Gyula Kertész (auch Julius Kertész; * 29. Februar 1888 in Kiskálna; † 1. Mai 1982 in New York CityWerner Skrentny/J.R.Prüß (Hg.): Mit der Raute im Herzen. Die große Geschichte des Hamburger SV, Göttingen 2008, Seite 78) war ein ungarischer Fußballspieler und ‑trainer.

Karriere Kertész spielte von 1906 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges zusammen mit seinen beiden Brüdern Adolf und Vilmos beim MTK Budapest. Am 5. Mai 1912 kam er beim 1:1 gegen Österreich auf der Wiener Hohe Warte unter Ede Herczog zu seinem einzigen Länderspiel für die Ungarische Nationalmannschaft.Profil bei weltfussball.de

Nach einer Kriegsverletzung musste Gyula Kertész seine aktive Laufbahn als Fußballspieler aufgeben. Seine erste bekannte Trainerstelle war 1921 Cercle Athlétique Messin in Lothringen, wo zur selben Zeit Géza Kertész als Spieler wirkte.Wiener Sporttagblatt vom 29. Januar 1921, Seite 3. Dort wird Géza („Kertész IV“) als ein weiterer Bruder bezeichnet, was andere Quellen nicht so sehen. Beide kamen im Sommer desselben Jahres zu Union 03 in Altona.

Dort wurde Gyula Kertész einer der ersten bezahlten Fußballtrainer in Deutschland. Er erlangte außerdem Bekanntheit dadurch, dass er für diesen eher bescheidenen Stadtteilverein unter anderem einige ausländische „Stars“ wie seine Landsleute József Künsztler, Ferenc Hirzer oder den Torhüter Elemér Müller verpflichtete und weil er mehrere, vielbeachtete internationale Freundschaftsspiele mit mehreren Tausend Zuschauern organisierte.Resultat des Freundschaftsspieles Union 03-Hakoah Wien

In den 1920er Jahren wirkte Kertész zwischenzeitlich auch in Norwegen als Trainer des Urædds FK.Helgesen, Carl: Hvit og svart i 100 år, 1980 (zitiert nach no.wikipedia.org/Gyula Kertész) 1925 betreute er die Norddeutsche Auswahl und gewann mit ihr den Bundespokal.Fußball-Woche vom 2. März 1925, Teamfoto auf S. 2 Zwischen 1926 und 1928 war Kertész bei Victoria Hamburg tätig.Die Zeitung Börsenhalle / Hamburgischer Correspondent bestätigt am 3. Mai 1926 auf Seite 6 Kertész´ unmittelbaren Wechsel von Union zu Victoria. Andere Quellen bestätigen das. In Skandinavien könnte er zu verschiedenen Zeiten in den Sommermonaten gearbeitet haben. 1928 wechselte er zum FC Basel in die Schweiz.Liste der Trainer des FC Basel Anschließend ging Kertész zurück nach Deutschland und übernahm ab Januar 1931 das Traineramt beim Hamburger SV. In den darauffolgenden eineinhalb Saisons gelang es ihm, die Mannschaft des HSV erfolgreich zu verjüngenvgl. Skrentny/Prüß, Mit der Raute im Herzen. Die große Geschichte des Hamburger SV, Göttingen 2008, Seite 78 und zweimal den Norddeutschen Meistertitel zu erobern.

mini|rechts|Stolperstein vor dem Bruno-Plache-Stadion in Leipzig (2023) 1932 wechselte Kertész zum VfB Leipzig, wo er am 15. Mai 1933 angeblich aus „finanziellen Gründen, hervorgerufen durch die wirtschaftliche Notlage“ des VereinsVereinsnachrichten des VfB Leipzig, Mai 1933 entlassen wurde – wie es hieß, im beiderseitigen Einvernehmen. Am 28. Juni 2023 wurde in Leipzig vor dem Eingang des Bruno-Plache-Stadions ein Stolperstein für Kertész verlegt (siehe: Liste der Stolpersteine in Leipzig#Probstheida).

Auf Grund seiner jüdischen Herkunft konnte Kertész fortan in Deutschland nicht mehr als Trainer arbeiten. Einer deutschen Zeitung zufolge tat er dies einige Monate später beim III. kerületi FC in Budapest.Essener Allgemeine Zeitung vom 12. August 1933, S. 10 1934/35 trainierte er den Teplitzer FK.magyarfutball.hu, abgerufen am 5. Juli 2022Kleine Volks-Zeitung (Wien) vom 3. August 1934. Seite 12. Im Wiener Sporttagblatt vom 1. Februar 1935, Seite 5, heißt es, der Teplitzer FK habe den Vertrag mit ihm bis zum Jahresende verlängert, doch gab es im Sommer einen neuen Trainer.

Kertész emigrierte 1938 in die USA und war dort in der Schallplattenindustrie tätigSkrentny/Prüß, ebenda. Er lebte mehr als vier Jahrzehnte in den USA und starb 1982 94-jährig in New York City.

Erfolge Als Spieler:IFFHS (Hg.): Fußball-Weltzeitschrift No. 34, III. Quartal 2000, Seiten 46 bis 86 4× Ungarischer Vizemeister mit MTK Budapest FC: 1909/10, 1910/11, 1911/12, 1912/13 3× Ungarischer Pokalsieger mit MTK Budapest FC: 1910, 1911, 1912

Als Trainer: Gewinn des Bundespokals mit der NFV-Auswahl 1925 Gruppensieg in der Gruppe Zentralschweiz mit dem FC Basel 1929/30 Norddeutscher Meister und Gewinner der Oberliga Hamburg mit dem Hamburger SV 1930/31 und 1931/32 (Cheftrainer) Mitteldeutscher Vizemeister mit dem VfB Leipzig 1932/33

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Einzelnachweise

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