarte angegliedert. Im Juni 1940 wurde die 4. SS-Totenkopfstandarte in die Niederlande verlegt. Im November 1940 löste die 4. SS-Totenkopfstandarte die im Küstenschutz eingesetzte SS-Totenkopfstandarte 11 ab. Die meisten Angehörigen der 4. SS-Totenkopfstandarte gingen im Laufe des Krieges in der 1939 von Theodor Eicke aus Teilen von Polizei und SSTV geschaffenen SS-Totenkopf-Division auf. Die 4. SS-Totenkopfstandarte selbst war niemals ein Teil dieser Division.Othmar Rittenschober: Die Geschichte der Hillerkaserne in Linz-Ebelsberg (I). In: Pallasch – Zeitschrift für Militärgeschichte. Salzburg 2010, Heft 33, S. 90.
Nach dem Abzug der 4. SS-Totenkopfstandarte „Ostmark“ wurde das Barackenlager weiterhin militärisch genutzt. Die SS-Totenkopfstandarte 5. „Dietrich Eckhardt“ wurde im Frühjahr 1939 durch Umbenennung der SS-Totenkopfstandarte 2 in Berlin-Adlershof und Oranienburg aufgestellt. Mit Befehl vom 11. November 1939 ist die 5. SS-Totenkopfstandarte nach Linz und Wien verlegt worden, um dort die SS-Totenkopfstandarte 13 zu bilden. Ein Bataillon sollte dabei in Linz beheimatet werden. Im Jänner 1940 wurden daher Teile der 2. Kompanie des I. Bataillons und die 5. Kompanie des II. Bataillons der 5. SS-Totenkopfstandarte von Oranienburg kurzfristig im SS-Barackenlager Ebelsberg als III. SS-Totenkopfsturmbann zusammengezogen. Am 29. Juli 1940 erfolgte die Auflösung der Standarte, und daher endete die im Barackenlager beim „Mayr z’Reith“ vollzogene Aufstellungsphase des III. Bataillons.Othmar Rittenschober: Die Hillerkaserne. Linz 2010, S. 18.
Kriegsgefangenenlager und Umsiedlerlager in Ufer 3 Ab 1940 erfolgte keine weitere Belegung des Barackenlagers beim „Mayr z’Reith“ durch SS-Truppenkörper, SS-Einheiten oder SS-Teileinheiten. Die bestehenden Anlagen dienten mit Fortschreiten des „Krieges im Westen“ vorübergehend als Kriegsgefangenenlager. Eine Dislozierung von bewaffneten SS-Kräften als Bewachungselement ist jedoch auszuschließen. Die Auflösung des Kriegsgefangenenlagers dürfte schon Ende 1941 bis Anfang 1942 erfolgt sein. Im Archiv der Stadt Linz wurde in einer Lagerstandsliste vom Oktober 1941 erstmals ein „Barackenlager SS Ebelsberg“ in Ufer 3 erwähnt.Othmar Rittenschober: Die Hillerkaserne. Linz 2010, S. 19.
Ab Frühjahr 1942 konnte die Volksdeutsche Mittelstelle (Vomi) von der SS die ersten vier bezugsfertig gewordenen Mannschaftsgebäude der Kaserne Ebelsberg für die Einquartierung der „Buchenlanddeutschen“ anmieten. Für die Schaffung und Erhaltung der notwendigen Infrastruktur war die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) zuständig. Die Vomi und die NSV betrieben in der benachbarten Gemeinde Pichling die Schweinefarm „Aumühle“. Mit der Mästung von bis zu 1000 Schweinen diente der landwirtschaftliche Großbetrieb zur Versorgung der auf dem heutigen Kasernenareal und in den Ebelsberger Barackenlagern untergebrachten „Umsiedler und Ostflüchtlinge“. Die Anlage entstand im Rahmen des NS-Notbauprogramms und wurde als kriegswichtig für die Versorgung der Bevölkerung eingestuft. Polnische Zwangsarbeiter und schwererziehbare Jugendliche wurden dort zur Arbeit herangezogen.
Die Kaserne als DP-Lager „Davidstern“ miniatur|Der Davidstern Von 1945 bis 1951 wurde die Kaserne für die US-Militärverwaltung genutzt.Manfred Carrington, Andreas Reiter: Der Süden von Linz. Vergangenheit und Gegenwart der Ortschaften. Linz 2007, S. 390.
Um die große Zahl der Displaced Persons (DP) in und außerhalb von Lagern zu koordinieren, wurden durch die amerikanische Militärregierung besondere Stäbe eingerichtet. Ihre Aufgabe war die Koordination der DP-Aktivitäten, die Ausführung der Politik und Instruktionen der höheren Hauptquartiere, die Erstellung von Lageberichten und die Überwachung der Vorräte und der Lagerkommandanten. Für jedes dieser DP-Lager waren ein amerikanischer Offizier und mehrere Soldaten verantwortlich.Othmar Rittenschober: Die Hillerkaserne. Linz 2010, S. 56.
Im Spätherbst 1947 wurden die aus dem Konzentrationslager Mauthausen und deren Nebenlagern befreiten sowie im Raum Oberösterreich (vor allem in Bad Ischl, Bad Gastein und Ranshofen) verteilten jüdischen Displaced Persons in Ebelsberg zusammengezogen. Die bisherigen amerikanischen Militäreinrichtungen wurden in das USFA (US Forces in Austria) Ordnance and Engineer Depot Wegscheid verlegt. Die Besonderheit des Lagers „Davidstern“ beziehungsweise „Camp Rosen David“ war, dass sich die Lagerbewohner ausschließlich aus „Angehörigen der Israelitischen Nation“ zusammensetzen. Zu diesen jüdischen Displaced Persons kamen noch rumänische Juden aus dem Wiener Raum. Infolge der Schließung anderer Lager wurden Alte, Kranke und Invalide nach Ebelsberg gebracht und dort eigenen Rehabilitationsprogrammen zugeführt.
Insgesamt entwickelte sich das Lager Davidstern zu einem Musterlager für zirka 1600 jüdische Displaced Persons. Während zum Beispiel das Lager Wegscheid als eines der schlechtesten in ganz Österreich galt, war das Lager Davidstern in Ebelsberg im Vergleich zu anderen oberösterreichischen Lagern als Camp mit akzeptablen Lebensverhältnissen bekannt. Eine Reihe von „Volksdeutschen“ arbeitete im „Camp Davidstern“. Es gab im Linzer Raum damals verschiedene Zentren des Schwarzmarktes. Im Lager Ebelsberg konnte man aus amerikanischen Beständen stammende Nahrungsmittel wie Schokolade, Reis und Südfrüchte erwerben. Auch qualitativ hochwertige alkoholische Getränke, Zigaretten und Spirituosen waren erhältlich. Käufer kamen aus dem gesamten Linzer Raum. „In Ebelsberg kann man praktisch alles kaufen“, hieß es im Volksmund.Fritz Mayrhofer: Prinzip Hoffnung: Linz zwischen Befreiung und Freiheit: Ausstellung 22. April bis 30. Juli 1995, Stadtmuseum Linz-Nordico, S. 365.
Schließlich war das Lager Arbeitgeber. Eine ganze Reihe von Arbeiten wurden gegen Bezahlung durch Beschäftigte von außerhalb durchgeführt. Durch die Bewohner wurden Wintermäntel und Textilien produziert und vermarktet.
Es wurden Kultur-, Schulungs- und Sozialprogramme eingerichtet. Auswanderer wurden auf ein Leben in Israel vorbereitet. Im Lager erschien eine Illustrierte, das Magazin der Obschestvo Remeslennogo i selskochosjaistvennogo Truda (= O.R.T., Organisation für handwerkliche und landwirtschaftliche Arbeit).
Besonders wurden die Juden durch die jüdische Hilfsorganisation, den „JOINT“ (American Jewish Joint Distribution Committee), unterstützt. Die Juden nahmen allmählich auf das wirtschaftliche Leben und die Preisgestaltung für diese Mangelware einen erheblichen Einfluss und es herrschte zum Lager ein gewisser Reiseverkehr aus der amerikanischen Besatzungszone.Othmar Rittenschober: Die Hillerkaserne. Linz 2010, S. 58. miniatur|Wappen der Gendarmerieschule
Vorläuferorganisationen des österreichischen Bundesheeres in der Kaserne Ebelsberg