Joachim Ulrich von Rosenfeld (* 28. Oktober 1525 in Lusdorf; † vor 1591) war Hauptmann der Herrschaft und der Stadt Reichenberg in Nordböhmen. Er trug wesentlich dazu bei, dass aus dem bescheidenen Städtchen, das damals unter der Herrschaft der Herren von Redern stand, eine ansehnliche Stadt wurde.J. G. Herrmann Geschichte der Stadt Reichenberg, 1. Band Verlag von Franz Jannasch, Reichenberg 1863, S. 205 Wegen seiner Verdienste für die Entwicklung der Stadt wurde er 1565 mit dem Prädikat „von Rosenfeld“ in den erblichen böhmischen Adelsstand erhoben. Er blieb selbst ohne dauernde Nachkommenschaft, seine Familie – seine Brüder und deren Nachkommen – spielten jedoch eine wichtige Rolle in der Geschichte der Stadt Reichenberg.
Herkunft mini|Wappen der schlesischen von Redern/Rödern
Der Überlieferung nach stammte Joachim Ulrich von Rosenfeld von „armen Eltern“, die ihn zur Schule anhielten. Ein etwas anders Bild ergibt sich jedoch aus der von ihm verfassten Autobiographie. Dort hält er fest, dass er 1558 „von meinem gnädigen Herrn Vater“Zitat aus der Autobiografie des Ulrich von Rosenfeld wiedergegeben in J. G. Herrmann Geschichte der Stadt Reichenberg S. 206 zum Hauptmann der Stadt Reichenberg ernannt wurde.
Bei diesem „gnädigen Vater“, der Joachim Ulrich zum Hauptmann der Herrschaft Reichenberg ernannte, konnte es sich zweifellos nicht um einen armen Bürger der Stadt handeln, sondern nur um den Besitzer der entsprechenden Herrschaftsrechte. Der Besitzer dieser Rechte war jedoch damals laut Verkaufsurkunde der Herrschaft Friedland vom 1. April 1558 Herr Friedrich von Redern zu Ruppersdorf, kaiserlicher Rat und Vizedom in Ober- und NiederschlesienJ. G. Herrmann op. cit. S. 196 Daraus ergibt sich, dass der leibliche Vater von Joachim Ulrich – und wohl auch seiner beiden Brüder – denn diese zählten, trotz „armer Eltern“, bereits um 1550 zu den reichsten Brauhöfern der Stadt und übten dort wichtige Ämter aus – Friedrich von Redern war.
Dies wird durch den Umstand erhärtet, dass Joachim Ulrich seine Autobiografie, in der er auf seine Verdienste für die Stadt Reichenberg und auch auf seine Herkunft näher einging, zu seinen Lebzeiten geheim hielt. Damit aber sowohl seine Verdienste für die Entwicklung der Stadt Reichenberg als auch seine vornehme – wenn auch illegitime – Herkunft festgehalten, aber erst lange nach seinem Tod bekannt würden, ließ er seine Biografie in die Turmkapsel einschließen, die anlässlich der Erneuerung der Dekanatskirche in Reichenberg mit anderen Dokumenten am 20. September 1582 auf den Turm aufgesetzt wurde. Dies zeigt, dass ihm das Festhalten dieser historischen Tatsache wichtig war, er sich zugleich aber bewusst war, dass seine Herkunft der Öffentlichkeit gegenüber verborgen bleiben musste.
Friedrich von Redern entstammte einer schlesischen Adelsfamilie, die auf Ruppersdorf (heute Wyszonowice) bei Breslau ansässig war. mini|Melchior Freiherr von Redern, Halbbruder des Joachim Ulrich von Rosenfeld Friedrich der Ältere von Redern starb 1564 als kaiserlicher Rat und Erster schlesischer Kammerpräsident, er war Herr auf Friedland, Reichenberg und Seidenberg sowie Herr auf Tost in Oberschlesien (heute Toszek im Powiat Gliwicki in Polen), Peiskretscham und Ruppersdorf.Nach Sommersberg: „Schlesische Chronik“ S. 425 zitiert in Dr. J. G. Herrmann op. cit. S. 204, Anm. 229 Aus seiner Ehe mit Salomea von Schönaich hatte er vier Söhne, darunter Melchior Reichsfreiherr von Redern (* 1555, † 1600), Georg und Christoph († 3. September 1591)Nähere Details zur Familie von Redern siehe Artikel „Redern“ in Wikipedia Der Name und die Herkunft der Mutter von Joachim Ulrich von Rosenfeld – die wohl aus einfachen Verhältnissen stammte – sind unbekannt, da er sie nicht in seiner Biografie erwähnt.
Leben Jugend Der von ihm verfassten Autobiografie sind folgende Details zum Leben des Joachim Ulrich von Rosenfeld entnehmen:
Nach Absolvierung der Schule trat er in den Dienst des „alten Gottscher“ (von Schaffgotsch?) zu Friedeberg, ging dann nach Böhmen, um die tschechische Sprache zu erlernen und 1545 nach Polen, wo er im Dienste eines polnischen Adeligen namens Wleschko stand, der mit dem Städtchen Belsko im Streit lag. Im Jahre 1548 wurde er im Auftrag von Sigismund I. König von Polen (1506–1548) aus dem Haus der Jagiellonen mit einer berittenen Begleitmannschaft nach Russland geschickt, um einige Wägen mit Schießpulver nach Podolien (historisches Gebiet in der südwestlichen Ukraine und im nordöstlichen Moldawien) zu begleiten, wo es zahlreichen Kämpfe gegen die Tataren des Osmanischen Reiches gab, wobei sich besonders der Schlesier Bernhard von Prittwitz († 1561), bekannt als 'Terror Tartarorum' ('der Schrecken der Tataren') auszeichnete.Details siehe Wikipedia, Artikel Podolien
mini|Markgraf Albrecht von Brandenburg-Kulmbach, Zeitgenössische Darstellung Im Jahr 1549 trat er in die Dienste des Markgrafen Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach (* 1522, † 1557), regiert (1541–1554) und war einige Jahre lang Mitglied seines Hofstaates, erst in Schlesien, dann auf der Plassenburg (über der Stadt Kulmbach). In dieser Zeit kam es 1552 zum Fürstenaufstand zur Verteidigung der „teutschen Libertät“, d. h. der Freiheit des Adels und der Ausübung des Protestantismus gegen Kaiser Karl V. Sein Dienstherr Markgraf Albrecht Alcibiades war daran wesentlich beteiligt, da er über die geringe Entschädigung empört war, die ihm der Kaiser gewährt hatte, obwohl er – trotz seines evangelischen Glaubens – gemeinsam mit Moritz von Sachsen treu die kaiserliche Seite unterstützt hatte, dies insbesondere in der Schlacht bei Mühlberg. Im nachfolgenden Zweiten Markgrafenkrieg bekämpfte daher Markgraf Albrecht Alcibiades die katholischen Hochstifte. Joachim Ulrich war von diesen kriegerischen Ereignissen wohl auch selbst betroffen, da er auf der Plassenburg ob Kulmbach, der Residenz und Landesfestung des Fürstentums Brandenburg-Kulmbach diente, wo nach der Zerstörung Kulmbachs am 26. November 1553 die verbliebenen markgräflichen Soldaten Zuflucht fanden. mini|Belagerung der Plassenburg, zeitgenössischer Holzschnitt von Hans Glaser
Nach der Niederlage seines Dienstherren Markgraf Albrecht Alcibiades in der Schlacht bei Schwarzach bei Kitzingen wurde die Plassenburg belagert, die am 22. Juni 1554 kapitulieren musste, geplündert und bald darauf durch die Bundesständischen Truppen unter dem Befehl des Herzogs Heinrich II. von Braunschweig-Wolfenbüttel zerstört wurde. Markgraf Albrecht Alcibiades kam in Reichsacht und floh zu seiner Schwester nach Pforzheim. Sein Fürstentum wurde von kaiserlichen Sequestern regiert.Details: Siehe Wikipedia-Artikel Belagerung von Kulmbach und der Plassenburg.
Ungewiss ist, welche Rolle Joachim Ulrich dabei im Einzelnen gespielt hat, gewiss ist jedoch, dass er überlebte und laut seiner eigenen Schilderung anschließend in die Dienste eines fränkischen Grafen Kasimir von Holach (?) eintrat.P. Anton Hoffmann: Geschichte der alten Häuser auf der Nordseite des Altstädter Marktplatzes in Reichenberg, Reichenberg 1888, Verlag U. Schöpfer, Wien, S. 43 Dort erreichte ihn die Nachricht, dass Kaiser Karl V. zu Augsburg angekündigt hatte, für einen Italienzug Kriegsknechte anzuwerben. Er begab sich daher zur Musterung nach Augsburg, langte jedoch dort zu spät ein, weshalb er mit anderen Interessierten auf der Donau nach Wien reiste, um sich dort anwerben zu lassen. Da dies vergeblich war, wandte er sich in die polnische Stadt Krakau, wo er als Offizier in der Kavallerie diente, und kehrte dann in seine Heimat – die Herrschaft Friedland – zurück.
Hauptmann von Reichenberg mini|Schloss Frýdlant mini|Blick auf Reichenberg vom Rathaus aus Die Herrschaft Friedland (heute Frýdlant v Čechách) mit den Städten Reichenberg (heute Liberec) und Seidenberg (heute Zawidów) war lange im Besitz der Herren von Bieberstein. Mit dem Erlöschen der zu Friedland gesessenen Linie der Familie war diese Herrschaft 1551 als erledigtes Lehen an den Landesfürsten, Kaiser Ferdinand I. als König von Böhmen zurückgefallen. Dieser ernannte seinen Rat Friedrich von Redern mit 1. November 1554 zum königlichen Hauptmann dieser Herrschaft, die sich damals im Pfandbesitz des noch unmündigen Markgrafen Georg Friedrich I. von Brandenburg zu Anspach und Bayreuth (* 1539, † 1603) befand. Da Friedrich von Redern in Breslau wohnte, ließ er sich ab dem Jahr 1555 in seiner Eigenschaft als königlicher Hauptmann in Friedland von Hans Oppeln von Linderode und als Hauptmann in Reichenberg von Joachim Ulrich vertreten. Friedrich von Rädern dürfte jedoch an diesem Besitz Gefallen gefunden haben, da er am 1. April 1558 die Herrschaft Friedland (heute Frýdlant v Čechách) im Bezirk Liberec (früher Reichenberg) bestehend aus dem Schloss und dem Städtchen Friedland, dem Städtchen Reichenberg, dem öden Schloss Hammerstein (heute Burg Hamrštejn bei Machnín in der Region Liberec im Norden von Tschechien) und dem Städtchen Seidenberg (in der Markgrafschaft Oberlausitz (heute im Powiat Zgorzelecki in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen)), von der böhmischen Hofkammer um 40.000 Taler erwarb. Schon wenige Tage später, am 24. April 1558, ernannte er Joachim Ulrich zum Herrschafts- und Stadthauptmann von Reichenberg.
Joachim Ulrich ließ 1559 zu Reichenberg die Stadt- und Brettmühle neu erbauen und schenkte der Stadt sein Malzhaus, das einen beträchtlichen Ertrag abwarf. Im Jahr 1564 wurde Joachim Ullrich auf Betreiben von Friedrich von Redern (seines Vaters) mit dem Prädikat „von Rosenfeld“ in den böhmischen Adelsstand erhoben. Durch seinen persönlichen Einsatz konnte er 1577 für Reichenberg das Privileg von zwei Jahrmärkten sowie ein eigenes Stadtwappen und Siegel erlangen. Dies führte nicht nur zu einem wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt, sondern auch zu einer förmlichen Anerkennung als vollwertige Stadt und damit zu einer Anhebung des bisherigen Status sowohl der Stadt als auch ihrer Bürger. Im Jahr 1578 wurden auf seine Veranlassung die Schule und auch der Pfarrhof neu erbaut. Zugleich wurde dem protestantischen Pfarrer Andreas Heisch 1578 der Zehent verordnet. Ein Jahr später kam es auf Initiative von Ulrich von Rosenfeld zum Neubau der Pfarrkirche, zu dem am 24. September 1579 der Grundstein gelegt wurde. Eine weitere Initiative betraf den schlechten Zustand der Straßen in Reichenberg. Ulrich von Rosenfeld veranlasste daher, dass Markt und Gassen mit einem Pflaster versehen wurden. Während seiner Zeit als Hauptmann von Reichenberg wurde in der Zeit 1585 bis 1587 von den Brüdern Christoph und Melchior von Redern (* 1555, † 1600) das Schloss zu Reichenberg erbaut. Joachim Ullrich von Rosenfeld wohnte im herrschaftlichen Amtshaus unter dem neuen Schloss und erhielt ein Gut im Rosenthal im Umfang von einer Hube und 9 Ruten ohne Hofdienste. In seiner langen Dienstzeit Zeit als Hauptmann der Herrschaft Reichenberg diente er neben seinem Vater, Friedrich von Redern dem Älteren, auch noch seinen Halbbrüdern, Christoph von Rädern († 3. September 1591) und Melchior von Rädern, Freiherrn zu Friedland, Reichenberg und Seidenberg, der mit Katharina Gräfin Schlick verheiratet war und den er auf den Reichstag zu Augsburg begleitete. Nach 46 Jahren als Hauptmann der Herrschaft Reichenberg, in denen er das kleine Städtchen Reichenberg zu einer ansehnlichen Stadt gemacht und damit wohl zu Recht von Dr. J. G. HerrmannDr. J. G. Herrmann op. cit. S. 205 als „wahrer Vater der Stadt Reichenberg“ bezeichnet wurde, starb Joachim Ulrich von Rosenfeld vor 1591.
Ehe und Nachkommen