mini|hochkant=1.5|Die Dorfkirche Unter Brüz (2012) Die evangelisch-lutherische Dorfkirche Unter Brüz (in der Literatur meist als Kirche in/von/zu Brüz behandelt) ist eine frühgotische Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert im Ortsteil Unter Brüz der mecklenburgischen Gemeinde Passow.
Geschichte Gutsherren Wie in der Stiftungsurkunde der Kirche zu Brüz von 1295 erwähnt, gehörten schon damals die Dörfer Brüz, Grambow, Diestelow und Sehlsdorf zum Kirchspiel, wobei Brüz über viele Jahre das größte war.MUB III. (1865) Nr. 2350. Das ist sicher mit auf den Standort von Kirche und Schule zurückzuführen, andererseits aber auch darin begründet, dass dem hier ansässigen Ritter von Bruseuisz (von Brüsewitz) viele Jahre die Ländereien mit den vier Dörfern gehörten. Nach den Regelungen der Verhältnisse im Jahre 1295 war die Kirche Brüz als ritterschaftliche Gründung, wohl besser eines ritterschaftlichen cultors, anzusehen. Vermutlich wurde sie von der etwas älteren Pfarre Benthen abgetrennt.Fred Ruchhöft: Die Entwicklung der Kulturlandschaft im Raum Plau-Goldberg im Mittelalter. Rostock 2001, S. 151. Das Kirchdorf Brüz entstand in einem nur teilausgebauten Dorf, wie die Direktorialvermessungskarte von 1768 belegt.
Wie lange die Familie hier gesessen hat, ist nicht belegt. Möglicherweise wurde der Besitz im 15. Jahrhundert von den stammverwandten von Weltzien übernommen. Diese waren gleichzeitig als Lokatoren des gleichnamigen Ortes in die Nachbarschaft gekommen. Im Jahr 1486 gingen das Dorf und Gut Brüz mit dem Kirchlehn und mit der halben Mühle zu Diestelow durch Verkauf zunächst an Wedige von Maltzahn auf Grubenhagen über. Der trat es 1491 an die mecklenburgischen Herzöge ab, die es mitsamt dem Kirchenpatronat bis 1711 behielten. Nach der Kaiserbede, einer Reichssteuer, von 1496 lebten zu dieser Zeit in Brüz insgesamt 50 Personen.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Dorf 1643 zerstört und die Bewohner vertrieben. Im Visitationsprotokoll von 1649 ist zur Kirche zu lesen: „das gantze … gebeude, weiland 18 Jahre offen gestanden. Das pfarrhauß ist abgebrannt, und wonet der Pastor ietzo in Heinrich Lindenbecks pfarrkaten in Grambow. Die Scheune zu diesem Hause ist auch niedergefallen. Die Küsterey ist auch weg, …“. Pastor Dionysis Schultze wurde 1621 eine Zeit lang seines Amtes entlaubt. Nach ihm folgte Martin Reinke aus Plau, der 1669 als 80-jähriger Greis emeritiert wurde. Durch die Verwüstungen wohnte Reinke ab 1646 in Grambow.
Durch Tauschvertrag kam Brüz 1711 an Major Jürgen Ernst von Petersdorff, der es schon 1712 an den Hauptmann Georg von Linstow auf Diestelow verkaufte.Wolf Lüdeke von Weltzien: Die von Pederstorff. 1624 bis 1778 in Mecklenburg. 1989, S. 229. 1744 ging der gesamte Besitz an die von dem Knesebeck aus Mirow über. Nach dem Beichtkinderverzeichnis von 1751 lebten in Brüz wieder 99 Personen. Ab 1781 wechselten öfters die Besitzer. Zunächst besaß es Peter Franz von Normann, dessen Name in einem Balken der Kirche verewigt ist. 1790 waren die Eigentümer von Meerheimb, 1796 von Reden, 1799 Ernst von Engel und 1803 von Flotow. Als weitere Besitzer von Brüz werden die von Schack, von Bassewitz und Hartwig von Preen genannt. Ab 1908 übernahm die Familie Lipke den Besitz. Sie hatte die Wirtschaft bis zu ihrer Enteignung nach Kriegsende 1945 geführt.
Pastorengeschichten Von 1769 bis 1810 war Franz Joachim Aepinius der Präpositus. In seinen letzten Amtsjahren hatte er heftigen Streit mit den Tagelöhnern in Sehlstorf, das damals zum Klosteramt Dobbertin gehörte, die die ihm zustehenden Abgaben verweigerten. So hatte jeder Eingepfarrte, der einen eigenen Herd besaß, ihm zu Weihnachten eine Wurst von einer Elle lang ins Pfarrhaus zu bringen. Die Tagelöhner klagten sogar vor dem Klosteramtsgericht in Dobbertin, als der Pfarrer 1810 eine eigenmächtige Gebührenerhöhung vornahm. Eine Kindtaufe kostete statt 32 Schillinge nun 40 Schillinge, die Begräbnisgebühren erhöhte er von 36 auf 40 Schillinge und für jede nicht gelieferte Wurst verlangte er 4 Schillinge. Nach Gerichtsentscheid hatten die Tagelöhner weiter nur die alten Gebühren zu zahlen.
Von 1810 bis 1822 war Friedrich Hückstädt Pastor in Brüz. Er kam auf sonderbare Weise ins Amt: Nach seinem missglückten Examen bat er den Superintendenten um ein Zeugnis über sein nicht bestandenes Examen. Damit erwirkte sein Freund, der Advokat Steinmann in Schwerin, eine Vokation für Hückstädt.Gustav Willgeroth: Die Mecklenburg-Schwerinsche Pfarre seit dem dreißigjährigen Kriege. Wismar 1925, S. 296–297. Das Dorf Unter Brüz hatte zu dieser Zeit – außer Kirche und Schule – nur noch vier Häuser. Am 18. Juni 1821 wurde der Ort durch einen Brand fast vollständig vernichtet. Der Pastor und seine Familie verloren alles bis auf „die wenigen Kleidungsstücke, die sie auf dem Leibe trugen.“ Das heutige Pfarrhaus wurde 1824 errichtet. Der Neuaufbau mit dem Gutshof erfolgte weiter südlich als Neu Brüz an der heutigen Chaussee.
Von 1853 bis 1888 war Carl Johann Friedrich Franz Bassewitz 35 Jahre lang Pastor in Brüz, Diestelow, Grambow und dem Klostergut Sehlstorf. Er studierte Theologie in Rostock. „Wegen wiederholten unbefugtem Badens in der Ostsee am Strande des Fischerdorfes Warnemünde, sowie wegen nicht genügenden Kollegienbesuches erhielt er das Consilium abeundi“, wurde also der Universität verwiesen. Er studierte weiter in Berlin und Leipzig. Danach war er Leiter einer Privatschule in Bützow und Wismar sowie Konrektor in Waren. Mit 79 Jahren verließ er 1888 das Pfarramt und zog nach Goldberg. Dort starb er mit 98 Jahren. Er war der älteste Korpsstudent Deutschlands.Ältester Korpsstudent Deutschlands (VfcG)LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 21. November 1888, Nr. 23. Gottfried Holtz war von 1931 bis zu seiner Ausweisung 1934 als Pastor der Dorfkirche tätig.
Baugeschichte mini|Nordwestansicht (2024) Nach der am 10. August 1295 in Parchim ausgestellten Stiftungsurkunde verliehen der Bischof Gottfried von Schwerin und Fürst Nicolaus II. von Werle dem Ritter Nicolaus von Bruseuisz (Brüsewitz) im Beisein mehrerer ritterlicher und geistlicher Zeugen den Sprengel und die Hebung der Kirche zu Brüz bei Goldberg und die Besitzungen und Hebungen der Pfarre und Küsterei daselbst.MUB (1865) Nr. 2350. So könnte mit dem Bau der massiven Mauern von Turm und Langhaus schon vor Ausstellung der Stiftungsurkunde begonnen worden sein, denn in der Urkunde werden schon zwei Altäre der Kirche erwähnt. Um 1250 wurde Hermann Westfal als Geistlicher in Brüz genannt; 1295 waren Joannis und Johannis dort Prediger und bis 1350 Arnold und Johann von Schönberg als Pastoren tätig.
In ihrem Äußeren ähnelt die Kirche denen im nahen Benthen (1267) und in Frauenmark (1230), wenn sie auch keine Apsis hat und neben den romanischen Rundbögen hier der frühgotische Spitzbogen angedeutet wird. Es handelt sich bereits um den Übergangsstil.
Im Visitationsprotokoll von 1557 ist zu lesen: . Es könnte sich bei dieser Sakristei um den 1850 erneuerten Anbau an der Südwand des Chores handeln.
Im Frühjahr 1648 stürzte bei einem Sturm der alte, wesentlich höhere Kirchturm mit dem Spitzhelm auf das Kirchendach und durchbrach die Dachkonstruktion. Dabei wurde das Langhaus mit den Deckengewölben sowie das Gestühl und Inventar zerstört. Im Kirchenvisitationsprotokoll vom 5. Oktober 1649 ist dazu vermerkt: Weiter wurde berichtet: . Demzufolge war der Chor schon vorher mit Ziegeln eingedeckt, während das Langhaus zuerst ein Rohr- oder Schindeldach hatte und wahrscheinlich in den Jahren von 1650 bis 1665 mit Tonziegeln eingedeckt wurde. Das Gestühl wurde wohl 1665 hergestellt, jedenfalls ist in einer Bank diese Jahreszahl eingeschnitten. Ansonsten wurden offensichtlich keine Renovierungen vorgenommen, denn im Beichtkinderverzeichnis von 1704 erwähnte der Brüzer Pastor Enoch Zander, dass .
Der Turm in seiner heutigen Form wurde 1770 errichtet. Am 22. November 1794 schreibt der Brüzer Präpositus Franz Joachim Aepinus im Kirchenbuch zu den Hand- und Spanndiensten: Dabei wurde wohl auch der Ostgiebel ausgebessert. Über dem Kirchenschiff mussten an der Stelle der beiden 1649 zerstörten Gewölbe lange Eichenbalken eingezogen und eine Flachdecke verlegt werden. Diese Arbeiten konnten 1821 abgeschlossen werden. Vom großen Brand im Dorf im selben Jahr blieb die Kirche verschont.
Pastor Ludwig Johann Carl Fentzahn (geb. 1860) setzte sich beim Geheimen Hofrat Friedrich Schlie in Schwerin dafür ein, dass im November 1900 auch der Ostgiebel der Brüzer Kirche fotografiert und in den Kunst- und Geschichtsdenkmälern des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin veröffentlicht wurde.Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Brüz. 1901, S. 403. Nach Information des Pastors Ernst Wilhelm Max Bardey (1906–1989) vom 7. Mai 1940 an die Denkmalpflege in Schwerin wurde mit Erlaubnis der Patronin Frau Lipke durch den Goldberger Kunstmaler Heinrich Eingrieber im Chorbereich an einer medaillonförmigen Stelle unter der Kalkschicht ein Heiligenbild mit darunter anhängendem Weihekreuz zum Teil freigelegt.LAKD, Akte Brüz, 10. V. 1940, Nr. 117. Nach dem Abschluss der Sanierung des einsturzgefährdeten Pfarrhauses konnte Ende 1950 Pfarrer Wilhelm Krell aus Goldberg einziehen und seine seelsorgerische Tätigkeit aufnehmen.
Die letzte größere Renovierung der Kirche erfolgte von 1957 bis 1963 unter dem damaligen letzten ortsansässigen Pastor Wilhelm Krell. Am 3. Mai 1957 informierte er das Institut für Denkmalpflege in Schwerin , bat dabei um finanzielle Unterstützung und um Hilfe bei der Suche Ev. luth. Pfarre Brüz, Post Goldberg, Pastor Krell am 3. Mai 1957 an das Institut für Denkmalpflege Schwerin, betr. Renovierung der Kirche zu Brüz. Mit der Dachsanierung und Neueindeckung wurden 1961 auch die Fenster neu verglast. Im Inneren fügte man nach Abbruch der Patronatsloge die beiden hinteren Emporen an die Orgelempore im Langhaus an. Der Altar bekam nach Entwürfen vom Rostocker Maler und Restaurator Lothar Mannewitz eine dem damaligen Empfinden entsprechende Gestalt. Ein neues Christusbild und handgeschmiedete Leuchter zieren ihn. Mit der neuen elektrischen Lichtanlage 1961 wurden auch die als Wandbeleuchtung installierten „Nachttischlampen“ entfernt und das Gebläse der Orgel und des Läutewerkes angeschlossen.Dr. Baier vom Institut für Denkmalpflege am 29. April 1961 an das Pfarramt in Brüz. Nach Befürwortung durch das Institut für Denkmalpflege für die „Zuteilung des erforderlichen Holzes“ konnte noch 1961 die Holzdecke aufwändig saniert werden. Der gesamte Innenraum erhielt wieder einen weißen Kalktüncheanstrich, im Chor wurden die Eckdienste, Schildbögen und Rippen in hellem Ziegelton gestrichen und das Gestühl erhielt einen hellen, leicht nach grün gebrochenen grauen Farbanstrich. Am 17. November 1963 weihte Landesbischof Niklot Beste die erneuerte Kirche wieder ein.
Ab Sommer 2022 soll mit den notwendigen Sicherungs- und Sanierungsarbeiten an der Dachkonstruktion und dem Mauerwerk des Turms begonnen werden.
Äußeres mini|Die Ostseite der Kirche (2024) Das nur aus Feldsteinen gemauerte einschiffige Langhaus hat zu beiden Seiten zwei gestaffelte romanische Dreifenstergruppen mit Spitzbogenblenden. Diese deuten den Übergangsstil von der späten Romanik zur frühen Gotik an. Ein über alle drei Lichtöffnungen geführter großer Rundbogen könnte als Sinnbild für die Dreieinigkeit verwandt worden sein. Besonders kunstvoll wirken die Pfeiler zwischen den Fenstern, die sowohl außen als auch innen als Halbsäulen eingefügt wurden. So hat das Kirchenschiff zwölf Fenster, symbolisch für die Jünger Jesu. Das am weitesten vom Altar entfernte Fenster an der Nordwand ist zugemauert, es soll wohl an Judas Iskariot erinnern. Auf beiden Seiten befinden sich unter den Fenstern mit Backsteinen vermauerte Stufenportale.