mini|150px|Hans Wegener: Bäu­me des Waldes, WB 1 mini|150px|Franz Grillparzer: Der arme Spielmann, WB 58 (letzter Reihenband, 1942 – hier Broschur von 1943) Die Weberschiffchen-Bücherei (WB) ist eine 58 Titel umfassende Buchreihe preiswerter Bücher, die von 1935 bis 1943Die Buchreihe war zwar mit dem zuletzt erschienenen Titel Der arme Spielmann bereits 1942 titelseitig beendet worden. Mit dem Ausgabejahr 1943 erschienen aber noch broschierte Folgeauflagen mehrerer Titel. in der Leipziger Verlagsbuchhandlung J. J. Weber erschien. Ihr Themenkreis umfasst populärwissenschaftliche, mit farbigen Illustrationen oder s/w-Fotos versehene Texte aus Biologie, Kulturgeschichte und Architektur; aber auch Erzählungen, Novellen und Märchen.

Editionsgeschichte Vorbemerkungen Möglicherweise gab die Insel-Bücherei auch den Anstoß zu dieser Reihe. Gut ein Viertel der Titel der Weberschiffchen-Bücherei war zuvor in der IB erschienen, wie sich aus der folgenden Tabelle ergibt. Dabei waren die Bände naturkundlichen Inhalts seitens der Autorenschaft und der herangezogenen Illustratoren in beiden Reihen völlig unterschiedlich gehalten. Informatorisch wurden vergleichbare IB-Titel, die erst nach dem WB-Band auf den Markt kamen, mit angegeben; hier kommt auch eine umgekehrte Anregung in Betracht. Diese späteren Ausgaben der Insel-Bücherei sind kursiv gesetzt. Dies trifft auch auf die Angabe erst deutlich späterer zusätzlicher Illustrationen bei den IB-Bänden zu.

Tabelle mit der Gegenüberstellung der in der Weberschiffchen- und der Insel-Bücherei erschienenen text- oder themengleichen Titel: Tabelle WB Jahr Autor Titel IllustratorFotograf IB Jahr IllustratorFotograf AbweichenderIB-Autor / Titel 1 1935 Hans Wegener Bäume des deutschen Waldes Adam Wolfgang Winterschmidt 316/2 1934 Willi Harwerth Friedrich Schnack: Das kleine Baumbuch 22 1936 Lucy Nath Im Dom zu Naumburg Rolf-Dietrich Nath, Helmuth Nath 505 1937 Walter Hege, Johannes Jahn Wilhelm Pinder (1964: Johannes Jahn): Die Bildwerke des Naumburger Doms 25 1937 Wilhelm Rau Die Edelsteine Curt Bessiger, Otto Berger 54/2 1938 Hans Lang Friedrich Schnack: Das kleine Buch der Edelsteine 38 1940 Clemens Brentano Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl Friedrich Rietschel 175 1915 Hans Meid(1942: 47.-55.)Helga Paditz(1974: 76.-90.) – 39 1940 Hermann von Kleist Michael Kohlhaas Rudolph Brabandt 161 1915 Gerhard Kurt Müller (1977: 96.-110.) – 40 1940 Theodor Storm Pole Poppenspäler Martin Rudolph 45/2 1918 Joachim Kölbel(1954: 121.-140.) – 42 1940 J. W. Goethe(Nachwort: Max Hecker) Das Märchen – 864 1967 Heiner Vogel – 46 1941 Conrad Ferdinand Meyer Gustav Adolfs Page – 286/2 1929 – – 47 1941 Conrad Ferdinand Meyer Huttens letzte Tage – 300/2 1929 – – 48 1941 Gebrüder Grimm Fünfzehn Kinder- und Hausmärchen – 441–443 1935 – Die Hausmärchen 49 1941 Gottfried Keller Der Landvogt von Greifensee – 324 1935 – – 52 1940 Theodor Storm Aquis submersus – 249 1919 Johannes Wüsten (1967) – 53 1942 Gottfried Keller Romeo und Julia auf dem Dorfe Martin Rudolph 324 1935 – – 54 1942 Jean Paul Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wuz in Auenthal – 51 1913 – – 55 1942 Gottfried Keller Das Fähnlein der sieben Aufrechten – 325 1940 – – 56 1942 Wilhelm Hauff Die Karawane – 424 1932 Carl Weidemeyer (7 Initialen) – 57 1942 Wilhelm Heinrich Wackenroder,Ludwig Tieck (Nachwort: Hermann August Korff) Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders – 534 1938 – – 58 1942 Franz Grillparzer Der arme Spielmann – 82 1913 – – Einige Bücher waren in den 1920er Jahren beim Verlag schon in anderer Ausstattung, zumeist als Halbleinen-Bände mit Deckelillustration und teilweise Originalumschlag, im normalen Verlagsprogramm erschienen. Dazu zählten der Band von Franz Adam Beyerlein, die beiden Bände von Fritz Philippi um den Pfarrer Hirsekorn und die unten näher beschriebenen Ausgaben zur Weimarer Klassik. Hier versprach sich der Verlag weiteren Absatz der Titel angesichts nun verringerter Preise; die früheren Auflagen außerhalb der Reihe kosteten circa 3 bis 3,50 Reichsmark. Bei einigen anderen sollte das Ablaufen der urheberrechtlichen Schutzfrist bekannter Autoren, wie Theodor Storm, Gottfried Keller oder Theodor Fontane, für eine erfolgreiche Neuauflage im preisgünstigen Pappband-Segment ausgenutzt werden, wie dies bei vielen anderen Verlagen der Fall war.

Erstes Ausgabejahr 1935 Im ersten Ausgabejahr der Weberschiffchen-Bücherei erschienen, beginnend mit Hans Wegeners Bäume des Waldes, insgesamt 14 Bändchen mit überwiegend naturkundlichem Inhalt.Eine Zusammenstellung der 14 Bände von 1935 ist zu finden im Börsenblatt Nr. 266 vom 15. November 1935, S. 5652 f. ( SLUB Digitalisat). Es gab aber auch mehrere literarische Texte: Der Karneval und die Somnambule (WB 4), eine Novelle Karl Immermanns, die Goethes Motiv der Wahlverwandtschaften aufgreift. Weiter gab es eine Novelle der zweiten Ehefrau Fritz Langs sowie Drehbuchautorin (u. a. Metropolis) und Regisseurin (u. a. Hanneles Himmelfahrt), Thea von Harbou: Liebesbriefe aus St. Florin (WB 6), die Erzählung Johann Fehring, der Volksbetrüger von Adolf Bartels (WB 7) und Sechs fröhliche Legenden von Franz Adam Beyerlein. Auch thematische Zusammenstellungen waren zu finden, wie Aberglauben in der Liebe (WB 3) oder Lieder, die die Welt erschütterten (WB 10) – beide von der Widerstandskämpferin und ersten Ehefrau des späteren BDA-Präsidenten Otto A. Friedrich, Ruth Andreas-Friedrich.

Folgejahre 1936 bis 1938 1936 gab es mit den Bänden 15 bis 22 acht Novitäten und im Folgejahr dann sieben neue Titel von Nummer 23 bis 29Vergleiche die Ankündigung der Nrn. 23 bis 26 im Börsenblatt Nr. 17 vom 22. Januar 1937, S. 233 (SLUB Digitalisat) und der Nrn. 27 bis 29 im Börsenblatt Nr. 135 vom 16. Juni 1937, S. 2634 (SLUB Digitalisat).. 1938 folgten noch sechs Neuerscheinungen, die Bände 30 bis 35; eine Zusammenstellung der bis August 1938 insgesamt erschienenen 34 Bände bis WB 35 (noch ohne WB 34) ist im Börsenblatt Nr. 187 zu finden.Vergleiche Börsenblatt Nr. 187 vom 13. August 1938, S. 3902 f. (SLUB Digitalisat).

Kriegsjahre 1939 bis 1943 1939, im Jahr des Kriegsbeginns, erschien plötzlich nur noch ein Band, WB 36 (Deutsche Universitäten). Aber 1940 zogen schon wieder sieben neue Weberschiffchen, die Bände 37 bis 43, ihren Kurs in die Verkaufsregale, denen 1941 sechs (Nummer 44 bis 47 sowie 49 und 50) folgten. Mit dem Jahr 1942, dem wohl kriegsbedingt letzten Jahr mit Reihenneuheiten, verabschiedete sich die Reihe mit sogar noch einmal neun Neuerscheinungen, darunter die noch fehlende Nummer 48 sowie die Bände 51 bis 58. Der letzte Reihentitel war dabei Der arme Spielmann von Franz Grillparzer; 1943 wurde von dieser Nummer noch eine Broschurausgabe aufgelegt. Die Reihe insgesamt endete im selben Jahr mit mehreren Feldpostausgaben im Rahmen der in Italien vertriebenen Feldblusenbücherei.

Thematische Schwerpunkte Ein durchdachtes verlegerisches Gesamtkonzept kann, ungeachtet einiger erkennbar werdender Themenkreise, der Reihe schwerlich entnommen werden. Insgesamt schlägt die Titelabfolge einen kaleidoskopartigen inhaltlichen Bogen. Bei nicht wenigen Titeln der Reihe, vor allem denjenigen mit kultur- und kunstgeschichtlichem Bezug, sind leider auch entstehungszeitbedingte Reverenzen an die nationalsozialistische Ideologie nicht zu übersehen (z. B. Naumburger Dom – WB 22, Universitäten – WB 30, Leipziger Messe – WB 35).

Naturkunde Ein nicht geringer Teil der Reihe ist naturkundlichen Themen im weitesten Sinn gewidmet. Sie folgten dem Auftakttitel der Reihe insbesondere gleich im ersten Jahr. Im von Curt Bessiger (Farbtafeln) sowie Rudolf Lipus und Hans Friedrich illustrierten Band Eßbare Seefische (WB 9) beschreibt Rudolf Schiffel die in Deutschland bekanntesten Arten und gibt zusätzlich eine Übersichtsskizze zur deutschen Küsten- sowie die kleine und große Hochseefischerei vor allem in Nord- und Ostsee. 1935 gab es noch Der Wiesenteich und seine Lebensgemeinschaft von Julius R. Haarhaus (WB 11) mit Illustrationen von Curt Bessiger, Alexander Reichert und Franz Schmidt-Kahring sowie Unter Polartieren von Alwin Pedersen (WB 13) mit Fotos des Verfassers. Bis 1938 erschienen noch Rassehunde von Albert Georgi (WB 32), Edelsteine von Wilhelm RauWilhelm Rau war Juwelier und Edelsteinexperte und in dieser Eigenschaft Redaktionsmitarbeiter der Fachzeitschrift „Goldschmiedekunst“. Er ist auch Autor der Edelsteinkunde für Mineralogen, Juweliere und Steinhändler. Praktisches Lehr- und Hilfsbuch zur Untersuchung und Bestimmung von Edel- und Schmucksteinen. Schlag Nachf., Leipzig 1907. (WB 27) oder Giftpflanzen unserer Heimat von Karl WetzelDer Autor Karl Wetzel wurde am 11. Mai 1893 in Ravensburg geboren und verstarb am 22. Februar 1945 in Weingarten (Vgl. Gepris Historisch). Er war zunächst Volksschullehrer. Nach einem weiterführenden Studium arbeitete er ab 1922 als Assistent am Institut für Botanik der Universität Leipzig und wurde 1936 Ordinarius für Botanik an der Landwirtschaftlich–tierärztlichen Fakultät der Universität Berlin (Vgl. Digitalisat der FU Berlin). Weiterführende biografische Angaben zu Wetzel lassen sich dem Aufsatz von Hermann Ullrich „Karl Wetzel (1893-1945)“ in den Berichten der Deutschen Botanischen Gesellschaft, Berlin 1955, S. 265–269, entnehmen (). Wetzel verfasste neben dem hier genannten Titel 1940 einen Grundriss der Botanik, der 2020 als Reprint (De Gruyter, Berlin/Boston) erschien, beide Titel sind bei der DNB () gelistet (Deutsche Biografie). (WB 16) wieder mit Zeichnungen von Curt Bessiger.

Bäuerliches Leben und Landwirtschaft Von Hans Wegener gab es gleich 1935 zwei Bände zu dieser Thematik: Früchte des Feldes (WB 5) mit Illustrationen von Franz Schmidt-Kahring und Alte deutsche Bauernweisheit (WB 2), vom Autor selbst mit Zeichnungen versehen (1942: broschierte 2. Auflage). 1937 folgte noch, wieder illustriert vom Autor, Vom deutschen Bauerngarten (WB 28); diese Bandnummer diente auch zur Erstellung einer politischen Tarnschrift. In einer Übersetzung aus dem Schwedischen von Ilse Meyer-Lüne wurde 1937 noch der Lobgesang zum Holzorchester (WB 23) von Elisabeth Bergstrand-Poulsen vorgelegt, der die Köstlichkeit des Bauernlebens schildert und womit dieses Themenfeld abgeschlossen wurde.

mini|150px|F. Frh. von Stein-Kochberg: In Kochberg (WB 15), TS von Editha Drawert

Kunst- und Kulturgeschichte Die Kunstgeschichte ist mit mehreren Bänden vertreten, wie Lucy Naths Im Dom zu Naumburg (WB 22), Erich Haenels (Direktor des Grünen Gewölbes) Dom und Burg Meißen (WB 33) oder Josef Bergels Friedland das Schloß Wallensteins (WB 37), bei dem in den nach 1945 ausgelieferten Broschüren bei der Standortangabe das Wort „Sudetengau“ geschwärzt wurde. Die deutsche Kulturgeschichte wird mit Titeln, wie Kurt Sauers Deutsche Triumphzüge (WB 21), Kultur im Eisen von Paul Mahlberg (WB 30) oder Die deutschen Universitäten von Fritz Spindler (WB 36), bedient.

Weimarer Klassik