mini|hochkant=0.85|Ulrike Malmendier, 2026
Ulrike Malmendier (* August 1973 in Köln) ist eine deutsche Wirtschaftswissenschaftlerin und Politikberaterin. Sie ist Professorin für Finanzmarktökonomik an der Haas School of Business der University of California, Berkeley. Von August 2022 bis Februar 2026 gehörte sie dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung an.
Malmendiers Forschungsschwerpunkt ist die Verhaltensökonomik – sie untersucht kognitive Verzerrungen im Kontext von Unternehmensführung und finanziellen Entscheidungen. Sie kommentiert regelmäßig politische Themen wie Wirtschafts- und Geldpolitik, künstliche Intelligenz und Migration.
Laut IDEAS/RePEc zählt sie zu den bedeutendsten Ökonomen weltweit.
Leben Von 1991 bis 1993 absolvierte Malmendier eine Ausbildung bei der Deutschen Bank. Anschließend studierte sie als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes Volkswirtschaftslehre und Jura. Mit einer rechtshistorischen Arbeit zur Societas publicanorum, einer Art Pachtgesellschaft im römischen Recht, mit der private Unternehmer staatliche Wirtschaftsaktivitäten übernehmen konnten, wurde sie 2000 an der Universität Bonn zum Dr. iur. promoviert. Sie promovierte 2002 ein zweites Mal an der Harvard Business School über Verhaltensökonomik in der Unternehmensfinanzierung und Kapitalmarktforschung. Ihr Betreuer in Harvard war Andrei Shleifer.
Von 2002 bis 2006 arbeitete sie als Assistenzprofessorin an der Stanford University. Seit 2005 unterrichtet sie an der Universität Berkeley, zunächst als Assistant Professor, seit 2008 als Associate Professor und danach auf einer Stiftungsprofessur. Ihr Hauptinteresse gilt der Verhaltensökonomie, Unternehmensfinanzierung und Vertragstheorie.Eine patriotische Mission, In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. August 2022
Malmendier war Redakteurin des Fachmagazins Journal of Economic Perspectives und hat dort zahlreiche Artikel veröffentlicht. Sie sagte 2013 in einem Zeitungsinterview, sie sehe in den USA eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf; so könnten dort mehr Frauen Karriere machen als in Deutschland.
Im August 2022 wurde sie auf Vorschlag des Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck (Grüne) von der Bundesregierung (Kabinett Scholz) in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (den Rat der „fünf Wirtschaftsweisen“) berufen. Nach dreieinhalb Jahren wurde ihre Amtszeit im Februar 2026 – anders als bei Mitgliedern der Wirtschaftsweisen üblich – nicht verlängert. Insbesondere Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU) sprachen sich gegen die Verlängerung aus. Die übrigen Mitglieder des Sachverständigenrats – mit Ausnahme von Veronika Grimm – nahmen das Ausscheiden Malmendiers „mit großer Verwunderung und allergrößtem Bedauern“ zur Kenntnis.Grimm distanziert sich von anderen „Wirtschaftsweisen“. In: Frankfurter Allgemeine, 2. März 2026. Gabriel Felbermayr wurde ihr Nachfolger.Tagesspiegel: Nachfolge von Ulrike Malmendier: Österreichischer Ökonom Felbermayr soll Wirtschaftsweiser werden., abgerufen am 4. März 2026.
Im Oktober 2022 zählte Malmendier zu den Experten der Internationalen Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine. 2023 wurde ihr in Würdigung ihrer wissenschaftlichen Leistungen die Ehrendoktorwürde der Universität Lüneburg verliehen.
Im April 2025 gehörte Malmendier zu einer Gruppe führender Wissenschaftler aus Deutschland, die angesichts des wissenschaftsfeindlichen Handelns der Regierung Trump II ein Aufnahmeprogramm namens Meitner-Einstein-Programm für US-Forscher vorgeschlagen haben. Unter dem Motto „Hundert kluge Köpfe für Deutschland“ solle man Spitzenpersonal anlocken und so Deutschlands Innovationskraft stärken. Lise Meitner und Albert Einstein mussten in den 1930er Jahren wegen der Repressionen den NS-Staat verlassen.
Malmendier ist mit Stefano DellaVigna verheiratet und hat mit ihm drei Kinder (* 2008, 2010, 2012).
Forschung Malmendiers Forschung konzentriert sich auf Verhaltensökonomik, besonders im Kontext der Unternehmensführung und finanzieller Entscheidungen. Sie hat umfangreiche Untersuchungen zur Selbstüberschätzung von Geschäftsführern durchgeführt, bei denen sie herausfand, dass CEOs mit Selbstüberschätzung zu viel Geld in ihre Unternehmen investierten und häufiger als andere Manager destruktive Übernahmen durchführten.
Sie hat auch untersucht, wie kognitive Verzerrungen die finanzielle Entscheidungsfindung in anderen Kontexten beeinflussen. Sie stellte fest, dass Menschen, die die Weltwirtschaftskrise erlebt haben, ihr ganzes Leben lang sparsamer bleiben. Außerdem überschätzen Menschen systematisch, wie oft sie das Fitnessstudio besuchen werden. Des Weiteren stellte sie fest, dass Finanzanalysten zu optimistische Profitempfehlungen geben.
Malmendier hat auch die Herkunft von Aktiengesellschaften erforscht. Sie entdeckte dabei eine frühe Form der Aktiengesellschaft im antiken Rom namens societas publicanorum.
Preise und Auszeichnungen (Auswahl) 2013: Fischer-Black-Preis 2015: Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis 2016: Mitglied der American Academy of Arts and Sciences 2017: Guggenheim-Stipendium 2019: Gustav-Stolper-Preis des Vereins für SocialpolitikGustav-Stolper-Preis, Liste der Preistraeger. Website des Vereins für Socialpolitik. Abgerufen am 24. Oktober 2019.
Weblinks
Webseite von Ulrike Malmendier
Einzelnachweise
Kategorie:Ökonom (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (University of California, Berkeley) Kategorie:Wirtschaftsweiser Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1973 Kategorie:Frau