Die besten Absichten (Originaltitel: Den goda viljan) ist ein Fernsehmehrteiler des dänischen Regisseurs Bille August aus dem Jahr 1991, der außerdem in einer kürzeren Filmfassung vorliegt, die 1992 veröffentlicht wurde. Die europäische Koproduktion basiert auf einem Drehbuch von Ingmar Bergman, für das seine Eltern Modell gestanden haben. Es berichtet ab 1909 über einen Zeitraum von zehn Jahren von der Beziehung des aus ärmlichen Verhältnissen in Nordschweden stammenden Theologiestudenten und späteren Pastors Henrik Bergman (dargestellt von Samuel Fröler) zur impulsiven Anna Åkerblom (Pernilla Östergren-August), die aus dem vermögenden Bürgertum von Uppsala kommt. Die Ehe der beiden erweist sich trotz aller Widerstände, Konflikte und Trennungen – unter anderem muss Hernrik Bergman zeitweilig in einer abgelegenen Pfarrgemeinde in Norrland seinen Dienst erfüllen – als tragfähig. Die Handlung endet im Juni 1918, kurz vor der Geburt Ingmar Bergmans. Die besten Absichten ist der erste Teil einer von Bergman konzipierten Trilogie über seine Eltern, die mit Daniel Bergmans Kinofilm Sonntagskinder (Söndagsbarn; 1992) fortgesetzt und mit Liv Ullmanns Fernseh- und Kinoproduktion Enskilda samtal (1996) beendet wurde.

Die international verliehene Filmfassung von Die besten Absichten galt als teuerste skandinavische Filmproduktion ihrer Zeit. Trotz gemischter Kritik, die vom wiederholten Vergleich von Augusts Regiearbeit mit den Werken Ingmar Bergmans herrührte, erhielt der Film mehrere Auszeichnungen, darunter 1992 die Goldene Palme der Internationalen Filmfestspiele von Cannes.

Handlung (Basierend auf der fünfeinhalbstündigen Fernsehfassung)

Schweden, im Jahr 1909: Der Theologiestudent Henrik Bergman lebt in ärmlichen Verhältnissen in Uppsala. Er ist mit seinen standesstolzen Großeltern zerstritten und unterhält eine heimliche Verlobung mit der Kellnerin Frida. Durch die Bekanntschaft mit dem gleichaltrigen Ernst Åkerblom lernt er dessen reiche und ebenfalls standesstolze Bürgerfamilie kennen. Henrik, der später durch eine Lüge über sein Studium seiner Mutter zu finanzieller Unterstützung durch drei unverheiratete Tanten verhilft, verliebt sich in Ernsts attraktive Schwester Anna. Die selbstbewusste und verwöhnte junge Frau, die plant, Krankenschwester zu werden, erwidert seine Gefühle und verführt ihn. Henrik erzählt Anna von Frida, löst die Verlobung zu der Kellnerin aber nicht. Annas Mutter lehnt die nicht standesgemäße Verbindung ihrer Tochter mit dem introvertierten Henrik ab und lässt durch ihren Sohn Carl Nachforschungen anstellen. Bei einem Besuch Henriks im Sommerhaus der Åkerbloms stellt Frau Åkerblom ihn schließlich wegen der Verlobung mit Frida zur Rede und zwingt ihn zur vorzeitigen Abreise und Trennung von Anna.

Henrik leidet unter der Trennung. Frida trifft sich daraufhin mit Anna, gibt ihre Ansprüche auf Henrik auf und verlässt die Stadt. Kurz darauf erkrankt Anna schwer an Tuberkulose und wird in ein Sanatorium in der Schweiz verlegt. Zwei Jahre später versucht Anna den Kontakt zu Henrik, der mittlerweile evangelisch-lutherischer Pastor ist, wieder herzustellen. Der Brief an ihn wird aber von Frau Åkerblom abgefangen und verbrannt. Sie unternimmt mit ihrer Tochter eine mehrwöchige Reise an die Amalfiküste, auf der sie die Nachricht vom Tod ihres Gatten – Annas Vater – erreicht. Frau Åkerblom gesteht Anna daraufhin die Unterschlagung des Briefes, mit der der verstorbene Herr Åkerblom nicht einverstanden gewesen war.

hochkant|mini|links|Innenansicht des Doms von Uppsala, in dem Henriks und Annas Hochzeit stattfindet Anna kehrt zu Henrik zurück. Sie verloben sich und besichtigen eine Pfarrstelle im provinziellen Norrland. Angekommen in der Pfarrgemeinde in Forsboda folgen erste Unstimmigkeiten. Ein schwerer Streit bricht aus, als Henrik seine zukünftige Braut zu einer schlichten Hochzeit ohne Verwandte in seiner Pfarrkapelle, einem früheren Gewächshaus, zu überreden versucht. Beide versöhnen sich aber wieder miteinander und heiraten wie ursprünglich geplant prunkvoll im Dom zu Uppsala.

Das frisch getraute Paar reist vorzeitig nach Forsboda, wo es sich erfolgreich in die Gemeinde integriert. Henrik und Anna werden Eltern eines Sohnes, Dag, der gegen den Willen von Henrik im entfernten Uppsala zur Welt kommt. Zusätzlich nimmt das Paar den 7-jährigen Waisenjungen Petrus bei sich auf. Während sozialer Unruhen bezieht Henrik im Konflikt mit dem religionsscheuen Fabrikbesitzer und Ingenieur Nordenson Stellung und überlässt den Arbeitern bereitwillig die Kapelle als Versammlungsort. Ein weiterer Konflikt ergibt sich durch Nordensons Töchter, die auf Wunsch von Frau Nordenson heimlich Henriks Konfirmandenunterricht besuchen.

Allmählich beginnen sich der autoritäre Henrik und die lebenslustige Anna voneinander zu entfremden. Bei einem Besuch Ernsts weigert sich Henrik mit Gewalt, zur Grammophonmusik zu tanzen. Auch eine angebotene Stelle als Hofpastor am geplanten königlichen Sophia-Hospital in Stockholm lehnt er zur Enttäuschung Annas ab. Henriks Mutter, die insgeheim gegen die Beziehung des Paares gewesen war, besucht die beiden in Forsboda und stirbt dort. Beim Konfirmandenunterricht kommt es zu einer Szene mit dem alkoholisierten Nordenson, der die Teilnahme seiner Töchter unterbinden will. Henrik denunziert den Mann bei Anna und seinen Schülern. Nordenson lässt daraufhin seinen Einfluss spielen, um das Paar in der Gemeinde auszugrenzen. Dazu tragen auch Gerüchte über die angebotene Anstellung in Stockholm sowie über Henrik und Frau Nordenson bei.

Anna beginnt eine Antipathie gegen Petrus zu entwickeln, den sie aus dem Haus haben möchte. Der Junge erfährt davon und versucht aus Rache Annas und Henriks kleinen Sohn Dag in die nahen Stromschnellen zu werfen. Petrus kann aber von Henrik aufgehalten werden. Dieser prügelt den Jungen und schickt ihn fort. Darauf folgt der Bruch mit Anna, die das entbehrungsreiche Leben in der Provinz leid ist. Im Streit erhebt Henrik die Hand gegen seine mittlerweile wieder schwangere Ehefrau, die ohne sein Wissen versucht hatte, seine Bewerbung für die noch immer vakante Stelle am Sofia-Stift aufrechtzuerhalten. Anna kehrt daraufhin mit Dag zu ihrer Mutter nach Uppsala zurück, wo beide das Weihnachtsfest verbringen. Der asketische Henrik isoliert sich zunehmend in seiner Pfarrgemeinde, während Nordenson nach Stilllegung seiner Fabrik im Dezember 1917 Selbstmord begeht. Henrik kehrt im Juni 1918 unangemeldet nach Uppsala zurück. Er verspricht der hochschwangeren Anna, die Stelle in Stockholm anzunehmen. Sie willigt in einen gemeinsamen Neuanfang ein.

Entstehungsgeschichte Rückkehr Bergmans zur Drehbucharbeit und Projektankündigung Nach der erfolgreichen Aufarbeitung seiner Kindheit mit der preisgekrönten Kinoproduktion Fanny und Alexander (1982), seinem offiziell „letzten Film“, hatte sich Ingmar Bergman nur noch dem Fernsehen und der Theaterregie gewidmet. 1984 wurde auf den Filmfestspielen von Cannes sein im Jahr zuvor entstandener Kurzfilm Karins Ansikte vorgestellt. Die 14-minütige Produktion mit Musikbegleitung und ohne Dialog zeigt hauptsächlich Schwarzweiß-Fotos seine Mutter und wurde am 29. September 1986 im schwedischen Fernsehen uraufgeführt.Karins Ansikte. In: Birgitta Steene: Ingmar Bergman: a reference guide. Amsterdam Univ. Pr., Amsterdam 2005, ISBN 90-5356-406-3, S. 339–340. von Karins Ansikte bei ingmarbergman.se (schwedisch; abgerufen am 7. Oktober 2012). Bergman zufolge war seine Familie mütterlicherseits sehr fotografierfreudig gewesen und er hatte nach dem Tod seiner Eltern mehrere Fotoalben erhalten, die von etwa Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang der 1960er-Jahre reichten.Ingmar Bergman: Die besten Absichten. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1993, ISBN 3-462-02275-X, S. 7. Nach einer Phase der Resignation, die unter anderem durch die Ermordung des schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme im Februar 1986 mitverursacht worden war, begann er Ende der 1980er-Jahre wieder als Drehbuchautor zu arbeiten.Ingmar Bergman. In: Internationales Biographisches Archiv 44/2007 vom 3. November 2007, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal. bis KW 08/2011 (abgerufen via Munzinger Online). Angeregt durch die erhaltenen Fotografien begann Bergman eigenen Angaben zufolge „absichtslos“ ein Szenarium zu entwerfen, das auf „[...] Äußerungen, Dokumenten und [...] Photos beruhte“. Durch das Betrachten der Fotos hätte er „starke Zuneigung“ zu seinen Eltern verspürt, „die fast in jeder Hinsicht anders waren als die halbgewandten, mythisch übersteigerten Gestalten, die meine Kindheit und Jugend dominierten“.Ingmar Bergman: Die besten Absichten. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1993, ISBN 3-462-02275-X, S. 8.

hochkant|mini|Der dänische Regisseur Bille August (2008) Am 1. September 1989 gab Bergman überraschend auf einer zweistündigen Pressekonferenz in Stockholm seine Zusammenarbeit mit dem Dänen Bille August bekannt. Bergman als Drehbuchautor und August als Regisseur wollten an einem sechsstündigen Fernsehmehrteiler à vier Teile bzw. zweiteiligen Film namens Den goda viljan (damalige englische Übersetzung Good Intentions) über das Leben von Bergmans Eltern zusammenarbeiten.Steve Lohr: For Bergman, a New Twist on an Old Love. In: The New York Times. 6. September 1989, S. C15.AP: People in the News. 1. September 1989, Domestic News (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft). „Ich fühle ein großes Bedürfnis, die Geschichte dieser zwei Menschen zu erzählen, die in meinem Blutsystem, in meinen Nerven und in meinen Genen sind“, so Bergman gegenüber den Journalisten.Briefly: Bergman’s parents subject of film. In: The Globe and Mail. 2. September 1989 (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft). August, der zwei Jahre zuvor mit der vielfach preisgekrönten Literaturverfilmung Pelle, der Eroberer (1987) mit dem früheren Bergman-Darsteller Max von Sydow auf sich aufmerksam gemacht hatte, war persönlich von Bergman als Regisseur ausgesucht worden, obwohl dieser ihn bisher nie getroffen hatte. Er hatte Pelle, der Eroberer eigenen Angaben zufolge mehrfach gesehen.Arthur Max (AP): Ingmar Bergman Writes Revealing Play About his Parents. 26. September 1989, Entertainment News (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft). August hatte sich zur Zeit der Anfrage in der Vorproduktion zu Isabel Allendes Romanverfilmung Das Geisterhaus befunden, die jedoch mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen hatte. Daraufhin zog August nach Studium des Drehbuchs das Projekt Die besten Absichten vor.