Im Alter von … ist ein Kriminalfilm von Heinz H. Seibert über einen pädophilen Sexualstraftäter. Der Film wurde 1974 für die Reihe Polizeiruf 110 gedreht, aber noch vor Fertigstellung von den DDR-Behörden verboten. Die Erstausstrahlung war ursprünglich für den 23. Februar 1975 vorgesehen. Der Fernsehfilm wurde vernichtet, konnte jedoch 2010 anhand eines erhaltenen Kameranegativs rekonstruiert werden. In Neusynchronisation erlebte er 2011 seine Fernsehpremiere.

Handlung Mit einem kaputten Keilriemen bleibt Jenny Gerlachs Trabant an der Autobahn stehen. Vergeblich versucht die Frau, die mit ihrem 13-jährigen Sohn Ben, genannt Bennie, unterwegs ist, den Wagen zu reparieren. Bennie spricht einen älteren Mann an, der unweit Rast macht: Es handelt sich um Oberleutnant Peter Fuchs. Die Überraschung ist groß, als sich herausstellt, dass sich Peter Fuchs und Jenny Gerlach von früher kennen. Peter Fuchs war ein guter Freund ihres verstorbenen Mannes Werner, verlor die Familie jedoch nach seiner Versetzung nach Berlin aus den Augen. Die nächsten Tage verbringen die drei gemeinsam und Peter Fuchs und Bennie schließen Freundschaft, zumal der Junge seinen Vater nie bewusst kennengelernt hat. Er starb bei einem Unfall, als Bennie drei Jahre alt war. Eines Tages gehen Peter Fuchs und Jenny essen, während sich Bennie mit seinem besten Freund Till am Tonsee zum Schwimmen treffen will. Als Till zum See kommt, findet er zwar Bennies Fahrrad und seine Kleider vor, Bennie jedoch ist verschwunden. Nach einer langen Suche wendet sich Till an Peter Fuchs und Jenny. Sofort beginnt eine großangelegte Suche. Kurz darauf wird Bennies Leiche gefunden.

Peter Fuchs wird aufgrund seiner persönlichen Bekanntschaft mit Jenny und Bennie vom Fall abgezogen. Stattdessen übernehmen Oberleutnant Jürgen Hübner und Leutnant Vera Arndt die Ermittlungen. Bei der Suche im Gebiet werden zahlreiche weggeworfene Gegenstände gefunden, darunter eine Colaflasche und ein Taschentuch mit den Initialen „P. T.“. Auf der knapp außerhalb des Suchradius um den Tatort aufgefundenen Flasche lassen sich die Fingerabdrücke von Horst Reisenweber nachweisen. Er musste am Tattag zwar arbeiten, machte jedoch bereits mittags Schluss und fuhr nach eigener Aussage in den Folgestunden in der Gegend umher. Er war mit Bennie bekannt, brachte er ihm doch das Tennisspiel bei. Ein Mann sah ihn am Tattag im Wald. Auch ein zweiter Mann gerät unter Verdacht: Karl Fischer kannte die beiden Jungen schon lange und besitzt unweit des Tonsees eine kleine Werkstatt, in der er für die Kinder der Gegend Reparaturen vornimmt. In seiner Werkstatt entdeckt Jürgen Hübner zwar versteckt das Foto eines von hinten nackt aufgenommenen Kindes, doch gilt Karl Fischer als unverdächtig: Er ist verheiratet und hat vier kleine Töchter.

Es wird deutlich, dass der Täter möglicherweise sexuelle Motive hatte. Mehrere Kinder berichten, dass sie von einem Mann belästigt wurden. Das Phantombild bringt jedoch keine genaue optische Übereinstimmung mit einem der bekannten Männer. Die Ermittler erfahren, dass in der Gegend des Fundortes ein besonderes Erdfarbgemisch vorherrscht: Raseneisenerz ist typisch für die Gegend. Jürgen Hübner nimmt heimlich Erdspuren an den Reifen von Karl Fischers Motorrad ab. Bei einer Befragung von Fischers Frau erfährt er, dass nicht Fischer der Vater der vier Mädchen ist, sondern sie aus erster Ehe stammen. Frau Fischer war mit einem gewissen Peter Teurich verheiratet – die gesuchten Initialen auf dem Taschentuch. Als die Ermittler Karl Fischer festnehmen wollen, hat der sich bereits das Leben genommen. In seinem Abschiedsbrief gesteht er den Mord an Bennie Gerlach im Detail. Jürgen Hübner äußert die Hoffnung, dass es sich um einen Einzelfall handelte.

Entstehung

Die Autorin Dorothea Kleine hatte 1974 ein Drehbuch für eine Folge des Polizeiruf 110 entworfen, die auf dem Fall des Sexualstraftäters Erwin Hagedorn beruhte, der nach dem Mord an drei Jungen 1969 intensiv gesucht und danach zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Dieses wurde von den staatlichen Fernsehverantwortlichen abgelehnt, weil die Tat zu grausam war und in der DDR so etwas eigentlich nicht geschehen durfte.Im Alter von... Fernsehen der DDR (Memento), mit detaillierten Hibtergrubdinformationen von Peter Flieher (im unteren Abschnitt) Der Regisseur Heinz H. Seibert nahm sich des Entwurfes an und veränderte ihn so, dass keine Rückschlüsse auf den Fall mehr zu erkennen sein sollten.. stimme.de, 10. Juni 2012, mit detaillierten Hintergründen Dieser wurde dann zum Drehen zugelassen.

Produktion Der Film wurde unter dem Arbeitstitel Am hellerlichten Tag vom 10. September bis zum 13. November 1974 in Ost-Berlin, Zossen, Königs Wusterhausen und Umgebung gedreht.

Kurz vor Abschluss der Dreharbeiten kam es plötzlich zu Behinderungen und Verzögerungen, wichtige Technik der Volkspolizei wurde abgezogen und Komparsen wurden abberufen. Im November 1974 wurde die sofortige Beendigung der Dreharbeiten angeordnet. Der Film war im Rohschnitt fertiggestellt und wurde danach ohne die Anwesenheit des Regisseurs in internen Vorführungen mehrmals gezeigt. Im Frühjahr 1975 erfolgte das formelle Verbot des Films durch das Innenministerium, mit der Anweisung, sämtliches Filmmaterial, Drehbücher usw. zu vernichten. Im Alter von... Fernsehen der DDR (Memento), mit dem genauen Verbotsdatum

Wiederentdeckung und Rekonstruktion 1990 wurde von einer erhaltenen Kopie des Films berichtet.Eine Leiche im Keller. mdr.de, 23. Juni 2011. 2009 wurde im Deutschen Rundfunkarchiv zufällig ein Kameranegativ entdeckt, das in falsch beschrifteten Filmdosen der Vernichtung entgangen war. Dazu gab es aber keine Tonspur mehr. Die ursprüngliche Drehbuchautorin Dorothea Kleine übergab dem recherchierenden Hörfunkautor Thomas Gaevert im Mai 2009 ein Exemplar des verschollen geglaubten Filmdrehbuchs. Dieser verwendete einige wichtige Szenen in seinem Feature Eher regnet es Tinte …, das am 3. November 2010 beim Südwestrundfunk gesendet wurde.Thomas Gaevert: Eher regnet es Tinte … Der Fall Hagedorn und ein Filmverbot. SWR 2, 3. November 2010.Interview mit Thomas Gaevert bei MDR Figaro, 22. Juni 2011 sowie MDR Info, 23. Juni 2011.

Ende 2010 entschied sich der MDR zur Rekonstruktion des wiederaufgefundenen Filmmaterials. Als Anlass diente das im Juni 2011 bevorstehende 40-jährige Jubiläum der Polizeiruf-Reihe. Da die Tonspur weiterhin fehlte, wurde eine komplette neue Synchronisation anhand des erhaltenen Drehbuches durchgeführt.Interview mit Thomas Gaevert und Stefan Urlass bei „MDR artour“, 16. Juni 2011.Interview mit Thomas Gaevert bei NDR Kulturjournal, 20. Juni 2011. Die Rollen wurden dabei von aktuellen Polizeiruf-Ermittlern sowie einigen noch lebenden ehemaligen Ermittlern (Jürgen Zartmann, Andreas Schmidt-Schaller) eingesprochen, da andere der damaligen Darsteller, darunter Peter Borgelt und Jürgen Frohriep, bereits verstorben waren.

Der Film erlebte am 23. Juni 2011 seine Fernsehpremiere im MDR, allerdings außerhalb des festen Polizeiruf-Sendeplatzes. Danach folgte im Programm die Dokumentation 40 Jahre Polizeiruf 110, die auch Hintergründe zum Verbot des Films lieferte.Vgl. thomas-gaevert.de

Im Alter von … ist einer von zwei bekannten Polizeiruf-110-Folgen, die nach ihrer Herstellung verboten wurden, neben Rosis Mann (1984).Peter Hoff: Polizeiruf 110. Filme, Fakten, Fälle. Das Neue Berlin, Berlin 2001, ISBN 3-360-00958-4, S. 94–95, über besondere Folgen der Reihe

Synchronisation Synchronregie führte Irene Timm.

RolleDarstellerSynchronsprecherOberleutnant Peter FuchsPeter BorgeltOliver StritzelOberleutnant Jürgen HübnerJürgen FrohriepAndreas Schmidt-SchallerLeutnant Vera ArndtSigrid GöhlerAnneke Kim SarnauMajor WegenerStanisław ZaczykJaecki SchwarzJenny GerlachWiesława NiemyskaIsabell GerschkeBen „Bennie“ GerlachKlaus RichterDavid WeylTill HochstetterFred ÖsterreichGideon FinimentoKarl FischerWalter LendrichWolfgang WinklerFrau FischerTeresa LipowskaMarie GruberHorst ReisenweberHeinz BehrensJürgen ZartmannHerr ZanderWerner KamenikHorst KrauseWirtinAnneliese MüllerMaria Simon

Rezeption Rezensionen

Die Rezensionen nach der Wiederaufführung des Films 2010 waren eher enttäuscht im Verhältnis zu den hohen Erwartungen: TV Spielfilm schrieb „Der heute betulich wirkende Film wurde damals Opfer der Zensur. Neu bearbeitet und synchronisiert (der Ton ging verloren) taugt er heute als Zeitzeugnis“.

teleschau – der mediendienst nannte den rekonstruierten Film ein „Produkt akribischer Fleißarbeit“: „Natürlich darf man sich nicht die Welt versprechen von einem 38 Jahre alten TV-Stück, von dem auch nur das tonlose Rohschnittmaterial gefunden wurde. Etwas betulich entfaltet sich die Geschichte, die bewusst lose auf einem authentischen Eberswalder Dreifachmord basiert. Der eigentliche Krimi findet sich nicht auf der Mattscheibe, sondern in der Entstehungsgeschichte“.

TV-Dokumentation Matthias Ehlert, Thomas Gaevert, Lutz Pehnert: 40 Jahre Polizeiruf – Eine Erfolgsstory TV-Dokumentation, Erstsendung: 23. Juni 2011 im MDR

Hörfunk Thomas Gaevert: Eher regnet es Tinte … Der Fall Hagedorn und ein Filmverbot. Hörfunkfeature, Produktion Südwestrundfunk, Erstsendung: 3. November 2010 auf SWR2.

Weblinks

Im Alter von... Fernsehen der DDR (Memento), mit detaillierten Hintergrundinformationen Polizeiruf 110 Lexikon

. stimme, 10. Juni 2012, mit detaillierten Hintergründen

Anna Pfitzenmaier: »Im Alter von ...« Zensurgeschichte eines Polizeirufs Deutsches Rundfunkarchiv.

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2011 Kategorie:Filmtitel 1974 Im Alter Von Im Alter Von Kategorie:Verbotener Film (DDR) Kategorie:Wiederentdeckter Film Kategorie:Pädophilie im Film