mini|Katwarn-Logo Mit Katwarn werden Warnungen vom Zivil- und Katastrophenschutz in Gefahrensituationen verbreitet (z. B. bei Großbrand, Bombenfund, Umweltkatastrophe), hauptsächlich über eine Smartphone-App, aber auch über andere Kanäle; Eigenschreibweise ist KATWARN.
Seit dem Jahr 2011 ist Katwarn in Deutschland in verschiedenen Regionen sowie auf Bundesebene im Einsatz.Katwarn – Unterstützte Orte In: katwarn.de, abgerufen am 1. August 2018. Die Anmeldung am System ist kostenlos und freiwillig und versorgt rund 2,5 Millionen Nutzer (Stand 2017). Katastrophen-Alarmsystem in Berlin gestartet. In: Berliner Morgenpost. In den Jahren 2017 bis 2024 wurde Katwarn auch in Österreich angewandt, dort aber im Oktober 2024 durch AT-Alert abgelöst.AT-Alert In: bmi.gv.at, abgerufen am 5. Oktober 2024. Die App steht weltweit in den App Stores für iPhone, Android und Huawei Phone zur Verfügung und kann daher auch von Ausländern in Deutschland verwendet werden. Als EUWARN (Katwarn international) soll das System in der EU vermarktet werden.
In Österreich wurde das System mit 30. September 2024 eingestellt und durch AT-Alert, einem System im Rahmen des EU-Alerts abgelöst.Bevölkerungswarnsystem AT-Alert System auf dem Portal der Gemeinde Eitzing vom September 2024, abgerufen am 9. Juni 2026.
Funktionsweise Katwarn verteilt Warnungen von verschiedenen Einrichtungen nach festgelegten Kriterien auf Smartphones und Tablets. Es bietet die Möglichkeit Warnungen orts- oder themenbezogen zu verbreiten (Multi-Hazard-Ansatz).
Es können sowohl Leitstellen und Sicherheitszentralen als auch externe Informationssysteme, z. B. für Unwetter, Hochwasser, Erdbeben, „Predictive Policing“, über Standards wie den CAP – common alerting protocol angebunden werden. Katwarn stellt auch Redaktions- und Administrationsplattform bereit.
Da es als ergänzendes Warnsystem konzipiert wurde, stellt es aber keinen Ersatz zu den allgemeinen Warnungen durch Polizei, Feuerwehr und in den Medien dar.
Ein Beispiel für eine Warnnachricht kann lauten: „Die Feuerwehr meldet: Großbrand mit Schadstoffwolke – Warnung für den Postleitzahlbereich 12345 – öffentliche Plätze verlassen, Fenster und Türen schließen.“ Je nach Empfangsmedium werden die Informationen mit Grafiken und Symbolen ergänzt. Nach Auflösung der Gefahrensituation erhalten die angemeldeten Nutzer Informationen über die Entwarnung. Bei Ausdehnung/Veränderung des Gefahrenbereichs wird ein erweiterter Nutzerkreis über die Gefahr benachrichtigt.Bürgerinformation und Warnung mit Katwarn. In: nuernberg.de, Beispiel eines Warntextes.
Öffentliche Warnungen
Katwarn versendet ausschließlich offizielle Warninformationen der Behörden, Einrichtungen und Leitstellen. Da die Verantwortung für Warnungen in Deutschland je nach Gefahrensituation auf verschiedene Einrichtungen verteilt ist, kann sich die Nutzung von Katwarn regional unterscheiden. Derzeit nutzen die folgenden Einrichtungen Katwarn zum Versenden von Warnungen: Landkreise und kreisfreie Städte, z. B. Berlin, Hamburg, Stadt und Landkreis München, Stadt und Region Hannover u. v. m. Bundesländer und Stadtstaaten: Berlin, Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz, SaarlandHessen nutzt seit November 2019 eine eigene App („hessenWARN“), welche auf Katwarn basiert. Bundesweit: Deutscher Wetterdienst (DWD), Kopplung an das Warnsystem des Bundes (MoWaS)Erhebliche Verbesserung bei Warnung der Bevölkerung, BKS-Portal.RLP, 4. Februar 2019.
Warnungen für spezifische Areale Privatunternehmen wie BASF in LudwigshafenBASF, Ludwigshafen und Mannheim führen Warn-App KATWARN ein. In: Die Welt. und Anstalten des öffentlichen Rechts, wie der Hamburger Hafen. In: hamburg-port-authority.de nutzen Katwarn, um auf ihrem jeweiligen Gelände oder Areal bei Gefahr zu warnen. Diese Warnungen können nicht öffentlich empfangen werden, sondern nur von festgelegten Zielgruppen (z. B. Mitarbeiter oder Gäste). Auch einzelne Taxidienste sind mit Katwarn verbunden, um Taxifahrer und Fahrgäste im Gefahrenfall zu informieren und ggf. die Routen entsprechend anzupassen. In: taxi-berlin.de, 4. Dezember 2014, abgerufen am 1. August 2018.
Orts- und Themenwarnungen Die Warnungen können vom Endnutzer entweder über den Ortsbezug empfangen werden („Schutzengel“, Warnorte, Standort der Empfangsgeräte öffentlichen Raum, maximal sieben Orte) oder für bestimmte Themen unabhängig vom Standort abonniert werden (z. B. Oktoberfest in München, Rock am Ring, Messe Berlin)Katwarn – Themen-Abonnements In: katwarn.de, abgerufen am 1. August 2018.. Anders als bei ortsbezogenen Warnungen im Falle einer Gefahrensituation, werden bei den themenbezogenen Warnungen sicherheitsrelevante Informationen auch schon im Vorwege verbreitet (z. B. zu großer Besucherandrang, gesperrte Eingänge etc.). Durch den Ortsbezug ist es hingegen möglich, dass lokale Warnungen nur an tatsächlich betroffene Personen und nicht deutschlandweit an alle Nutzer verbreitet werden. Der Vorteil dadurch: Keine unnötige Verunsicherung der „nichtbetroffenen“ Bürger, Reduktion des sog. „Katastrophentourismus“ sowie Vermeidung von unnötiger Nachrichtenflut.Katwarn – Warnungen fürs Smartphone In: katwarn.de, abgerufen am 1. August 2018.
Technik Als Entwicklung der Fraunhofer-Gesellschaft unterliegt Katwarn einer steten wissenschaftlichen Weiterentwicklung in Austausch mit Behörden, Sicherheitsorganisationen und Industrie. Dabei werden konsequent die Prinzipien des „Privacy by design“ und „Privacy by default“ verfolgt sowie die Anforderungen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) eingehalten.
Das Katwarn-System basiert auf einer Microservice Infrastruktur. Diese existiert dezentralisiert auf mehreren Servern und erlaubt somit eine schnelle und zuverlässige Verteilung der Warnungen.
International Roaming bei Auslandsaufenthalt Die Nutzer können auf Wunsch auch im Ausland Warnungen für den jeweiligen Aufenthaltsort erhalten.Katwarn – International In: katwarn.de, abgerufen am 1. August 2018. Umgekehrt können Warnungen zu einem ausgewählten Ort oder Thema weltweit zugestellt werden. Auf diese Weise können z. B. auf der Urlaubsreise alle Warnungen für den Heimatort empfangen werden.
Mehrsprachigkeit Katwarn bzw. EUwarn ist seit Oktober 2017Katwarn – Hilfe: Gibt es KATWARN im Ausland / für Fremdsprachen? In: katwarn.de, abgerufen am 1. August 2018. mehrsprachenfähig, d. h. je nach Systemeinstellung des Smartphones zeigt die App Warnungen in der jeweiligen Sprache oder – falls noch nicht vorhanden – in Englisch an. Die Gestaltung der Warnungen wurde in internationalen Forschungsprojekten untersucht und die Bedarfe verschiedener Nutzergruppen so weit wie möglich adaptiert.
EUWARN Katwarn soll unter dem Namen EUWARN – auch Katwarn international – in der EU vermarktet werden. Es ist ein Warn- und Informationssystem gemäß Artikel 110 Richtlinie (EU) 2018/1972 (EECC-Richtlinie).
Katwarn international ist als EUWARN derzeit für die Mitarbeiter der EU-Kommission in Brüssel und Luxemburg im Einsatz.
Tsunami-Übung Die Auswertung einer Tsunami-Übung auf der Insel Kos durch die Europäische Kommission zeigt: Katwarn-international ist entscheidend für die schnelle Warnung der Betroffenen. Bei der Übung im Jahr 2019 wurde Katwarn-international als einzige Warn-App neben weiteren Warnkanälen wie Sirenen, Anzeigetafeln und Lautsprechern eingesetzt.
Am 21. November 2019 testete die „Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission“ (JRC) Technik und Abläufe aus dem EU-Projekt „Tsunami Last Mile“ (Tsunami letzte Meile). Während der Übung wurde EUWARN (bzw. Katwarn-international) dazu genutzt, eine Tsunamiwarnung an die Übungsgruppen zu senden und ihnen Anweisungen zur Evakuierung zu geben. Die Auswertung ergab, dass eine lückenlose Verbreitung der Warnmeldung nur durch den Einsatz von Katwarn möglich war. Da z. B. Sirenen in Klassenräumen nicht zu hören waren, konnte eine Schulklasse nur über die Katwarn-App auf dem Smartphone eines Lehrers erreicht werden.
Empfangsmedien Katwarn versucht die sogenannte letzte Meile im Bevölkerungsschutz zu überwinden. Als „offenes System für verschiedene Warnkanäle“ können Warnmeldungen die Menschen auf vielen unterschiedlichen Wegen erreichen (Multi-Channel-Ansatz). Da die App nicht nur auf akustische Warnsignale setzt, ist das Warnsystem grundsätzlich auch für gehörlose Menschen geeignet.
SMS/E-Mail Katwarn steht seit dem Jahr 2011 als SMS-/E-Mail-Dienst zur Verfügung und kann per SMS für eine Postleitzahl abonniert werden. Auf diesem Weg ist jedoch nur eine Teilmenge der Warnungen erhältlich.
App Seit Oktober 2012 gibt es Katwarn als Smartphone-App für das iPhone,Katastrophenwarnung: Smartphone-App warnt Bevölkerung App als Schutzengel In: medizin-und-technik.industrie.de, abgerufen am 1. August 2018. seit Juni 2013 für Android-Smartphones Das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS, 24. Juni 2013, abgerufen am 22. Juli 2016. und seit 2014 auch für Windows Phones.Get KATWARN – Microsoft Store In: microsoft.com, abgerufen am 1. August 2018. Katwarn ist damit die erste offizielle App für behördliche Warnungen. Mit der App ist die Anmeldung punktgenau möglich und die auslösenden Stellen können die Warnungen in einem beliebigen (klein- oder großräumigen) Umfeld verbreiten (freie Gebietsauswahl, Gemeinden, Postleitzahlenbereiche, Risikogebiete). Eine Beschränkung auf Postleitzahlgebiete besteht nicht.
Ortsbasierte Warnung Die sogenannte „Schutzengel“-Funktion ermöglicht ortsbasierte Warnungen und Verhaltenshinweise zum aktuellen Standort, d. h. Nutzer erhalten Warnungen an ihrem aktuellen Aufenthaltsort oder wenn sie in ein bewarntes Gebiet eintreten. Die Funktion läuft auch bei ausgeschalteter App im Hintergrund, so dass auch dann ortsbezogene Push-Meldungen zum aktuellen Aufenthaltsort gesendet werden (Weckeffekt) und die App nicht erst nach dem Start den Standort aktualisiert. Da die Ortung nicht über GPS, sondern über Basisstationen und WLAN-Zugangspunkte erfolgt, belastet sie den Akku nur wenig.Katwarn-Nutzerhandbuch August 2016 (PDF; 1,7 MB). Katwarn erfasst keine persönlichen Daten der Nutzer und erstellt keine Bewegungsprofile durch die Ortung.Nutzerhandbuch Seite 16
Favoriten-Orte Zusätzlich zum Schutzengel gibt es die Möglichkeit, sieben weitere, frei wählbare Orte für Warnungen im Gefahrenfall zu abonnieren. Diese Auswahl kann jederzeit aufgehoben, angepasst und bei Bedarf ausgeschaltet werden.
Digitale Displays Seit dem Jahr 2015 werden regional digitale Werbeanzeigetafeln im öffentlichen Raum,Nie wieder eine Katastrophe verpassen. In: Berliner Kurier. sowie die digitalen Fahrpläne an U-Bahn, Straßenbahn- und Bus-Haltestellen an das System angeschlossen.Jetzt will auch die BVG vor Berliner Katastrophen warnen. In: Berliner Morgenpost.
Newsportale Im Rahmen einer Kooperation mit dem Nachrichtenmagazin Focus Online werden die Katwarn-Warnungen automatisch auf den regionalen Seiten des Newsportals angezeigt.
Bordcomputer von Pkw Im Rahmen einer Kooperation mit Ford ist eine Anbindung von Katwarn an den Bordcomputer möglich: Warnungen werden damit direkt vom Smartphone über die AppLink-Software von Ford auf das Kommunikations- und Entertainmentsystem Ford SYNC 3 übermittelt.
Geschichte Einführung Entwickelt wurde Katwarn vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS im Auftrag öffentlicher Versicherer. Technisch baut Katwarn auf dem Frühwarnsystem WIND auf, das rund eine Million Nutzer mit Extremwetterwarnungen versorgt. Im Jahr 2009 wurde Katwarn in einem Pilotbetrieb im ostfriesischen Aurich getestet und 2010 in den angrenzenden Städten und Kreisen im Testbetrieb eingeführt. Seit 2011 wird das System deutschlandweit den Kommunen und Landkreisen von öffentlichen Versicherern zur Nutzung zur Verfügung gestellt.
Weiterentwicklung