mini|Domplatz mit den Jedermanntribünen
Die Spielstätten der Salzburger Festspiele sind heute über die ganze Stadt Salzburg verteilt. Gespielt und gesungen wird – der Intention der Gründungsväter der Festspiele Hugo von Hofmannsthal, Max Reinhardt und Richard Strauss folgend – an unterschiedlichsten Plätzen: in Kirchen und Schlössern, auf historischen Plätzen, im Landestheater und den drei Festspielhäusern, im Mozarteum, dem Marionettentheater, der Eisarena und dem früheren Stadtkino. Seit 1992 sind auch die alten Salinen in der Stadt Hallein auf der Pernerinsel Spielstätte der Festspiele.
„Die ganze Stadt ist Bühne“ mini|hochkant=1.35
Die Salzburger Festspiele wurden nach dem Ersten Weltkrieg unter widrigen Umständen gegründet, von fünf Männern, deren Denken durchaus noch in der Tradition der multikulturellen Donau-Monarchie verwurzelt war und die der geographischen Enge des neuen Staates Österreich kulturelle Weite und weltumfassende Bedeutung entgegensetzen wollten: vom Komponisten Richard Strauss, dem Wiener Hofoperndirektor Franz Schalk, dem Bühnenbildner Alfred Roller, dem Dichter Hugo von Hofmannsthal und vom Regisseur Max Reinhardt. Die Suche nach dem Allgemeingültigen in der Kultur und im Denken stand am Beginn der Festspiele – und prägt das Programm bis heute. Hofmannsthal war der Ideologe des Projekts, wertkonservativ und weltmännisch zugleich. Als Freund des Superlativs wollte er in Salzburg nur das Hehre, Hohe und Schöne verankert sehen. Max Reinhardt war der Pragmatiker, der in seiner Suche nach Effekt und Katharsis die entsprechenden Räume für seine Spiele suchte und dem Unternehmen eine Reihe von Spielstätten eröffnete, die bis heute funktionieren, Publikum anziehen und Stimmung vermitteln.
Im barocken Ambiente des Salzburger Domplatzes eröffnete er 1920 mit dem Jedermann offiziell die Festspiele. 1922 integrierte er die Kollegienkirche in die Spielorte der Salzburger Festspiele. 1925 funktionierte er die frühere Winterreitschule zum Festspielhaus um, heute als Haus für Mozart nach wie vor zentrale Spielstätte der Festspiele. 1926 eröffnete er mit Goldonis Diener zweier Herren den magischen Raum der Felsenreitschule. Und schließlich stellte er seinen Wohnsitz, das Schloss Leopoldskron, in den Dienst des Spiels – mit Shakespeares Sommernachtstraum.
„Die ganze Stadt ist Bühne“ ist ein Satz Reinhardts, den er in Salzburg exemplarisch umsetzte. Zwar scheiterten seine Pläne für ein Festspielhaus in Hellbrunn, konzipiert bereits während des Ersten Weltkriegs als „Friedenswerk“, als Kontrastprogramm zum „Weltenbrand“. In Hofmannsthal fand er einen Verbündeten, der in seinem ersten Aufruf zum Festspielplan 1919 für die Erneuerung eines „Europäismus, der die Zeit von 1750 bis 1850 erfüllt und erhellt hat,“ Stellung bezog.
Heute gibt es zwei Festspielbezirke diesseits und jenseits der Salzach. An der Felswand des Festungsberges stehen die drei Festspielhäuser, in unmittelbarer Nähe der Domplatz als traditionelle Spielstätte des Jedermann und die drei Barockkirchen, die von den Festspielen regelmäßig bespielt werden. Auf der anderen Seite der Salzach befinden sich die Gründerzeitbauten des Salzburger Landestheaters und des Mozarteums, beide gelten als architektonische und akustische Juwele ihrer Epoche.
Domplatz mini|links|Freilichtbühne auf dem Domplatz
Die erste Spielstätte der Salzburger Festspiele war und ist heute noch – für alle Jedermann-Aufführungen bei Schönwetter – der Domplatz. Während der Festspielzeit mit einer abbaubaren Freilichtbühne mit derzeit 2.544 Sitzplätzen ausgestattet, stellen der barocke Platz und die Kirchenfassade die Kulisse für das Spiel vom Sterben des reichen Mannes dar. Als Hugo von Hofmannsthal 1919 Zweifel an der Finanzierbarkeit anmeldete, entgegnete Max Reinhardt: „Irgendwie wird sich das Geld schon finden, das ist Nebensache. Ich denke jetzt vor allem an die Schätze, die wir bereits besitzen: Eine großartige Dichtung, einen Schauplatz, wie er auf der Welt nicht noch einmal zu finden ist.“
Reinhardt sollte recht behalten. Hofmannsthals Stück Jedermann – 1911 von Reinhardt in Berlin in einem Zirkuszelt uraufgeführt – wird seit Anbeginn mit den Salzburger Festspielen assoziiert und stellt einen Publikumsmagneten dar, der regelmäßig ausverkauft ist. Die Jedermann-Überschüsse quersubventionieren den Salzburger Opernbetrieb. Allein die Zuschauer der dreizehn Jedermann-Vorstellungen der Spielzeit 2012, über 31.000, entsprechen in etwa der Anzahl der regulär zahlenden Zuschauer der gesamten Wiener Festwochen.
Nur während der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich von 1938 bis 1944 durfte die erzkatholische Moritat nicht aufgeführt werden, weil der Autor jüdische Vorfahren hatte.
Bei Schlechtwetter erfolgt der Umzug ins Große Festspielhaus, wobei die 200 Stehplätze, die am Domplatz verfügbar sind, zurückgegeben werden, die Sitzplätze jedoch überwiegend umsiedeln. Da im großen Festspielhaus mit 2.179 Sitzplätzen weniger Plätze zur Verfügung stehen, als die Freilichtbühne bietet, werden Zuschauer auch auf Stühlen links und rechts der Panoramabühne platziert. Fallweise wird der Domplatz zur Festspielzeit auch für Konzerte genutzt – etwa 1950 für die legendäre Rückkehr der Trapp-Familie aus dem Exil oder 2012 für zwei Opern-Air-Benefiz-Konzerte mit Plácido Domingo bzw. Anna Netrebko. In der Weihnachtszeit findet traditionell der Christkindlmarkt am Domplatz statt, außerhalb der Festspielzeit dürfen die Jedermann-Tribünen ausnahmsweise auch für Unterhaltungsmusik-Konzerte – beispielsweise von Hubert von Goisern – genutzt werden.
Mozarteum mini|Großer Saal des Mozarteums
Zu Mozarts 100. Geburtstag im Jahr 1856 gründete sich in Salzburg ein Mozart-Bauverein, der eine dem Genius Loci gewidmeten Musikschule mit Bibliothek, Archiv und Konzertsaal errichten wollte. Das Mozarteum war zuerst im Kapellhaus in der Sigmund-Haffner-Gasse, später in der Alten Universität untergebracht. Erst ab 1901 wurden die Pläne für ein eigenes Haus mit Nachdruck verfolgt. 1907 erwarb der Verein die Villa des ehemaligen Innenministers Josef von Lasser in der Schwarzstraße. 1909 wurde ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben, an dem 64 Architekten aus dem In- und Ausland teilnahmen. Der Umbau erfolgte zwischen 1910 und 1914 nach Plänen des Preisträgers Richard Berndl – im Stil des Münchner Späthistorismus. Die durchaus elegante Architektur stellt freilich ein Potpourri der lokalen Barock-Tradition, des Jugendstils und heimatlich-salzburgischer Baukunst dar. Die Grundsteinlegung erfolgte am 6. August 1910 durch die Kammersängerin Lilli Lehmann.
Der Gebäudekomplex steht im Besitz der Internationalen Stiftung Mozarteum, die seit 1921 eng mit den Salzburger Festspielen kooperiert. Der Große Saal des Mozarteums mit 800 Sitzplätzen gehört seit der Gründungsphase der Festspiele zu deren Hauptspielstätten für Konzerte und eignet sich hervorragend für Kammermusik und kleinere Orchesterbesetzungen. Mittlerweile legendär sind die an Samstag- und Sonntagvormittagen stattfindenden, von Bernhard Paumgartner ins Leben gerufenen, Mozart-Matineen. Darüber hinaus werden alljährlich eine Reihe von Liederabenden sowie Solisten-, Kammer- und Orchesterkonzerten im Mozarteum veranstaltet, fallweise auch Lesungen und Schauspielinszenierungen – wie 1945 Der Tor und der Tod als erste Festspielaufführung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und 1977 die Uraufführung von Hochhuths Tod eines Jägers mit Curd Jürgens.
Landestheater mini|Das Salzburger Landestheater um 1900 mini|Hermann Helmer und Ferdinand Fellner
Das Salzburger Landestheater mit 697 Sitzplätzen wurde 1892 bis 1893 vom Wiener Architekturbüro Fellner & Helmer im neubarocken Stil errichtet, nachdem zuvor am selben Platze das – von Fürsterzbischof Paris von Lodron 1625 erbaute – Ballhaus und seit 1775 das – von Fürsterzbischof Hieronymus Franz Josef von Colloredo-Mannsfeld beauftragte – „Fürsterzbischöfliche Hoftheater“ gestanden war. 1788 wurde das Haus, weil zu klein, umgebaut, ab 1803 hieß es Kurfürstliches Theater, ab 1808 Kaiserlich-königliches Nationaltheater, ab 1810 „Königliches National Theater“. 1892 musste das Theater wegen Sicherheitsmängeln abgerissen werden.
Eröffnet wurde das neue Haus 1893 – als Neues Stadttheater – im Beisein von Erzherzog Ludwig Viktor mit Mozarts Titus-Ouvertüre, einem Prolog von Josef Kollmenn und Ludwig Fuldas Schauspiel „Der Talisman“. Der damals 20-jährige Max Reinhardt wirkte – in seinem ersten Engagement – als Schauspieler der Eröffnungsvorstellung mit. 1924 wurde das Haus renoviert, 1938 bis 1939 umgebaut, 2003 und 2004 umfassend renoviert.
Die Festspiele nutzen das Haus seit 1921. Richard Strauss dirigierte – als erste Opernvorstellung der Festspiele überhaupt – dort 1922 den Don Giovanni in einer Inszenierung von Hans Breuer und einem Bühnenbild von Alfred Roller. Seit das 1925 inaugurierte Festspielhaus – zwei Jahre später – auch für Opernaufführungen adaptiert wurde, fanden die meisten Opernaufführungen dort statt. Das Landestheater wurde in der Folge überwiegend für das Sprechtheater genutzt, fallweise aber auch immer wieder für Opern in kleinerer Besetzung – beispielsweise 1939 bis 1957 für Die Entführung aus dem Serail, dirigiert von Karl Böhm und Felix Prohaska, in der Nachkriegszeit für frühe Mozart-Opern, für Britten, Haydn, Donizetti, sowie für eine Reihe von Uraufführungen (Boris Blacher, Helmut Eder, Rolf Liebermann und Frank Martin, siehe Opernproduktionen der Salzburger Festspiele).
Der Schwerpunkt der Festspielproduktionen im Landestheater galt seit den 1930er Jahren dem Schauspiel – insbesondere dem österreichischen Bühnenschaffen von Grillparzer über Raimund und Nestroy bis zu Schnitzler, Hofmannsthal und Horváth, weiters der deutschen Klassik, Shakespeare und bedeutenden Gegenwartsautoren. Die Annalen verzeichnen fünf Uraufführungen von Thomas Bernhard, sowie unter anderen weitere von Botho Strauß, Christoph Ransmayr, Roland Schimmelpfennig und Händl Klaus. Darüber hinaus finden regelmäßig Lesungen im Rahmen der Festspiele im Landestheater statt.
Festspielhäuser mini|Das Faistauer Foyer bildet das Entrée von Felsenreitschule und Haus für Mozart
Die drei eigens für die Salzburger Festspiele gebauten Spielstätten sind das Haus für Mozart (1925), die Felsenreitschule (1926) und das Große Festspielhaus (1960). Die drei Häuser liegen unmittelbar nebeneinander, alle mit Zugang aus der Hofstallgasse.
Erste Pläne für die Errichtung eines Festspielhauses auf dem Mönchsberg in Salzburg von den Wiener Architekten Hermann Helmer und Ferdinand Fellner d. J., die bereits das Landestheater erbaut hatten, kamen über das Planungsstadium nicht hinaus.
Der Berliner Architekt Hans Poelzig erarbeitete Anfang der 1920er Jahre konkrete Pläne für ein Festspielhaus mit 4.000 Zuschauerplätzen im Park des Schlosses Hellbrunn – in Form einer riesigen Tropfsteinhöhle. Das Projekt kam allerdings nicht über die Grundsteinlegung hinaus – Richard Strauss führte die symbolischen drei Hammerschläge aus, doch sollte kein weiterer Stein mehr folgen.
Der Salzburger Festspielkomplex mit den drei Festspielhäusern wurde schließlich schrittweise auf dem Areal der ehemaligen fürsterzbischöflichen Stallungen und Reitschulen etabliert. Die Stallungen wurden 1606 bis 1607 unter Erzbischof Wolf Dietrich erbaut und 1662 um eine Winterreitschule erweitert. Im 19. Jahrhundert diente der Komplex zwischen Hofstallgasse und Mönchsberg als k.k. Kavalleriekaserne, bis er schließlich ab 1925 schrittweise von den Salzburger Festspielen übernommen werden konnte.