mini|Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz, Luftaufnahme (2016)
Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz (amtlich: Berg b.Neumarkt i.d.OPf.) ist eine Gemeinde im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz in Bayern.
Geographie Lage Berg befindet sich rd. 5 km nördlich von Neumarkt in der Oberpfalz und rd. 20 km südöstlich von Nürnberg. Das Pfarrdorf Berg liegt im Oberpfälzer Jura, dem Oberpfälzer Teil der auch Fränkischer Jura genannten Fränkischen Alb. Es befindet sich zwischen der Schwarzach im Osten und dem Ludwig-Donau-Main-Kanal im Westen. Etwa 3,5 km ostsüdöstlich erhebt sich der Ottenberg.
Gemeindegliederung
Es gibt 35 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Berg b.Neumarkt i.d.OPf., Haimburg, Häuselstein, Hausheim, Loderbach, Oberölsbach, Sindlbach und Stöckelsberg. Die Gemarkung Berg b.Neumarkt i.d.OPf. hat eine Fläche von 7,710 km² und ist in 2240 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen die Gemeindeteile Berg und Meilenhofen.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind von Norden aus im Uhrzeigersinn: Lauterhofen, Pilsach, Neumarkt in der Oberpfalz, Postbauer-Heng, Burgthann und Altdorf bei Nürnberg (beide Mittelfranken).
Ortsname Gemäß den Forschungen der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften basiert der Ortsname aus dem bairisch-mittelhochdeutschen Benennungswort "përc" (für Berg – im Dat. Sg. "përge" oder im Dat. Pl. "përgen"), so dass sich die Namensbedeutung "(Siedlung am) Berg" oder "(Siedlung zwischen den) Bergen" ergibt.
Geschichte Von 1128 bis 1848 bestanden in Berg zwei Adelssitze, die sich in Händen wechselnder Besitzer befanden.Buchner I, S. 84, Digitalisat
Die Herren von Berg Erste Urkundliche Erwähnung fanden der Ort und das "Adelsgeschlecht derer von Berg" in einer Urkunde des Klosters Kastl von 12. November 1129. Dort wird bei einem Zehentstreit zwischen der Propstei Fürnried und dem Kloster Kastl neben anderen Leutpriestern auch ein „Heinricus de Perge“ in der Zeugenliste aufgeführt.Heinloth, S. 172, Digitalisat Als weitere Vertreter dieses Geschlechts sind in den Jahren
1159 "Adalbert de Perge" als Zeuge des Klosters Kastl, 1168 "Fridericus de monte" als Zeuge des Klosters Ensdorf, 1210 "Fridericus de monte" als Herr eines Gottfried, 1236 "Wernher von Perge" als Stifter eines Gutes und als erster Reichministeriale des Geschlechts, 1240 "Fridericus von Perg" als Zeuge in einem Rechtsstreit zwischen dem Hochstift Regensburg und der Familie zu Hohenburg, 1267 "Fridericus von Perg" als Domherr zu Regensburg, 1282 "Ulrich de Perge" als Zeuge für das Kloster Ensdorf, 1318 Heinrich von Berg als Zeuge einer Urkunde des Burggrafen Friedrich IV. zu Nürnberg nachgewiesen.
Berg als bayerisches und kurpfälzisches Amt Bereits 1224 wurde Berg ein herzoglich-bayerisches Amt. Um 1280 ist in einem pfalzgräflichen Urbar ein Amt „Paern“ aufgeführt. Dort sind in der Folgezeit weitere Adelsgeschechter auf einem (oder auch beiden) der Berger Edelsitze ansässig. Dies gilt insbesondere für die pfalzgräflichen Beamten Heinrich den Streitberger im Jahre 1360, im Jahre 1370 für Otto Senft und im Jahre 1381 für Heinrich von (Burg-)Thann.
1325 inkorporierte der Eichstätter Bischof Gebhard die Pfarrkirche in „Perg“ dem Kloster Pettendorf.
Nachdem die Pfalzgrafen 1388 die Feste Haimburg erworben hatten, vereinigten sie das Amt Berg mit dem neuerrichteten Amt Haimburg. Auf dem ehemaligen Amtssitz Berg war von 1390 bis mindestens 1406 Hans Strupperger als pfalzgräflicher Beamter ansässig, während auf dem anderen Adelssitz im Jahre 1390 ein "Heinrich der Smid" urkundlich nachgewiesen ist. Das Reichsministerialengeschlecht der "Smid" hatte in der Umgebung von Berg großen Besitz. Noch im Jahre 1439 – in einer Urkunde des Klosters Kastl vom 11. Mai dieses Jahres – ist ein "Cuntz Smid zu Perge" genannt.Heinloth, S. 173 f., Digitalisat Die Pöllinger und die Voit von Rosenberg Mit den Struppergern war ab dem Jahre 1412 auch das Geschlecht der Pöllinger in Berg ansässig. Im Jahre 1415 heiratete Kurt Voit von Rosenberg die Kunigunde Pöllinger von Berg. Nach dem Tode des Bruders von Kunigunde Pöllinger zogen sie und Kurt Voit von Rosenberg auf die Burg zu Berg.
In den Hussitenkriegen wurden 1432 die Adelssitze zu Berg durch die Hussiten zerstört, Kurt Voit von Rosenberg (wohl auf dem herzoglichen Sitz) und Ulrich Pöllinger (auf dem anderen Sitz) erschlagen und, wie den Pfarrmatrikeln zu entnehmen ist, ihre Söhne „gefangen mitgenommen“. Von den Pöllingern sind 1438 im Zusammenhang mit einer Frühmeßstiftung zu Berg ein Conrat als Pfleger zu Helfenberg, ein Niklas als Pfleger zu „Rotenburgk“ und ein Fritz als Pfleger zu Hainberg (= Haimburg) genannt.
1450 zerstörten die Nürnberger den Berger Sitz der Pöllinger. Diese bauten diesen nicht mehr auf, sondern erbauten einen kleinen Sitz neu, den sie im Jahre 1454 dem Kloster Gnadenberg verkauften, das diesen in ein Wirtschaftsgut umwandelte. Von den Voits hört man im Jahre 1515 im Haimbucher Saalbuch als dort Hans Voit als Untertan des Amts Haimbuch aufgeführt ist.Heinloth, S. 255, Fußnote 45 Digitalisat Am 18. April 1539 kaufte dieser Hans Voit Güter in Hartenhof. Nochmals tritt er in einem Kaufvertrag des Jahres 1588 auf, dort als der Ältere genannt, als der den öd liegenden Pöllinger-Sitz von den Brüdern Wolf und Kaspar Pöllinger mitsamt den dazugehörigen Gütern kaufte. Im Jahre 1567 überließ er diesen Sitz seinem Sohn Hans Voit dem Jüngeren als Erblehen.Heinloth, S. 174 f., Digitalisat
Über dessen Sohn "Gilg Sebastian Voit von Berg", der am 1. September 1599 von Kurfürst Friedrich belehnt wurde, kam der Berger Besitz 1651 an den letzten Vertreter des Geschlechts der Voit, an Max Christoph Voit zu Berg. Dieser hat seinen Edelmannssitz noch vor 1690 verlassen, da bereits im Jahre 1690 ein Christoph Spitzner als Verwalter der Voitschen Güter auftritt.Heinloth, S. 175, Digitalisat
Nach den Voit hatte ab 1702 der Hofkammerrat Bernhard Senser und ab 1727 Franz Josef Senser das Landsassengut Berg inne. Darauf folgte das Adelsgeschlecht der Sandizell und ab 1750 der kurbayerische Leibarzt Fuchs. Dieser veräußerte das Gut an den oberpfälzischen Renthrath Kaspar Weiß, der es an seine Tochter Veronika Weiß zu Neumarkt vererbte. Diese ehemals Voit'sche „Hofmark Berg“ bestand gegen Ende des 18. Jahrhunderts aus dem kleinen Schloss zu Berg, vier Halbhöfen, acht Achtelhöfen und acht Sechzehntelhöfen zu Berg, einem Halbhof zu Meilenhofen und einem Achtelhof zu Riebling.
Insgesamt bestand das Pfarrdorf Berg um 1800, am Ende des Alten Reiches, aus 96 Anwesen, die sechs Grundherrschaften gehörten. Die meisten Höfe besaß das Kastenamt Haimburg, 18 das Kastenamt Neumarkt, zwei das Klosterrichteramt Gnadenberg und den Widdumshof die Pfarrer Berg. Die Hochgerichtsbarkeit übte das herzogliche Pflegamt Pfaffenhofen aus.Heinloth, S. 290, Digitalisat
Wechselnde Landesherrschaft Infolge des Landshuter Erbfolgekriegs war Berg 1504 zunächst nürnbergisch geworden, ging aber 1521 zurück an die Kurpfalz. 1542 führte die Kurpfalz die Reformation ein. In dieser evangelischen Phase wurde um 1602/08 eine Schule eingerichtet, ebenso ein Almosenamt. 1623 wurde Berg, wie die gesamte Oberpfalz, Teil des Herzogtums Bayern. Unter dem Bayernherzog Maximilian kam es ab 1625 zur Wiedereinführung des alten Glaubens.Buchner I, S. 85 f., Digitalisat
Im Dreißigjährigen Krieg, im Jahre 1639 wurde u. a. auch das Amt Haimburg aufgefordert der herzoglichen Regierung in Amberg mitzuteilen, wie viele der dort gelegenen Höfe hinsichtlich des bevorstehenden Winterquartiers mit Truppen belegt werden können. Das Amt Haimburg meldete hierauf für Berg die Zahl von 26 Höfen. Die übrigen Höfe lagen wohl kriegsbedingt öd.Verhandlungen des Historischen Vereins von Oberpfalz und Regensburg, 84. Band (1934), S. 136, Die Berger Bevölkerung schrumpfte durch den Krieg auf ein Zehntel der ursprünglichen Einwohnerzahl.Breinl, S. 29
1655 überließ Herzog Philipp Wilhelm von der Pfalz das Kloster Pettendorf einschließlich der Zugehörungen, also auch dem Patronatsrecht über die Pfarrei Berg, dem Kloster Kaisheim; mit Zustimmung des Herzogs übertrug das Kloster Kaisheim 1670 diesen Besitz dem Dominikanerkloster zu Regensburg. 1676 kam es zum Weiterverkauf an das Kloster Pielenhofen.Buchner I, S. 86 f., Digitalisat
Gründung der Gemeinde Berg Im Königreich Bayern (1806) wurde der Steuerdistrikt Berg gebildet, dem Berg und das benachbarte Meilenhofen angehörte. Bei der Gemeindebildung mit dem zweiten Gemeindeedikt vom 17. Mai 1818 kamen zur Gemeinde Berg neben Meilenhofen die Ortschaften Oberwall und Unterwall aus dem Steuerdistrikt Haimburg.Heinloth, S. 321, Digitalisat Nachdem Haimburg eine Gemeinde geworden war, zählten zu ihr auch die Orte Oberwall und Unterwall, die erst 1939 wieder zu Berg kamen. Die Gemeinde Berg gehörte zum Landgericht Kastl zunächst im Bezirksamt Velburg, dann im Bezirksamt Neumarkt, das zum Landkreis Neumarkt wurde.
1845 wurde das „uralte Marienbild von Rasch“ für die Pfarrkirche von Berg erworben und feierlich übertragen. 1887 wurde ein neues Schulhaus gebaut; das alte Schulhaus hatte 1741 „ursprünglich“ im unteren Stock ein Beinhaus. 1896 wurde das verbliebene „kleine“ Schloss, ein dreigeschossiger Wohnturm mit Umfassungsmauer und Wassergraben, wegen Baufälligkeit abgetragen. Um 1937 hatte die Berger Schule zwei Klassen mit zwei Lehrkräften, einer weiblichen und einer männlichen. Eingeschult waren Meilenhofen, Kettenbach und Unterwall. 1917 brannte die Pfarrkirche St. Vitus samt Turm, Glocken und Inventar ab; der Wiederaufbau erfolgte 1919 unter Architekt Vonwerden-Behringer in Nürnberg. 1935 erhielt Berg eine Krankenpflegestation des örtlichen Krankenpflegevereins, die von zwei Niederbronner Schwestern geführt wurde.Buchner I, S. 87–92, Digitalisat +BerichtsjahrEinwohnerEinwohnerentwicklung des Pfarrdorfes Berg / Anmerkungen183659486 HäuserPopp, Th. D. (Hrsg.): Matrikel des Bissthumes Eichstätt, Eichstätt: Ph. Brönner, 1836, S. 391871591199 Gebäude; Viehbestand: 9 Pferde, 456 Stück Rindvieh1900589113 Wohngebäude19257601937748745 Katholiken 4 ProtestantenBuchner I, S. 89, Digitalisat19501087169 Wohngebäude; Landpolizei-Posten19611176211 Wohngebäude1970134519871818 BerichtsjahrEinwohnerEinwohnerentwicklung der Gemeinde Berg / Anmerkungen1871643Berg mit Meilenhofen; 638 Katholiken, 5 Protestanten; 160 HaushaltungenErgebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden (Gemeinde-Verzeichnis), (XXVIII. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern), München: E. A. Fleischmann‘s Hof-Buch- und Kunsthandlung, 1873, S. 106, Digitalisat1900589656 Katholiken, 6 Protestanten; 123 Wohngebäude; Viehbestand: 18 Pferde, 530 Stück Rindvieh, 511 Schweine, 34 Ziegen19258251937748Berg mit MeilenhofenBuchner I, S. 89, Digitalisat195012604 Orte: Berg, Meilenhofen, Oberwall und Unterwall; 199 Wohngebäude; 1087,56 ha196113314 Orte: Berg, Meilenhofen, Oberwall und Unterwall; 241 Wohngebäude; 1087,41 ha1970134510 Orte: Berg, Meilenhofen, Oberwall, Unterwall, Gspannberg, Haslach, Hausheim, Kettenbach, Kleinvoggenhof, Rührersberg
Gemeindegebietsreform und Großgemeinde Berg Am 1. April 1939 wurde die Gemeinde Haimburg aufgelöst. Ein Teil kam zu Neumarkt. In der konstituierenden Sitzung vom 23. Januar 1968 wurde der Zweckverband zur Wasserversorgung der Berg-Loderbach-Gruppe gegründet. Der 1. Bauabschnitt konnte am 4. Juni 1972 zum Abschluss gebracht und das Wasserwerk, zwei Tiefbrunnen und die Hochbehälter am Schmidberg in Betrieb genommen werden.
Am 1. Januar 1972 wurde Hausheim eingegliedert. Loderbach, Oberölsbach, Sindlbach mit dem Rest der aufgelösten Gemeinde Haimburg und Stöckelsberg mit dem am 1. Januar 1972 eingegliederten Häuselstein kamen am 1. Mai 1978 hinzu.