Brackwede () ist der Name eines Stadtbezirks der kreisfreien Stadt Bielefeld in Nordrhein-Westfalen und der Name des größten Ortsteils in diesem Stadtbezirk. Der Stadtbezirk Brackwede liegt im Südwesten von Bielefeld und ist aus der bis 1972 eigenständigen Stadt Brackwede hervorgegangen. Der Stadtbezirk hatte 2024 41.410 Einwohner.
Aussprache und Schreibweise des Namens Die ursprüngliche Aussprache lautet , also mit langem a (sprich: Braakwede). Bei dem c handelt es sich um ein Dehnungszeichen, welches bewirkt, dass das vorangegangene a lang ausgesprochen wird. Inzwischen ist heute die schriftdeutsche Aussprache mit kurzem a schon sehr verbreitet; dabei wird gleichzeitig die Betonung meist auf die zweite Silbe verschoben, das heißt . Die korrekte Aussprache dient daher teilweise als Schibboleth für Bielefelder.
Der ostwestfälische Name Quirkendorp leitet sich von und ab.
Geografie Geografische Lage Wie die beiden anderen südlichen Stadtbezirke Bielefelds, Senne und Sennestadt, liegt auch Brackwede direkt südlich des Hauptkammes des Teutoburger Waldes. Verschiedene Bäche, von denen der wichtigste die Lutter ist, entwässern das Gebiet dem natürlichen Gefälle folgend nach Südwesten hin zur Ems.
Ausdehnung Die Nord-Süd-Ausdehnung des Stadtbezirks beträgt etwa sieben, die West-Ost-Ausdehnung etwa zehn Kilometer bei einer Fläche von 38,16 Quadratkilometern. Brackwede ist damit der flächenmäßig größte Stadtbezirk der Stadt Bielefeld. Der höchste Punkt sowohl des Stadtbezirks als auch des Ortsteils Brackwede liegt mit auf dem Käseberg im Bereich des Hauptkamms des Teutoburger Waldes.
Nachbarorte Im Norden und Nordosten grenzt der Stadtbezirk Brackwede an die Stadtbezirke Dornberg und Gadderbaum, im Osten und Südosten an Senne. Im Süden und Südwesten grenzen die Gütersloher Stadtteile Avenwedde und Isselhorst an, im Westen die Gemeinde Steinhagen. Der Ortsteil Brackwede wird umschlossen von Gadderbaum, Senne, Ummeln und Quelle.
Gliederung des Stadtbezirkes Zum Stadtbezirk Brackwede gehören die nur informell abgegrenzten Ortsteile Brackwede, Ummeln, Holtkamp und Quelle. Verwaltungsintern ist der Stadtbezirk Brackwede in die statistischen Bezirke 29 bis 35 (Ortsteil Brackwede), 36 (Ortsteile Ummeln und Holtkamp) sowie 37 und 38 (Ortsteil Quelle) gegliedert.Daten. Stadt Bielefeld.
Geschichte Vom Dorf zur Stadt Die erste urkundliche Erwähnung Brackwedes erfolgt 1151. 1216 wird zum ersten Mal das Wahrzeichen des Stadtteils, die Bartholomäuskirche, genannt, die am 21. Februar 1990 durch einen Brand fast vollständig zerstört, zwischenzeitlich aber wieder aufgebaut worden ist. Um 1800 war der Ort noch eine rein bäuerliche Siedlung, deren Bauten sich fast alle um die Bartholomäuskirche gruppierten. Eng verbunden mit dem Dorf Brackwede war seit jeher die Bauerschaft Brock (auch Brook), deren Höfe den südwestlichen Teil des heutigen Ortsteils einnahmen. Brackwede war in der Grafschaft Ravensberg Hauptort der zum Amt Sparrenberg gehörenden Vogtei Brackwede und im Königreich Westphalen eine Munizipalität im Kanton Brackwede. Nach dem Ende der napoleonischen Franzosenzeit nahm Preußen die Grafschaft Ravensberg und damit Brackwede wieder in seinen Besitz. Mit der Einführung der Westfälischen Landgemeindeordnung wurde schließlich im Dezember 1843 das Amt Brackwede im Kreis Bielefeld gebildet.Verordnung Nr. 101. In: Amtsblatt der Regierung Minden, 1. Februar 1844, S. 45; .
Nachdem 1849 an der Lutter die ersten gewerblichen Bleichen entstanden waren, siedelten sich weitere Industriebetriebe an, darunter eine Spinnerei, eine Glashütte und Maschinenfabriken. In der Folgezeit kam es zu zahlreichen weiteren Firmengründungen, die Brackwede zu einem wichtigen Standort der Industrie und des Handwerks machten. Verbunden mit der Industrialisierung war ein starkes Bevölkerungswachstum.
Die Gemeinde Brackwede erhielt am 5. Juli 1956 das Stadtrecht und schied 1959 aus dem Amt Brackwede aus. Durch das Gesetz zur Neugliederung des Kreises Wiedenbrück und von Teilen des Kreises Bielefeld wurden am 1. Januar 1970 die Gemeinden Ummeln, Quelle und Holtkamp sowie ein Gebietsstück der Gemeinde Isselhorst in die Stadt Brackwede eingegliedert.
Der Stadtbezirk Brackwede mini|Bezirksamt Brackwede Im Rahmen der kommunalen Neugliederung des Raums Bielefeld wurde die Stadt Brackwede am 1. Januar 1973 nach Bielefeld eingemeindet. In der vergrößerten Stadt Bielefeld wurde der Stadtbezirk Brackwede eingerichtet, bestehend aus dem Gebiet der Stadt Brackwede ohne das in das Gadderbaumer Tal hineinragende Industrie- und Wohngebiet (Spinnerei Vorwärts, Asta-Werke,Markenzeichen der Heilmittelindustrie. Marken-Arzneimittel. In: Münchener Medizinische Wochenschrift, 2. Januar 1953, Band 95, Nr. 1, S. XXXVIII (ASTA. Asta-Werke A.-G., Chemische Fabrik Brackwede (Westf.)) Astastraße) und ohne den Brackweder Anteil des Sennefriedhofs der bis dahin zu Senne I gehörigen Rosenhöhe mit dem damaligen Kreiskrankenhaus und der damaligen Kreisberufsschule einem kleineren Gebietsteil von Steinhagen im Raum Holtkamp.
Einwohnerentwicklung
mini|400px|Einwohnerentwicklung von Brackwede von 1812 bis 2017 - blau: Stadtbezirk Brackwede; rot: Ortsteil Brackwede
Stadtbezirk Brackwede Jahr Einwohner Quelle 2005 39.058 Angabe der Stadt Bielefeld, siehe ältere Lemmaversionen 2010 38.489 2013 38.575 2015 39.005 2017 40.455 2019 40.753 2022 41.123 2023 40.873 2024 41.410 Ortsteil Brackwede Die Einwohnerzahl der früheren Gemeinde und des heutigen Ortsteils Brackwede entwickelte sich seit 1812 wie folgt: Jahr Einwohner Quelle 1812 1.094 Westfalen unter Hieronymus Napoleon. 1812, S. 47; . 1843 1.704 1864 2.547 Topographisch-statistisches Handbuch des Regierungs-Bezirks Minden. 1866, S. 8; . 1890 5.764 1910 10.550 1925 11.943 1939 14.975 1946 18.702 Volkszählung 1946 (PDF) 1961 25.999 1966 27.621 2008 23.388 2015 23.827 Stadt Bielefeld. 2019 24.214 2022 24.244 Stadt Bielefeld. 2024 24.620
Religionen Im Stadtbezirk gibt es drei evangelisch-lutherische Kirchengemeinden, die alle zum Kirchenkreis Gütersloh gehören. Dies sind die Bartholomäus-Kirchengemeinde in Brackwede, deren Kirche das Wahrzeichen Brackwedes ist, die Ummeln und die Johanneskirchengemeinde Quelle-Brock. mini|Herz Jesu
Hinzu kommen die beiden katholischen Kirchengemeinden Herz Jesu Brackwede (1891 Filialgemeinde, 1920 Pfarrei) und Sankt Michael Ummeln (1955 Pfarrvikarie m.e. V.), die beide zum Dekanat Bielefeld-Lippe des Erzbistums Paderborn gehören. Gemeinsam mit den Gemeinden aus den Stadtbezirken Senne und Sennestadt bilden sie seit dem 1. Januar 2014 die katholische Pfarrei St. Elisabeth Bielefeld, nachdem sie vorher als Pastoralverbund organisiert waren.
Für die Angehörigen der Neuapostolischen Kirche im Stadtbezirk gibt es zwei Gemeinden, davon eine in Ummeln. Die Kirche der Gemeinde in Quelle steht unmittelbar jenseits der Stadtgrenze auf Steinhagener Gemeindegebiet.
Für muslimische Gläubige gibt es insgesamt drei Moscheen in Brackwede. An der Windelsbleicher Straße befindet sich die Vatan-Moschee und die Hicret-Moschee. An der Gaswerkstraße ist eine weitere Moschee zu finden.
Kirchenbuch Brackwedes Bartholomäus-Kirche war über Jahrhunderte Mittelpunkt des Kirchspiels Brackwede. Dieses umfasste die Orte und Bauerschaften Brackwede, Brock, Senne, Quelle, Sandhagen und Ummeln. Das Kirchenbuch wurde 1712/13 durch Pfarrer Franz Clamor Redeker angelegt. Die jeweils ersten Eintragungen lauten:
Taufregister vom 4. Dezember 1712: Ein „Peter Henrich“, Hußend auf dem Hof Olderdissen, lässt seinen Sohn auf den Namen „Joh. Henrich“ taufen. Heiratsregister vom 11. Januar 1713: „Herman Henke mit KranßJohans Witwe“ Sterberegister vom 2. Januar 1713: „Frantz Meyer auf Hinnenthales Hofe. seine Tochter“, das Alter der Tochter wird nicht angegeben.
Holtkamp gehörte seit jeher zum Kirchspiel Isselhorst.
Politik
Bezirksvertretung
In den 1950er, 1960er und 1970er Jahren war Brackwede aufgrund des hohen Arbeiter-Anteils durch die vielen Industriebetriebe eine Hochburg der SPD, die zum Teil über 60 % der Stimmen bei Kommunalwahlen auf sich vereinigen konnte. Aufgrund veränderter Strukturen konnte die CDU in einer bürgerlichen Koalition erstmals 1989 und danach bis 2009 den Bezirksvorsteher stellen. 1999, 2004 und 2009 wurde die CDU stärkste Partei in Brackwede. 2014 gewann die SPD mit 7 zu 5 mehr Sitze als die CDU, die FDP verpasste den Einzug in die Bezirksvertretung. 2020 wurde die CDU wieder stärkste kommunalpolitische Kraft.
Bei den Kommunalwahlen 2020 verlor die SPD über 16 % der Stimmen und wurde hinter der CDU, die auf 6 Sitze hinzugewann, nur noch zweitstärkste Partei mit 4 Sitzen. Ebenso viele Mandate errangen die Grünen. Die FDP zog mit 1 Sitz in die Bezirksvertretung ein, ebenso die AfD. Die Linke behielt ihren Sitz.
Bezirksbürgermeister Bezirksbürgermeister ist Vincenzo Copertino (CDU). Seine Stellvertreter sind Jesco von Kuczkowski (SPD) und Monika Macke (Grüne).
Ratsmitglieder Die Mitglieder im Rat der Stadt Bielefeld aus dem Stadtbezirk Brackwede sind Carsten Krumhöfner, Vincenzo Copertino, Aydin Özsan und Tim Pollvogt (alle CDU), die ihre Wahlkreise direkt gewinnen konnten. Miriam Welz, Friederike Reimers (SPD) ziehen über die Liste in den Rat der Stadt ein, ebenso Rainer Seifert (FDP), Klaus Feurich-Tobien (Grüne) und Cansu Akçay (Linke).
Städtepartnerschaften Zwischen Brackwede und der nordirischen Stadt Enniskillen besteht seit 1958 eine Städtepartnerschaft, in deren Rahmen ein jährlicher Schüleraustausch zwischen dem Brackweder Gymnasium und den Schulen aus Enniskillen stattfindet. Laut Wikipedia Enniskillen wurde die Partnerschaft mit Brackwede im Juni 2018 „förmlich beendet“. Nach anderen Quellen ist sie nicht tot, sondern ruht.Marus Poch: »Partnerschaft ist nicht tot, sie ruht«. In: Westfalen-Blatt, 29. Juli 2019, abgerufen am 19. August 2022. Auch der städtische Netzauftritt nennt davon nichts.
Außerdem übernahm Brackwede 1958 die Patenschaft für die Heimatvertriebenen aus Münsterberg in Schlesien.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bartholomäus-Kirche mini|Bartholomäus-Kirche
Das Wahrzeichen Brackwedes ist die evangelisch-lutherische Bartholomäus-Kirche. Sie wurde 1892 als kreuzförmige Saalkirche in neugotischen Formen erbaut. Die Untergeschosse des Turmes stammen vermutlich noch aus dem 16. Jahrhundert. Der Bau brannte 1990 vollkommen aus. Anschließend erfolgte der Wiederaufbau in der alten Form.
Fachwerkhaus Baumhöfener Bei dem lange Zeit verputzten Fachwerkhaus in der Hauptstraße 27 handelt es sich um das einstige Haupthaus des früheren Hofs Baumhöfener. Die übrigen Gebäude wurden nach Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung abgebrochen. Der Hofname Baumhüter (Boimhoder – Bömschlüter – Baumhüter – Baumhöffener) wird bereits 1556 im Ravensberger Urbar erwähnt. Aus dieser Zeit sollen auch Teile des Innengerüstes datieren; damit würde das Haus im Kern zu den ältesten noch erhaltenen Profanbauten Brackwedes und der näheren Umgebung zählen. 1811/12 wurden die Außenwände allerdings durch aus der Senne übertragene Fachwerkteile ersetzt.Hierfür fanden offenbar die Balken des Hauptgebäudes vom Hof Grundherm in der Grundheide Verwendung. Nach Versteigerung des Anwesens wurde das Gebäude an den Colon Johann Friedrich Baumhöfener verkauft, der es abbrechen und nach Brackwede schaffen ließ. Siehe hierzu: Horst Wasgindt, Hans Schumacher: Bielefeld-Senne. Band 1. Bielefeld 1989, S. 239. Der 1812 bezeichnete Dielentorbalken trägt die folgende Inschrift:Der Torbalken stammt ebenfalls vom Hof Grundherm. Im Zuge seines Wiedereinbaus wurden der Name und das ursprüngliche Baudatum entfernt und mit den Daten des neuen Eigentümers versehen. Vgl. Wasgindt und Schumacher, ebenda