mini|Burgruine Weibertreu bei Weinsberg aus der Luft in Nordost-Südwest-Richtung mini|Burgberg von Südwesten mini|Ansicht von Westen mini|Burg Weinsberg 1515 (spätere Nachzeichnung eines Originals von Hans Baldung Grien). Die bei der Eroberung 1504 entstandenen Schäden sind deutlich zu erkennen.
Die Burgruine Weibertreu, ursprünglich Burg Weinsberg, ist die Ruine einer vermutlich im frühen 11. Jahrhundert erbauten Höhenburg in der Stadt Weinsberg im Landkreis Heilbronn in Baden-Württemberg.
Bekannt ist die Burg durch die namengebende „Treu-Weiber-Begebenheit“ vom 21. Dezember 1140, als nach der Kapitulation der belagerten Burg die Frauen (später „Treue Weiber von Weinsberg“ genannt) ihre Männer vor der Hinrichtung retteten, indem sie sie auf dem Rücken den Berg hinuntertrugen. Durch ihre exponierte Lage in der südwestlichen Ecke des Weinsberger Kreuzes der Bundesautobahnen 6 und 81 ist die Burgruine vielen Autofahrern vom Sehen bekannt. Sie liegt nordwestlich und oberhalb des Stadtkerns auf dem hohen Burgberg, der heute fast vollständig für den Weinbau genutzt wird. Besitzer der Anlage, die gegen Eintritt besichtigt werden kann, ist der Justinus-Kerner-Verein und Frauenverein Weinsberg.http://www.justinus-kerner-verein.de/
Geschichte Die Burg Weinsberg wurde vermutlich für militärische Zwecke im frühen 11. Jahrhundert errichtet. Erstmals fassbar wird sie in der (um 1430 niedergelegten) Gründungsgeschichte des 1037 gegründeten Chorherrenstifts Öhringen, in dem berichtet wird, dass die Stifterin, Gräfin Adelheid von Metz bzw. von Egisheim, bis zur Stiftung auf der Burg Weinsberg wohnte. Gräfin Adelheid war in erster Ehe die Mutter von Kaiser Konrad II. und wird deshalb als Stammmutter des Salierhauses bezeichnet. In zweiter Ehe war sie die Mutter des Bischofs Gebhard III. von Regensburg. Von ihren Töchtern war eine mit dem ersten Öhringer Stiftsvogt Graf Burkard von Comburg verheiratet, eine weitere namens Bilizza wurde als Gattin des Ufgaugrafen Adalbert zur Ahnherrin der Grafen von Calw.
Über den 1131 söhnelos verstorbenen Grafen Gottfried von Calw gelangten Ansprüche auf die Burg Weinsberg an dessen Schwiegersohn Welf VI. Auf Graf Burkard von Comburg gehen Besitzrechte der bisher in der Literatur wenig beachteten frühen, edelfreien Herren von Weinsberg zurück, die 1130 mit Wolfram von Weinsberg ins Licht der Geschichte treten und als Angehörige des Adelsgeschlechts der Reginbodonen eingeordnet werden konnten.Wolfgang Hartmann: Das Burgenrätsel Miltenberg - Freudenberg und die Treuen Weiber von Weinsberg. Auf Spuren der Herren von Dürn vom Kloster Amorbach zum ersten Stauferkönig, S. 68-94.
Treue Weiber und Herren von Weinsberg Zwischen Welf VI., dem Lehensherrn der Burg und damit der Edelfreien von Weinsberg, und dem 1138 zum König gewählten Staufer Konrad III. entbrannte ein Streit um die Macht im Reich. Im Herbst des Jahres 1140 belagerte König Konrad mit seinem Gefolge, darunter sein Bruder Friedrich II. von Schwaben sowie mehrere Bischöfe und Fürsten (u. a. Markgraf Hermann III. von Baden), die Burg Weinsberg mehrere Wochen lang. Am 21. Dezember 1140 kam es zur offenen Feldschlacht mit dem zum Entsatz heraneilenden Welfenheer. Nach dem Sieg des Stauferkönigs – Welf VI. konnte nur knapp entkommen – ergab sich die Burgbesatzung, an deren Spitze ein als Bruder Wolframs von Weinsberg anzusprechender Burkard stand.Hartmann, Burgenrätsel, S. 54 ff. Dem Bericht der Kölner Königschronik zufolge versprach der König den Frauen auf der Burg freien Abzug und gab die Erlaubnis, „dass jede forttragen dürfte, was sie auf ihren Schultern vermöchte“. Auf die Männer wartete der Tod. Die Frauen nahmen den König beim Wort und trugen ihre Männer auf dem Rücken hinab, denen sie so das Leben retteten, da der König sein Wort hielt. Die Frauen wurden als Treue Weiber von Weinsberg bekannt, und die Burg kam aufgrund dieser Begebenheit zu ihrem Namen Weibertreu (vermutlich im Lauf des 18. Jahrhunderts).
Was aus den durch die Treue und List ihrer Frauen geretteten Männern der Burgbesatzung geworden ist, war bisher unbekannt. Wie Wolfgang HartmannHartmann, Burgenrätsel, passim. rekonstruieren konnte, hat König Konrad III. ihren Anführer Burkhard und einen als weiteren Bruder erschließbaren Rupert am verkehrswichtigen Untermain angesetzt, wo er durch die 1144 erfolgte Übernahme der Obervogtei des Klosters Amorbach Hoheitsrechte erlangt hatte. Die dort in königlichem Auftrag auf Klosterbesitz errichteten Burgen Mildenburg und Frohburg (Vorgängerin der Freudenburg) bringen mit ihren Namen – so Hartmanns These – die Dankbarkeit der beiden Weinsberger gegenüber dem Stauferkönig zum Ausdruck und rühmen seine Milde. Der 1149 als Zeuge für König Konrad erscheinende Rupert I. von Frohburg wurde zum Stammvater der (bei Weinsberg über Altbesitz verfügenden) Herren von Dürn.
Auf der Burg Weinsberg selbst hatte König Konrad mit dem für 1147 und 1150 bezeugten Tibert von Weinsberg einen seiner Ministerialen angesetzt, der dort wohl mit Baumaßnahmen beauftragt war. Bei dem auf Tibert folgenden Engelhard I. von Weinsberg, dem Stammvater der jüngeren Herren von Weinsberg, handelt es sich nach Hartmann um einen in staufische Ministerialität getretenen Sohn Wolframs von Weinsberg aus der Ehe mit einer Tochter Graf Engelhards von Lobenhausen.Hartmann, Burgenrätsel, S. 105 ff.
Wolfram von Weinsberg, der im Gegensatz zu seinen Brüdern von Anfang an auf staufischer Seite stand, hat vor 1140 die Bebenburg errichtet, nach der er sich benannte. 1153 stiftete er das später Schöntal genannte Kloster an der Jagst. Der Umstand, dass sich Wolfram 1146, 1147 und 1160 auch nach der Burg Weinsberg nannte, lässt erkennen, dass ihm König Konrad hier wieder einen Sitz eingeräumt hatte. Da auch Konrads Sohn, der Schwabenherzog Friedrich IV., manchmal nach Weinsberg benannt wurde, nutzte auch er zeitweise die Burg als Wohnsitz.
Das Erbe des 1167 kinderlos verstorbenen Königssohnes zog sein Vetter Kaiser Friedrich I. Barbarossa an sich. 1188 wird das castrum Winisperch cum omnibus pertinenciis (dt.: Burg Weinsberg mit allem Zubehör) in einem Vertrag zwischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa und König Alfons VIII. von Kastilien, in dem die Ehe zwischen Friedrichs Sohn Konrad und Alfons Tochter Berengaria vereinbart wurde, erwähnt. Die Burg gehörte mit weiteren 29 staufischen Gütern zur Morgengabe der Braut. Allerdings wurde diese Ehe niemals in die Praxis umgesetzt.Peter Koblank: Vertrag von Seligenstadt 1188 auf stauferstelen.net. Abgerufen am 7. April 2017.
Die Herren von Weinsberg hatten die Burg bis 1450 als Reichslehen inne und stellten Ende des 14. Jahrhunderts den Erzbischof und Kurfürsten von Mainz (Konrad II. von Weinsberg) und Anfang des 15. Jahrhunderts den Reichserb(unter)kämmerer (Konrad IX. von Weinsberg). Sie reklamierten auch die Herrschaft über die Stadt Weinsberg; die Stadt widersetzte sich aber und strebte den Status einer Reichsstadt an, was ihr 1430 auch gelang. Schon 1440 aber wurde die Stadt kurpfälzisch und 1450 verkauften die Herren von Weinsberg aus Geldmangel die Burg Weinsberg an die Kurpfalz.
mini|links|hochkant|Südöstlicher Turm des nicht erhaltenen Hauptgebäudes. Auf dem Sandsteinmauerwerk saßen früher noch zwei Fachwerk-Etagen und ein Dach.
Württemberg 1504 eroberte Herzog Ulrich von Württemberg im Landshuter Erbfolgekrieg Burg und Stadt Weinsberg nach dreiwöchiger Belagerung. Durch Beschuss mit Kanonen erlitt die Burg große Schäden am Bergfried und an der nördlichen Ringmauer. 1512 wurde der Übergang von Burg und Stadt in württembergischen Besitz auch vertraglich von der Kurpfalz anerkannt. Vermutlich ließ Herzog Ulrich in der Folgezeit den sogenannten Dicken Turm, einen Batterie- bzw. Geschützturm, im Nordosten der Burg neu aufführen und durch eine verstärkte innere Burgmauer mit dem westlich gelegenen Bergfried verbinden.
Am Ostersonntag (16. April) 1525 wurden Burg und Stadt, wie ganz Württemberg zu dieser Zeit in österreichischem Besitz, im Bauernkrieg von den aufständischen Bauern erobert. Da die Zerstörungen von 1504 nur notdürftig repariert worden waren, hatten sie leichtes Spiel. Dabei fielen ihnen Margaretha von Helfenstein, die Frau des Weinsberger Amtmanns Ludwig Helferich von Helfenstein, und deren kleiner Sohn in die Hände. Beide wurden nach Heilbronn geschickt, angeblich auf einem Mistwagen. Die Burg wurde geplündert und angezündet, sie ist seitdem Ruine. Ludwig von Helfenstein und seine Begleiter wurden ebenfalls gefangen genommen und von den Bauern vor den Toren Weinsbergs hingerichtet. Die als Weinsberger Blut-Ostern bekannt gewordene Tat erregte große Furcht bei den Adligen und führte am 21. Mai nach der Niederlage der Bauern zur Niederbrennung der Stadt Weinsberg durch die Söldnertruppen des Schwäbischen Bundes unter Georg Truchsess von Waldburg-Zeil und zum Verlust des Stadtrechts bis 1553.
Herzog Johann Friedrich von Württemberg versuchte vor oder zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges, die Ruine erneut befestigen zu lassen, vollendete seine Bemühungen aber nicht. Zeuge der damaligen Befestigungsbemühungen ist die verstärkte nordwestliche Ringmauer mit einer Ausfallpforte. Möglicherweise geht auch der Dicke Turm erst auf diese Zeit statt auf das frühe 16. Jahrhundert zurück.
Im Laufe der Jahrhunderte verfiel die Burg und wurde von den Weinsbergern als billige Steinquelle genutzt, in der Regel ohne Erlaubnis. Nach dem Weinsberger Stadtbrand von 1707 erlaubte das württembergische Herrscherhaus als Eigentümer die Abfuhr von Bruchsteinen zum Wiederaufbau der Stadt. Die wertvollen Quadersteine sollten auf der Burg verbleiben, was die Bürger aber nicht daran hinderte, sie dennoch abzufahren. Auf diese genehmigte und ungenehmigte Abfuhr von Steinen ist die heutige Gestalt der Burg im Wesentlichen zurückzuführen.
Justinus Kerner mini|Die Reste des Bergfrieds Justinus Kerner, der als Oberamtsarzt 1819 nach Weinsberg kam, verhinderte den weiteren Verfall. Zusammen mit sechs Damen der Weinsberger Honoratiorenschicht gründete er am 8. Dezember 1823 den Frauenverein Weinsberg. Die Mitgründerinnen waren Josephine Pfaff, Gattin des Stadtschultheißen Heinrich Pfaff, Friederike Walker, Gattin des Präzeptors der Lateinschule, Philippine Hildt, Gattin des Baumeisters Johann Georg Hildt, Katharine Endres, Gattin des Amts- und Stadtschreibers, Friederike Wolf, Gattin des örtlichen Oberamtmanns Gottlieb Benjamin Wolf und Kerners Frau Friederike.Hans-Martin Maurer: Justinus Kerner, die Burg Weinsberg und der Frauenverein. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 58, Stuttgart 1999, S. 169/170. Königin Pauline von Württemberg übernahm die Schutzherrschaft über den Verein, der die 1712 bis 1716 angelegten Weingärten innerhalb der Burgmauern erwerben konnte und von König Wilhelm I. von Württemberg am 30. August 1824 mit der Ruine belehnt wurde.
Kerner ließ den Trümmerschutt in der Ruine entfernen und die Weinberge roden. Der heutige Fußweg zur Burg wurde angelegt, ein äußerer Zugang zum Untergeschoss (Pulvermagazin) des Dicken Turmes in die Mauern gebrochen. Aus den Trümmersteinen wurde nach Plänen des württembergischen Hofbaumeisters Nikolaus Friedrich von Thouret die Kapelle erbaut. Das Burginnere wurde wie ein Park gestaltet und kann seitdem von der Öffentlichkeit besucht werden.
mini|Der Dicke Turm von Nordwesten