Die USS Bowfin (SS/AGSS-287) ist ein U-Boot der Balao-Klasse, welches die United States Navy während des Zweiten Weltkrieges im Pazifikkrieg gegen Japan und während des Kalten Krieges einsetzte. 1979 wurde das Boot als Museumsschiff in Pearl Harbor auf Hawaii eingeweiht.
Wie ihre Schwesterschiffe benannte man SS-287 nach einem Fisch. Namensgeber war der Kahlhecht, englisch: bowfin.
Technik und Bewaffnung Die Bowfin war ein dieselelektrisches Patrouillen-U-Boot der Balao-Klasse. Die Balao-Klasse wurde gegenüber der Gato-Klasse nur geringfügig verbessert und war für lange offensive Patrouillenfahrten im Pazifik ausgelegt. Insbesondere die Tauchtiefe wurde, basierend auf den Erfahrungen während des Krieges gegen Japan, vergrößert und der Innenraum verbessert. Äußerlich und in ihren Dimensionen glichen sich die Boote beider Klassen weitgehend.
Technik Die Bowfin ist 95 Meter lang und 8,3 Meter breit, der Tiefgang betrug maximal 5,1 Meter. Aufgetaucht verdrängte sie 1526 ts, getaucht 2424 ts. Der Antrieb erfolgte durch vier 16-Zylinder-Dieselmotoren von General Motors, Modell 16-278A, die je 1350 PS lieferten. Unter Wasser wurde das U-Boot durch vier Elektromotoren mit insgesamt 2740 PS angetrieben, die ihre Energie aus zwei 126-zelligen Akkumulatoren bezogen. Die Motoren gaben ihre Leistung über ein Getriebe an zwei Wellen mit je einer Schraube ab. Die Geschwindigkeit betrug aufgetaucht maximal 20,25 Knoten, getaucht schaffte die Bowfin noch 8,75 Knoten. Die mögliche Tauchzeit betrug 48 Stunden, die maximale Tauchtiefe lag bei 120 Metern. In den Treibstofftanks konnten 440 Kubikmeter Dieselkraftstoff gebunkert werden, damit hatte das Boot einen Fahrbereich von 11.000 Seemeilen bei 10 Knoten Fahrt.
Bewaffnung Die Hauptbewaffnung bestand aus zehn 533-mm-Torpedorohren, sechs im Bug, vier achtern, für die sich 24 Torpedos an Bord befanden. Vor dem Turm war ein 4-Zoll-Deckgeschütz angebracht. Auf dem Wintergarten waren zwei 12,7-mm-Maschinengewehre und zwei 20-mm-Maschinenkanonen zur Flugabwehr untergebracht. Zur Ortung feindlicher Schiffe verfügte die Bowfin über ein JK/QC- und ein QB-Sonar unter dem Bug, an Deck waren JP-Hydrophone installiert. Am ausfahrbaren Elektronikmast war ein SD-Radar mit 20 Seemeilen Aufklärungsreichweite zur Ortung feindlicher Flugzeuge angebracht, zusätzlich verfügte das U-Boot über ein SJ-Oberflächensuchradar mit etwa zwölf Seemeilen Reichweite. In getauchtem Zustand konnte über das am Periskop angebrachte ST-Radar mit acht Seemeilen Reichweite ebenfalls eine Ortung feindlicher Schiffe erfolgen.
Die USS Bowfin war eines von insgesamt neun U-Booten, die im Sommer 1945 mit einem neuen FM-Sonar zum Erkennen von Minen ausgerüstet wurden.
Geschichte Die Bowfin wurde am 23. Juli 1942 bei der Portsmouth Naval Shipyard in Kittery, Maine auf Kiel gelegt. Der Stapellauf fand am 7. Dezember 1942 statt. Getauft wurde sie von Mrs. Jane Gawne, der Gattin von Captain James Gawne. Am 1. Mai 1943 wurde sie unter Commander Joseph H. Willingham in Dienst gestellt.
Zweiter Weltkrieg Die USS Bowfin unternahm während des Zweiten Weltkrieges insgesamt neun Feindfahrten, alle auf dem pazifischen Kriegsschauplatz. Sie gehörte zu den besonders erfolgreichen U-Booten der US Navy und wurde für ihre Erfolge bis 1945 mit sieben Battle Stars und einer Presidential Unit Citation ausgezeichnet.
Nach der Ausrüstung und Probefahrten des Bootes und anschließenden Trainingsfahrten an der Ostküste der Vereinigten Staaten passierte sie im Sommer 1943 den Panamakanal und fuhr anschließend weiter bis Australien, wo sie schließlich in Brisbane einlief. Dort wurde sie einigen Reparaturen unterzogen. Am 19. August brach die Bowfin mit Kurs auf Darwin auf, wo sie ihre Treibstoffvorräte noch einmal ergänzte, bevor sie ihre erste Feindfahrt begann.
Erste Einsatzfahrt (25. August 1943 – 10. Oktober 1943) Ihre erste Feindfahrt führte die Bowfin in Richtung der von den Japanern besetzten Philippinen. Am 2. September erreichte sie die Mindanaosee, in der sie zunächst drei Wochen lang vergeblich nach einem lohnenden Angriffsziel suchte.Chronik 1943.
Nachdem sie ab dem 24. September mit ihrem Schwesterschiff Billfish gemeinsam operierte, ergab sich bereits am Folgetag die erste Möglichkeit zum Angriff auf einen japanischen Konvoi aus sechs Handelsschiffen und einer nicht bekannten Anzahl Geleitschiffen. Die Bowfin kam als erste zum Schuss und feuerte zunächst aus allen sechs Bug- und im Ablaufen aus allen vier Hecktorpedorohren Torpedos auf drei der japanischen Schiffe ab. Alle Ziele wurden getroffen, jedoch konnte die Trefferwirkung zunächst wegen der japanischen Gegenwehr nicht beobachtet werden. Später beobachtete man, dass ein Passagierschiff sank und die beiden anderen Schiffe offenbar schwer beschädigt waren. Letztlich gilt aber – auch nach der Sichtung japanischer Quellen nach dem Krieg – lediglich das Passagier- und Frachtschiff Kirishima Maru (8120 ts) als versenkt. Der ebenfalls getroffene Frachter und der zuletzt torpedierte Tanker wurden von der Besatzung zwar als Versenkung gemeldet, jedoch nicht offiziell bestätigt.Erfolge der Bowfin (1943-45); Die USS Bowfin im Dictionary of American Naval Fighting Ships (DANFS).
Das Schwesterschiff USS Billfish kam ebenfalls gegen den Konvoi zum Schuss und erzielte dabei Torpedotreffer auf zwei japanischen Schiffen, die ebenfalls nicht als Versenkung bestätigt werden konnten. DANFS. Am Folgetag durch feindliche Flugzeuge zur Unterwasserfahrt gezwungen, folgte am 28. September erneut ein Angriff auf ein japanisches Frachtschiff. Der Angriff blieb erfolglos. Erst am 30. September gelang der Bowfin beim Verlassen der Mindanaosee ein weiterer erfolgreicher Angriff. Diesmal wurde ein Lastkahn mit über 100 japanischen Soldaten an Bord in einem kurzen Feuergefecht durch Geschützfeuer vernichtet. Am 2. Oktober versenkte die Bowfin noch einen Schoner nahe Balikpapan an der Ostküste Borneos, ebenfalls durch Geschützfeuer. Ihr erster Kriegseinsatz endete für die Bowfin am 10. Oktober 1943 mit dem Erreichen des U-Boot-Stützpunktes Fremantle an der Westküste Australiens.DANFS.
Zwei geheime Missionen erfüllte die Bowfin auf dieser Fahrt. Zunächst transportierte sie medizinisches Material, Funkgeräte, Munition, Geld und weiteres Material für philippinische Guerillas, das in einer Bucht einer philippinischen Insel entladen wurde. Am 30. September evakuierte Bowfin von derselben philippinischen Insel einige ausgewählte Guerillakämpfer und einen aus japanischer Gefangenschaft entflohenen US-Piloten, um diese nach Australien zu bringen.
Aufgrund seiner Erfolge wurde Commander Joseph H. Willingham zum Chef einer U-Boot-Flottille ernannt und verließ die Bowfin. Sein Nachfolger wurde Lieutenant Commander Walter Thomas Griffith. Dieser übernahm am 26. Oktober 1943 das Kommando über das Boot.
Das Boot erhielt für diesen Einsatz die Philippine Presidential Unit Citation.
Zweite Einsatzfahrt (1. November 1943 – 9. Dezember 1943) Am 1. November lief die Bowfin zur zweiten Feindfahrt aus, die sie ins Südchinesische Meer brachte. Auch während dieses Einsatzes operierte sie phasenweise gemeinsam mit der Billfish.
Am 8. November versenkte Bowfin drei von fünf gesichteten Schonern, bevor japanische Luftangriffe sie unter Wasser zwangen. Noch in derselben Nacht konnte ein weiteres Segelschiff durch Geschützfeuer versenkt werden. Am 11. November schoss Bowfin nahe Tawi-Tawi zwei weitere Schiffe – diesmal kleine Tanker – mit ihrem 4-Zoll-Geschütz in Brand.
Die erfolgreiche Feindfahrt der Bowfin setzte sich mit mehreren Versenkungen zwischen dem 26. und 28. November fort. Als sie sich bei Regen und Sturm der Küste Indochinas näherte, fand sich die Bowfin plötzlich inmitten japanischer Schiffe wieder. Zunächst konnte gerade noch eine Kollision mit einem japanischen Tanker verhindert werden, bevor dieser und ein Frachter bei einem Überwasserangriff torpediert wurden. Beide Schiffe, der Tanker Ogurasan Maru (5069 ts) und der Frachter Tainan Maru (5407 ts), sanken. Später am Tag konnte der Konvoi erneut attackiert werden. Dem Unterwasserangriff fiel nach Angaben der Besatzung ein großes auf 12.000 ts geschätztes Passagierschiff zum Opfer. Nach dem Krieg konnte diese Versenkung zunächst nach Aktenlage nicht bestätigt werden. Weitere Recherchen durch Commander John Alden bestätigten letztlich die Versenkung eines kleinen Passagierschiffes durch USS Bowfin. Die Vichy-französische Beryl war allerdings mit 671 ts erheblich kleiner als von der Bowfin angenommen und deswegen möglicherweise zu klein und unerheblich, um in den japanischen Berichten zu erscheinen.
In der Nacht zum 27. November konnte mit der Versenkung der Vichy-französischen Van Vollenhoven (691 ts) der nächste Erfolg erzielt werden. Am 28. November versenkte die Bowfin zunächst ein kleines Passagier- und Frachtschiff mit nur einem Torpedo. Diese Versenkung wurde später nicht bestätigt. Danach nahm Bowfin Kurs auf ein Geleit, welches die Billfish gemeldet hatte. Beim Angriff auf den Konvoi versenkte sie zwei Schiffe: den Frachter Sydney Maru (5425 ts) und den Tanker Tonon Maru (9866 ts). Sie selbst erhielt einen Granattreffer durch eines der japanischen Schiffe, der einige Notreparaturen notwendig machte. Die Bowfin hatte bereits alle mitgeführten Torpedos verschossen und setzte daher Kurs auf Fremantle. Auf dem Weg dorthin konnte sie am 2. Dezember noch eine Yacht in der Celebessee durch Artilleriebeschuss zerstören, bevor sie am 9. Dezember in Fremantle einlief. DANFS, Eintrag USS Bowfin.
Für diese Feindfahrt erhielt das U-Boot die Presidential Unit Citation. Kommandant Griffith wurde zudem mit dem Navy Cross ausgezeichnet.
Dritte Einsatzfahrt (8. Januar 1944 – 5. Februar 1944) Das U-Boot lief am 8. Januar 1944 zur dritten Patrouille aus, die sie zunächst über Java, Banda und die Floressee in die Straße von Makassar führte, wo sie durch Geschützfeuer einen Schoner versenkte. Am folgenden Tag, dem 17. Januar, griff Bowfin einen Frachter und zwei Begleitschiffe an, darunter das Kanonenboot Delhi Maru. Infolge fehlerhafter Torpedos blieb die Attacke nahezu erfolglos. Lediglich einer von sechs Torpedos traf und beschädigte den Frachter. Am kommenden Tag setzte das U-Boot den Angriff fort und schließlich gelang mit weiteren vier Torpedos die Versenkung der tags zuvor beschädigten Shoyu Maru. Eines der Geleitschiffe wurde durch zwei Torpedotreffer beschädigt, jedoch nicht versenkt. Anschließend fuhr das U-Boot zurück nach Darwin (Northern Territory). mini|links|Ralph W. Christie, Kommandeur der U-Bootstreitkräfte im Südwestpazifik (ComSubSoWesPac), war Anfang 1944 Gast auf der USS Bowfin
Nach dem Aufmunitionieren setzte das U-Boot den Einsatz fort. Dabei fuhr Rear Admiral Ralph W. Christie, Kommandeur der U.S. Submarine Force, Southwest Pacific (ComSubSoWesPac), bis zum Ende des Einsatzes als Gast auf der Bowfin mit, um einen persönlichen Eindruck vom erfolgreichen Vorgehen der Bowfin zu erhalten. Der Admiral bestätigte die Versenkung eines kleinen Frachters (4408 ts) am folgenden Tag, obwohl offizielle japanische Dokumente das nicht bestätigten. Am 28. Januar konnte Bowfin nach längerer Verfolgung den großen japanischen Öltanker Kamoi stellen. In zwei Anläufen feuerte sie jeweils sechs Bugtorpedos ab und erzielte zwei Treffer. Schließlich fuhr das Boot einen dritten Angriff. Die Kamoi feuerte mit Artillerie und Maschinengewehren zurück. Dennoch trafen drei Torpedos der Salve den Tanker und beschädigten ihn schwer. Die Kamoi konnte dennoch mit dem Einbruch der Dunkelheit entkommen. Am 29. Januar legte die Bowfin eine Minensperre in der Straße von Makassar, bevor sie die Heimreise antrat. Auf dem Weg nach Fremantle versenkte das U-Boot am 30. Januar noch zwei kleine Schoner mit seiner Bordartillerie.Chronik 1944. DANFS.
Vierte Einsatzfahrt (28. Februar 1944 – 1. April 1944)