Die Grafenwerther Brücke ist eine Brücke in Bad Honnef über den Altarm des Rheins, die 1911 errichtet wurde. Sie verbindet das festlandseitige Rheinufer mit der Insel Grafenwerth. Die Grafenwerther Brücke steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz.Denkmalliste der Stadt Bad Honnef, Nummer A 180
Geschichte Die Brücke entstand als erste feste Verbindung zwischen Honnef und Grafenwerth und geht auf eine Planung des Stadtplaners Karl Henrici zurück.Landeskonservator Rheinland (Hrsg.): Bad Honnef. Stadtentwicklung und Stadtstruktur. Rheinland-Verlag, Köln 1979, ISBN 3-7927-0414-5, S. 20. Bereits 1908 war auf der Insel eine Anlegestelle für Dampfschiffe eröffnet worden. Von der damit verbundenen Belebung des Fremdenverkehrs konnte nur das Ausflugslokal auf der Insel profitieren, nicht aber die Stadt, die nur über eine weitere Bootsfahrt mit anschließendem Fußmarsch zu erreichen war. Der in Honnef ansässige Architekt Ottomar Stein wurde deshalb 1910 mit dem Entwurf für eine Brücke über den Altarm beauftragt, die den Weg von der Insel in die Stadt vereinfachen sollte. Nachdem im Juni des gleichen Jahres die ministerielle Genehmigung erteilt wurde, begann die Ausführungsplanung. Die Bauarbeiten wurden im März 1911Honnefer Volkszeitung, 18. März 1911, S. 2 (zeitpunkt.nrw) durch die Kölner Bauunternehmung Helff & Heinemann aufgenommen und am 1. Oktober 1911 wurde die erste feste Verbindung zur Insel feierlich eingeweiht; einige Restarbeiten standen zu diesem Zeitpunkt noch ausHonnefer Volkszeitung, 16. Oktober 1911, S. 2 (zeitpunkt.nrw), sodass sich die Gesamtfertigstellung bis Oktober 1912 verzögerteHonnefer Volkszeitung, 13. Juni 1912, S. 2 (zeitpunkt.nrw)Echo des Siebengebirges, 10. Oktober 1912, S. 3 (zeitpunkt.nrw). Die Baukosten von 167.190 Mark mussten nach einer Anschubfinanzierung von 30.000 Mark durch den Zeitungsverleger Wilhelm Girardet größtenteils von der Stadt Honnef getragen werden.August Haag: Vom Winzerdorf zur Badestadt. Ein Jahrhundert wirtschaftlicher Entwicklung. In: Ders. (Hrsg.): Bad Honnef am Rhein. Beiträge zur Geschichte unserer Heimatgemeinde anläßlich ihrer Stadterhebung vor 100 Jahren. Verlag der Honnefer Volkszeitung, Bad Honnef 1962, S. 106. Das Bauwerk wurde seinerzeit in Fachzeitschriften dokumentiertMitteilungen über Zement-, Beton- und Eisenbetonbau, 9. Jahrgang 1912, S. 20. (Beilage zur Deutschen Bauzeitung, 46. Jahrgang 1912)Deutsche Bauzeitung, 48. Jahrgang 1914, Nr. 69 (vom 29. August 1914), S. 650 (Notiz zur Einweihung)Zement und Beton, illustrierte Monatsschrift für Zement- und Betonbau, 10. Jahrgang 1911, S. 680. () und gilt als eine der frühen Stahlbetonbrücken in Deutschland.Karl Günter Werber: Honnefer Spaziergänge. 2., überarbeitete Auflage, Verlag Buchhandlung Werber, Bad Honnef 2002, ISBN 3-8311-2913-4, S. 91. Ein Jahr nach Fertigstellung bog sich die Brüstung der Brücke an einzelnen Stellen aus, die Kosten der Beseitigung der Schäden musste die Stadt übernehmen.
1929 erhielt die Brücke eine elektrische Straßenbeleuchtung anstelle der bisherigen Gaskandelaber.Honnefer Volkszeitung, 10. Mai 1929, S. 5 (zeitpunkt.nrw)Honnefer Volkszeitung, 9. Dezember 1929, S. 5 (zeitpunkt.nrw) Am Ende des Zweiten Weltkriegs, im März 1945, beabsichtigte der Kommandeur der örtlichen deutschen Pioniereinheit die Sprengung der Brücke. Dieses Vorhaben konnte, möglicherweise aufgrund einer Intervention des damaligen Honnefer Stadtbaumeisters, abgewendet werden.Jakob Wolfgarten: Erlebnisse und Berichte aus bewegter Zeit (1923 und 1945). In: August Haag (Hrsg.): Bad Honnef am Rhein. Beiträge zur Geschichte unserer Heimatgemeinde anläßlich ihrer Stadterhebung vor 100 Jahren. Verlag der Honnefer Volkszeitung, Bad Honnef 1962, S. 71. 1953 entstand ein Treppenaufgang von der Rheinpromenade an der Endhaltestelle der Siebengebirgsbahn zur BrückeHonnefer Volkszeitung, 5. Mai 1955, S. 5 (zeitpunkt.nrw), der nach dem Bau der die Inselbrücke verlängernden Fußgängerbrücke über die Bundesstraße 42 bereits 1959 durch einen neuen ersetzt wurde.Fronleichnamsprozession über die neue Fußgängerbrücke, Honnefer Volkszeitung, 20. Mai 1959Ampelanlage für Kreuzung Bahnhof- und Umgehungsstraße, Honnefer Volkszeitung, 24. September 1959 Von 1973 bis 1974 erfolgte eine umfassende Sanierung des Bauwerks, im Zuge derer unter anderem ein Großteil der Brüstung abgebrochen und durch Stahlbetonbrüstungen mit den bisherigen Profilierungen ersetzt wurde.Instandsetzung der Inselbrücke, Honnefer Volkszeitung, 4. Juni 1973Ersteht in alter Schönheit: Inselbrücke bleibt ein Zeugnis früher Beton-Ingenieurkunst, Honnefer Volkszeitung, 1. September 1974
Seit dem 13. Oktober 1993 ist die Brücke in der Denkmalliste der Stadt Bad Honnef eingetragen. Am 11. Juni 2005 taufte die Bürgermeisterin Wally Feiden das zuvor namenlose Bauwerk im Rahmen des Aranka-Fests auf seinen heutigen Namen.Bad Honnef feiert am Wochenende gleich doppelt. In: General-Anzeiger vom 11. Juni 2005, S. 8. Ab 2015 waren die Innenseiten der Brüstung durch massive Stahlträger gesichert und es wurden Planungen für eine Grundsanierung der Brücke aufgenommen., Bonner Rundschau, 29. Juli 2016Viele Brücken sind baufällig, General-Anzeiger, 5. August 2016Zwei Millionen Euro für die Zukunft der Insel Grafenwerth, General-Anzeiger, 21. November 2017 Seit März 2017 wird die Zufahrt zur Brücke durch einen elektronischen Poller geregelt.Zufahrt zur Insel durch elektronischen Poller geregelt, Pressemitteilung der Stadt Bad Honnef, 24. Februar 2017 Die Sanierung des Bauwerks, die vom Bund und dem Land bezuschusst wurde, erfolgte von November 2021 bis November 2023 und wurde von dem Bauunternehmen Hochtief ausgeführt.Bauschild zur Sanierung, Wikimedia CommonsSanierung der Grafenwerther Brücke mit Einweihung und Einbau einer Kapsel abgeschlossen, Stadt Bad Honnef, 7. November 2023
Beschreibung Die Grafenwerther Brücke, im Norden der Insel gelegen, ist eine Bogenbrücke aus Stahlbeton aus fünf flachen Korbbögen mit einer lichten Weite von 26, 22 und 18 m. Verbaut wurden rund 4000 m³ Beton sowie 20 t Eisen. Die Gesamtlänge beträgt 130 m, die Nutzbreite von 8 m setzt sich aus 5 m für die Fahrbahn und je 1,5 m für die Bürgersteige zusammen. An den Widerlagern wie an den beiden mittleren Pfeilern bestehen beidseitig balkonartige Ausbuchtungen. Unmittelbar östlich schließt sich die 1959 entstandene Fußgängerbrücke über Bundesstraße 42 und rechtsrheinische Bahnstrecke an, südöstlich das Brückenbauwerk Honnefer Kreuz. Eine Treppenanlage führt zur Rheinpromenade hinab, die zur Stadtbahn-Endhaltestelle Bad Honnef der Siebengebirgsbahn überleitet. Nördlich der Brücke ankert im Altarm seit 1990 der Aalschokker Aranka, eine Hinweistafel befindet sich auf der Brücke.
Weblinks
Literatur Eva-Maria Gerstkamp: Brückenschlag vor einhundert Jahren. In: Rheinländer, 5. Jahrgang 2012, Heft 44, S. 18–20 (online).
Einzelnachweise
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