Haardorf ist ein Ortsteil der Stadt Osterfeld im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt.
Lage Haardorf befindet sich südwestlich der Stadt Osterfeld und östlich von Goldschau in einem landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebiet an der Landesstraße 190.
Geschichte Das Dorf wurde 1350 erstmals urkundlich als Hordorf erwähnt.Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 346Jürgen K. Fischer: Mittelalter Mitteldeutschland. Ereignisse und Ortsnamen, JKF Selbstverlag Elsteraue, Elsteraue 2016, ISBN 978-3-9815211-2-2, S. 308
Eine von Herzog August von Sachsen-Weißenfels in Auftrag gegebene statistische Erhebung aus dem Jahr 1663 ergab für Haardorf eine Einwohnerzahl von 56 Personen, die auf 12 Bauerngüter und ein bebautes Gartengrundstück verteilt lebten.Heimatverein Osterfeld e.V. (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt 33, Osterfeld 2011, S. 7 Bis ins 18. Jahrhundert stieg die Zahl der Grundstücke auf 20. Im Jahr 1852 betrug die Einwohnerzahl 148 Personen und sollte bis 1905 auf 440 steigen, ehe bis 1971 ein Schwund auf 351 Personen einsetzte.Heimatverein „Haardorf 1999 e.V.“ (Hrsg.): 650 Jahre Haardorf. 150 Jahre neuromanische Kirche, Haardorf 1999, S. 17 ff.
Während der Deutschen Revolution engagierte sich Theodor Held, damals Hauslehrer auf dem örtlichen Rittergut, für politische Reformen. Er wurde im November 1848 verhaftet und zu sechs Jahren Festungshaft verurteilt.Heimatverein „Haardorf 1999 e.V.“ (Hrsg.): 650 Jahre Haardorf. 150 Jahre neuromanische Kirche, Haardorf 1999, S. 41 ff.
Von 1849 bis 1867 diente die südöstlich von Haardorf gelegene Grube 111 der Gewinnung von Schwelkohle. Zur örtlichen Verarbeitung ging 1864 eine Teerschwelerei in Betrieb.Heimatverein „Haardorf 1999 e.V.“ (Hrsg.): 650 Jahre Haardorf. 150 Jahre neuromanische Kirche, Haardorf 1999, S. 19 ff.
Von 1857 bis 1865 wurde vor Ort die Separation durchgeführt.Heimatverein „Haardorf 1999 e.V.“ (Hrsg.): 650 Jahre Haardorf. 150 Jahre neuromanische Kirche, Haardorf 1999, S. 20
Vom 10. Juli 1945 bis 1. April 1946 gehörte Haardorf zunächst zur Gemeinde Goldschau und wurde am 1. Juli Waldau angegliedert.Heimatverein „Haardorf 1999 e.V.“ (Hrsg.): 650 Jahre Haardorf. 150 Jahre neuromanische Kirche, Haardorf 1999, S. 24 ff.Heimatverein „Waldau e.V.“ (Hrsg.): 750 Jahre Waldau, Waldau 2006, S. 20 Die neu entstandene Gemeinde trug die Gemeindenr. 082032 und gehörte dem Kreis Zeitz im Bezirk Halle an.Heinz Adomeit (Hrsg.): Ortslexikon der Deutschen Demokratischen Republik, Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1974, S. 444 Am 20. Juli 1952 entstand in Haardorf die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft des Landkreises.Heinz Niedhold: Stätten der Arbeiterbewegung. Nach der 2. Parteikonferenz bis zum Jahresende 1954. In: Kulturbund der DDR, Ortsgruppe Osterfeld (Hrsg.): Osterfelder Kultur- und Heimatblatt Nr. 8, Osterfeld 1987, S. 295 ff. (fortlaufende Nummerierung ab Ausgabe 1)
Zum 1. Januar 2010 wurde die Gemeinde Waldau im Zuge der Gemeindegebietsreform durch die Stadt Osterfeld eingemeindet.StBA: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010, abgerufen am 13. Mai 2020
Bildungs- und Erziehungswesen Die für Haardorf zuständige Schule befand sich zunächst in Lissen, ehe 1832 ein eigenes Schulgebäude errichtet und ein Jahr später in Benutzung genommen wurde. Erster Lehrer war Karl Sylvester Becker, der vor Ort bereits als Hauslehrer gewirkt hatte. 1869 wurde ein neues Schulhaus erbaut. Die Gebietsreform von 1950 führte auch zum Zusammenschluss der Schulen von Haardorf und Waldau, sodass nur noch der Unterricht für die Unterstufe in Haardorf stattfand. 1969 wurde der Schulstandort gänzlich geschlossen,Heimatverein „Haardorf 1999 e.V.“ (Hrsg.): 650 Jahre Haardorf. 150 Jahre neuromanische Kirche, Haardorf 1999, S. 40 ff. das Gebäude dient seitdem als Wohnhaus.Heimatverein „Haardorf 1999 e.V.“ (Hrsg.): 650 Jahre Haardorf. 150 Jahre neuromanische Kirche, Haardorf 1999, S. 33
Der Kindergarten Haardorf besteht seit dem 29. September 1951. In selbigen wurden 1993 auch die seit 1964 separat bestehende KinderkrippeHeimatverein „Haardorf 1999 e.V.“ (Hrsg.): 650 Jahre Haardorf. 150 Jahre neuromanische Kirche, Haardorf 1999, S. 49 sowie der Kindergarten Waldau integriert.Heimatverein „Waldau e.V.“ (Hrsg.): 750 Jahre Waldau, Waldau 2006, S. 72
Auf dem Gelände des ehemaligen Rittergutsgartens wurde 1957 ein Sportplatz errichtet.Heimatverein „Haardorf 1999 e.V.“ (Hrsg.): 650 Jahre Haardorf. 150 Jahre neuromanische Kirche, Haardorf 1999, S. 25
Tourismus Nördlich von Haardorf verlief die Bahnstrecke Zeitz–Camburg, die im Jahr 2000 stillgelegt wurde. Auf der Bahntrasse wurde ein asphaltierter Radweg eingerichtet, welcher sich von Zeitz bis Camburg erstreckt, dieser wurde 2020 fertiggestellt (Zuckerbahn-Radweg).
Kirche Haardorf hatte vermutlich bis ins frühe 16. Jahrhundert einen eigenen Pfarrer, wurde aber infolge der Reformation 1541 der Kirchgemeinde Lissen zugeordnet. Die örtliche Kirche wurde wegen Baufälligkeit fast völlig neuerrichtet und ab 1600 genutzt. Die Kirchgemeinde wird in Quellen aus dem 16. und 18. Jahrhundert als sehr vermögend beschrieben.Heimatverein „Haardorf 1999 e.V.“ (Hrsg.): 650 Jahre Haardorf. 150 Jahre neuromanische Kirche, Haardorf 1999, S. 16 ff.
1849 erfolgte an einem anderen Standort die Einweihung der heute noch bestehenden neuromanischen Kirche, das alte Gotteshaus wurde 1851 abgerissen.Heimatverein „Haardorf 1999 e.V.“ (Hrsg.): 650 Jahre Haardorf. 150 Jahre neuromanische Kirche, Haardorf 1999, S. 30 ff.
Im Jahr 2020 wurde die Kirche im Rahmen des Projekts Landgut-Kulturgut 2020 zur Klangkirche Haardorf umgestaltet und unter dem Motto „Rock my Soul – Klangkirche Haardorf“ eröffnet. Ziel des Projekts war die Förderung des kulturellen Lebens im ländlichen Raum durch die Entwicklung neuer Nutzungskonzepte für sakrale Gebäude. Die Maßnahme wurde von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sowie durch das Bundesprogramm Ländliche Entwicklung (BULE) gefördert.
Ebenfalls im Jahr 2020 erfolgte die Restaurierung der historischen Orgel. Sie gilt als die älteste erhaltene Orgel der Orgelbauanstalt Wilhelm Rühlmann und besitzt damit eine besondere Bedeutung für die mitteldeutsche Orgelbaugeschichte. Die Klangkirche dient seither als Veranstaltungsort für musikalische, kulturelle und kirchliche Angebote.
Persönlichkeiten Hans Friedrich von Brandt (1596–1657), Geheimer Rat und Hofrichter Paul Schreck (1892–1948), Politiker (KPD), geboren in Haardorf
Weblinks
Haardorf auf der Website der Verwaltungsgemeinschaft Wethautal
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Burgenlandkreis Kategorie:Geographie (Osterfeld, Sachsen-Anhalt) Kategorie:Ersterwähnung 1350 Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Burgenlandkreis) Kategorie:Gemeindeauflösung 1950