Die Nigrische Allianz für Demokratie und Fortschritt (französisch: Alliance nigérienne pour la démocratie et le progrès-Zaman Lahiya, Kürzel: ANDP-Zaman Lahiya) ist eine politische Partei in Niger.

Ausrichtung Die Nigrische Allianz für Demokratie und Fortschritt gilt als traditionalistische Partei, die ethnisch bei den Zarma der Stadt Dosso verwurzelt ist. Ihre beiden ersten Parteivorsitzenden Adamou Moumouni Djermakoye und Moussa Moumouni Djermakoye entstammten einer Seitenlinie der Zarmakoye (Djermakoye), des traditionellen Herrscherhauses der Zarma von Dosso. africatime.com, 1. März 2004; abgerufen am 11. Oktober 2012. Zaman Lahiya, der Beiname der Partei, kommt aus der Sprache Hausa und bedeutet „in Frieden leben“.Mamoudou Gazibo: La vertu des procédures démocratiques: élections et mutation des comportements politiques au Niger. In: Roland Marchal (Hrsg.): Justice et réconciliation: ambiguïtés et impensés. Politique africaine No. 92. Karthala, Paris 2003, S. 148.

Geschichte Zweite Republik Die Nigrische Allianz für Demokratie und Fortschritt wurde am 27. Februar 1992 gegründet. Sie entstand als Abspaltung von der Nationalen Bewegung der Entwicklungsgesellschaft (MNSD-Nassara) und geht auf den Klub der Freunde von Adamou Moumouni Djermakoye (französisch: Club des Amis de Moumouni Adamou Djermakoye, Kürzel: CAMAD) zurück, der 1991 innerhalb des MNSD-Nassara Adamou Moumouni Djermakoye bei dessen Bemühungen unterstützte, Parteivorsitzender zu werden, sich aber gegen Mamadou Tandja nicht durchsetzen konnte.Abdourahmane Idrissa, Samuel Decalo: Historical Dictionary of Niger. 4. Auflage. Scarecrow, Plymouth 2012, ISBN 978-0-8108-6094-0, S. 373.

Dritte Republik Bei den Präsidentschaftswahlen von 1993 gewann Mahamane Ousmane von der Nigrischen Partei für Demokratie und Sozialismus (PNDS-Tarayya), Adamou Moumouni Djermakoye wurde Vierter. Bei den Parlamentswahlen von 1993 erhielt die ANDP-Zaman Lahiya zwölf der 83 Sitze in der Nationalversammlung. Sie war unter anderem mit dem PNDS-Tarayya und der CDS-Rahama in der Neun-Parteien-Koalition Allianz der Kräfte des Wandels verbunden, das mit 50 Abgeordneten in der Nationalversammlung vertreten war und den MNSD-Nassara von der Macht verdrängte.Niger: Parliamentary elections Assemblée nationale, 1993. Website der Interparlamentarischen Union; abgerufen am 9. Oktober 2012. Adamou Moumouni Djermakoye wurde Präsident der Nationalversammlung, was er bis 1994 blieb. Website der Assemblée Nationale, 17. Oktober 2011; abgerufen am 17. August 2012.

Bei den Parlamentswahlen von 1995 verlor die ANDP-Zaman Lahiya drei Mandate und war nunmehr mit neun von 83 Sitzen in der Nationalversammlung vertreten.Niger: Parliamentary elections Assemblée nationale, 1995. Website der Interparlamentarischen Union; abgerufen am 9. Oktober 2012. Als der PNDS-Tarayya die Allianz der Kräfte des Wandels verließ und sich mit dem MNSD-Nassara verbündete, schloss sich auch die ANDP-Zaman Lahiya diesem Schritt an.

Vierte Republik Staatspräsident Mahamane Ousmane wurde 1996 durch einen Staatsstreich von Ibrahim Baré Maïnassara gestürzt, der sich bei den Präsidentschaftswahlen von 1996 zu dessen Nachfolger wählen ließ. Dem Präsidentschaftskandidaten Adamou Moumouni Djermakoye brachte das offizielle Wahlergebnis einen fünften (und letzten) Platz ein. In der Übergangsregierung unter Premierminister Boukary Adji war die ANDP-Zaman Lahiya mit Arbeitsminister Seïni Ali Gado vertreten. Website Afrique Express; abgerufen am 9. Oktober 2012. Anders als die meisten anderen Parteien boykottierte die ANDP-Zaman Lahiya die Parlamentswahlen von 1996 nicht und wurde mit acht von 83 Sitzen erneut in die Nationalversammlung gewählt.Niger: Parliamentary elections Assemblée nationale, 1996. Website der Interparlamentarischen Union; abgerufen am 9. Oktober 2012. Bald wandte sie sich aber von den autoritären Plänen Ibrahim Baré Maïnassaras ab, der 1999 bei einem Staatsstreich den Tod fand.

Fünfte Republik Die Präsidentschaftswahlen von 1999 brachten dem MNSD-Nassara-Kandidaten Mamadou Tandja den Sieg ein. Adamou Moumouni Djermakoye wurde Fünfter. Bei den Parlamentswahlen von 1999 trat die ANDP-Zaman Lahiya als Bündnispartner des PNDS-Tarayya auf, allerdings ging auch hier das Lager des MNSD-Nassara als Sieger hervor. Die ANDP-Zaman Lahiya konnte nur noch vier der 83 Parlamentssitze gewinnen und wurde damit erstmals in ihrer Geschichte zur kleinsten in der Nationalversammlung vertretenen Partei.Niger: Parliamentary elections Assemblée nationale, 1999. Website der Interparlamentarischen Union; abgerufen am 9. Oktober 2012. Die Präsidentschaftswahlen von 2004 wurden wieder von Mamadou Tandja (MNSD-Nassara) gewonnen und Adamou Moumouni Djermakoye landete erneut auf dem fünften Platz.

Bei den Parlamentswahlen von 2004 wechselte die ANDP-Zaman Lahiya auf die Seite des auch hier erfolgreichen MNSD-Nassara und erhielt fünf von 113 Sitzen in der Nationalversammlung.Niger: Parliamentary elections Assemblée nationale, 2004. Website der Interparlamentarischen Union; abgerufen am 9. Oktober 2012. Der Parteigründer Adamou Moumouni Djermakoye starb im Juni 2009.

Sechste Republik Als Staatspräsident Tandja und sein MNSD-Nassara zunehmend autoritäre Tendenzen zeigten, schloss sich die vorübergehend führungslose ANDP-Zaman Lahiya einem Oppositionsbündnis an, das die Parlamentswahlen von 2009 boykottierte.Niger: Parliamentary elections Assemblée nationale, 2009. Website der Interparlamentarischen Union; abgerufen am 9. Oktober 2012. Staatspräsident Mamadou Tandja wurde im Februar 2010 bei einem Staatsstreich gestürzt. Im Juni 2010 wurde Adamou Moumouni Djermakoyes Bruder Moussa Moumouni Djermakoye zum neuen Parteivorsitzenden der ANDP-Zaman Lahiya gewählt.M. Bako: Congrès extraordinaire de l’ANDP Zaman Lahiya: l’ancien Colonel Moussa Moumouni Djermakoye élu président du Parti. nigerdiaspora.net, 21. Juni 2010; abgerufen am 21. März 2020.

Siebte Republik Die von Mahamadou Issoufou (PNDS-Tarayya) gewonnenen Präsidentschaftswahlen von 2011 brachten Moussa Moumouni Djermakoye den sechsten Platz ein. Bei den Parlamentswahlen von 2011 ging die ANDP-Zaman Lahiya wieder ein Bündnis mit dem diesmal siegreichen PNDS-Tarayya ein. Die Partei war seitdem mit acht der 113 Sitze in der Nationalversammlung vertreten.Niger: Assemblée nationale, last elections. Website der Interparlamentarischen Union; abgerufen am 9. Oktober 2012. Sie schloss sich im selben Jahr mit 32 weiteren politischen Parteien und Gruppierungen in einer Allianz zusammen, die sich auf gemeinsame Grundsätze verständigte und zusagte, die Regierung Mahamadou Issoufous bei ihren Vorhaben zu unterstützen.Zeinabou Gaoh: Déclaration de création de la Mouvance pour la Renaissance du Niger (MRN): trente-deux partis politiques s’allient pour une bonne gestion du pouvoir. nigerdiaspora.net, veröffentlicht am 9. August 2011, abgerufen am 21. März 2020.

Bei den Parlamentswahlen von 2016 gewann die ANDP-Zaman Lahiya vier von 171 Sitzen in der Nationalversammlung. Bei den Präsidentschaftswahlen von 2016 unterstützte sie den erneut siegreichen Amtsinhaber Mahamadou Issoufou. Im November 2017 starb auch Moussa Moumouni Djermakoye. Die Interimsführung der bald in sich zerstrittenen Partei übernahm der stellvertretende Vorsitzende Sani Ousmane, bis im September 2018 Bergbauminister Moussa Hassane Barazé zum neuen Parteivorsitzenden gewählt wurde. Der General im Ruhestand Mounkaïla Issa, der sich erfolglos um die Nachfolge Moussa Moumouni Djermakoyes bemüht hatte, gründete Anfang 2019 mit dem Nigrischen Bündnis für Demokratie und Frieden (RNDP Aneima Banizoumbou) seine eigene Partei.

Aus den Parlamentswahlen von 2020 ging die Nigrische Allianz für Demokratie und Fortschritt mit drei von 171 Sitzen in der Nationalversammlung hervor. Bei den Präsidentschaftswahlen von 2020 trat Moussa Hassane Barazé für die Partei an und wurde mit 2,4 % der Wählerstimmen achter von 30 Bewerbern um das höchste Amt im Staat.

Siehe auch Liste der politischen Parteien in Niger

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Partei (Niger) Kategorie:Parteigründung 1992