mini|Siedlungsgebiete der Kurden laut CIA 2002
Die Gründung der PKK fiel in eine Zeit politischer Radikalisierung. Die PKK entstand als Strömung im Umfeld der türkischen Gruppe Dev Genc.Eine Hausarbeit aus dem Jahre 1997, veröffentlicht bei der Informationsstelle Kurdistan unter dem Titel Zur Geschichte und Politik der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Zugriff am 20. September 2012. Mitte der 1970er Jahre legte die kurdische Linke ihre Schwerpunkte auf die Tatsache der Unterentwicklung der von Kurden bevölkerten Regionen und erachtete es bald als notwendig, sich unabhängig von der türkischen Linken zu organisieren.Die Angaben sind dem Werk Türkei-Turquie der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH), Bern, April 1997 entnommen. Sie sind in einem Wiki als Seite zur PKK zu finden, Zugriff am 20. September 2012. Von 1973 bis 1978 trat diese Strömung/Bewegung als Kürdistan Devrimcileri (Kurdistan Revolutionäre) auf. Von großer Bedeutung schon in der Gründungsphase war die Rolle des späteren PKK-Generalsekretärs Abdullah Öcalan. Wichtige Funktionäre aus der Frühzeit der PKK sind und waren: Abdullah Öcalan, Cemil Bayık, Duran Kalkan, Mazlum Doğan, Ali Haydar Kaytan, Mehmet Şener, Sakine Cansız, Çetin Güngör, Kesire Yıldırım, Mustafa Karasu, Süphi Karakuş, Resul Altınok, Haki Karer, Kemal Pir, Şemdin Sakık.
Organisationsgründung Am 27. November 1978 gründeten 25 Personen unter der Leitung von Öcalan die PKKBericht in ZEIT online, QuellesDie Zeit, 26. November 1998 Nr. 49 im Dorf Ziyaret bei Lice in der Provinz Diyarbakır. Abdullah Öcalan wurde als Generalsekretär und Cemil Bayık als Vize-Sekretär gewählt. Mehmet Karasungur wurde der Verantwortliche für militärische Angelegenheiten, Mehmet Hayri Durmuş, Baki Karer und Şahin Durmuş wurden Verantwortliche für organisatorische Belange. Auf ihrem Gründungskongress am 26./27. November 1978 verabschiedeten die PKK eine grundlegende Schrift Der Weg der Revolution Kurdistans und ein Programm, das bis 1995 Gültigkeit hatte.
Ursprüngliches Ziel der marxistisch-leninistisch geprägten PKK war die Errichtung eines unabhängigen Staats „Kurdistan“.Zitiert aus dem , Zugriff am 20. September 2012. Als zentrales Problem Kurdistans wurde eine doppelte Unterdrückung gesehen: Eine nationale Unterdrückung durch den türkischen Staat und die ihn unterstützenden imperialistischen Mächte und eine Unterdrückung der Demokratie durch die feudalen inner-kurdischen Strukturen. Dem Kampf gegen nationale Unterdrückung wurde Vorrang eingeräumt. Träger der kurdischen Revolution sollten Arbeiter, arme Bauern und die kurdische Jugend sein.Selahettin Çelik: Den Berg Ararat versetzen. Die politischen, militärischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Dimensionen des aktuellen kurdischen Aufstands. Zambon Verlag, Frankfurt 2002, ISBN 3-88975-100-8, S. 40 ff. Der soziale Kampf der Arbeiterklasse und auch der Bauernschaft müsse zunächst gegenüber dem nationalen Kampf zurückstehen. So steht im Gründungsprogramm der PKK: .Zitiert nach einer Analyse von Ute Reissner und Justus Leicht , Zugriff am 20. September 2012.
Die ersten Jahre Die PKK legte von Anfang an ihren Schwerpunkt auf militante Aktionen und versuchte eine Widerstandsbewegung gegen die kurdischen Landbesitzer (die als Agha bekannten Großgrundbesitzer) und die herrschenden Kurdenführer aufzubauen.verfassungsschutz-mv.de: abgerufen am 26. September 2006. Im Jahre 1979 kam es in der Region Siverek-Hilvan in der Provinz Şanlıurfa zu Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen kurdischen Stämmen. Die PKK griff zugunsten enteigneter Aghas ein, da sie deren Gegner ohnehin als Feinde betrachtete. Bei den folgenden Kämpfen kamen mehrere Hundert Menschen zu Tode.Lothar Heinrich: Die kurdische Nationalbewegung in der Türkei. Deutsches Orient-Institut Hamburg 1989, S. 47. Selbst wenn die Ereignisse in Urfa wie ein Kampf unter Stämmen aussah, so dienten sie auch dazu, dass die PKK Erfahrungen mit Waffen vertiefte. Die Organisation war auch in einen Krieg mit anderen kurdischen Gruppen wie den Nationalen Befreiern von Kurdistan (KUK) und der Union der Nationalen Demokratischen Kräfte (UDG) verwickelt.Vgl. İsmet G. İmset: PKK: 20 Jahre separatistischer Gewalt (PKK: Ayrılıkçı Şiddetin 20 Yılı) (1973–1992), Ankara, Juni 1993, ISBN 975-95711-0-2, S. 59/60.
Schon vor dem Militärputsch 1980 kam es zu Massenverhaftungen von Angehörigen der PKK.İsmet G. İmset: PKK: 20 Jahre separatistischer Gewalt (PKK: Ayrılıkçı Şiddetin 20 Yılı) (1973–1992), Ankara, Juni 1993, S. 67. 1979 wurden fast alle Elazığ-Kader der PKK festgenommen. Şahin Dönmez, Mitglied des Zentralkomitees, machte umfangreiche Aussagen zur PKK. Öcalan erklärte, dass die Organisation ins Ausland gehen müsse. Im Juli 1979 reiste er nach Beirut im Libanon, wo ihm Adel Murad von der PUK bei der Reorganisation der PKK im Ausland half. Er ließ ihn 3 Monate bei ihm wohnen und besorgte ihm einen Reisepass und Kontakte bei der DFLP. Die DFLP lieferte der PKK die ersten Waffen und erklärte sich bereit Kämpfer der PKK zu trainieren, worauf Dutzende von Kämpfern der PKK von der Türkei in den Libanon einreisten. Später reiste er mit Ethem Akçam, der in Syrien Verwandte hatte, nach Syrien. Nach dem Militärputsch 1980 folgten ihm viele Kader. Rund 2000 Mitglieder der Organisation landeten im Gefängnis. Die Militärs glaubten damals, sie hätten der PKK den Todesstoß versetzt. Doch Öcalan organisierte die Gruppe im Exil neu.Birgit Cerha: Gewalt gegen Gewalt. Die PKK und ihr Führer Abdullah Öcalan. In: NZZ Folio. 11/93, Thema: Kurden. Als die vielen neu ankommenden PKK-Kämpfer die Trainingskapazitäten der DFLP überstieg, erreichte Öcalan, dass die Kämpfer in Trainingscamps von palästinensischen Gruppen wie der Fatah von Jassir Arafat, der PFLP und der PSF aufgenommen und trainiert werden.
1982 kämpften Einheiten der PKK auf palästinensischer Seite gegen den Einmarsch der israelischen Armee in den Libanon. Dabei starben elf Kader.Die Angaben sind einem Bericht der Informationsstelle Kurdistan (ISKU) Chronologie der kurdischen Geschichte entnommen. Verantwortlich zeichnet ein Ercan Ayboga vom Verband der Studierenden aus Kurdistan; Zugriff am 21. September 2012. Dieser Einsatz schaffte aber die Voraussetzung für die Übernahme des „Camps Helve“ 1986 in der Bekaa-Ebene im Libanon. Öcalan benannte es mit Duldung Syriens in „Mahsum-Korkmaz-Akademie“ um. Dort wurden nun Mitglieder der PKK politisch und militärisch geschult. Zu dieser Zeit umfasste die Kaderstärke der PKK 300 Personen, die eine praktische Ausbildung erfahren hatten.Vgl. Selahattin Çelik: Den Berg Ararat versetzen. Zit. in: Serdar Yilmaz: Kurdischer Nationsbildungsprozess. S. 64 (Diplomarbeit; PDF; 3,5 MB), abgerufen am 27. Oktober 2018.
Die ersten Kongresse mini|Flagge der PKK von 1978 bis 1995 Auf dem ersten Parteikongress der PKK, der vom 15.–26. Juli 1981 an der syrisch-libanesischen Grenze stattfand, wurde ein allgemeines Resümee der letzten Jahre gezogen. Die ganze Partei unterzog sich einer Selbstkritik. Diese Selbstkritik öffnete den Weg für die Zusammenarbeit mit sieben anderen linken Organisationen in der FKBDC (Einheitsfront des antifaschistischen Widerstandes). Der FKBDC gehörten neben der PKK, Devrimci Yol (Revolutionärer Weg). TKEP (Türkiye Komünist Emek Partisi, Kommunistische Arbeiterpartei der Türkei), THKP/C Acilciler, TKP (İşçinin Sesi, Stimme des Arbeiters), SVT (Sosyalist Vatan Partisi, Sozialistische Vaterlandspartei), TEP (Türkiye Emekçi Partisi, Türkische Partei des Werktätigen) und DS (Devrimci Savaş, Revolutionärer Krieg) an.Zitiert nach der Anklageschrift gegen Abdullah Öcalan, Teil 9 zu finden bei Belgenet; Zugriff am 21. September 2012. Zwischen dem 20. und 25. August 1982 hielt die PKK in Syrien nahe an der Grenze zu Jordanien einen 2. Kongress ab. Es wurde wieder Selbstkritik bezüglich ihrer bisherigen Politik geübt, die zur Zusammenarbeit mit der FKBDC führte. Zweitens wurde die Rückführung der Mitglieder vom Ausland in die Ost-Türkei beschlossen.
Im Jahre 1983 unterzeichneten die PKK und die PDK in Anbetracht der militärischen Operationen der Türkei im Nord-Irak ein Abkommen über Zusammenarbeit. Am 15. August 1984 gründete sie die HRK (Hezen Rızgariya Kürdistan – Befreiungseinheit Kurdistan) und begann gleichentags ihren bis heute (Stand November 2018) andauernden bewaffneten Kampf gegen den türkischen Staat. Die Städte Eruh (Dihê) und Şemdinli (Semzînan) wurden kurzfristig besetzt. Das Militär und die politische Elite in Ankara glaubten anfangs noch, der Vorfall von Eruh sei das Werk einer kleinen Schar von Banditen, von denen man nicht wieder hören werde, aber das sollte sich als Irrtum herausstellen.Aus einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 15. August 2009 mit dem Titel Der Imrali-Faktor; Zugriff am 21. September 2012.
Zu Beginn gab es nur wenige Kampfhandlungen. Dabei sollen 1984 28 Militante und 1985 100 Militante getötet worden sein. İsmet G. İmset bezeichnet diese Zeit als İsmet G. İmset, PKK, Ayrılıkçı Şiddetin 20 yılı (20 Jahre separatistischer Gewalt), Ankara, Juni 1993, S. 114. Es wird geschätzt in der türkischen Presse geschätzt, dass 1500 Menschen organisations-internen Hinrichtungen zum Opfer fielen.Vgl. einen Bericht von Namık Durukan in Milliyet vom 14. Februar 2006: PKK'dan 1500 infaz. Der Bruder von Abdullah Öcalan, Osman Öcalan, der sich 2004 von der PKK trennte, gab an, dass allein bei einem Ereignis im Jahre 1987 68 führende Kader erhängt wurden.Das berichtete das Internet-Portal Istanbul Haber am 8. Februar 2012 unter dem Titel: Öcalan PKK'nın örgüt içi infazlarını anlattı; Zugriff am 21. September 2012. Neben den Morden auf der „oberen Ebene“ soll es auch in den Reihen der militanten (bewaffneten) Mitglieder immer wieder zu Hinrichtungen als „Verräter“ gekommen sein und das häufig aus banalen Gründen wie vermeintliche Beziehungen von männlichen zu weiblichen Guerilla-Kämpfern. Zur Unterstützung wurde am 21. März 1985 der politische Flügel ERNK (Eniya Rızgariya Netewa Kürdistan – Nationale Befreiungsfront von Kurdistan) gegründet. Sie existierte bis 2000 und wurde dann durch eine andere Organisationsstruktur ersetzt. Die ERNK war die politisch arbeitende Frontorganisation der PKK. Ihr gehörten eine Vielzahl von gesellschaftlichen Organisationen an, Arbeiter-, Jugend- und Frauenorganisationen, aber auch verschiedene religiöse Interessengruppen der Islamisten, Aleviten, Jesiden, Assyrer sowie später Berufsorganisationen.
Zwischen dem 26. und 30. Oktober 1986 wurde der 3. Kongress im Libanon abgehalten. Man beschloss die Ausweitung des bewaffneten Kampfes und ersetzte die HRK durch die ARGK (Arteşe Rızgariye Gele Kürdistan – Volksbefreiungsarmee von Kurdistan). Auf dem dritten Parteikongress wurden zudem auch die allgemeine Wehrpflicht, Steuerpflicht und ein eigenes Strafgesetz beschlossen. Auch der Führungsanspruch der PKK auf ganz Kurdistan wurde zum Ausdruck gebracht. Als vordringliches Ziel wurde die Beseitigung des Dorfschützersystems beschossen.Lothar A. Heinrich: Die kurdische Nationalbewegung in der Türkei. Deutsches Orient-Institut Hamburg 1989, S. 56. In der Folge griff die PKK in der folgenden Saison kurdische Dörfer an, in denen Dorfschützer lebten. Die bekanntesten Fälle sind die Massaker von Pınarcık, Açıkyol und Kılıçkaya, denen zahlreiche Männer, Frauen und Kinder zum Opfer fielen.
Im Jahre 1987 wurde die Union Patriotischer Frauen Kurdistans (Yekitiya Jinên Welatparezên Kurdistan) gegründet.