Die Straßenbahn Bukarest ist mit 22 Linien das größte Straßenbahnsystem in Rumänien. Das normalspurige Netz in der Hauptstadt Bukarest existiert seit 1872 und ist heute 136 Kilometer lang (Stand 2023). Betrieben wird die Straßenbahn heute vom kommunalen Verkehrsunternehmen Societatea de Transport București STB SA, kurz STB. Dieses ist auch für den 1949 eröffneten Oberleitungsbus Bukarest und den Stadtbusverkehr zuständig, nicht aber für die seit 1979 verkehrende Metro Bukarest.

Über viele Jahrzehnte hinweg stellte die Hauptwerkstatt der Straßenbahn Bukarest für die Hauptstadt selbst, aber auch für fast alle anderen rumänischen Betriebe, neue Straßenbahnwagen her. Ebenso wurden zahlreiche ältere Wagen von Grund auf modernisiert. In diesem Zusammenhang firmierte die Hauptwerkstatt auch als Atelierele Centrale ale Societății de Transport București beziehungsweise nach dem Zweiten Weltkrieg unter Uzina de Reparații Atelierele Centrale, kurz U.R.A.C.

Geschichte mini|links|Die 1872 eröffnete Pferdebahn mini|links|S.T.B.-Fahrkarte von 1918 mini|links|Schon früh führte die Bukarester Straßenbahn den Fahrgastfluss ein, hier die entsprechende Beschilderung der Linie 20 (Urcare steht für Einstieg, Coborîre für Ausstieg) mini|Sammelaktie über 5 × 500 Lei der Soc. Comunala Tramvaielor Bucuresti vom 24. Juli 1919 Vorläuferin der heutigen elektrischen Straßenbahn war eine Pferdebahn. Sie ging am 28. Dezember 1872 als erstes öffentliches Verkehrsmittel der Stadt in Betrieb und verband den Piața Sfântul Gheorghe mit der Podul Târgoviștei beim Bahnhof București Nord. Dies war die erste Straßenbahn im damaligen Königreich Rumänien, die bereits 1869 eröffnete Straßenbahn Timișoara gehörte seinerzeit noch zu Österreich-Ungarn. Erste Betreibergesellschaft war die 1871 gegründete Buchurest Tramways, die zur international operierenden Tramways Union Company Limited mit Sitz in England gehörte. Das Unternehmen eröffnete weitere Strecken und verfügte 1895 bereits über vier Linien, auf denen 45 Wagen eingesetzt waren.

1890 trat mit der Société Anonyme d’Entreprises, Lüttich aus Belgien eine zweite ausländische Gesellschaft auf den Plan und erhielt 1893 eine Konzession für eine 5,5 Kilometer lange elektrisch betriebene Linie zwischen Obor und Cotroceni. Diese war auf 3,05 Kilometer Länge zweigleisig ausgebaut und nahm am 9. Dezember 1894 ihren Betrieb auf. Sie war die erste Rumäniens, auch in den später hinzugekommenen Landesteilen verkehrten damals noch keine elektrischen Straßenbahnen. Mit der Errichtung der elektrischen Anlage einschließlich der Straßenbeleuchtung war das Unternehmen Siemens & Halske aus Wien betraut, das Unterwerk befand sich an der westlichen Endstelle Cotroceni. Betrieben wurde die Elektrische mit acht Triebwagen, als Beiwagen dienten ehemalige Pferdebahnwagen. Weitere Elektrifizierungen wurden seitens der Stadtverwaltung jedoch nicht gestattet, der Einfluss aus dem Ausland war nicht erwünscht.

Ebenfalls 1894 erhielt die Buchurest Tramways eine neue Konzession für weitere 21 Jahre, die aber 1898 verkauft wurde. In jenem Jahr war das Bukarester Straßenbahnnetz zusammen knapp 20 Kilometer lang, wenngleich Pferdebahn und Elektrische keine Gleisverbindung hatten. Der Zusammenschluss erfolgte erst 1909, als die Stadt selbst – in Konkurrenz zu den beiden privaten Gesellschaften – das kommunale Unternehmen Societatea Comunală Tramvaielor București (S.T.B) gründete um die weitere Elektrifizierung des Netzes voranzubringen. Ab 1911 betrieb die S.T.B. dann auch selbst elektrischen Straßenbahnverkehr. Die neuen Wagen lieferte zunächst die J. G. Brill Company aus den Vereinigten Staaten, ab 1920 dann die Grazer Waggonfabrik. Erst mit Ablauf ihrer Konzession konnten später auch die beiden Privatunternehmen in die S.T.B. integriert werden. 1929 stellte Bukarest schließlich – als letzte europäische Großstadt – den Pferdebetrieb ein.

Anschließend folgte ein umfangreicher Ausbau des Netzes, es wuchs dabei von 86 Kilometern im Jahr 1936 auf 144 Kilometer im Jahr 1943 – damals waren bereits 841 Wagen im Einsatz – und schließlich auf 351 Kilometer im Jahr 1980. Parallel dazu wurden aber – insbesondere im Zentrum – auch zahlreiche Strecken stillgelegt und durch Oberleitungsbusse beziehungsweise später auch durch die Metro ersetzt. So entfielen beispielsweise 1964 durch die Stilllegung der stark befahrenen Strecke im Zuge des Bulevardul Nicolae Bălcescu gleich drei Straßenbahnlinien. Im Gegenzug gingen aber in den Außenbezirken zahlreiche Neubaustrecken in Betrieb, außerdem entstand mit der Linie 26 eine um die Innenstadt herum führende Ringlinie, die als Besonderheit als einzige Linie des Netzes eine rote Liniennummer besaß und zudem die ganze Nacht hindurch verkehrte.

Beginnend in den 1930er Jahren fand außerdem eine kontinuierliche Modernisierung statt. Dazu gehörten vor allem die Einführung des Fahrgastflussprinzips sowie die 1934 erfolgte Aufnahme des Einrichtungsbetriebs. 1937 verkehrten bereits 19 Straßenbahnlinien, parallel zu ihnen existierten damals schon 24 Buslinien.

Die S.T.B. firmierte ab 1950 als Întreprinderea de Transport București (I.T.B.), bevor 1990 infolge der Revolution von 1989 das heutige Unternehmen R.A.T.B. entstand.

Linien Die Bukarester Straßenbahnlinien verkehren 2025 wie folgt:

Linie Linienweg HalteIntervall (tagsüber) Romprim → Bucur Obor → Banu Manta → Eroii Revoluției → Romprim (Ring gegen Uhrzeigersinn) 46alle 6–8 Min.Mezes ↔ Piața Presei11alle 53 Min. Piața Sf. Gheorghe ↔ Pasaj Băneasa 16alle 10–16 Min. C.F.R. Progresul ↔ Piața Unirii 18alle 7–10 Min.Romprim → Eroii Revoluției → Banu Manta → Bucur Obor → Romprim (Ring im Uhrzeigersinn)46alle 6–8 Min. Zețarilor ↔ Cartier 16 Februarie 34alle 12–15 Min. Piața Sf. Vineri ↔ Blvd. Ferdinand I ↔ Pantelimon 14alle 14–20 Min. Piața Sf. Vineri ↔ Platforma Industrială Pipera 21alle 14–17 Min.Zețarilor ↔ Șoseaua Giurgiului ↔ Calea Vitan ↔ Str. Liviu Rebreanu ↔ Complex Comercial Titan41alle 13–16 Min. Piața Sf. Gheorghe ↔ Pasaj Colentina 14alle 5–7 Min. Zețarilor ↔ Calea Dudești ↔ Str. Liviu Rebreanu ↔ Faur Poarta 4 36alle 12–15 Min. Cartier Dămăroaia ↔ Vasile Pârvan 17alle 17–22 Min. C.F.R. Progresul ↔ Depoul Militari 35alle 5–8 Min. Complex Comercial Titan ↔ Blvd. Camil Ressu ↔ Calea Dudești ↔ Piața Unirii 25alle 9–15 Min. Depoul Alexandria ↔ Piața Unirii 11alle 3 Min. Republica ↔ Platforma Industrială Pipera 26alle 12–15 Min. Complex Comercial Titan ↔ Blvd. Basarabia ↔ Piața Sf. Vineri 26alle 12–15 Min. Piața Presei ↔ Ghencea 15alle 2–4 Min. Cartier 16 Februarie ↔ Vasile Pârvan 16alle 15–18 Min. Mezes ↔ Gara de Nord 15alle 18 Min. Piața Unirii ↔ Str. Doctor Constantin Istrati ↔ Ghencea 14alle 16–20 Min. Piața Sf. Vineri ↔ Șoseaua Iancului ↔ Pantelimon 15alle 13 Min.

Die Linienführung wechselt aufgrund von Gleisbauarbeiten häufig.

Metrou ușor

Im Jahr 1998 startete die R.A.T.B. ein Projekt zur Modernisierung des Straßenbahnnetzes. In diesem Zusammenhang wurde der Begriff Metrou ușor, wörtlich übersetzt Leicht-Metro, verwendet, der sich darauf bezieht, dass die Straßenbahn auf vollständig vom Straßenverkehr unabhängigem Gleiskörper verkehrt, höhere Geschwindigkeiten erreicht und nur an den Haltestellen hält. Um ein solches System zu erreichen, war es nicht ausreichend, die Trassierung zu ändern, sondern es musste auch ein Wagentyp eingeführt werden, der höhere Geschwindigkeiten erreichen kann, ohne die Sicherheit und den Fahrgastkomfort zu beeinträchtigen.

Bisher wurden auf der Linie 41 teilweise eigene Gleiskörper geschaffen, ein Rest verläuft weiterhin im Straßenraum, wurde aber durch Fahrbahnmarkierungen als vorrangiger Bereich für die Straßenbahn markiert. Es existieren Pläne, eine weitere Leicht-Metro-Strecke zum Flughafen Henri Coandă zu errichten.

Die Linie 41 ist die erste Linie der Bukarester Straßenbahn, die an Ampeln eine Vorrangschaltung besitzt. Auf der gesamten Strecke besitzt sie einen unabhängigen Gleiskörper (der nur in gekennzeichneten Bereichen von Fahrzeugen oder Fußgängern überschritten werden kann) und Grüne Welle an allen Kreuzungen. Derzeit verkehren auf ihr modernisierte Triebwagen des Typs V3A.

Die Linie 41 durchquert Bukarest vom Presei-Platz bis zum Bezirk Ghencea (im Bereich des Steaua-Stadions) längs der Strecke: Presei-Platz (Endstelle) – Mărăști-Boulevard – Alexander Averescu-Boulevard – Turda-Straße – Pasaj Grant – Crângaşi-Weg – Virtuții-Chaussee (Militari) – Pasaj Lujerului – Brasov-Straße (Drumul Taberei) – Ghencea-Boulevard (Endstelle). Beide Endstellen sind die ersten multimodalen Verknüpfungspunkte für den öffentlichen Verkehr in Bukarest.

Wichtige Ziele, die von dieser Strecke erschlossen werden, sind: das Pullman Bucharest World Trade Center, das Institut für Landwirtschaft, die Cașin-Kirche (in ihrer Nähe auch der Triumphbogen), das Institutul de Cercetare și Proiectare în Informatică (ICI), die Grant-Brücke, das Odeon-Theater und das Giulești-Stadion, das Schwimmbad Ștrandul Dâmboviţa, die Lujerului-Unterführung und das Steaua-Stadion.

Das Gleis besteht aus Schienen des Typs CF 94. Der Gleiskörper ist betoniert oder begrünt. Die Reisegeschwindigkeit ist höher als auf allen anderen Bukarester Straßenbahnlinien. Die Fahrzeit für die Gesamtstrecke beträgt etwa 30 Minuten.

Rollmaterial mini|Tatra T4R auf der Linie 35.

V2A/S-T 1998 wurde ein Programm zur Modernisierung der Tatra-Wagen begonnen, wobei unter Nutzung dreier Drehgestelle von zwei T4R und auf Basis ihrer Wagenkästen ein neuer Triebwagen gebaut wurde. Die ersten zwei Exemplare waren Zweirichtungswagen (V2S-T), die späteren Einrichtungswagen (V2A-T). Ursprünglich sollten 126 Tatra-Wagen zu 63 Bucur-Wagen umgebaut werden. Im Jahr 2008 wurde das Umbauprogramm eingestellt, insgesamt entstanden bis dahin elf Wagen. Zurzeit werden sie auf Linien des Betriebshofs Militari eingesetzt, insbesondere auf der Linie 25.

V3A mini|Wagen 259 des Typs V3A im Jahr 1996. mini|Wagen 193 des Typs V3A-93 (modernisiert von URAC) auf der Linie 36.

Der V3A ist der erste in Rumänien hergestellte Gelenkstraßenbahnwagentyp. Er wurde von der U.R.A.C. ab 1972 hergestellt und bis 1990 für Bukarest, Cluj-Napoca, Brăila, Constanța (Modell V3A-C, für eine Spannung von 825 Volt), Oradea, Ploiești, Brașov und Botoșani gebaut. Die Oradeaer Wagen gingen später nach Iași, wo sie auf Meterspur umgebaut wurden.

Das erste Projekt zur Modernisierung des Wagenparks aus dem Jahr 1989 sah den Umbau der zwischen 1973 und 1990 hergestellten V3A-Wagen vor. So wurde - in Abänderung der ursprünglichen Planung - 1993 der erste V3A-93 von der U.R.A.C. hergestellt, der einen V3A ersetzte und dessen Wagennummer erhielt. Zwischen 2004 und 2006 wurden vier V3A-93 mit niederflurigem Mittelteil gebaut, um einen barrierefreien Einstieg zu ermöglichen. Der letzte V3A-93 wurde im Jahr 2007 gebaut. Alle Triebwagen der Typen V2A, V2A-2S, V3A und V3A-2S (außer Nummer 205) werden von zwei Reihenschluss-Gleichstrommotoren mit einer Nennleistung von je 120 Kilowatt angetrieben. mini|Wagen 246 des Typs FAUR V3A-93M auf der Linie 32. 1995 wurden die Baupläne des Modells V3A-93 an das Unternehmen Electroputere nach Craiova geschickt. Electroputere stellte die Wagen mit den Nummern 358 und 359 her. Weil die U.R.A.C. mit dem Ergebnis nicht zufrieden war, begann im Jahr 1995 die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen FAUR, einem in Bukarest ansässigen Schienenfahrzeughersteller. FAUR produzierte zwischen 1995 und 2004 52 Wagen, die als V3A-93M bezeichnet werden und Ergebnis der Änderung des Projekts V3A-93 durch FAUR waren.